Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
YBs Kevin Mbabu, links, und Sekou Sanogo, Mitte, jubeln mit ihren Teamkollegen nach dem Fussball Cup Halbfinalspiel zwischen dem BSC Young Boys Bern und dem FC Basel, am Dienstag, 27. Februar 2018 im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der erste Titel seit 31 Jahren winkt: Ausgelassen feiert YB den Einzug in den Cupfinal. Bild: KEYSTONE

YB macht den nächsten Schritt ... aber: «Wichtig, dass aus Euphorie keine Arroganz wird»

Der Cup-Halbfinal zwischen den Young Boys und Basel hat die Tendenz der letzten Wochen bestätigt: YB stellt den FCB derzeit in den Schatten. Während in Bern die Euphorie wächst und wächst, droht in Basel eine Ära zu Ende zu gehen.

28.02.18, 08:26


In erster Linie ging es gestern Abend zwischen den Young Boys und dem FC Basel natürlich um den Einzug in den Cupfinal. Das hat für sich genommen schon ausreichend Bedeutung, vor allem für YB, das seit fast 31 Jahren auf einen Titel wartet und nun nur noch einen Sieg vom Gewinn einer Trophäe entfernt ist. Wieder einmal, könnte man anfügen, schliesslich haben die Berner seit dem Cupsieg 1987 drei Finals verloren und sich in der Meisterschaft zweimal dem FCB erst am letzten Spieltag geschlagen geben müssen.

Die Highlights des ersten Cup-Halbfinals:

Doch dieses YB scheint anders – und gerade der Cup-Halbfinal hat dieser Vermutung Nachdruck verliehen. Denn die Mannschaft von Adi Hütter hat nicht nur ein wichtiges Spiel gewonnen, sie hat auch ein Zeichen gesetzt. Vor über 23'000 Zuschauern hielt sie zunächst kämpferisch dagegen, übernahm dann die Spielkontrolle, schoss im richtigen Moment die Tore und verteidigte den Vorsprung souverän. Sie strahlte gegen den einzigen ernsthaften Ligakonkurrenten das aus, was ihr in der Vergangenheit immer gefehlt hatte: Winnermentalität.

Umfrage

Holt YB jetzt das Double?

  • Abstimmen

1,085 Votes zu: Holt YB jetzt das Double?

  • 67%Ja klar, nichts kann YB jetzt noch aufhalten.
  • 7%Den Titel verspielen sie noch, aber für den Cup reicht's.
  • 15%YB wird Meister, der Cup aber geht nach Zürich.
  • 11%Ball flach halten! YB geht mal wieder leer aus.

Von Bergen: «Euphorie gibt Kraft»

Die Spieler verstecken sich nicht, sie gehen in der Offensive Risiken ein, übernehmen Verantwortung und arbeiten in der Defensive konsequent. Sie strotzen nur so vor Selbstvertrauen – oder wie Captain Steve von Bergen es ausdrückte: «Wir verteidigen gut, wir greifen gut an, wir gewinnen. Alles ist gut.»

Das sicherste Mittel, um solch ein Momentum zu verlieren, ist, darüber nachzudenken. Als von Bergen darauf angesprochen wurde, dass die Euphorie womöglich etwas zu gross werden könnte, meinte der Romand: «Euphorie gehört dazu, sie gibt dir Kraft. Wichtig ist nur, dass aus Euphorie nicht Arroganz wird.»

YBs Torhueter Marco Woelfli, Mitte, Kassim Adams Nuhu, links, und Steve von Bergen jubeln nach dem Fussball Cup Halbfinalspiel zwischen dem BSC Young Boys Bern und dem FC Basel, am Dienstag, 27. Februar 2018 im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Captain von Bergen feiert mit Nuhu und Wölfli. Bild: KEYSTONE

Von Bergen versicherte, er sei wachsam, bereit zu intervenieren, wenn sich die Mannschaft auf einen gefährlichen Weg begibt. Wenn er das so abgeklärt tut, wie er derzeit die gegnerischen Stürmer stoppt, haben die Berner kaum etwas zu befürchten. Zudem ist von Bergen nicht der einzige Routinier im Team, hinter ihm steht etwa Marco Wölfli, der etwas unverhofft nochmals zu einem grossen Abenteuer ansetzt, und ganz vorne wirkt Guillaume Hoarau, der nach seiner Verletzungspause fast ein hochkarätiger Neuzugang ist.

Adi Hütter hat eine Mannschaft von beeindruckender individueller Klasse, und er führt sie bislang souverän durch die Saison. «Noch haben wir nichts gewonnen», warnte der Österreicher in nüchternem Ton. Er war mit den letzten beiden Meisterschafts-Auftritten seiner Mannschaft nicht zufrieden gewesen. Umso erfreuter nahm er den Auftritt gegen Basel zur Kenntnis, erinnerte aber trotzdem daran, dass man immer an die Leistungsgrenze gehen müsse. Womöglich bereitete er schon den nächsten Match vor, jenen am Sonntag in Lugano in einer ganz anderen Atmosphäre als am Dienstag im Stade de Suisse.

