Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Stromsgodset's Martin Odegaard, 15, who is in line to become the youngest player to ever represent Norway, celebrates during their Norwegian Premier Division soccer match against Odd Grenland in Drammen, in this picture taken May 16, 2014. The teenager, who has wowed the domestic league with his performances for champions Stromsgodset this season, has been included in coach Per-Mathias Hogmo's 19-man squad for a friendly fixture against United Arab Emirates in Stavanger on August 27. Picture taken May 16, 2014.     REUTERS/Vegard Wivestad Grott/NTB Scanpix     (NORWAY - Tags: SPORT SOCCER) ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. NORWAY OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN NORWAY. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

Martin Ødegaard ist der vielleicht beste jugendliche Fussballer der Welt. Bild: NTB SCANPIX/REUTERS

Martin Ødegaard

Unfassbar, was der mit 15 alles drauf hat! Ein Besuch beim besten Fussball-Teenie der Welt

Kurz vor Weihnachten wird Martin Ødegaard erst 16 Jahre alt. Er ist bereits der jüngste Nationalspieler in Norwegens Fussballgeschichte und wird von Grossklubs in ganz Europa hofiert. Seine Familie steht vor der Zerreissprobe: Wie kann sie Martin fördern – und ihn gleichzeitig schützen?

Ein Artikel von

Spiegel Online

Sara Peschke / Spiegel online

Play Icon

Ein beeindruckendes Highlight-Video von Spielen in der norwegischen Liga. Kaum zu glauben, dass Ødegaard noch fast ein Kind ist. Video: Youtube/C more football

Der Junge im neongelben Leibchen nimmt den Ball mit der Innenseite seines rechten Unterschenkels an, macht ein paar schnelle Schritte damit, dreht sich um die eigene Achse, lässt die Gegner hinter sich und schiesst. Vorbei, kein Tor. Martin Ødegaard schlägt die Hände vor die Stirn, «Idiot!», schimpft er. Er hatte sich selbst mit dem Angriff überrascht, manchmal versteht er noch nicht, wie leicht fussballspielen für ihn sein kann. Seine Gegner auch nicht.

Ødegaard ist 15 Jahre alt, im April spielte er zum ersten Mal für die erste Mannschaft des norwegischen Klubs Strømsgodset. Ein halbes Jahr später ist der offensive Mittelfeldspieler einer der Wichtigsten im Team, drei Tore und sechs Vorlagen sind ihm bislang in der Tippeligaen gelungen, der höchsten norwegischen Spielklasse.

Wahrscheinlich wäre das ausserhalb von Norwegen kaum jemandem aufgefallen, das Land ist für seine Fjorde, Lachse und Skispringer berühmt, nicht für den Fussball. Als aber Nationaltrainer Per-Mathias Høgmo Ende August verkündete, er werde Ødegaard zum Länderspiel gegen die Arabischen Emirate mit nach Stavanger nehmen, horchten Journalisten aus ganz Europa auf. 15 Jahre und 253 Tage war Ødegaard bei seinem ersten Spiel für die Nationalmannschaft, jünger als jeder Norweger vor ihm.

Play Icon

Die Highlights des ersten Länderspiels von Martin Ødegaard. Video: Youtube/tesa

«Alle wollen jetzt zu Martin»

Plötzlich war er eines der begehrtesten Talente der Fussballwelt. Martins Vater, Hans Erik Ødegaard, hat seit diesem Tag im August Hunderte Anrufe von Reportern, Spieleragenten und Fussballklubs erhalten; Bayern München, Real Madrid, Manchester United und der FC Liverpool waren angeblich darunter.

So viel Aufregung ist man in Drammen nicht gewohnt. In die kleine Stadt, 45 Kilometer südwestlich von Oslo, kommen Fremde höchstens zum Angeln oder um die 200 Jahre alte Brauerei zu besichtigen. Auch an diesem Tag Anfang Oktober ist wenig los auf den Strassen, es ist trüb, man ist froh über Handschuhe und einen warmen Pullover. «Wo wollen Sie hin?», fragt der Taxifahrer. «Zum Marienlyst-Stadion.» Der Fahrer lacht: «Sie wollen zu Martin! Alle wollen jetzt zu Martin.»

