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Germany's striker Thomas Mueller reacts during the UEFA 2016 European Championship qualifying round Group D football match Germany vs Gibraltar in Nuremberg, southern Germany on November 14, 2014. Germany won the match 4-0. AFP PHOTO / CHRISTOF STACHE

Sinnbildlich für das Spiel: Das Bild des zweifachen Torschützen Thomas Müller, der gar nicht mehr hinsehen will. Bild: AFP

Nur ein «knapper» Sieg gegen Gibraltar

Das 4:0-Debakel des Weltmeisters

4:0 gegen Gibraltar - und doch fühlt sich der Sieg für die Deutschen wie eine krachende Niederlage an. Bundestrainer Löw ist extrem unzufrieden, die WM-Helden des Sommers wirken hochgradig verunsichert. Was ist nur passiert?

Ein Artikel von

Spiegel Online

Peter Ahrens und Rafael Buschmann / spiegel online

Selten hat man den Cheftrainer so zufrieden nach einem Spiel gesehen. Mit einem «grossen, fetten Lächeln» habe er die Partie begleitet, die Mannschaft habe sich weiterentwickelt, er sei «so stolz, dass ich das gar nicht in Worte fassen kann».

Das allerdings sagte nicht der deutsche Bundestrainer Jogi Löw, sondern Allen Bula. Löws Kollege aus Gibraltar hatte mit seinem Team gerade 0:4 gegen Deutschland verloren. Und wirkte doch wie der Gewinner des Abends.

An electronic display shows the score after the final whistle is blown on the Euro 2016 Group D qualifying soccer match between Germany and Gibraltar in Nueremberg November 14, 2014.        REUTERS/Michael Dalder (GERMANY  - Tags: SPORT SOCCER)

Vor dem Spiel hat man vorgerechnet, dass ein 17:0 der höchste deutsche Sieg aller Zeiten wäre. Wäre ...  Bild: MICHAEL DALDER/REUTERS

Auf der anderen Seite sass Löw mit Leichenbittermiene vor der Presse. Den Sieg über den Kleinsten der Kleinen im europäischen Fussball konnte er beim besten Willen nicht geniessen: «Ein solches 4:0 ist mir viel zu wenig, von meiner Mannschaft hätte ich weit mehr erwartet.» Das ist nicht das Statement eines Siegers.

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Die vier Tore der Deutschen. video: youtube/goals. HD

Ideenlos und uninspiriert 

Löw hatte vor dem Spiel vor den duldsamen Zuschauern ein Spiel verlangt, «das eines Weltmeisters würdig ist». Herausgekommen war das Gegenteil: eine ideenlose, uninspirierte Vorstellung, bei der der Weltmeister besonders in der zweiten Hälfte an vergessene böse Zeiten erinnerte. «Wir hätten natürlich viel mehr Tore machen müssen, hätten das aber auch gar nicht verdient», versuchte sich Toni Kroos in Selbstkritik. Er war einer der wenigen.

Ansonsten hatten die Deutschen nach dem Spiel zahlreiche aus ihrer Sicht plausible Erklärungen parat, warum es selbst gegen die super-harmlose Gibraltarer nicht die befreiende Gala gab, auf die das Publikum die seit dem WM-Triumph im Juli wartet. Man habe «eben viele Verletzte, die solche Situationen normalerweise lösen können», sagte Kroos und meinte die fehlenden Offensivspieler Marco Reus, André Schürrle und Mesut Özil. Torwart Manuel Neuer fand für die Abwehrarbeit des Gegners ein plastisches Bild: «Es ist natürlich schwer, wenn die einen Mannschaftsbus vors Tor stellen.»

epa04489811 Head coach of Germany Joachim Loew (R) and assistant coach Thomas Schneider prior to the UEFA EURO 2016 qualifying soccer match between Germany vs Gibraltar in Nuremberg, Germany, 14 November 2014.  EPA/TOBIAS HASE

Alles andere als zufrieden: Bundestrainer Jogi Löw mit Assistent Thomas Schneider. Bild: EPA/DPA

Der deutschen Mannschaft, die in der ersten Halbzeit noch ansatzweise zu überzeugen wusste, fiel nach der Pause jedenfalls nichts mehr ein, wie man den Bus im Tor ausspielen könnte. «Von einigen, die heute ihre Chance bekommen haben, hätte aus meiner Sicht viel mehr kommen müssen, mehr Zug zum Tor, mehr Torabschlüsse», wiederholte Löw später mehrfach. Und es war klar, wen er dabei vor allem im Auge hatte: Lukas Podolski, Max Kruse oder Kevin Volland.

Wenn auf den Torschützen vom Dienst Thomas Müller nicht zweimal Verlass gewesen wäre, hätte der Abend leicht im Desaster enden können. Müller, der in der Nationalelf immer mehr in die Rolle der Sturmspitze hineinrutscht, hatte nach dem Spiel die Ehrlichkeit, zuzugeben: «So ein Spiel ist für die Zuschauer nur eine zeitlang zu ertragen.»

Das Toreschiessen ist zum Problem geworden

Hauptsache gewonnen, das Mantra deutscher Fussballmannschaften, wollte Löw jedenfalls an diesem Abend als Fazit nicht akzeptieren. Die Mannschaft schleppt nach dem grossen WM-Rausch den Kater mit sich herum, geschwächt durch zahlreiche Verletzungen.

Aber von Spiel zu Spiel wird deutlicher, was der Rücktritt des Captains Philipp Lahm und des Torjägers Miroslav Klose bedeuten. Ein Spiel wie das in Nürnberg wäre ein «Klose-Spiel» gewesen. Der alte Mann aus Rom ist – wer hätte das im Sommer gedacht – noch nicht zu ersetzen.

NUREMBERG, GERMANY - NOVEMBER 14:  Thomas Mueller of Germany reacts during the EURO 2016 Group D Qualifier match between Germany and Gibraltar at Grundig Stadion on November 14, 2014 in Nuremberg, Germany.  (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Thomas Müller nach einer vergebenen Torchance. bild: Getty images

Man kann es angesichts der offensiven Möglichkeiten fast nicht glauben, aber das Toreschiessen ist für diese Mannschaft zu einem Problem geworden. Und Joachim Löw musste sich in seinen warnenden Worten vom Vortag bestätigt fühlen, als er angekündigt hatte: «Für 2015 müssen sich einige Dinge ändern.»



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    Alle Leser-Kommentare
  • Gleis3Kasten9 15.11.2014 11:06
    Highlight Highlight Deutschland ist gegen eine Wand aus Spielern angetreten und hat vier Tore reingemacht - ab und zu ist Fussball weniger schön als einfach effizient, vor allem gegen einen Gegner der realistisch und praktisch gesehen keine Chance hat. Will sich wirklich jemand in einem Spiel in dem es eh nur einen Sieger gibt verletzen? Wenn die meisten deutschen Spieler in ihren Teams gebraucht werden und dieses Jahr schon dutzende Spiele gespielt haben? Eher nein - das Resultat war uninspiriert aber es was nichts anderes zu erwarten.
    4 3 Melden

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