Den Turnaround verpasst

Bereits am Samstag steht der FC Basel wieder im Einsatz. Er wird daheim gegen den FC Zürich unter enormem Druck stehen. Michael Lang sagte es klipp und klar: «Wir müssen gewinnen. Da gibt es keine Ausreden.» Ausreden suchte der Verteidiger auch nach der Niederlage gegen YB nicht.

Zu wenig zwingend, zu viele falsche Entscheidungen und letztlich zu wenig Torchancen, lautete sein Fazit. Es sei eine riesige Enttäuschung, nicht nur wegen dem Out: «Wir hätten das Spiel auch gern gewonnen, um den Turnaround zu schaffen.» Nach fünf Spielen im 2018 steht der FCB mit vier Niederlagen zu null da.

Basels Marek Suchy, Mitte, und Raoul Petretta, links, nach dem Fussball Cup Halbfinalspiel zwischen dem BSC Young Boys Bern und dem FC Basel, am Dienstag, 27. Februar 2018 im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Ratlose Gesichter bei den Spielern des FC Basel. Bild: KEYSTONE

Die erfolgreiche Titelverteidigung im Cup ist nicht mehr möglich, das Champions-League-Out steht bevor, so dass der FC Basel sich voll und ganz der Super League widmen kann. «Wir geben noch nicht auf. Dafür wäre es zu früh», sagte Lang und versicherte, dass der FCB wie schon in der Hinrunde nach der schlechten Phase den Tritt wieder finden werde. Auch Raphael Wicky beteuerte, es fehle nicht viel, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Der Weg in der Super League bis zum Leader YB ist mit elf Punkten Rückstand allerdings sehr weit. (pre/sda)

Alle Schweizer Cupsieger seit 1990

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

25.11.2009: Das beste Fussball-Musikvideo aller Zeiten erscheint auf Youtube – über den FC Aarau

15.11.2009: Die Schweiz ist Fussball-Weltmeister! Die U17-Nati setzt ihrem Höhenflug die Krone auf

22.02.2004: St.Gallens Kultfigur «Zelli» muss in der Not ins Tor und kratzt den Ball in «seiner» Ecke

30.09.2009: Dank Tihinens Hackentrick, «abgeschaut bei einem finnischen Volkstanz», bodigt der FC Zürich das grosse Milan

07.12.2011: Der FC Basel schmeisst Manchester United aus der Champions League und Steini, der Glatte, schiesst den Ball an die Latte

05.12.2004: Paulo Diogo gewinnt mit Servette wichtige Punkte im Abstiegskampf – und verliert dabei einen Finger

12.11.2002: Basel holt gegen Liverpool ein 3:3 und Beni Thurnheer schwärmt: «Dieses Spiel müsste man zeigen, wenn ich gestorben bin»

01.11.1989: Nur durch einen Witz-Penalty zwingt Diego Maradonas Napoli die tapferen Wettinger in die Knie

21.10.2013: Pajtim Kasami hämmert «einen der schönsten Volleys überhaupt» ins Crystal-Palace-Tor und verzückt sogar Andy Murray

08.10.2010: Vucinic lässt der Schweiz die Hosen runter und trägt sie als Kopfschmuck

07.10.1989: Der «Fall Klötzli» – vier Wettinger gehen auf den Schiri los, weil dieser Sekunden vor dem Ausgleich abpfeift

20.11.1996: Wegen 20 fatalen Minuten landet Champions-League-Überflieger GC in Glasgow auf dem harten Boden der Realität

25.9.1996: Murat Yakin sticht mit seinem Freistoss mitten ins Ajax-Herz und bringt Mama Emine zum Weinen

10.09. 2008: Luxemburgerli vernaschen? Denkste! – Die Schweizer Nati kassiert die bitterste Niederlage ihrer Geschichte

07.09.2005: Nati-Goalie Zuberbühler kassiert auf Zypern ein Riesen-Ei und schiebt die Schuld dafür dem «Blick» in die Schuhe

29.09.1971: Statt «allzu augenfällig im Spargang» die Pflicht zu erledigen, sorgt GC für den höchsten Schweizer Europacup-Sieg aller Zeiten

01.09.2007: Mit dem letzten Spiel im Hardturm-Stadion gehen 78 Jahre Geschichte zu Ende

11.08.2010: Moreno Costanzo schiesst mit seiner ersten Ballberührung als Natispieler gleich den Siegtreffer

09.08.2009: Basel-Goalie Costanzo wird für drei Spiele gesperrt – nach einer Attacke auf den eigenen Mitspieler

26.06.1954: Die Schweiz kassiert gegen Österreich in der «Hitzeschlacht von Lausanne» eine ihrer bittersten Niederlagen

26.06.2006: «Züngeler» Streller leitet das peinliche Schweizer Penalty-Debakel ein

30.07.2000: Nur GC-Milchbubi Peter Jehle steht noch zwischen FCB-Legende Massimo Ceccaroni und seinem allerersten Tor

