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Pascal Erlachner spricht im TV über sein Coming-Out. bild: zvg

«Es gibt immer noch Leute, die denken ‹schwul sein› sei das gleiche wie Pädophilie»

Zwölf Tage nach seinem Coming-Out zeigt das Schweizer Fernsehen den Dokumentarfilm über Pascal Erlachner. Ein halbes Jahr begleitet es den Schiedsrichter auf dem Weg zu sich selbst. Herausgekommen ist eine Dokumentation mit vielen starken Szenen. Eine Betrachtung.

Etienne Wuillemin



Pascal Erlachner sitzt in einem kleinen Propellerflugzeug. Die Landung naht. Sein Blick schweift über die Erde. Seine Worte sind ein bisschen nachdenklich. «Der erste Flug alleine, du weisst, er kommt irgendwann. Und du freust dich drauf. Es sind stille Momente in der Luft, ganz für sich alleine. Zum Geniessen. Die Welt ist so klein. Die Probleme dort unten ebenfalls.»

Die Worte könnten nicht passender sein für Erlachner in diesen Tagen der Befreiung. Der 37-Jährige Schiedsrichter hat sein Outing hinter sich. Als erster Schweizer Mann aus dem Fussball-Business steht er zu seiner Homosexualität. Ist es ein Flug ins Ungewisse?

Vor zwölf Tagen erfuhr die breite Öffentlichkeit davon. Im «Sonntagsblick» sprach Erlachner über sich als Tabu-Brecher. «Ich habe lange mit mir gekämpft», hat er als Titel ausgewählt. «Dazu ein Bild, wo ich geerdet bin, mit beiden Füssen auf dem Boden stehe, lächelnd.» Am Donnerstagabend nun zeigte das Schweizer Fernsehen den Dokumentarfilm, in dem es Erlachner ein halbes Jahr begleitet bis zum öffentlichen Outing.

Erlachner im Auto, in der Kabine, in der Küche der Eltern, im Lehrerzimmer und zu Hause mit seinem Partner – er öffnet viele Türen seines Lebens und gibt tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt. Natürlich ist einiges inszeniert und natürlich dringt auch durch, dass es Erlachner durchaus nicht stört, im medialen Fokus zu stehen. Das ändert aber nichts daran, dass den beiden SRF-Autoren Dani Heusser und Olivier Borer ein berührender Film gelungen ist mit vielen starken Szenen. Zum Beispiel eben im Flugzeug.

Der SRF-DOK in voller Länge.

Nicht nur Erlachner selbst erzählt offen und detailliert. Auch Vater, Mutter, Bruder, Partner oder sein Schiedsrichter-Coach tragen dazu bei, dass am Ende eine spannende Geschichte steht. Die Zuschauer fühlen mit, wenn sie sehen, wie sehr Erlachner jahrelang mit sich gerungen und gezweifelt hat.

Beklemmend, wenn er sagt: «Ich fühlte mich als Versager, weil ich nie eine Frau nach Hause brachte.» Heute bezeichnet er diese Gedanken als «blöde Erinnerung». Denn egal, wem Erlachner von seiner Homosexualität erzählt, er erntet immer die gleiche Reaktion: Freude und Stolz, dass er zu sich selbst stehen kann. Und Schock, dass er so lange ein Doppelleben führen musste, mit zwei Handys beispielsweise.

Doch es ging lange, bis Erlachner diesen Mut fand. Vielleicht eben auch, weil der Fussball noch immer ein rauer Ort ist. Ein Ort, wo viele Gegner lauern und schon die geringsten Anzeichen von Schwäche gnadenlos ausnutzen. Mit 30 erzählt er seinen Eltern davon. «Danach dachte ich, die ganze Welt hat mich gern.» Die Welt fühlt sich leicht an. Ohne Probleme. Es ist kein Flug ins Ungewisse. Sondern in die Normalität. Aber gilt das auch schon für die Fussball-Welt?