Vater Hans Erik nimmt dem Junior das Reden ab

Das Training ist gerade vorbei, im Jogginganzug kommt Ødegaard ins Foyer der Mehrzweckhalle neben dem Fussballplatz. Er grinst unsicher, sein Händedruck ist weich. Martin rede nicht viel, hat sein Vater Hans Erik gewarnt, vor allem nicht über sich selbst. Was soll ein 15-Jähriger auch erzählen über die irrwitzigen Mechanismen des Fussballgeschäfts, über Entscheidungen, die das Leben auf den Kopf stellen werden? Er wolle einfach nur gut Fussball spielen und immer besser werden, sagt der Junge. Sein Englisch ist fast perfekt, er traut sich trotzdem nicht, laut zu sprechen.

Der Vater nimmt ihm das Reden ab. «Wir denken noch nicht zu viel darüber nach, wohin Martin gehen wird. Es gibt keinen Zeitplan», sagt er. «Er soll erst einmal hier in Norwegen die Saison zu Ende spielen.» Das letzte Spiel ist am 9. November gegen Rosenborg, danach ist wegen Kälte und Schnee Pause bis März. Ødegaards Vertrag mit Strømsgodset läuft eigentlich bis Dezember 2015, doch auch wenn Hans Erik Ødegaard bemüht ist, sich nicht öffentlich festzulegen: Es ist gut möglich, dass sein Sohn in der kommenden Transferperiode zu einem grossen europäischen Verein wechseln wird. «Uns ist bewusst, dass Martin hier in Norwegen irgendwann an einen Punkt kommen wird, an dem er sich nicht mehr viel weiterentwickeln kann. Und um nichts anderes geht es: Er soll seine Fähigkeiten weiter verbessern, dort, wo es am besten für ihn ist», sagt er.

FILE - In this undated but recent file photo showing 15-year old Martin Odegaard, in Kristiansand, Norway, who has been selected for Norway's national soccer team, becoming Norway’s youngest player ever in the national football team.  Midfielder Odegaard is selected by Norway for the country's upcoming friendly against the United Arab Emirates on Aug. 27. (AP Photo / Tor Erik Schroeder, NTB scanpix, FILE) NORWAY OUT

Ødegaard gibt Interviews: Lieber spielt er Fussball, als dass er viel redet. Bild: AP/NTB scanpix

Messi ist Ødegaards Lieblingsspieler

Ødegaard besucht das Sportgymnasium direkt am Stadion, aber Schule interessiere ihn nicht so, sagt er. Nur Fussball. Sein Lieblingsspieler: Lionel Messi, wegen seiner Übersicht. Sein Lieblingsklub: der FC Liverpool, weil das in der Familie Ødegaard so ist. Sein schönstes Erlebnis: die Berufung in die Nationalmannschaft, weil er damit noch nicht gerechnet hatte.

«Keiner hat damit gerechnet», sagt der Vater. Vor wenigen Tagen hat der Nationaltrainer Martin für die EM-Qualifikationsspiele gegen Malta und Bulgarien nominiert. Es geht jetzt alles immer schneller, aus den logischen Abfolgen des Profifussballs kommen die Ødegaards nicht mehr raus.

Vor ein paar Wochen spielte Strømsgodset zu Hause gegen Stabaek, den Tabellensiebten, eine mittelmässige Begegnung. Auf der Tribüne sassen Scouts und Verantwortliche von 30 Fussballklubs, sie waren gekommen, um Ødegaard zu sehen. Sie wollten sich von dem überzeugen, was die Fussballwelt seit einigen Monaten über den 15-Jährigen erzählt: dass er schnell ist, eine aussergewöhnlich gute Ballbehandlung hat, die Räume früher erkennt als seine Gegenspieler. Strømsgodset verlor 2:3, Stabaek hatte Ødegaard die meiste Zeit über mit zwei Verteidigern gedeckt. Zwei Erwachsene gegen einen schmalschultrigen Teenager.

