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MUNICH, GERMANY - OCTOBER 18:  General view at  FC Bayern Muenchen service center and club shop at Bayern's training ground 'Saebener Strasse' on October 18, 2010 in Munich, Germany.  (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Der Sitz des FC Bayern München an der Säbener Strasse wird nicht Favres nächster Arbeitsort.
Bild: Bongarts

Nach Lucien Favres seltsamem Abgang bei Gladbach ist die Bayern-Türe für ihn zu

Wer wird Trainer von Bayern München, wenn Pep Guardiola den Rekordmeister verlässt? Lucien Favres Name wurde oft herumgereicht. Nach der Art und Weise, wie er Borussia Mönchengladbach verliess, ist dieses Thema durch.



Ach Fussball, du unberechenbares Spiel! Es ist September, die Bäume haben noch all ihre Blätter und doch ist schon so vieles so anders, als wir es in den Saisonvorschauen gelesen, gesehen und gehört haben. Dass Borussia Mönchengladbach als erster Bundesliga-Klub den Trainer austauscht: Nein, damit hat nun wirklich gar keiner gerechnet.

Fünf Bundesligaspiele haben die «Fohlen» absolviert, alle haben sie verloren, genauso das Champions-League-Spiel beim FC Sevilla. Nach dem 0:1 in Köln kommt Lucien Favre zum Schluss, dass er sein Team nicht mehr weiterbringen kann. Er tritt – zum Ärger seines Klubs – zurück. Favre lässt mitteilen, das Team brauche neue Impulse. Er sei nicht mehr der perfekte Trainer für Mönchengladbach.

Beinahe wie das Wembley-Tor

Das ist ein Entscheid, der Stärke suggeriert: «Seht her, ich mache alles für das Wohl des Klubs. Wenn es sein muss, opfere ich mich sogar für ihn.» Das ist die eine Sichtweise. Die andere ist: Hier ist ein Klub, der den Trainer bedingungslos stützt und willens ist, mit ihm durch die sportliche Krise zu gehen. Und hier ist ein Trainer, der darauf pfeift, der Klubführung und Spieler überrumpelt, sie im Stich lässt. 

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Die Fussballwelt ist sich über Favres Entscheid so uneinig, wie sie es wahrscheinlich zuletzt 1966 war, als Geoff Hurst im WM-Finale im Wembley in der Verlängerung an die Unterkante der Latte schoss und es nicht klar war, ob der Ball tatsächlich hinter der Linie war, als er von dort auf den Boden klatschte.

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1966: Drin oder nicht?
gif: Christopher Hitchens

Ein akribischer, detailverliebter Arbeiter

Lucien Favre ist nicht irgendein Trainer. Die Jury des Fachmagazins 11 Freunde hat ihn letzte Saison, als er Borussia Mönchengladbach nochmals weiterbrachte, bis auf Platz 3 und damit in die Champions League coachte, zum Trainer der Saison gewählt.

Favre ist ein Trainer, der weit über den Rasen hinaus denkt. In der Sommerpause las er den Beststeller «Darm mit Charme». Er habe das Buch über Ernährung und Verdauung gekauft, weil er gedacht habe, er könne seinen Spielern vielleicht etwas Wichtiges zu dem Thema sagen. So tickt der 57-Jährige. «Wenn du willst, kannst du lernen, bis du tot bist. Ich habe jeden Tag Spass daran, mich zu entwickeln», sagte Favre vor der Saison. Favre sei so oft als akribisch betitelt worden, konstatiert heute die «Rheinische Post», dass der Eindruck habe entstehen können, seine Amtskollegen hätten es nicht so mit Details.

Jahr für Jahr wurden ihm die besten Spieler weggekauft, er baute mit neuen Akteuren wieder ein erfolgreiches Team. Doch nun ist Favre zum Entschluss gekommen, dass ihm das mit diesem Kader nicht mehr gelingt. «Seine Mannschaften haben sich immer weiterentwickelt», lobte Weltmeister-Trainer Jogi Löw in seiner Laudatio über den «Trainer des Jahres». Nun ist der Romand damit gescheitert – weil er sich selber nicht mehr die Möglichkeit gab, den enttäuschenden Saisonstart zu korrigieren.

