Sport
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Sevillas Argentinier Luciano Vietto jubelt mit seinem französischen Teamkollegen Wissam Ben Yedder. Bild: EPA/EFE

Jetzt also auch in der Primera Division: Sevilla spielt als erstes spanisches Team ohne Spanier

19.09.16, 16:07 19.09.16, 17:14


Nun ist es also auch in der Primera Division passiert: 21 Jahre nach dem Bosman-Urteil und der damit verbundenen Auflösung der Ausländer-Beschränkung im Fussball hat auch in der letzten der fünf grossen Ligen Europas eine Mannschaft ein Spiel mit lauter ausländischen Spielern begonnen. 

Sevilla-Coach Jorge Sampaoli – seinerseits Argentinier – nominierte beim 1:1 gegen die SD Eibar keinen einzigen Spanier in seine Startelf, stattdessen setzte er auf vier seiner argentinischen Landsleute, auf drei Franzosen und je einen Brasilianer, einen Japaner, einen Portugiesen und einen Italiener.

bild: watson

Sampaolis Pläne wurden aber bereits nach 14 Minuten durcheinander gewirbelt. Der französische Innenverteidiger Adil Rami musste verletzt ausgewechselt werden, mit Sergio Escudero kam ein Spanier. Auch die beiden weiteren Einwechselspieler waren später Einheimische.

Der Bann in Spanien ist – anders als in der Schweiz, wo noch kein Team komplett ohne Schweizer angetreten ist – aber dennoch gebrochen. Es hat nur etwas länger gedauert als in den anderen vier grossen europäischen Ligen ...

Premier League

Es verwundert nicht: Zum ersten Mal wird in der Premier League eine Mannschaft aus elf Söldnern aufs Feld geschickt. Chelsea-Trainer Gianluca Vialli stellt am Boxing Day 1999 gegen Southampton die erste «Foreign Starting XI» der Fussball-Geschichte auf. Allerdings nicht ganz freiwillig: Wegen einer Grippe fehlten die beiden englischen Stammkräfte Chris Sutton und Dennis Wise.

bild: watson

Die Chelsea-Startelf gegen Southampton: Ed De Goey (Holland); Albert Ferrer (Spanien), Frank Leboeuf (Frankreich), Emerson Thome (Brasilien), Dan Petrescu (Rumänien), Celestine Babyaro (Nigeria), Gus Poyet (Uruguay), Didier Deschamps (Frankreich), Roberto Di Matteo (Italien), Gabriele Ambrosetti (Italien), Tore André Flo (Norwegen).

Ziemlich genau 10 Jahre später – am Tag vor Silvester 2009 – kam es beim Duell zwischen Portsmouth und Arsenal (1:4) dann zum ersten Premier-League-Duell, bei dem keiner der 22 Spieler, die von Anfang an dabei waren, einen englischen Pass hatte.

Auch spannend: Zum letzten Mal bestritt 1999 eine Mannschaft ein Spiel mit lauter Engländern im Kader. Aston Villa verlor ohne ausländische Verstärkung gegen Coventry City aber mit 1:4.

Bundesliga

Als erstes deutsches Team verzichtete Energie Cottbus im April 2001 auf komplett einheimische Kräfte. Doch nicht nur das: Beim 0:0 gegen den VfL Wolfsburg stammten auch die drei Einwechselspieler der «Lausitzer» aus der Fremde. Auf die Frage, in welcher Sprache er seiner Multikulti-Truppe Anweisungen gebe, antwortete Trainer «Ede Geyer» grinsend: «In Rumänisch.» Immerhin einer hätte ihn so verstanden ...

Nach der Partie hagelte es für Cottbus viel Kritik: Die Ausländer würde den jungen Deutschen den Platz wegnehmen, so der Tenor. Die Antwort aus dem Osten folgte auf dem Fuss. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel habe man gar nicht die Chance, junge deutsche Perspektiv-Spieler zu verpflichten, monierte Geyer damals – und hatte damit nicht ganz Unrecht ...

bild: watson

Die Cottbus-Startelf gegen Wolfsburg: Tomislav Piplica (Bosnien), Rudi Vata (Albanien), Faruk Hujdurovic (Bosnien), 17 Janos Matyus (Ungarn), Laurentin Reghecampf (Rumänien), Moussa Latoundji (Benin), Vasile Miriuta (Ungarn), Bruno Akrapovic (Bosnien), Andrzej Kobylanski (Polen), Franklin Bitencourt (Brasilien), Antun Labak (Kroatien).

