Sport
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03.06.2014; Luzern; Fussball - WM 2014 Vorbereitungsspiel - Schweiz - Peru;
SFV-Zentralpräsident Peter Gilliéron (M) stellt Bundesrat Ueli Maurer (R) Vladimir Petkovic vor
(Urs Lindt/freshfocus)

Peter Gilliéron (Mitte) stellt Bundesrat Ueli Maurer (Rechts) Vladimir Petkovic vor.
Bild: Urs Lindt/freshfocus

SFV-Verbands-Chef Gilliéron im Interview: «Ab dem Viertelfinal ist alles offen. Wir wollen auch einmal Fussball-Geschichte schreiben»

Verbands-Chef Peter Gilliéron spricht im Interview mit der Sportinformation über die bemerkenswerte Konstanz der Schweizer Nationalmannschaft in Qualifikations-Perioden und erklärt, weshalb er der Equipe einen EM-Viertelfinalvorstoss zutraut.



Von den letzten sieben Endrunden hat die Schweiz sechs erreicht. Wie stufen Sie diese Bilanz ein?
Peter Gilliéron: «Ich werte diesen Fakt als Belohnung für die sehr gute Nachwuchsförderung an der Basis in den Klubs und auch auf Verbandsebene. Wir leisten auf der angesprochenen Stufe seit Jahren konsequente Aufbauarbeit.»

«Bei unserer vergleichsweise geringen Einwohnerzahl können wir es uns nicht leisten, auch nur ein Talent zu übersehen»

Peter Gilliéron

Strahlen die Ergebnisse international aus?
«Unser Modell wird inzwischen tatsächlich auch im Ausland breit anerkannt. Kollegen anderer Verbände bestätigen mir gegenüber immer wieder, dass sie die Schweiz unmittelbar hinter den Big Five einstufen würden. Sie registrierten, dass wir in den Qualifikationen ein hohes Mass an Konstanz erreicht haben.»

Was wird nötig sein, um auf der aktuellen Flughöhe bleiben zu können?
«Stillstand wäre bereits ein Rückschritt. Wir müssen die Ausbildung der Junioren noch intensivieren. Wir versuchen ja bereits, die Talente noch früher zu erfassen, ihr Potenzial mit Blick auf die Zukunft richtig einzuschätzen. Bei unserer vergleichsweise geringen Einwohnerzahl können wir es uns nicht leisten, auch nur ein Talent zu übersehen.»

Swiss players celebrates after  during the UEFA EURO 2016 qualifying group E soccer match Switzerland against San Marino, at the AFG Stadium in St. Gallen, Switzerland, on Friday, October 9, 2015. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Die Schweizer Fussball-Nati: Eine Mannschaft mit Charakter.
Bild: KEYSTONE

Wie taxieren Sie die Gegenwart? Wie werten Sie die erfolgreiche EM-Kampagne?
«Wir sind sehr schlecht gestartet. Zum einen stimmten die ersten zwei Resultate nicht, zudem war der Auftakt gegen England spielerisch bestimmt keine Offenbarung. Für den Charakter der Mannschaft spricht dann aber die Fähigkeit, sich unter Druck richtig zu verhalten. Ich meine damit nicht nur die Serie nach den Startniederlagen, sondern auch die Wenden in Litauen (2:1 nach 0:1) und gegen Slowenien (3:2 nach 0:2). Es ist eine Stärke dieser Equipe, in heiklen Situationen angemessen reagieren zu können.»

Wie würden Sie das Team generell charakterisieren?
«Gelegentlich werden die multikulturellen Aspekte im Zusammenhang mit unserer Auswahl infrage gestellt. Ich vertrete eine andere Auffassung, mir gefällt die Zusammensetzung. Für mich ist der internationale Hintergrund der Mannschaft etwas Schönes, etwas Positives, das unsere Gesellschaftsstruktur sehr gut widerspiegelt. Mir fällt auf, wie gut und solidarisch die Gruppe zusammenarbeitet, wie ausgeprägt der Teamspirit ist. Mir imponiert auch, wie offen sie Dialoge führt.»

Ihr Coach Vladimir Petkovic spricht von einer «schwierigen, aber reizvollen» Mannschaft. Oder steckt einfach mehr Dynamik in ihr als in früheren Ausgaben?
«Vergleiche sind schwierig. Die Jungen sind kecker, selbstsicherer. Denken Sie an Granit Xhaka, der noch sehr jung ist, aber bereits klare Ziele verfolgt, selbstbewusst auftritt, seinen Ehrgeiz nicht verheimlicht. Hackordnungen waren früher vermutlich wichtiger. Neue kommen womöglich einfacher an.»