BREMEN, GERMANY - MAY 16:  Head coach Lucien Favre of Moenchengladbach looks on prior to during the First Bundesliga match between SV Werder Bremen and  Borussia Moenchengladbach at Weserstadion on May 16, 2015 in Bremen, Germany  (Photo by Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images)

Favre, der Zweifler: Er wird oft als allzu pessimistischer Trainer wahrgenommen.
Bild: Bongarts

Das Gegenteil von «Mia san Mia!»

Es ist dieser Fakt, der dafür sorgen wird, dass Lucien Favre nicht Trainer bei Bayern München wird. Dort, so heisst es, wird Pep Guardiola vermutlich nur noch diese Saison arbeiten, und Favre galt schon längst als einer der Kronfavoriten auf seine Nachfolge. Nun aber gilt: Ein Trainer, der nach sechs Niederlagen nicht mehr an sich glaubt? Unvorstellbar bei den Bayern, nicht konform mit der «Mia-san-Mia»-Haltung des Rekordmeisters.

Überspitzt formuliert entspricht der Druck nach sechs Niederlagen im beschaulichen Mönchengladbach etwa dem Druck einer Niederlage beim «FC Hollywood» in München. Damit muss man klar kommen. Favre kann es offenbar nicht. Er hat Hertha Berlin in die Champions League geführt, er hat dies mit Borussia Mönchengladbach wiederholt. Er hat in der Bundesliga zwei Mal aus einer schwachen Mannschaft ein Top-Team geformt. Dass er auch in der Lage ist, ein Team, das bereits an der Spitze ist, noch besser zu machen, das wird nun bezweifelt.

Lucien Favre hat den Karren an die Wand gefahren und dann Fahrerflucht begangen – das ist der Eindruck, der von seinem Abschied aus Gladbach haften bleiben wird. Das ist genauso schade wie die Tatsache, dass er nun nicht als erster Schweizer Trainer von Bayern München werden wird. Und sollte ich mich irren, dann verweise ich gerne auf meinen Anfangssatz: Ach Fussball, du unberechenbares Spiel!

epa04482866 Dortmund's coach Juergen Klopp (R) and Moenchengladbach's coach Lucien Favre (L) greet each other before the German Bundesliga soccer match between Borussia Dortmund and Borussia Moenchengladbach at Signal Iduna Park in Dortmund, Germany, 09 November 2014.  EPA/BERND THISSEN  (EMBARGO CONDITIONS - ATTENTION: Due to the accreditation guidelines, the DFL only permits the publication and utilisation of up to 15 pictures per match on the internet and in online media during the match.)

Favre und Klopp: Nur noch einer der beiden ist potenzieller Guardiola-Nachfolger beim FC Bayern München.
Bild: EPA/DPA