03.05.1994: Mit dem Sonderflug zur spontanen Aufstiegsfeier auf den Barfi

01.05.1993: Marc Hottigers Knallertor versenkt Italien – und er verärgert die Azzurri danach mit einer frechen Leibchentausch-Bitte 

30.04.2011: Cabanas fordert vom Basler Schiri Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

26.04.2003: Colombas Goalie-Goal lässt Razzetti alt aussehen und den FC Aarau unabsteigbar bleiben

13.11.1991: Weil die Schweizer Nati in der «Hölle von Bukarest» auf 0:0 spielt, vergeigt sie die EM-Qualifikation im letzten Moment doch noch

16.11.2005: Die Nacht der Tritte und Schläge – einer der grössten Nati-Erfolge verkommt zur «Schande von Istanbul»

26.09.1995: Luganos Carrasco bringt mit seiner Banane Gianluca Pagliuca und das grosse Inter Mailand zum Weinen

24.04.1996: Das Ende von Nati-Trainer Artur Jorge nimmt ausgerechnet mit dem einzigen Sieg seiner kurzen Ära den Anfang 

12.04.2004: Der grosse Robbie Williams führt den kleinen FC Wil zum Cupsieg gegen GC

16.04.2009: «Jawoll, jawoll, jawoll, jawoll … YB isch im Göppfinau!»

30.05.1981: Der Wolf und seine «Abbruch GmbH» entfachen mit dem 2:1-Sieg gegen England eine neue Fussball-Euphorie

18.06.1994: Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Asmodeus 28.02.2018 14:22
    Highlight Wenn YB es irgendwie schaffen sollte beides in den Sand zu setzen, dann sollten sie das Fussball spielen wirklich bleiben lassen.

    Ein Titel wird drin liegen dieses Jahr.
    4 1 Melden
  • Seebär 28.02.2018 10:29
    Highlight Holt diese Saison endlich das Double, hösch.
    YB war gestern die bessere Mannschaft, leider.
    Ihr werdet merken, dass dann die wo am lautesten geschimpft haben über yb, jetzt in der ersten Reihe jubeln.

    13 6 Melden
  • Triumvir 28.02.2018 09:49
    Highlight Falls YB es diese Saison nicht packt, dann wird das nie mehr was mit dem oder den Titeln. Der FCB ist derzeit bloss ein Schatten früherer Zeiten und nicht mehr als durchschnittliches Team mit einer ganz miesen Club-Führung sowie einem komplett unfähigem Sportchef...
    34 17 Melden
  • Lii 28.02.2018 08:59
    Highlight In der Umfrage fehlt folgende Option: "Über solche Sachen spricht man nicht".
    61 4 Melden
  • Entenmann 28.02.2018 08:43
    Highlight Ich wiederhole mich: Gestern ging es "nur" um den Cupfinal. In der Meisterschaft ist noch alles offen. 8 Verlustpunkte Vorsprung sind schnell weg zumal noch zwei Direktbegegnungen anstehen.
    Aber egal: Hopp YB!
    87 13 Melden
    • Connor McSavior 28.02.2018 08:53
      Highlight Kann dir nur zustimmen. Gestern war ein wichtiger "Meileinstein", aber man darf nicht vergessen, dass man noch nichts gewonnen hat!
      Auch wenn es wie eine Floskel tönt, muss YB jetzt einfach Spiel für Spiel, Woche für Woche nehmen und jedes Spiel gewinnen, ohne schon daran zu denken, was vielleicht dann im April/Mai sein könnte.
      Dann kommt es sicher gut für YB.
      35 1 Melden
    • Jonas Schärer 28.02.2018 10:03
      Highlight Wenn man Adi und die Spieler sprechen hört mach ich mir da üüüüberhaupt keine Sorgen.
      Da ist eine Souveränität und Abgeklärheit vorhanden von der wir über Jahre nur geträumt oder darüber geredet haben.
      Gestern ist auch von der ersten Sekunde an der Funke auf das Stadion übergesprungen.
      So macht YB einfach nur Freude.
      Weiter gehts Spiel für Spiel, HOPP YB!
      29 3 Melden

Darum ist der verlorene Cupfinal gut für YB und die Stadt Bern

Adi Hütter war der perfekte YB-Trainer. Er hat Bern ein meisterliches Frühjahr beschert und mit dem verlorenen Cupfinal zugleich die YB-Kultur bewahrt, die wir lieben.

Den Cupfinal verloren – na und? Alles ist halb so schlimm. YB bleibt YB. Und das ist gut so. Zur YB-Kultur, die wir in den letzten 30 Jahren lieben gelernt haben, gehören nun mal Scheitern und Niederlagen aller Art.

Meister und Cupsieger im gleichen Jahr? Eine Sommerpause ohne die Möglichkeit, über einen Misserfolg zu hadern? Das hätte die YB-Fans verwirrt. Und die Intellektuellen von Bern, die Titanen der bernischen Kultur, die sich so gerne und intensiv mit der Fussball-Kultur befassen wie …

Artikel lesen