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KIEL, GERMANY - FEBRUARY 27: Supporter of Kiel celebrate before the Third League match between Holstein Kiel and RW Erfurt at Holstein-Stadion on February 27, 2015 in Kiel, Germany.  (Photo by Joern Pollex/Bongarts/Getty Images)

Müssen die Kieler Fans im Falle eines Aufstiegs umziehen? Bild: Bongarts

Prüfstein Kiel – wieder mal machen Funktionäre viele Fussballfans hässig

Das Kieler Holstein-Stadion gehört zu den traditionsreichsten in Deutschland. Für die Bundesliga ist es zu klein – sagt die DFL. Aber sollte man den möglichen Aufsteiger deshalb zum Umzug zwingen?

11.05.18, 20:38

Peter Ahrens



Ein Artikel von

Eines steht definitiv fest: Holstein Kiel wird sein Heimspiel am Sonntag um 15.30 Uhr gegen Eintracht Braunschweig im eigenen Stadion austragen. Viel mehr allerdings weiss man nicht im Stadionstreit zwischen dem möglichen Bundesliga-Aufsteiger Holstein Kiel und der Deutschen Fussball-Liga (DFL).

Falls die Kieler sich in der Erstliga-Relegation gegen ihren bislang noch unbekannten Gegner (17. und 21. Mai) durchsetzen sollten, dürften sie ihre Heimspiele in der kommenden Saison nicht daheim durchführen. So will es zumindest die DFL, die auf Regeln pocht, nachdem ein Erstligastadion mindestens 15'000 Zuschauern Platz zu bieten hat. 8000 von ihnen sollen zudem die Möglichkeit haben, sitzen zu können. Das Holstein-Stadion hat nur eine Kapazität von 10'200 Plätzen, Sitzplätze gibt es lediglich 2404. So weit, so klar.

Holstein Kiel Holstein-Stadion

«Schmuck» ist wohl ein Wort, das für das Stadion verwendet werden kann. Bild: Wikipedia/r.bajela

Beide Bedingungen gelten auch für die zweite Liga, aber hier hat die DFL den Kielern eine Ausnahmegenehmigung erteilt – die sie für den Fall des Aufstiegs nicht erneut ausstellen will. Wenn Arminia Bielefeld zu Gast ist, ist das noch in Ordnung. Wenn Bayern München kommt, nicht mehr.

Vom eigenen Erfolg überholt

Eine Sichtweise, für die man in Kiel kein Verständnis hat. «Wenn es keine Ausnahmen für solche Ausgangslagen gibt, wird es für Vereine wie Holstein Kiel, die keinen grossen Investor im Rücken haben, unmöglich, ein Märchen wie unseres auch tatsächlich wahr werden zu lassen», sagt Holstein-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke.

Das Märchen. Damit ist gemeint, dass Holstein als Aufsteiger in die zweite Liga die direkte Durchreise in die Erstklassigkeit gelingen könnte. Als die Kieler vor einem Jahr den Aufstieg aus der dritten Liga perfekt machten, hat in Schleswig-Holstein kein Mensch daran gedacht, das Stadion für einen eventuellen Bundesliga-Aufstieg zu rüsten. Es ist sozusagen ein Fluch des Erfolgs, der die Kieler jetzt einholt. Überholt.

KIEL, GERMANY - MARCH 07:  Kiel celebrates the1:0 lead during the Third League match between Holstein Kiel and VfL Osnabrueck at Holstein-Stadion on March 7, 2015 in Kiel, Germany.  (Photo by Sascha Klahn/Bongarts/Getty Images)

3. Liga, das war einmal: Kiel feiert ein Tor gegen den VfL Osnabrück. Bild: Bongarts

Geschäftsführer Schwenke kommt eigentlich aus dem Handball, beim THW Kiel war er als Nationalspieler einer der Publikumslieblinge über viele Jahre. Er spielte dort in der Ostseehalle, die bei Handballspielen mit 10'288 Plätzen skurrilerweise ungefähr so viele Zuschauer beherbergt wie das Holstein-Stadion in der Nachbarschaft. Schwenke weist darauf hin, dass Kiel bereits für die übernächste Saison den Ausbau auf 15'000 Plätze plane, es ginge also lediglich um diese eine Spielzeit – und ob Kiel danach noch erstklassig sein würde, das ist derzeit die noch offenere Frage als die, ob Holstein überhaupt Bundesligist werden wird.