Stromsgodset's Martin Oedegaard, who is set to become the youngest player on Norway's national football team, runs with the ball during their Norwegian Premier Division soccer match against Stabaek in Drammen August 23, 2014. The teenager, who has wowed the domestic league with his performances for champions Stromsgodset this season, has been included in coach Per-Mathias Hogmo's 19-man squad for a friendly fixture against United Arab Emirates in Stavanger on August 27. Stromsgodset lost 2-3 to Stabaek in the match on Saturday.   REUTERS/Audun Braastad/NTB Scanpix      (NORWAY - Tags: SPORT SOCCER) ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. NO COMMERCIAL SALES. NORWAY OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN NORWAY. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

Dass Ødegaard so viel Abstand zum Ball hat, ist selten: seine Ballkontrolle ist schon jetzt meisterhaft. Bild: NTB SCANPIX/REUTERS

Anrufe aus dem Ausland ohne Ende

In Norwegen wurde im Anschluss diskutiert: Ist der Hype zu gross? Muss man Martin Ødegaard mehr vor der Öffentlichkeit abschirmen? Es sind die Fragen, die Hans Erik Ødegaard sich jeden Tag stellt; wenn er zu Bett geht, wenn er aufsteht, wenn er auf seinem Handy wieder zehn entgangene Anrufe von ausländischen Nummern sieht. Als Vater ist es seine Aufgabe, den Sohn zu beschützen, ihm eine unbeschwerte Jugend zu ermöglichen. Er hat aber auch versprochen, für Martins Zukunft zu sorgen und ihn auf seinem Karriereweg zu unterstützen. Die vergangenen Monate waren eine Herausforderung für die Familie Ødegaard, mit all ihren Überraschungen. Doch sie sind nicht zu vergleichen mit dem, was vor ihr liegt.

Hans Erik Ødegaard führt ein Bekleidungsgeschäft in der Drammener Innenstadt, er hat sich an diesem Nachmittag ein paar Stunden freigenommen. Ødegaard ist nie aus Drammen weggekommen, er wurde hier geboren, lernte bei Strømsgodset das Fussballspielen. Er war ein ordentlicher zentraler Mittelfeldspieler, aber als vor sieben Jahren das vierte Kind auf die Welt kam, liess er es sein. 33 Jahre war Ødegaard da alt, mehr als die Tippeligaen war ohnehin nie drin. Es sei sein Plan gewesen, Martin zu einem besseren Fussballer zu machen, als er es war, sagt der Vater.

Marienlyst Stadion Drammen

Noch nicht die grosse Fussballwelt: Strømsgodsets Spielstätte ist das kleine Marienlyst-Stadion. Bild:

Sondertraining mit dem Vater

Hans Erik Ødegaard trägt ein Holzfällerhemd, die blonden Haare sind strubbelig wie die seines Sohns. Er schaut auf sein Handy und schaltet es dann aus. «Nein, auch wenn das vielleicht so aussieht: Ich lasse Martin nicht meinen Traum leben», sagt er. Er habe nur früh gemerkt, dass sein zweitjüngstes Kind ein besonderes Talent hat und deshalb begonnen, mit ihm nach einem eigenen System zu trainieren, immer mit dem Ball, immer an den Grundfertigkeiten orientiert.

Ein Viertel des Jahres liegt in Drammen Schnee, Martin und Hans Erik verbrachten viele Stunden und Tage in einer kleinen Turnhalle. Sie übten das, was in Norwegen «dempe» heisst, die Bewegung, die den ersten und zweiten Ballkontakt umfasst. Sie übten Laufwege, bis Martin sie blind beherrschte. Die meiste Zeit aber arbeiteten sie an der räumlichen Wahrnehmung: Martin musste sich zwischen seinen Vater und seinen älteren Bruder stellen, der Vater schoss ihm den Ball zu, während sich der Bruder in Martins Rücken bewegte. Martin sollte schneller sein als er, er sollte kleinste Bewegungen intuitiv und aus den Augenwinkeln wahrnehmen.

Martin und Hans Erik Odegaard

Martin und Vater Hans Erik Ødegaard. Bild: dt.no

Heute sind die Spielübersicht und das schnelle Denken Ødegaards grösste Stärken. Es ist egal, dass er kleiner und unerfahrener ist als die meisten seiner Mitspieler, in seinen Entscheidungen ist er ihnen oft einen Schritt voraus. Fussballexperten fragen sich: Wie gut wird Ødegaard sein, wenn er erst ausgewachsen ist? Noch kann man es nur ahnen, doch die buhlenden Klubs sind sich sicher: Sie machen Jagd auf eine Jahrhundertbegabung.

