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Der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann anlaesslich der Medienkonferenz zum Jahresrueckblick 2013 der Aargauer Kantonspolizei, am Freitag, 28. Maerz 2014, in Aarau. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

«Erschütternde Vorfälle»: Urs Hofmann, Präsident der Konferenz der Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD). Bild: KEYSTONE

Oberster Polizeidirektor fordert Meldepflicht für gewaltbereite Fussballfans

Der Präsident der Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz Urs Hofmann rät den Kantonen, Scharfmacher bei den Fussballfans vermehrt mit Meldeauflagen zu belegen. Dann müssten sie sich auf dem Polizeiposten melden, wenn ihr Klub spielt.

Othmar von Matt / ch media



Herr Hofmann, wieder einmal gibt Gewalt im Umfeld von Fussballspielen zu reden. Bei einem Fanmarsch von Belgrad-Fans durch Bern gab es am Mittwoch fünf Verletzte. Was sagen Sie dazu?
Urs Hofmann: Ich habe die erschütternden Vorfälle den Medien entnommen. Für mich stellt sich vorab die Frage: War die Polizeitaktik, einen solchen Fanmarsch zuzulassen, wirklich optimal? Kam diese Art von Saubannerzug durch Bern völlig überraschend zustande? Oder hätte man ihn vorhersehen können?

Für Empörung sorgte der Fall eines FCZ-Fans, der einen Familienvater vor seinen zwei- und vierjährigen Kindern brutal verprügelte.
Aufgrund der Medienmitteilungen liegt hier wohl kein klassischer Fall von Fussballgewalt vor. Es sieht vielmehr danach aus, dass ein minderjähriger Fussballfan ausrastete und eine massive Gewaltattacke gegenüber einem Unbeteiligten beging, wie es sie auch ausserhalb der Fanszene gibt. Letztlich fehlen jedoch die Angaben, um diesen Fall näher einschätzen zu können. Klar ist: Wir müssen alles tun, um Gewalt im Sport zu verhindern. Sie hat dort nichts zu suchen.

Bern: Fünf Verletzte bei Belgrad-Fanmarsch

Video: © CH Media Video Unit

Justizministerin Karin Keller-Sutter forderte in der NZZ ein strikteres Vorgehen gegen Hooligans. Die Kantone müssten dafür lediglich die Gesetze anwenden, sagte sie. Wie sehen Sie das?
Ich pflichte Bundesrätin Keller-Sutter bei. Die Kantone evaluieren denn auch zurzeit das Hooligan-Konkordat, das es seit einigen Jahren gibt. Auch wir von der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -Direktoren (KKJPD) stellen fest, dass gewisse Massnahmen von den Kantonen selten angewendet werden. Trotz Empfehlungen der KKJPD und ihrer Arbeitsgruppen.

«Personen mit einer Meldeauflage müssen sich auf dem Polizeiposten melden, wenn ihr Klub spielt.»

An welche Massnahmen denken Sie?
Vor allem an die Meldeauflage.

Weshalb ist sie so wichtig?
Sie hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Stadion- und Rayonverbot. Personen mit einer Meldeauflage müssen sich auf dem Polizeiposten melden, wenn ihr Klub spielt. So können Rädelsführer und Scharfmacher davon abgehalten werden, im Fanzug an Auswärtsspiele mitzureisen oder sich vor dem Stadion aufzuhalten.

Passiert das oft?
Ich gehe oft an die Spiele des FC Aarau. Und da gibt es immer wieder Leute mit Stadionverbot, die sich im Umfeld des Stadions aufhalten. Gerade die Phase vor einem Spiel ist teilweise noch heikler als jene im Stadion selbst. Einpeitscher können da Einfluss nehmen auf die Fans. Auch weniger gewaltanfällige Fans verhalten sich dann in der Masse plötzlich anders als sonst.

