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Vom heulenden Schiri bis zum Spieler mit Durchfall: So schöne Geschichten kann nur der Provinz-Fussball schreiben

Bild: Bongarts

Die Storys der grossen Fussballstars sind häufig nur halb so interessant, wie sie betitelt werden. Wirklich gute Fussball-Geschichten gäbe es dafür massenhaft – im Amateurfussball. Wir haben für euch die besten aus unserem Umfeld zusammengetragen. 

Nik Dömer
Nik Dömer



Wenn's scheisse läuft, läuft's scheisse

«Ich mag mich noch erinnern, als sei es gestern gewesen. Im letzten Saisonspiel der C-Junioren ging es um nichts mehr. Entsprechend waren nur elf Spieler anwesend – wir hatten keine Ersatzspieler dabei.

Die erste Halbzeit verlief relativ ausgeglichen. In der Pause fragte ein Teamkollege unseren Coach, ob er auf das WC dürfe – er müsse mal ordentlich was abseilen. Der Trainer war damit jedoch nicht einverstanden, weil die Kabinen relativ weit entfernt vom Platz waren (wie das im Regional-Fussball halt manchmal so ist). Ein Fehler, wie sich herausstellte. Nur fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff hielt mein Teamkollege dem Druck nicht mehr stand. Er rannte ohne Worte auf die Strasse in Richtung der Kabine. Alle Spieler auf dem Feld krümmten sich vor Lachen, unser cholerischer Trainer dagegen tobte vor Wut.

Unser Spieler kam nicht mehr zurück. Die Magenverstimmung war wohl doch grösser als angenommen. Wir spielten also zu zehnt fertig und kassierten eine deftige Klatsche. So richtig traurig war nach dem Spiel jedoch keiner, das Gelächter in der Kabine bleibt mir bis heute in bester Erinnerung.»

(Filip Bolt, watson-User) ​

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Ungefähr so oder ähnlich wird sich der Durchfall-Skandal abgespielt haben. 
YouTube/Neunerdealer

Der heulende Schiri

«Dies war jedoch nicht der einzige Skandal in meiner Saison bei den C-Junioren. Wir standen damals im Cup-Viertelfinal. Unser Vereins-Präsident war damals auch Präsident der Schiedsrichter-Ausbildung Schweiz und veranstaltete im Rahmen der Partie eine Weiterbildung mit 100 Schiedsrichtern. Einer dieser Schiris musste die Partie leiten und stand von Anfang an unter grossem Druck.

Unsere Gegner waren dummerweise alle grösser als wir und physisch klar im Vorteil. Zudem spielten sie äusserst aggressiv und warfen dem Schiri Sachen an den Kopf, die eigentlich nicht zu tolerieren sind. Der Spielleiter liess sich derart von unseren Kontrahenten beeinflussen, dass unser Trainer an der Seitenlinie komplett ausrastete. Nach einer halben Stunde verwies der Schiri ihn vom Feld und er musste das Spiel hinter dem Absperrgitter des Platzes mitverfolgen. Wir waren chancenlos und verloren die Partie klar. Unser Trainer wollte diese Niederlage nicht hinnehmen und beleidigte den Schiri aufs Gröbste.

Dummerweise ging der Schiri auf die Provokationen ein und plötzlich wollten sich die beiden an den Kragen. Das Desaster endete damit, dass sich die beiden zwar keine verpassten, der Referee jedoch laut heulend vom Feld ging. Und das vor geschätzt 100 Schiri-Kollegen. Es war wohl die letzte Partie, die er je gepfiffen hat.»

(Filip Bolt, watson-User)

23.11.2014; Basel; Fussball Super League - FC Basel - FC Aarau;
Schiedsrichter Nicolas Haenni schickt Trainer Paulo Sousa (Basel) auf die Tribuene (Andy Mueller/freshfocus)

Ob der Schiri nach dem «rencontre» mit Paulo Sousa auch geheult hat?
Bild: freshfocus

Die Torprämie

«Ein Jahr darauf wurden wir vom FC Aarau zu einem Beachsoccer-Turnier eingeladen. Unser bester Mann war damals Stürmer und bekam für jedes Tor von seinem Vater zehn Franken. Und weil beim Beachsoccer relativ viele Tore fallen, machte er unserem Team vor dem Spiel ein Angebot: Wir sollen einfach alle auf ihn spielen und er werde dann das Geld mit uns teilen. Gesagt, getan. Unser Topskorer ballerte uns zum Turniersieg und war danach wohl steinreich. Wir sahen vom Geld jedoch nie etwas.»