Am vergangenen Sonntag leitet Erlachner die Partie Lausanne-FCZ. Die erste seit seinem Coming-Out. «Was kommt?», fragt er sich. Und ein bisschen Furcht ist trotzdem dabei. Vielleicht auch,weil ausgerechnet ein Spieler von Lausanne verlauten lässt, es wäre schon ein Problem, einen schwulen Mitspieler zu haben. Doch dann: Keine Pfiffe gegen Erlachner, keine blöden Sprüche. Eigentlich ist alles normal. Aber als das Spiel zu Ende ist, übermannen ihn die Emotionen doch. In der Garderobe kommen die Tränen der Erleichterung. Doch es ist mehr als das, mindestens eine Befreiung.

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Mir fällt ein Stein vom Herzen: Ein aufgelöster Pascal Erlachner nach dem ersten Spiel nach dem Coming-Out. screenshot: srf

Pascal Erlachner hofft, vielleicht die eine oder andere Diskussion auszulösen. Dass dies weiterhin nötig ist, wird spätestens dann offensichtlich, wenn der Sportlehrer über manche Eltern spricht: «Es gibt immer noch Leute in unserer Gesellschaft, die denken ‹schwul sein› sei das gleiche wie Pädophilie.» (aargauerzeitung.ch)

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nelson Muntz 22.12.2017 08:31
    Highlight Highlight Das traurige ist, dass sich Schwule outen müssen und nicht einfach ein Teil der Gesellschaft sind, ohne Bezug auf das Liebesleben. Und dass sie in der Schweiz immer noch nicht heiraten dürfen ist sehr mittelalterlich!
    46 10 Melden
    • derEchteElch 22.12.2017 09:01
      Highlight Highlight Niemand zwingt sie dazu, sich outen zu müssen, sie können normal ein Teil der Gesellschaft sein, ohne alles an die grosse Glocke zu hängen.

      Ich betone ja auch nicht bei jedem Gespräch, dass ich auf Frauen stehe.

      Um zu Veranschaulichen was ich meine, ein Bild über meinen Sport (ersetzt das eine durch das andere und wir haben die selbe Situation);
      User Image
      15 35 Melden
    • Kii 22.12.2017 10:46
      Highlight Highlight Ein Hetero macht das auch, einfach unbewusst. Wieviel mal erzählt mir jemand von seiner Frau oder Freundinn ohne das ich ihn gefragt habe?
      24 5 Melden
    • Eine_win_ig 22.12.2017 10:57
      Highlight Highlight Und? Mein schwuler Kollege erzählt dann halt als Antwort darauf, dass er am Wichebende einen Mann abgeschleppt hat. So what? Soll doch jeder so leben wie er will.
      14 3 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • durrrr 22.12.2017 07:57
    Highlight Highlight Ech meine jede cha mache was er will, will jede staht dezue was er macht
    28 3 Melden
  • kupus@kombajn 22.12.2017 07:51
    Highlight Highlight Es gibt auch immer noch Leute, die denken unser aller Stammmutter sei eine inkarnierte Rippe (an dieser Stelle liebe Grüsse an meine Bekannten in Oklahoma).

    Im Bezug auf Homosexualität ist unsere Gesellschaft erst dann liberal, wenn sich Homosexuelle nicht explizit outen müssen, sondern wenn sie ihr Leben in all seinen Facetten offen leben können, als sei es das Normalste der Welt, ohne dass sich jemand einen Deut darum schert.
    53 8 Melden
  • Citation Needed 22.12.2017 06:37
    Highlight Highlight Ich hoffe, sein Beispiel wird Türen öffnen, auch seitens der Spieler. Es macht krank, wenn man sich verstellen muss.
    57 5 Melden
  • Gsnosn. 22.12.2017 06:10
    Highlight Highlight Ja und, ist er halt Schwul, doch egal! Homosexuelle oder Hetero, ist doch sowas egal, jeder soll Leben wie er will
    36 8 Melden
    • Chrigu91 22.12.2017 11:41
      Highlight Highlight So sollte es sein ja ;) so weit sind wir aber leider überhaupt noch nicht
      9 1 Melden
  • Fruchtzwerg 22.12.2017 03:15
    Highlight Highlight Ein sehr schöner Film. Und er macht Hoffnung, dass Toleranz, Akzeptanz und Liebe in dieser Welt doch noch stärker sind als Hass und Anfeindungen...
    41 5 Melden
  • länzu 22.12.2017 02:56
    Highlight Highlight Ein ganz guter Film, Die innere Zerrissenheit des Schiris kommt ganz gut zum Ausdruck, Ebenso die Anspannung, obwohl er vordergründig voll überzeugt davon ist, sich zu outen. Zum Glück hat er das gemacht und zum Glück sind die Reaktionen bis jetzt positiv ausgefallen.Es kann ja nicht sein, dass 2017 ein schwuler Sportler nicht akzeptiert wird.