09.10.2015; St.Gallen; Fussball EM 2016 Qualifikation - Schweiz - San Marino; Granit Xhaka (SUI); (Steffen Schmidt/freshfocus)

Keck und selbstsicher: Granit Xhaka gehört zu der neuen Garde der jungen, frechen Spieler.   
Bild: Steffen Schmidt/freshfocus

Xhaka will an jeder Endrunde den Final erreichen. Ihre Zielsetzung dürfte etwas moderater ausfallen.
«Die Gruppenphase müssen wir meiner Meinung nach überstehen. Und im Prinzip müssten wir jetzt auch einmal einen Achtelfinal gewinnen. Ab dem Viertelfinal ist alles offen. Wir wollen auch einmal Fussball-Geschichte schreiben.»

Im Fokus steht ab sofort die EM – und ein zweites grosses Thema: Wie geht es nach der Endrunde weiter? Wann diskutieren Sie mit Ihrem Coach über eine mögliche Vertragsverlängerung?
«Wir werden sicher mit ihm sprechen. Es braucht ein Ja von beiden Seiten, von ihm und auch von uns. Wir werden uns in den Gesprächen finden, ich sehe eigentlich keine grösseren Probleme oder Hindernisse. Unser Plan war immer, nach geschaffter EM-Qualifikation in aller Ruhe und ohne Hast zusammenzusitzen und die gemeinsame Zukunft zu erörtern. Und im Übrigen möchte ich klar festhalten, dass wir mit dem Coach auch in den vergangenen Monaten immer wieder im Dialog waren.»

«Ich wäre sogar überrascht, würde er nicht weitermachen wollen»

Gilliéron über Petkovic

Das geforderte Ziel ist erreicht, die EM-Qualifikation ist geschafft. Die harten Faktoren sind bekannt. Die Grundlage für ein Commitment pro Petkovic wäre doch eigentlich vorhanden?
«Die sportliche Bilanz ist bekannt, das ist so. Es wird nun wichtig sein, die gemeinsame Basis zu finden. Ich blicke diesen Gesprächen positiv entgegen.»

Welche Signale haben Sie von Petkovic selber empfangen?
«Ich habe nie den Eindruck gewonnen, dass er lieber nicht weitermachen würde. Oder anders formuliert: Ich wäre sogar überrascht, würde er nicht weitermachen wollen.»

Bis wann will der Verband in dieser Causa Klarheit schaffen?
«Ich möchte weder Fristen noch Ziele veröffentlichen. Wir werden uns in den nächsten Wochen mit diesem Thema beschäftigen. Wir haben Zeit. Ich will ja auch nicht ständig dazu befragt werden.»

Swiss head coach Vladimir Petkovic celebrates after during the UEFA EURO 2016 qualifying group E soccer match Switzerland against San Marino, at the AFG Stadium in St. Gallen, Switzerland, on Friday, October 9, 2015. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Petkovic mit seinem Trainerstab nach der erfolgreichen EM-Quali.
Bild: KEYSTONE

Wie gross ist Petkovics Anteil am guten Gesamtergebnis?
«Wenn ein Coach scheitert, ist er oft allein schuld daran. Bei der positiven Variante gilt der Umkehrschluss. Er stellt das Team ein und auf. Er hat uns an die Endrunde geführt.»

Ist die Mannschaft weiter als vor einem Jahr? Hat Petkovic die Entwicklung beschleunigt?
«Manchmal muss man auch ein bisschen untendurch gehen, um einen nächsten Schritt zu machen. Sie ist reifer, sie besitzt ein Jahr mehr Erfahrung. In Frankreich steht dann die grosse Prüfung an. Dort kann sie zeigen, was in ihr steckt.»

Petkovic monierte schon mehrfach die skeptische Haltung gewisser Beobachter. Verstehen Sie ihn?
«Nach meinem Geschmack waren die Kommentare mit zu viel Wenn und Aber gefärbt, die Vorbehalte überwogen plötzlich. Die allgemeine Wertung enttäuschte mich ein Stück weit. Natürlich gibt es Punkte, die in der Analyse kritisch begutachtet werden müssen. Es gäbe durchaus Gründe, sich auch ein bisschen zu freuen. Wir haben uns immerhin für eine Endrunde qualifiziert.» (si)

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«Steini» ballert an die eigene Latte – und Basel wirft ManUnited aus der Königsklasse

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