Abschied von der Kindheit

Der Vater möchte über die Angebote nicht sprechen. Er sagt: «Wir haben keine Eile, wir wollen entspannt bleiben und uns nicht unter Druck setzen lassen. Aber klar ist: Solange Martin so jung ist, werde ich ihn nirgendwo alleine hingehen lassen. Das wäre nicht gut für ihn.» Sollten sich die Ødegaards dazu entscheiden, dass ihr zweitältester Sohn schon bald ins Ausland geht, haben Hans Erik und seine Frau sich darauf geeinigt, die Familie zu teilen. Er würde mit Martin zu dessen neuem Klub ziehen, die Mutter bliebe mit den beiden sieben und zehn Jahre alten Töchtern in Drammen. «Die Mädchen müssen hier bleiben», sagt der Vater, «es wäre nicht fair, sie aus ihrem Leben zu reissen, nur weil Martin Fussball spielt.»

Martin Ødegaard lacht darüber, aber er weiss, dass es ernst ist. Die kommenden Monate werden sein Leben und das Leben seiner Familie verändern. Noch ist er in Norwegen, er kann sich ganz auf den Sport konzentrieren und am Nachmittag seine Kumpels sehen. Bei einem neuen Klub wird er ein Talent von vielen, das Training härter und der Fussball schneller sein. Diese letzte Zeit in Drammen ist für Ødegaard auch ein Abschied von der Kindheit.

Play Icon

Ein weiteres Highlight-Video unter dem passenden Motto «Let's Dance». Video: Youtube/SingStarSkillG

Der freche Hinweis auf Messi

Magne Nilsen schreibt für die Zeitung «Drammens Tidende» über Strømsgodset, er kennt die Ødegaards gut. Nilsen sagt: «Es wird hart für Martin, aber ich habe selten einen jungen Spieler gesehen, der so fit im Kopf ist. Er kann mit dem Hype umgehen, seine Familie hält ihn auf dem Boden.» Ob das in kommenden Jahren so bleibt, vermag keiner zu prophezeien, niemand in Drammen weiss wirklich, was die Ødegaards da draussen erwartet und ob ihr Plan funktionieren wird.

«Messi hat seine Heimat auch früh verlassen», sagt Martin Ødegaard, «seine Familie kam von Argentinien mit nach Barcelona, das ist sehr weit. Und jetzt ist er der beste Fussballer der Welt.» Messi war bei seinem ersten Spiel für die Nationalmannschaft 16 Jahre alt.



Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

Themen
2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • droelfmalbumst 10.10.2014 08:08
    Highlight Highlight Not bad... aber gibt einige solche junge Talente... Zudem.. Spieler wie Messi oder CR7 wird es sowieso nicht mehr geben. Wir können Stolz sein diese Äre zu erleben! Es wird keine weiteren Spieler geben die über 10 Jahre lang KONSTANT alles zerreissen an Rekorden und jährlich über 40-50 Tore schiessen!

    Aber gäbe es Messi oder CR7 nicht bin ich mir sicher würden die auch nicht so ein Erfolg haben. Der eine braucht den anderen um sich selbst zu pushen um noch mehr zu wollen und noch besser zu sein!!!
    1 1 Melden
  • flowsen 09.10.2014 21:43
    Highlight Highlight WOW! Bin gespannt auf den weiteren Verlauf seiner Karriere!
    2 0 Melden

Ein Spiel für die Geschichtsbücher – hier alle Tore des 5:2-Wahnsinns gegen Belgien

Die Schweiz schlägt Belgien nach 0:2-Rückstand mit 5:2 und feiert einen der grössten Siege ihrer Geschichte. Seferovic erzielt drei Tore, Shaqiri zeigt ein Wahnsinnsspiel und die Belgier wissen kaum, wie ihnen geschieht.

Wer hätte das gedacht? Die Schweizer Nati dreht einen frühen und deutlichen Rückstand gegen Belgien und qualifiziert sich für das Final-Four-Turnier der UEFA Nations League.

Wie das Team von Vladimir Petkovic gegen die Weltnummer eins Moral gezeigt hat, zeugt von ganz, ganz grosser Klasse. Keine Mannschaft der gesamten Nations League hat mehr Treffer als die Schweiz erzielt, das zeugt von einer gewaltigen Offensiv-Power.

Alle Treffer der heutigen Partie gibt's hier im Video.

Schweiz – …

Artikel lesen
Link to Article