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epa06810850 Goalkeeper Ali Beiranvand of Iran (L) and Roozbeh Cheshmi of Iran react after winning the FIFA World Cup 2018 group B preliminary round soccer match between Morocco and Iran in St.Petersburg, Russia, 15 June 2018.

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Alireza Beiranvand (links) lebt gerade in einem Märchen. Bild: EPA/EPA

Schafshirte, Strassenjunge, WM-Goalie – die bewegende Story von Irans Torhüter

Wenn Iran am Mittwochabend auf Spanien trifft, wird Alireza Beiranvand im Mittelpunkt stehen. Der Torwart ist erst 25 – hat aber schon ein bewegtes Leben hinter sich.

christoph sydow / Spiegel online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Alireza Beiranvand schämte sich seiner Tränen nicht: Kurz nachdem Iran in letzter Minute sein WM-Auftaktspiel gegen Marokko 1:0 gewonnen hatte, kauerte der Torwart auf dem Rasen des Stadions in St. Petersburg und weinte hemmungslos. Beiranvand hatte mit seinen Paraden nicht nur entscheidend zum Erfolg beigetragen. Der 25-Jährige ist auch der iranische Nationalspieler, der die aussergewöhnlichste Karriere hinter sich hat.

epa06810851 Goalkeeper Ali Beiranvand of Iran (L) and Roozbeh Cheshmi of Iran react after winning the FIFA World Cup 2018 group B preliminary round soccer match between Morocco and Iran in St.Petersburg, Russia, 15 June 2018.

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Kollege Roozbeh Cheshmi und Beiranvand freuen sich über den Sieg gegen Marokko. Bild: EPA/EPA



Es ist eine Geschichte, mit der sich Millionen Iraner seiner Generation identifizieren können. Iraner, die in ihrer Heimat auf dem Land keine Perspektive sehen, denen aber beim Streben nach gesellschaftlichem Aufstieg immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen werden.

Beiranvand stammt aus einer Nomadenfamilie und wuchs in der westiranischen Provinz Lorestan auf. Die Familie zog mit ihren Kindern und der Schafherde von Ort zu Ort, immer auf der Suche nach Grasland inmitten der kargen Berglandschaft. Als ältester Sohn der Familie musste der Junge schon früh selbst Schafe hüten.

Vater zerriss Beiranvands Goalie-Handschuhe

Als Beiranvand zwölf war, wurde die Familie sesshaft und liess sich in Sarab-e Yas nieder, einem Vorort der Provinzhauptstadt Chorramabad. Der Junge schloss sich dort dem lokalen Fussballteam an. Zuerst spielte er Stürmer, doch als sich der Torwart verletzte, wechselte er zwischen die Pfosten. Und blieb, weil er mit seinen Paraden überzeugte.

Beiranvands Vater hielt jedoch überhaupt nichts von der Fussballbegeisterung seines Sohns. «Er wollte, dass ich arbeite», erzählte Beiranvand dem «Guardian». «Er zerriss sogar meine Handschuhe, so dass ich manchmal mit blossen Händen spielen musste.»

Eines Tages reichte es dem Jungen: Er lieh sich von einem Verwandten Geld, haute von zu Hause ab und setzte sich in den Bus nach Teheran. Ohne Geld und Unterkunft musste Beiranvand auf der Strasse schlafen. Seine Nächte verbrachte er zumeist im Schatten des Freiheitsturms, dem bekanntesten Wahrzeichen der iranischen Hauptstadt.

The Azadi monument in Teheran, Iran, Sunday, February 28, 2016. Swiss President Johann N. Schneider-Ammann attends a three-day-visit to Iran, accompanied by an economic and scientific delegation. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der Freiheitsturm Azadi in Teheran. Hier verbrachte Beiranvand mehrere Nächte. Bild: KEYSTONE

Beiranvand durfte bei Vahdat FC, einem kleinen Verein in Teheran, mittrainieren. Der Vater eines Mannschaftskollegen liess ihn in seiner Textilfabrik arbeiten. Dort durfte er auch schlafen, so dass er nicht mehr auf der Strasse nächtigen musste.

Bald darauf fand Beiranvand einen Job in einer Autowaschanlage. Da er mit 1,94 Metern ausgesprochen gross ist, war er schon bald für SUV zuständig. Der Legende nach war einer seiner regelmässigen Kunden die iranische Fußballgrösse Ali Daei. Seine Kollegen sollen Beiranvand ermuntert haben, Daei anzusprechen und zu bitten, ihm bei seiner Fussballkarriere zu helfen. Doch der Torwart soll zu schüchtern gewesen sein.