(Filip Bolt, watson-User)

Die Solarium-Ausrede 

«Als ich bei unserem lokalen Klub in der zweiten Liga spielte, reisten wir im Trainingslager in die Türkei. Ein Teamkollege wollte unbedingt mitkommen, befand sich damals jedoch in der Probezeit seiner Lehre und durfte im Geschäft nicht fehlen. Also meldete er sich für das Abenteuer bei seinem Chef krank, um mit uns in der Türkei zu trainieren. Dummerweise war es dort ziemlich sonnig und heiss. Sprich man wurde ziemlich braun.

Das bemerkte natürlich auch unser Mitspieler. Er versuchte viel im Schatten zu liegen, um möglichst keine Farbe anzunehmen. Hat leider nicht geklappt. Als er nach der Woche beim Chef antrabte, fragt dieser ihn, warum er so braun sei. Darauf antwortete der Mitspieler eiskalt: ‹Ich war ein paar Mal im Solarium, um die Krankheit rauszuschwitzen›. Und der Chef kaufte ihm die Geschichte auch noch ab. Legendär!»

(Anonymer watson-User)

Jägermeister als Einwärm-Ersatz

«Ein paar Jahre später spielte ich zum Plausch mit ein paar Kollegen in der fünften Liga. So richtig ernst nahm das dazumal keiner. Einmal kamen wir vor der Partie auf die besonders gute Idee, ein paar Jägermeister-Shots zu geniessen. Für den Teamgeist natürlich. Also gönnte sich die ganze Mannschaft mit lautem Gegröle eine XXL-Flasche Jägermeister. Dumm nur, dass ausgerechnet der Vereins-Präsident uns dabei in flagranti erwischte. Der Coach selber hatte dabei sogar die Flasche in der Hand. Dieser Blick des Präsidenten ... unbezahlbar.»

(Anonymer watson-User)

Image

Symbol-Bild.
quelle: facebook/kreisligafussball

Das goldene (und gebrochene) Handgelenk

«In Rapperswil-Jona SG findet jeden Sommer ein Plauschturnier statt – alle Altersklassen, Fussballer und Nicht-Fussballer. Im Jahr 2014 schafften wir, die «watsonians», es bis ins Finale. Im letzten Gruppenspiel spielten wir gegen eine, na ja, ich sage mal unfaire Mannschaft, die spielerisch keine Chance hatte und durch rüde Fouls einen Ausraster provozieren wollte.

Bei einem dieser Fouls stürzte ich mit vollem Gewicht unglücklich auf die rechte Hand. Es tat horrend weh, aber ich dachte, sie sei nur geschwollen. Wir gewannen dieses Spiel und standen ein paar Stunden später im Finale. Da führten wir bis zur letzten Minute 1:0, ehe die Gegner eine Riesenchance hatten. Unser Keeper konnte den Einschlag glorios verhindern, doch der Abpraller fiel dem freistehenden Stürmer der Gegner vor die Füsse. Freie Schussbahn, nur ich hatte mich noch auf die Torlinie geschleppt. Der Stürmer schoss mit voller Wucht und traf genau meine rechte Hand. Ich hatte das Gefühl, meine Hand brenne.

Es war sehr schmerzhaft. Aber: Der Schiedsrichter hatte wohl Einsicht und pfiff kein Handspiel, war ja auch keine Absicht. Via Hand kullerte der Ball ins Seitenaus und der Schiri pfiff ab. Turniersieg. Der Preis: ein gebrochenes Handgelenk und das frühzeitige Ende als WM-Tickerer für watson.»

(Marco Löffel, watson-Tickerer)

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Hand gebrochen – Tor verhindert: Schau, Marco, auch deinem Lieblings-Torhüter Iker Casillas ist dies widerfahren. 
gif: youtube/ Ziadkm soccer media

Zuschauer mit Torriecher

«Ich kickte damals in Lenzburg in der 2. Liga. Wir steckten tief im Abstiegskampf und spielten gegen einen Mitkonkurrenten. Kurz vor Schluss passierte Folgendes: Der gegnerische Torwart lief rund 40 Meter vor sein Tor, um einen langen Ball abzufangen. Sein Befreiungsversuch landete aber am Kopf unseres Stürmers und der Ball kullerte langsam in Richtung Tor. Zwei Meter vor der Linie lief ein Zuschauer in Jeans und Halbschuhen aufs Feld und kickte den Ball ins Tor.

