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epa06337604 FC Barcelona's Brazilian player Jose Paulo Becerra 'Paulinho' celebrates after scoring the 0-3 goal against Leganes during their Spanish Primera Division League soccer match at the Butarque stadium in Leganes, Madrid, Spain, 18 November 2017.  EPA/KIKO HUESCA

Seit drei Monaten im Verein. Da darf man auch mal das Teamlogo küssen essen. Bild: EPA/EFE

«Vom Gespött zum Idol» – wie Paulinho Barça erobert und Cristiano Ronaldo blamiert

40 Millionen Euro überwies Barcelona im Sommer nach China für einen Spieler, dessen Anlagen so gar nicht zum Kurzpassspiel der Katalanen passen. Die Welt lachte. Zehn Wochen später sind die Kritiker nicht nur verstummt, sie spenden Paulinho gar Standing Ovations – schon bei der Einwechslung.



Stell dir vor, du verkaufst deinen getunten neuen Ferrari und kaufst dir mit einem Teil des Geldes einen alten Ford Focus. Etwa so fühlten sich die Barça-Fans vermutlich im Sommer, als Neymar verkauft und zwei Wochen später Paulinho geholt wurde.

epa06148293 FC Barcelona's President Josep Maria Bartomeu (L) poses next to club's new Brazilian midfielder Jose Paulo Bezerra 'Paulinho' during his presentation at the Camp Nou stadium, in Barcelona, Spain, 17 August 2017. Paulinho, from Chinese Guangzhou Evergrande, signed a four-year contract with the team after the club paid 40 million euro.  EPA/QUIQUE GARCIA

Neymar verkauft, Paulinho geholt. Irgendwie wie: Ford Focus statt Ferrari. Bild: EPA/EFE

40 der schönen 222 Millionen praktisch zum Fenster raus geworfen, war man sich sicher. Was will Barcelona mit einem, der zuvor bei Tottenham gescheitert war und jetzt seit zwei Jahren in China bei Guangzhou Evergrande mit 29 Jahren den Vorruhestand genoss? Zudem passt Paulinhos Spielstil etwa so gut zu Barça wie Tiki-Taka zum Brügglifeld.

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Da lachte sich die Welt schlapp: Paulinho versucht bei seiner Präsentation bei Barcelona zu jonglieren. Das Video war allerdings fies geschnitten und der Brasilianer jonglierte nicht ganz so schlecht. Video: YouTube/PNL - Music

Die Kritiker sind mittlerweile verstummt. Am Wochenende erzielte Paulinho sein viertes Tor für Barça. Lionel Messi liegt in dieser Wertung natürlich vor ihm – und dank dem Doppelpack von Luis Suarez auch der Uruguayer. Aber Paulinho folgt auf Rang 3: Nicht schlecht für einen, der bei seinen elf Einsätzen nur zweimal über 90 Minuten zum Einsatz kam und sich meist mit Jokereinsätzen von unter 30 Minuten zufrieden geben muss.

Geradezu grandios liest sich seine Statistik, wenn man den Mittelfeldspieler mit Real Madrids BBC-Sturm vergleicht:

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bild: twitter

Vor allem Cristiano Ronaldo dürfte sich bei einem Blick auf diese Werte schämen. Nur einmal jubelte der Portugiese bisher in der Primera Division. Dabei schoss er bereits 55 Mal aufs gegnerische Tor. Die Kollegen von «Who Scored» haben sich am Wochenende darum auf Kosten von CR7 mit diesem Tweet amüsiert:

Ronaldo kämpft gerade mit einer seiner grössten Torflauten der letzten zehn Jahre. Hinzu kommt vom samstäglichen Duell mit Stadtrivale Atlético noch diese eine Szene, als ihn Juanfran locker abspurtete. Dass so etwas überhaupt möglich ist, hatte man sich bis dahin nicht wirklich vorstellen können. Normalerweise ist es der Portugiese, der seine Gegner alt aussehen lässt:

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Juanfran spurtet Cristiano Ronaldo ab. Video: streamable

In der oben erwähnten Szene macht es auch den Eindruck, dass Ronaldo nicht mit letzter Konsequenz zum Ball geht. Diese Zögerlichkeit belegt auch eine weitere Statistik von «Who Scored». Diese geniessen wir allerdings mit Vorsicht, weil wir nicht sagen können, wie genau da gezählt wurde. Auf jeden Fall sei Ronaldo einer von nur sechs La-Liga-Spielern, die schon mindestens 100 Minuten Einsatzzeit hinter sich haben, aber noch KEIN Tackling zeigten und KEINEN Angriff abfingen. Die anderen sind vier Torhüter und ein Ergänzungsspieler.