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 21.09.2015 19:48
    Highlight Highlight Echt schade, ich als Bayern Fan habe gehofft, dass er Guardiola ersetzt. Aber mit diesem negativen Abgang hat ers leider versaut... Als Bayern Trainer stehst du permanent unter Druck und dem ist er wie man jetzt sieht nicht gewachsen. Jetzt können wir noch auf Klopp hoffen...
  • Jol Bear 21.09.2015 17:34
    Highlight Highlight Der FC Bayern als Traumdestination und Krönung einer jeden Trainerkarriere? Ich meine, dass es viele gute Gründe gibt, dieses Dogma zu hinterfragen.
  • Marco Stäger 21.09.2015 13:35
    Highlight Highlight Klopp ging ja auch nach einer schwachen Phase "SAISON" beim BVB weil er keine neuen Inpute geben konnte. Man sollte Favre nicht so schlecht reden, jedem Team tut ein neuer Trainer nach einer gewissen Zeit gut. Würde z.B. bei Arsenal auch gut tun.
    das ist meine Meinung.
  • Marcs 21.09.2015 13:31
    Highlight Highlight Ein Sportchef der vor jeder Saison die Leistungsträger im Konzept Favre verkauft ist schlicht unfähig. Favre's Reaktion ist konsequent brillant!
  • jk8 21.09.2015 12:41
    Highlight Highlight Schon ein wenig unüberlegt, zu behaupten, Wer nicht an sich glaubt wird nicht Bayern Trainer. Dass Favre bei Gladbach gegangen ist, heisst nicht, dass er nicht an seine Trainer-Qualitäten glaubt, sondern dass er weiss, wann es Zeit ist, Gladbach der nächste Ära zu übergeben. Das ist auch in München keine Schwäche. Das Talent von Favre ist den Sammer & CO nach wie vor bewusst.
    (Sorry, ein bisschen viele Kommas)
  • Fab_@ 21.09.2015 12:36
    Highlight Highlight warum sind alle gegen favre... kann die diskussion um ihn nicht ganz nachvollziehen... sein schritt zeichnet ihn viel mehr noch weiter aus... er ist ein trainer der genau weis was er tut und mit feige hat sein schritt rein gar nichts am hut... bleibt für mich einer der besten trainer in europa...
  • Lutz Pfannenstiel 21.09.2015 12:25
    Highlight Highlight Träfe Analyse, sehe ich genau so. Ein kleines Detail - die Hertha hatte er auf (den sensationellen) Platz 4 geführt, aber nicht in die CL.
  • 8004 Zürich 21.09.2015 10:19
    Highlight Highlight Ich bin hin- und hergerissen, mit Hang zum "Schwacher Abgang". Bloss: Favre hat in seiner Karriere mehr richtige als falsche Entscheidungen getroffen. Sein Gespür zeichnete ihn aus. Und er war näher an der Situation dran, als jeder sonst. Während die "Starker-Abgang-Fraktion" einfach die Grösse herausstreicht, Fehler einzugestehen (das ist kein sportlicher Leistungsausweis), tun die Kritiker so, als ob eine Besserung der Situation unumgänglich gewesen wäre, wenn Favre weitergemacht hätte. Und das ist das Bittere: Auch wenn es die rein sportlich beste Lösung ist - darum wird sich die Debatte nie drehen.
  • Der Bademeister 21.09.2015 09:33
    Highlight Highlight Feige oder nicht.Um bei den Bayern Trainer zu werden hätte Favre die Krise durchstehen müssen.
  • mrgoku 21.09.2015 09:13
    Highlight Highlight absolut feige aktion. was soll die Story mit "erreiche das Team nicht mehr"? vor 2 Monaten noch eine der besten Saisons aller Zeiten hingehauen und weil jetzt ein tief da ist gleich alles hinschmeissen? absolut traurig sowas... charakterlos meiner Meinung nach... vor allem wenn er ja mehrmals bewiesen hat dass er das kann!
  • Santale1934 21.09.2015 09:12
    Highlight Highlight Favre als Feigling zu bezeichnen ist einfach und eine Frechheit. Favre ist ein grosser Trainer, der auch den Mut besitzt, das Ende einzusehen wenn es soweit ist. Auch wenn ich es sehr schade finde und der Meinung bin, dass es eig. nur einen Trainer gibt, der meine geliebte Borussia aus der Krise führen kann...und das ist Lucien Favre.
    Man sollte Lucien eher respekt zollen für seine Leistungen und Erfolge die er erzielt hat, anstelle davon ihm Feigheit zu unterstellen, obwohl man seine richtigen Beweggründe und Gedanken gar nicht kennt...das nenne ich schwach, nicht den Abgang von Favre.
  • Schreiberling 21.09.2015 08:49
    Highlight Highlight Sich als Trainer einzugestehen, dass man die Mannschaft nicht mehr erreicht und seiner eigenen Meinung nach nichts mehr bewirken kann, das braucht Mut. Nur schon deshalb ist der Abgang von Favre nicht feige.

    Ob es dennoch der richtige Entscheid gewesen ist, sie hier mal dahingestellt.
  • maxi 21.09.2015 08:30
    Highlight Highlight Der Mythos Borussia ist bei der Fohlenelf schon lange weg. Er existiert noch bei der anderen, der richtigen, Borussia!

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