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Yann Sommer: Der Keeper kann zur Schlüsselfigur an der EM 2016 werden.
Bild: freshfocus

Yann Sommer über Nati-Kritiker: «Einige Leute warten regelrecht auf einen Fehltritt»

Vor seiner ersten Endrunde als Nummer 1 setzt sich Yann Sommer intensiver denn je mit den Strömungen rund um das Nationalteam auseinander. Der Leader im Tor will eine positive Dynamik auslösen.

01.06.16, 18:07 02.06.16, 07:36


In Mönchengladbach genoss der Schweizer das Vertrauen des engeren Umfelds fast vom ersten Tag an. Borussia-Unikat und Goalietrainer Uwe Kamps brachte die Wertschätzung im vorletzten Herbst kurz und knapp auf den Punkt: «Dass kaum mehr jemand von Marc-André ter Stegen redet, spricht für Yann.»

66 Bundesligaspiele und zwei Top-4-Klassierungen hat der frühere Basler Meister-Keeper inzwischen vorzuweisen. Der forsche Aufwärtskurs der Gladbacher gefällt ihm, die bedingungslose Identifikation sei imponierend. «Der Hunger nach Erfolg ist in jeder Minute spürbar, die Fans zeigen, wie sehr sie die Siege geniessen. Sie saugen alles auf.»

Yann Sommer: Dirigiert von ganz hinten.
Bild: EPA/KEYSTONE

Sommer: «Sehr vieles wurde in der Nati richtig gemacht»

Eine ähnliche Konstellation würde sich Sommer auch im Schweizer Nationalteam wünschen. Ihm fehlt bei den Beobachtern der SFV-Auswahl teilweise der positive Ansatz. Nach missratenen Spielen wie gegen Irland (0:1) oder Bosnien-Herzegowina (0:2) gebe es nichts zu beschönigen, aber die Haltung, ohne zu relativieren alles infrage zu stellen, goutiert Sommer nicht.

«Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass es Leute gibt, die regelrecht auf einen Fehltritt warten», mutmasst Sommer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Die teilweise erhebliche Skepsis gegenüber der Nationalmannschaft kann er sich nicht erklären; zumal sie seit 2004 nur die EM 2012 verpasst habe. «Sehr vieles wurde richtig gemacht, und der Weg stimmt – das sah man gegen Belgien

«Doppelbürger wollen niemanden enttäuschen.»

Sommer über die schwierige Situation von Xhaka

Erwartet die Öffentlichkeit generell zu viel? Gibt es womöglich Defizite in der Aussendarstellung? Sommer zuckt mit den Schultern. «Ich weiss es nicht, vielleicht bin ich in Deutschland zu weit entfernt.» Womöglich sei ein Sondereffort nötig, um die Zuschauer aus der Reserve zu locken: «Vielleicht müssen wir neben dem Platz noch mehr Werbung in eigener Sache machen.»

Gas geben und trotzdem locker bleiben und auch noch filmen: Yann Sommer.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Wobei: Abseits der Zentren wurden die EM-Teilnehmer überaus freundlich empfangen. In Genf beispielsweise empfand Sommer die Stimmung im Stadion als toll. Und im SFV-Camp im Tessin «ist die Euphorie und Begeisterung sogar deutlich spürbar», betont Sommer.

Respekt vor Xhakas Commitment

In der schwierig zu interpretierenden öffentlichen Wahrnehmung spielen verschiedene weiche und harte Faktoren eine Rolle. Politisch heikle Debatten um die Migrationshintergründe einzelner Nationalspieler sind unberechenbar. Sommer äussert sich in diesem Zusammenhang zurückhaltend: «Für Doppelbürger ist die Situation manchmal schwierig, sie wollen ja niemanden enttäuschen.»

«Petkovic leistet erstklassige Arbeit.»

Yann Sommer

Das unmissverständliche Commitment von Granit Xhaka, auch nach der UEFA- und FIFA-Aufnahme der Republik Kosovo weiterhin für die Schweiz zu spielen, deutet Sommer als gutes Zeichen. «Für ihn war die Kosovo-Thematik wohl belastender als die Spekulationen um seinen Wechsel zu Arsenal. Er wird mit einem freien Kopf zur EM fliegen – davon profitieren alle.»

Xhakas eindeutige Kommunikation zu Gunsten des Schweizer Nationalteams fasst Sommer als Schritt in die gewünschte Richtung auf: «Das tut der Mannschaft gut.» Er denkt dabei an den Spirit, an das gemeinsame Ziel, an die Vorgabe des Trainers, alles der Endrunde in Frankreich unterzuordnen, persönliche Interessen zurückzustellen.

Der Keeper ist weit mehr als der im deutschen Fussball-Sprachgebrauch übliche Schlussmann, Sommer ist im Prinzip ein Frontmann, einer der im engsten Teamkreis mitbestimmt, der ein Gefüge mitorchestriert. Deshalb überrascht es nicht, wenn er sagt, «ab sofort ist die Nationalmannschaft das Hauptthema. Jene, die schlechte Momente hatten, muss man komplett integrieren und aufbauen, ihnen Power geben.»

Vladimir Petkovic macht in den Augen von Yann Sommer sehr vieles richtig.
Bild: KEYSTONE

Das klare Wort

Er schweift gedanklich in diesen Tagen ab und zu an die EM-Endrunde mit der U21 zurück. 2011 führte er das Team als Captain in den Final und an die Olympischen Spiele. Die Erinnerungen sind nicht verblasst: «Wir sahen dort, welche krasse Dynamik an einem Turnier entstehen kann, wenn jeder Spieler alles unternimmt, um die Mannschaft anzutreiben.»