    40 4 Melden
  • pamayer 22.12.2017 00:08
    Highlight Highlight Bis tief in die 90er war der Pädophile ein Mann, der Knaben an der Chilbi entführte, missbrauchte und ermordete.
    Das sitzt noch tief in den Köpfen.
    Und alle organisierten Pädophilen haben grosses Interesse, dieses Bild vom einzelgängerischen Triebtäter aufrecht zu erhalten.
    4 46 Melden
    • Fabio74 22.12.2017 08:46
      Highlight Highlight Ziemlich am Thema vorbei geschrieben
      20 2 Melden
  • Butschina 21.12.2017 23:07
    Highlight Highlight Ich hatte in den letzten drei Schuljahren einen schwulen Klassenlehrer. Naja von den pupertierenden Jungs wurde er verarsch was nur möglich war. Trotzdem einer der besten Lehrer die ich je hatte. Er ging offen damit um. Ich denke das ist für Pupertierende eine grosse Hilfe zu sich zu stehen.
    63 3 Melden
    • carmse 22.12.2017 08:09
      Highlight Highlight Während meiner Ausbildung in Köln hatte ich zwei Lehrerinnen, die privat in einer Beziehung lebten und auch zusammen wohnten. Eine von beiden war früher mal verheiratet und hat zwei Söhne. Obwohl gemunkelt wurde, dass die beiden zusammen sind (ich wohnte im selben Stadtteil und hab sie oft gemeinsam gesehen), haben sie sich nie gross dazu geäussert - bis wir dann an Karneval mal alle etwas angeheitert waren :)

      Wir SchülerInnen fanden es auf jeden Fall klasse, dass Schulleitung und Lehrerschaft, die von der Beziehung wussten, hinter den beiden stand.

      So sollte es sein. Live and let live.
      13 4 Melden
    • incorruptus 22.12.2017 09:03
      Highlight Highlight Unsere Primarschule wurde von zwei homosexuellen Lehrerinnen geführt, welche nun gemeinsam arbeiten. Dies war allerdings nie ein Problem - die Akzeptanz in der Schweiz ist sehr gross gegenüber LGBT.

      Wir alle wollten einfach lehrreichen Unterricht, genauso wie jede(r) nun einfach gute Leistungen von Erlachner, sei es als Schiedsrichter oder als Lehrer, sehen.

      Schön zusammengefasst mit: "Du bist immernoch derselbe Pascal, den du immer schon warst."
      5 5 Melden
  • Fabio74 21.12.2017 22:03
    Highlight Highlight sehr interessanter Film, der zum Nachdenken anregte und selber Erinnerungen weckte.
    Auf der einen Seite mutig, sich so zu outen, auf der anderen Seite traurig, dass 2017 sowas noch nötig ist.
    Leider machen gewisse politische und religiöse Kreise, das Leben Homosexueller noch immer schwer.
    Fazit: Hut ab *****
    182 25 Melden
    • Heimwerkerkönig 22.12.2017 06:20
      Highlight Highlight Wieso blitzt man Fabios Kommentar? Würde sich ein Blitzer mal äussern bitte!
      46 14 Melden
    • Chris Olive 22.12.2017 08:03
      Highlight Highlight @Heimwerkerkönig: Das dürften wohl Daniel Regli-Wähler sein. Mach dir keine Sorgen, sie sind in der Minderheit, auch wenn das manchmal (besonders in Kommentarspalten) anders aussieht.
      28 13 Melden
    • hävi der spinat 22.12.2017 10:09
      Highlight Highlight Fabio
      Du hast es geschafft!
      Gratulation.
      Das höchste, was einem wie dier möglich ist. Du wurdest Orange markiert! Bravo!

      Merkst du etwas? Wohl einer der ganz wenigen Kommentare, wo du nicht andere, mangels Argumenten, direkt beleidigst.
      Es ist also möglich und lohnt sich für dich.
      👍 Weiter so!
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