Thema Umzug ist noch tabu

Unterstützung hat Holstein seit der DFL-Entscheidung vom Dienstag jedenfalls bundesweit erfahren. In den Medien ist Holstein jetzt eine Art Sympathieträger geworden, der Druck auf die DFL hat zugenommen. Ob die Einmischung des Kieler Oberbürgermeisters Ulf Kämpfer mit dem Satz: «Ich finde, nicht wir müssen uns bewegen, diese blöde DFL muss sich bewegen», allerdings besonders hilfreich ist, wenn es gilt, mit der DFL zu verhandeln, kann man anzweifeln. Dann schon eher die Tatsache, dass Polizei und Feuerwehr Kiels der DFL versichert haben, es gebe aus ihrer Sicht keine Sicherheitsbedenken gegen Erstligaspiele im Holstein-Stadion.

Die dänische Grenze bei Flensburg ist mit dem Auto bloss eine Stunde entfernt. karte: google maps

Mit einem möglichen «Zwangsumzug» habe man sich noch nicht im Ansatz befasst, sagt Schwenke. Bisher kann man auch nicht behaupten, dass sich viele Alternativen anbieten. Ins nahe Dänemark, zum Beispiel nach Kopenhagen, darf man nicht umziehen, auch das unterbinden die Regularien, so charmant diese Idee auch wäre. Der Hamburger SV besteht auf Eigenbedarf, ligaunabhängig sozusagen, das Wort der Stunde. Der FC St.Pauli verspürt auch keine grosse Lust, das Millerntor ausgerechnet an Holstein auszuborgen, die Kieler Fanszene ist nicht unbedingt als linksalternativ bekannt. Die Lohmühle in Lübeck und Rostock wären noch Optionen, so richtig anheimelnd findet man in Kiel dies alles nicht.

Die Erfahrungen anderer Teams, die für die Bundesliga in grössere Arenen umgezogen sind, tragen auch nicht dazu bei, die Motivation für einen Ortswechsel zu heben. In Berlin erinnert man sich noch an die Bilder vom gähnend leeren Olympiastadion, in dem Blau-Weiss 90 sein Bundesligajahr absolvierte. St.Paulis Ausflüge ins ungeliebte Volksparkstadion waren auch keine Erfolgsgeschichte, 1860 München ist früher im Olympiastadion auch nie heimisch geworden. Borussia Mönchengladbach hat im Düsseldorfer Rheinstadion zwar so manches Europacupfest gefeiert, die Atmosphäre war aber nie vergleichbar mit der am engen Bökelberg.

Das Holstein-Stadion ist seit 107 Jahren die sportliche Heimat von Holstein Kiel, es gehört zu den 20 ältesten und traditionsreichsten Fussballstadien in Deutschland. Für die Fussball-Bundesliga reicht das als Argument aber nicht aus. Wahrscheinlich ist es mittlerweile sogar ein Gegenargument.

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • el heinzo 12.05.2018 17:35
    Highlight Naja, in Hamburg wird ja ein Stadion „frei“, sozusagen.
    2 0 Melden
  • Töfflifahrer 12.05.2018 06:53
    Highlight Zeigt doch einfach, dass es auch den Vetbänden schon lange nicht mehr um Fussball geht. Nur noch um Macht und Geld.
    22 2 Melden
  • Trooper87 11.05.2018 23:57
    Highlight Ich glaube die Bundesliga will nicht ihren Zuschauerrekord abgeben. In England spielt Bournemouth in der Premier League und die haben auch nur ein Stadion von 12'000 und dort ist es kein Problem, auch nicht wenn MC, Red Devils, FLC usw zu besuch kommen.
    19 2 Melden
  • maxi 11.05.2018 23:09
    Highlight hauptsache man hat wob in der liga wo das stadion fürs letzte spiel künstlich verkleinert, trotz 5000+ kölner...
    7 2 Melden
  • Roman Stanger 11.05.2018 22:24
    Highlight Ich schlage vor, sie lassen sich von einem Getränkeproduzenten kaufen und nennen sich dann "Heineken Kiel", es wird ein neues Stadion gebaut mit 50'000 Plätzen und aus aktuellen Bundesligabeständen kann man sich eine neue Mannschaft zusammenkaufen, deren Spieler beim internationalen Merchandising- und Pay-TV-Konsumenten punkten können. Dann ist auch Holstein Kiel auf dem Höhepunkt der modernen Fussball-Vision angelangt.
    33 2 Melden
  • Achilles 11.05.2018 22:07
    Highlight Schade dass ein sportlicher Aufstieg durch irgendwelche Stadion- Kapazitätsregeln verhindert werden könnte ..