Wir jubelten, es wäre das 5:3 und damit die definitive Entscheidung gewesen. Doch der Schiri annullierte den Treffer. Fans und Vereinsmitglieder beider Mannschaften stürmten aufs Feld, bedrängten den Schiri, bedrängten den Zuschauer, der das Tor geschossen hatte – eine Riesenhektik brach aus. Der Treffer wurde schliesslich (zu Recht) annulliert.»

Die Geschichte erschien übrigens auch im «Sonntagsblick» (05.04.98):
«Pedro Paulo Silveira erzielte im 2.-Liga-Spiel zwischen Lenzburg und Schöftland ein Tor, obwohl er bei keiner der beiden Mannschaften im Kader ist. Glauben Sie nicht? Die Aargauer Zeitung berichtete über diesen ungewöhnlichen Fall, der sich in der 91. Minute, beim Stande von 4:3, ereignete. Schöftlands Goalie Weber trifft mit einem Befreiungsschlag den Kopf von Lenzburg-Stürmer Brack. Der Ball kullert langsam aber sicher wieder Richtung Tor. Da stürmt Zuschauer Pedro aus Basel aufs Feld und knallt den Ball ins Netz! Was folgte, waren wüste Beschimpfungen, Handgemenge, ein Präsident, der sich beim Schlichten einen Finger brach – die Partie musste minutenlang unterbrochen werden. Und Torschütze Pedro? Gerüchten zufolge ist er ein Bekannter eines Schöftler Spielers, wollte den Ball also nicht ins, sondern neben das Tor schiessen, traf das Leder aber nicht richtig ... Der Schiri blieb cool, annullierte das Tor und setzte die Partie mit einem Schiedsrichterball fort. Es blieb beim 4:3 für Lenzburg.» 

(Marius Egger, watson-Chefredaktion)

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Kommen auch heute noch gelegentlich vor: Tore durch Zuschauer.
gif: youtube/henpecked86

Mit «vollem Lauf» ins Testspiel-Desaster

«Trainingslager in Spanien. Wir kamen am Samstag mit unserer 2.-Liga-Mannschaft an. Ebenfalls in unserem Hotel war das russische Profiteam Krylia Sowjetow Samara. Die brauchten am Sonntag dringend noch einen letzten Gegner, bevor es zurück in die Heimat ging, wo die Meisterschaft startete. Der ursprüngliche Gegner hatte kurzfristig abgesagt, wir waren praktisch das einzige verfügbare Team. Unser Trainer sagte also zu.

Da ein Mitspieler an diesem Samstag und ein anderer am Sonntag Geburtstag hatte, liessen wir uns den Ausgang am Abend doch nicht nehmen. Es ging wild zu und her. Zum Testspiel traten wir dann also schon angeschlagen an. Immerhin erhielten wir von Samara noch einen chilenischen Testgoalie. Er schien motiviert – zumindest bis er uns spielen sah. Beim 0:8 zur Pause hatte er dann definitiv keine Lust mehr. Als die Russen in der 70. Minute alle elf Spieler auf einmal auswechselten, waren wir bereits völlig ausgelaugt. Also brachten wir noch einen Betreuer als Verstärkung. Dieser stürzte allerdings schon bei der Einwechslung – weil er sich in ‹vollem Lauf› einmal um die eigene Achse drehte, um dem Schiedsrichter seine Rückennummer zu zeigen. Am Ende stand es 1:17.»

(Reto Fehr, Sport-Chefredaktor bei watson und Fussballgott) 

Nerven und Spiel verloren

«Eine der besten Storys aus meiner aktiven Zeit ereignete sich bei den B-Junioren. Wir kämpften damals im Cup um den Einzug ins Halbfinale. Kurz vor Schluss lagen wir gegen Frick mit 2:3 im Rückstand. Wir machten enormen Druck, unsere Gegner spielten natürlich auf Zeit und simulierten bei jeder Gelegenheit. Wir hatten ein paar Jungs aus den eigenen Reihen, die – um es gesittet zu formulieren – etwas temperamentvoll waren. Es führte nicht gerade zur Linderung der aggressiven Stimmung, dass der Gegner ständig am Boden lag.

Als ein Gegenspieler nach seinem theatralischen Fall nicht mehr aufstehen wollte und der Schiri das Spiel unterbrach, platzte einem meiner Teamkameraden der Kragen. Der Spielleiter meinte, der Spieler müsse erst vom Feld, bevor es weitergehen kann. Also packte unser Mann den Gegenspieler, nahm ihn über die Schulter und trug ihn vom Feld. Für die Aktion gab es vom Schiri Gelb und weil er zuvor bereits verwarnt worden war, flog er dafür vom Platz. Die Konsequenz: Er verlor die Nerven und wir das Spiel.»

(Severin Lauper, watson-User)

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