Ligue 1

Etwas länger dauerte es, bis in Frankreich ein Team ohne einheimischen Spieler auflief. Bei Olympique Marseille gegen AJ Auxerre war es am 8. August 2003 dann soweit: Marseille siegte ohne Franzosen mit 1:0, unter den elf Legionären war der damalige Schweizer Nationalspieler Fabio Celestini.

bild: watson

Die Marseille-Startelf gegen Auxerre: Vedran Runje (Kroatien), Abdoulaye Méïté (Elfenbeinküste), Habib Bèye (Senegal), Daniel Van Buyten (Belgien), Stepan Vachousek (Tschechien), Sylvain N'Diaye (Senegal), Fabio Celestini (Schweiz), Brahim Hemdani (Algerien), Mido (Ägypten), Dmitri Sychev (Russland), Didier Drogba (Elfenbeinküste).

Serie A

Italien durfte sich bis im Februar 2006 gedulden, bis erstmals eine Mannschaft komplett auf Italiener verzichtete. Am 25. Spieltag im «Derby d'Italia» gegen Juventus Turin war bei Inter Mailand der Name (Inter ist die Abkürzung für Internazionale) auch erstmals wirklich Programm.

Nur mit Legionären verloren die «Nerazzurri» gegen den Rekordmeister allerdings mit 1:2. Inter-Torschütze war übrigens der spätere FCB-Innenverteidiger Walter Samuel. Für Juve trafen Zlatan Ibrahimovic und Alessandro Del Piero.

bild: watson

Die Inter-Startaufstellung gegen Juventus: Julio Cesar (Brasilien), Ivan Cordoba (Kolumbien), Nicolas Burdisso (Argentinien), Walter Samuel (Argentinien), Javier Zanetti (Argentinien), Dejan Stankovic (Serbien), Juan Sebastian Veron (Argentinien), Esteban Cambiasso (Argentinien), Luis Figo (Portugal), Adriano (Brasilien), Obafemi Martins (Nigeria).

Inter Mailand ist seinem Ruf auch 2010 im Champions-League-Final gerecht geworden: Als bisher einziges Team verzichteten die Italiener beim 2:0-Sieg gegen Bayern München auf einheimische Spieler. Immerhin: In der 92. Minute wurde mit Marco Materazzi dann doch noch ein Italiener eingewechselt.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 19.09.2016 20:25
    Highlight Piplica bei Cottbus ist doch Kroate, oder täusche ich mich da?
    3 0 Melden
  • Luca Brasi 19.09.2016 16:39
    Highlight Das muss man doch nicht so eng sehen. Argentinier haben sicher irgendwo einen spanischen Vorfahr und Zanetti bei Inter ist quasi auch Italiener. ;)
    18 4 Melden

Ich studiere am Undenkbaren herum: Braucht der Fussball auch Playoffs?

Nie hätte ich einen Gedanken an diese absurde Möglichkeit verschwendet. Aber beim langweiligen Bayern-Kantersieg gegen Dortmund durchfährt mich ein Geistesblitz: Was, wenn es im Fussball auch Playoffs gäbe?

Ich wollte nie Playoffs im Fussball. Meister soll das Team werden, das ein ganzes Jahr lang das beste ist. Und nicht bloss während weniger Wochen im Frühling.

Aber was, wenn so viele Ligen keine spannende Schlussphase mehr kennen? Wenn die Meister schon mit dem Blühen der Osterglocken bekannt sind? Muss man da nicht etwas ändern, um die Attraktivität zu steigern? Soll der Fairness-Gedanken der Belohnung für den besten Klub einer ganzen Saison zugunsten von mehr Spannung geopfert werden? …

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