    74 4 Melden
    • Mia_san_mia 11.05.2018 22:51
      Highlight Der Aufstieg würde nicht verhindert. Aber ja, mühsam ist es...
      6 6 Melden
  • Amboss 11.05.2018 21:35
    Highlight Ich denke, ein Umzug kann für Kiel nicht infrage kommen, da geht der Verein kaputt, nicht nur finanziell.

    Irgendwie muss es doch möglich sein, dass Vereine vernünftig grosse Stadien haben. gerade in der Schweiz hat man da ein paar sehr schlechte Beispiele. FCZ/GC oder Thun zum Beispiel, Stadion immer halb leer. Schaffhausen, Stadion zu 10-20 % ausgelastet. Das kanns ja nicht sein...


    In Spanien geht es ja auch, Eibar kann in einem Ministadion spielen.
    Das sollte doch in Kiel auch gehen.

    108 3 Melden
    • Pana 11.05.2018 22:30
      Highlight Wieso sollten sie finanziell kaputt gehen? Da werden doch Millionen an TV-Gelder ausgeschüttet. Solange sie nicht mehr ausgeben als eingenommen wird, können sie sich gerne in der Bundesliga versuchen.
      1 17 Melden
    • Roman Stanger 11.05.2018 22:33
      Highlight @Grundsätzlich hast du schon Recht. Das Beispiel Letzigrund passt aber nicht, denn das ist ein Multifunktionsstadion für diverse Grossanlässe und gehört der Stadt Zürich. Wenn sich der FCZ und GC dort einmieten, liegt das also völlig im Rahmen, selbst wenn sie das Stadion nur selten auch nur halb voll kriegen.
      7 0 Melden
    • Luca Roggli 11.05.2018 23:28
      Highlight Bezüglich Thun muss ich Ihnen aber deutlich widersprechen. Dieser Verein hat eine durchschnittliche Stadionauslastung von 59%.
      Der FC Luzern z.B hat ebenfalls 59%. Einzig der FC Lausanne weist eine katastrophale Auslastung von nicjt mal 30% vor.
      In der Challenge League ist es Servette mit unter 10%...
      17 0 Melden
    • La12 12.05.2018 11:20
      Highlight Bei Thun sieht es meiner Meinung nach nicht mal so schlecht aus.
      1. Kleiner Verein
      2. Teilt sich das Einzugsgebiet mit YB.
      3. Auslastung von fast 60%
      6 0 Melden
    • Amboss 12.05.2018 14:42
      Highlight @pana: Die TV-gelder sind ziemlich unsolidarisch verteilt in D.
      Und all die Zusatzaufwendungen für den Umzug schlagen doch sehr stark zu Buche. Geht doch keiner Kiel in Hamburg schauen...
      Zudem ist ein konkurrenzfähiger Kader teuer. Man möchte ja nicht als peinliches Kanonenfutter in die Geschichte eingehen...

      1 0 Melden
    • Amboss 12.05.2018 14:50
      Highlight @roman,Luca: stimmt schon, der Vergleich mit Zürich, aber auch Bern, Genf ist nicht ganz fair, da wurde halt für die Euro 08 gebaut und deshalb viel zu gross...

      Einen Unterschied zwischen Luzern und Thun gibt es aber schon: Luzern hat freiwillig so gross gebaut, Thun musste wegen dem Verband (Mindestanforderung für SL-tauglichkeit: 8000 Plätze).
      Thun hätte wohl ein Stadion mit 5000-6000 Plätzen gebaut, wenn dies vom Verband erlaubt wäre...
      1 0 Melden
  • Dan Rifter 11.05.2018 21:12
    Highlight Nüssli-Tribüne hinstellen, fertig

    Sollte doch machbar sein, hat ja auch an der Copacabana verhebt.
    85 1 Melden
    • Francis Begbie 12.05.2018 18:48
      Highlight Das heisst “mobile Tribüne” m. Nüssli ist nicht der einzige der das kann 😁😁
      1 0 Melden

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