MUN12 - 19980920 - MUNICH; GERMANY : Bayern Munich's Iranian forward Ali Daei celebrates his first goal, the 1-0 lead for the German giant in their German Bundesliga clash against HSV Hamburg at the olympic stadium in Munich, 20 September. Ali Daei scored twice and Munich defeated Hamburg 5-3.    EPA PHOTO DPA/FRANK LEONHARDT

Anscheinend einer von Beiranvands regelmässigsten Kunden: Bayern-Spieler Ali Daei. Bild: DPA

Mit 16 traf Beiranvand einen Trainer des iranischen Erstligisten Naft Teheran. Der Verein gab dem Jungen eine Chance. Noch immer hatte er keine feste Unterkunft: Eine Zeit lang liess der Verein den Jungen in einem Gebetsraum unterkommen. Dann fand er einen Job in einem Pizzarestaurant, in dem er auch schlafen konnte. Nachdem ihn der Besitzer zwang, seinem eigenen Trainer eine Pizza zu servieren, der nichts von seinem Job wusste, kündigte Beiranvand. Bald darauf arbeitete er als Strassenreiniger.

70-Meter-Abwurf als Markenzeichen

Trotz aller Schwierigkeiten machte seine Fussballkarriere Fortschritte. Er wurde erst die Nummer eins im U23-Team von Naft Teheran und schaffte wenig später den Durchbruch bei den Profis. Sein Markenzeichen ist der kräftige Abwurf: 2014 bereitete er einen Treffer mit einem 70 Meter langen Abwurf bis tief in die gegnerische Hälfte vor.

abspielen

Da hörte man das erste Mal vom iranische Goalie: Ein 70-Meter-Abwurf mit der Hand zum Assist. Crazy. watson titelte damals: «Warum wurde er nicht Diskuswerfer?» Jetzt wissen wir warum. Video: YouTube/Artin Arakelian

2015 gab Beiranvand sein Länderspieldebüt. In der WM-Qualifikation blieb er in zwölf Spielen ohne Gegentor und auch im ersten Turnierspiel gegen Marokko war am iranischen Torwart kein Vorbeikommen.

Doch nun kommt der bisher schwierigste Gegner auf Beiranvand und seine Vorderleute zu: Spanien (20 Uhr, Liveticker auf watson). Die Iraner sind Aussenseiter, doch der Torwart weiss: Er hat im Leben schon schwierigere Aufgaben gemeistert als Schüsse von Diego Costa oder Andrés Iniesta.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Natuschka 20.06.2018 17:40
    Highlight Highlight 🙏🏼❣️
  • Snowy 20.06.2018 15:37
    Highlight Highlight Grossartige Geschichte.

    Drücke dem Iran die Daumen!
  • Janis Joplin 20.06.2018 15:00
    Highlight Highlight "If you are in hell - keep going!"
    Viel Glück dir und deinem Team, Alireza!
  • Charivari 20.06.2018 13:36
    Highlight Highlight Zusammen mit Aron Gunnarsson in einem Team wäre das sicher eine interessante Konstellation.
  • itsnoton 20.06.2018 13:11
    Highlight Highlight "Seine Nächte verbrachte er zumeist im Schatten des Freiheitsturms, dem bekanntesten Wahrzeichen der iranischen Hauptstadt." Merke: Im Iran scheint die Sonne auch des Nachts. Oder der Mond wirft Schatten. Oder so.
    • Mänu Renfer 20.06.2018 14:58
      Highlight Highlight kommi des jahres..😄
    • kettcar #lina4weindoch 20.06.2018 15:14
      Highlight Highlight Vielleicht Wind-Schatten...
    • Bennno 20.06.2018 16:52
      Highlight Highlight Oder der Freiheitsturm ist nachts beleuchtet, wie andere Wahrzeichen in anderen Städten auch, und er hat ein "schattiges" Plätzchen ausserhalb des Scheinwerferlichts gefunden...;-)...
  • Pana 20.06.2018 12:42
    Highlight Highlight Coole Story! Aber fehlt da nicht ein Teil? Ist er immer noch Strassenreiniger, und wo pennt er wenn er nicht an der WM ist?

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