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Kein Tackling, kein abgefangener Angriff, aber angeblich auch noch nie im Offside gestanden: Ronaldos Bilanz bisher.

Kein Wunder ist es aktuell also eher Paulinho als Ronaldo, der von den eigenen Fans gefeiert wird. So auch bei den beiden Partien gegen Sevilla und Malaga. Beide Male erhielt er Standing Ovations als er in der Schlussphase eingewechselt wurde. «Vom Gespött zum Idol», schrieb Barças Hauszeitung «Sport» kürzlich. Und das in zehn Wochen. Auf Twitter postete ein Fan demütig: «Ich bitte Paulinho um Vergebung.»

Der neue Publikumsliebling sagt selbst: «Ich bin nicht hierher gekommen, um den Kritikern das Maul zu stopfen, sondern um der Mannschaft zu helfen.» Er gesteht aber auch: «Ich hatte ein bisschen Angst, als ich die Reaktionen auf meinen Wechsel vernahm. Aber ich gab die bestmögliche Antwort.»

Paulinhos Interview mit dem Klub-TV (spanische SimultanÜbersetzung).

Tatsächlich ist es den Kritikern nicht zu verübeln, dass sie die Nase bei einer Ablöse von 40 Millionen Euro rümpften. Paulinho steht nicht für brasilianischen Samba-Fussball, sondern ist ein Arbeiter. Der Mittelfeldmann gilt als zweikampfstark, antrittsschnell und hat Zug nach vorne, als Joker bekundet er keine Mühe, ins Spiel zu finden.

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Nein, Paulinho ist kein Ballvirtuose. Er stochert lieber, als zu zaubern. Aber vielleicht tut das Barcelona gerade gut. Video: streamable

Ans Barça-Tiki-Taka kann er sich aber erstaunlich gut anpassen. Zuletzt schlug er in der Champions League gegen Olympiakos Piräus 113 Pässe, 108 kamen an. Das sind Werte, die an Iniesta oder Xavi erinnern.

Es scheint, als fühle sich Paulinho in Katalonien pudelwohl. Endlich, ist man versucht zu sagen. Seine bisher 13 Stationen umfassen nicht nur Klubs und Ausleihen in Brasilien, sondern auch Abenteuer in Litauen, Polen und China oder eben unglückliche Abstecher wie bei Tottenham.

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Was für ein wuchtiger Kopfball! Paulinho trifft gegen Eibar. Video: YouTube/FV10comps

Und dass Paulinho nicht nur ein Mann für die «Kadertiefe» oder «starke Bank» ist, beweist er in der Nationalmannschaft. Beim souveränen Sieger der südamerikanischen WM-Quali traf er in elf Partien (meist über 90 Minuten) sechsmal und bereitete zwei Tore vor. Er ist einer der Pfeiler im Team von Tite, welcher den Rekordweltmeister wieder zum Titelfavoriten formte. Möglich, dass Paulinho Cristiano Ronaldo also auch an der WM 2018 die Show stiehlt.

Hach, wie war das schön, als die Brasilianer sich 2006 in Weggis auf die WM vorbereiteten:

Vielleicht kann Paulinho ja auch Rio de Janeiro retten

Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • mmanser 21.11.2017 08:54
    Highlight Highlight The best 😂
    Benutzer Bild
  • TurnOver87 20.11.2017 13:40
    Highlight Highlight Da läufts mal paar Monate gut für diesen Paulinho und aber über Jahre trifft CR7 am Laufmeter und gleich wird gehetzt wenns mal nicht läuft. Typisch Medien.. :)

    Ganz genau, Paulinho blamiert Ronaldo.. Das sind doch alles Momentaufnahmen von kleinen Teenagern die die Medien einfach mal so für einen Artrikel übernehmen. congrat...

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