Sommer denkt, die aktuelle Equipe sei gut genug aufgestellt, um eine vergleichbare Ambiance zu erzeugen. Dazu gehört für ihn auch der Trainer Vladimir Petkovic: «Er leistet im sportlichen wie auch im zwischenmenschlichen Bereich erstklassige Arbeit.» Alle seien bereit, Mitte Juni zuzupacken. Ein entschlossener Torhüter, ein klares Wort. (sda)

Eis, zwöi, drü: Schweizer Nati-Stars wagen sich auf die Rodelbahn

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • fabianhutter 02.06.2016 09:19
    Highlight Die schweizer Nati hat einfach zu wenig echte Fans...

    Ich stehe hinter unserer Nati,
    ob sie gewinnen oder verlieren,
    ob die Spieler Sympatieträger oder Arschlöcher sind,
    ob ich den Trainer mag oder nicht,
    ob die Spieler die Nationalhymne singen oder nicht,
    ob die Spieler Lichtseiner und Schär oder Xhaka und Shaqiri heissen.

    Man muss nicht alles gut finden, aber als Fan unterstützt man die Mannschaft trotzdem.
    4 1 Melden
  • Hopper 01.06.2016 22:58
    Highlight Es ist wie vor jedem Turnier, aktuell habe ich das Gefühl, die Nati sei mir egal - doch dann fiebere ich trotzdem von Minute 1 an voll mit und hoffe auf den Sieg - so wird es doch bei vielen sein..
    40 1 Melden
  • Nosgar 01.06.2016 20:05
    Highlight Die meisten fiebern doch mit der Nati mit. Blick- und 20min-Kommentarschreiber sind laut, aber glücklicherweise längst nicht repräsentativ.
    73 9 Melden
    • 's all good, man! 01.06.2016 20:41
      Highlight Manchmal werde ich den Eindruck nicht los, dass viele das Gefühl haben, es gehöre so ein bisschen zum guten Ton, wenn man über die Nati ablästert. So ein bisschen »macht man halt so, also mach ich da jetzt auch mal mit«.
      57 7 Melden
  • freddy.k 01.06.2016 19:32
    Highlight Naja, aber das hat sicher auch mit den Medien zu tun. Andere Nationen sind schon froh an so einer Endrunde dabei zu sein. Die Fans Unterstützen die Mannschaft dementsprechend und feiern sie unabhängig vom Resultat. Aber bei uns liest man schon bevor ausgelost wurde, dass diese Mannschaft die Gruppenphase überstehen muss. So ähnlich war es ja an der Eishockey-WM.
    29 4 Melden
    • 's all good, man! 01.06.2016 20:46
      Highlight Nun gut, eine gesteigerte Erwartungshaltung ist aber durchaus berechtigt mittlerweile. Der CH-Fussball hat in den letzten 20, 30 Jahren enorme Anstrengungen unternommen und die Jugendförderung entscheidend um- und ausgebaut. Das hat sich in guten Resultaten niedergeschlagen und zeigt sich auch in einer noch nie dagewesenen hohen Zahl an Spielern in ausländischen Topligen. Die Qualität ist definitiv besser geworden und da kann man auch mal mehr erwarten als die blosse Qualifikation für ein grosses Turnier. In den 1980ern und 90ern mag das noch so gewesen sein - heute ist das definitiv anders.
      26 2 Melden
    • Amboss 01.06.2016 21:08
      Highlight @man: Diese Erwartungshaltung wie du schreibst, ist sicher da. Ich bin aber der Meinung, dass sie nicht berechtigt ist.
      Es spielen zwar fast alle Spieler in den besten Ligen der Welt.
      Aber sie sind da bis auf wenige Ausnahmen nur durchschnittliche Spieler oder auch nicht gesetzt.

      Und viele andere, auch "kleinere" Nationen sind ähnlich stark besetzt.

      Ich bin deshalb der Meinung: Die Quali zur Endrunde ist Pflicht. Mehr aber nicht. Achtelfinale oder ga weiter darf aber nicht erwartet werden.
      20 3 Melden
    • AJACIED 02.06.2016 00:08
      Highlight Ja ok Plicht ist es nicht unbedingt. Möchte die Schweiz mal in einer Gruppe sehen mit Türkei, Island und Tschechien.
      In den letzten Jahren hatte die CH immer maximal einen Konkurrenten der sicher besser war. Der Rest war noch "easy"
      5 5 Melden
    • Mett-Koch 02.06.2016 02:50
      Highlight Klar ist die Qualität besser geworden, ist auch zu hoffen. Überall wurde die Qualität besser, oder wie sonst hätten es Österreich und Island geschafft, sich zu qualifizieren?
      Ich hoffe einfach auf gute Spiele der Nati, egal ob's über die Gruppenphase hinaus reicht oder nicht...
      7 3 Melden
    • Amboss 02.06.2016 07:36
      Highlight @ajacied:
      Naja Pflicht: Ich denke, man muss schon unterscheiden zwischen EM und WM-Quali.
      Bei einer WM-Quali ist es schon einigermassen schwierig, und gegen einen Gruppenzweiten die Barrage zu verlieren, auch das kann vorkommen.
      Aber für die EM: Da ist es Pflicht. Gruppendritter werden und Barrage gegen anderen Gruppendritten zu gewinnen, dies ist definitiv Pflicht

      Nebenbei:
      Ist eine Gruppe mit Island, Türkei, Tschechien und der Schweiz möglich?

      3 0 Melden
  • Radiochopf 01.06.2016 19:14
    Highlight Wo er Recht hat, hat er Recht... Werden sie Gruppensieger, gibt es sofort Euphorie und alle haben es ja gewusst.. Scheiden sie in der Vorrunde aus, haben es auch alle sowieso gewusst... Richtig objektive Meinungen über die Nati gibt es selten zu hören/lesen...
    74 6 Melden

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