Gibt es noch andere Empfehlungen der KKJPD?
Ja, namentlich für sogenannte Hochrisikospiele. Zum Beispiel Eingangskontrollen oder Fanzüge mit Kombitickets.

Die Eingangskontrollen helfen aber nur bedingt gegen Pyros, wie sich immer wieder zeigt.
Dafür müsste man das Stadion auch schon in den Tagen vor einem Spiel überwachen.

«Eingangskontrollen können in heiklen Spielen wichtig sein, um zu wissen, wer sich überhaupt im Stadion befindet.»

Frauen sollen Pyros sogar in der Scheide ins Stadion schmuggeln.
Ob das wirklich oft vorkommt, weiss ich nicht. Pyros lassen sich aber auch anderswo verstecken, wo man sie bei einer normalen Körperkontrolle nicht ohne weiteres entdeckt. Eingangskontrollen können in heiklen Spielen aber auch wichtig sein, um zu wissen, wer sich überhaupt im Stadion befindet.

Was können die Klubs dafür tun?
Sie könnten Identitäts-Kontrollen durchführen, um zu verhindern, dass Fans ins Stadion gelangen, die Stadion- oder Rayonverbot haben. Die Namen würden dann abgeglichen mit der Hooligan-Datenbank oder einer vereinseigenen Liste. Allerdings wäre das sehr aufwendig. Die Staus bei den Eingängen könnten möglicherweise die Aggressionen verschärfen.

Die KKJPD prüft, ob das Hooligan-Konkordat verschärft werden soll. Wie sehen Sie das?
Ziel ist eine Standortbestimmung: Wie wird das Konkordat angewendet? Weshalb werden einzelne Massnahmen so bescheiden eingesetzt? Sind die Regelungen des Konkordats zu wenig griffig, zu wenig praxisnah?

Bundesrätin Keller-Sutter sagt, es wären eigentlich alle Instrumente vorhanden.
Das ist auch unsere Arbeitshypothese. Das Konkordat lässt viele Massnahmen zu. Wir möchten mit der Evaluation eine gesicherte Grundlage dafür erhalten, ob das Konkordat verschärft oder nur die Massnahmen konsequenter umgesetzt werden müssen.

«Obwohl ich mit meinen Kollegen in der Nähe des Fanblocks stehe, wurde ich bis heute noch nie verbal oder körperlich attackiert.»

Keller-Sutter betont, auch Fussballklubs müssten mehr tun.
Für mich ist klar, dass sich die Fussballklubs unmissverständlich von jeglicher Gewaltanwendung distanzieren müssen. Es gibt nicht ein wenig Gewalt, ein wenig Krawall, ein wenig Rassismus. Hier erwarte auch ich von allen Klubverantwortlichen Klartext. Letztlich stellt sich ja stets auch die Grundfrage, weshalb es ausgerechnet bei einer Sportart wie Fussball zu solchen Gewaltexzessen kommt. Der Fussball kanalisiert ja gerade den harten Wettkampf auf den Fussballplatz.

Keller-Sutter sprach auch davon, dass Regierungsräte massiv bedroht und eingeschüchtert würden. Haben Sie das selbst schon erlebt?
Nein, zum Glück bisher nicht. Ich bin ja oft bei den Spielen des FC Aarau auf den Stehplätzen zu finden. Obwohl ich mit meinen Kollegen in der Nähe des Fanblocks stehe, wurde ich bis heute noch nie verbal oder körperlich attackiert. Mir sind aus letzter Zeit auch keine Bedrohungen von Regierungskollegen bekannt. Hingegen wurde Karin Keller-Sutter massiv bedroht, als sie noch Regierungsrätin im Kanton St. Gallen war. Auch dem Zürcher Regierungsrat Mario Fehr wurde in Winterthur einmal Bier ins Gesicht geschüttet.

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • nJuice 23.08.2019 13:50
    Highlight Highlight Ich spreche mich immer noch für personalisierte Tickets aus.

    Ja, der Weg ins Stadion wird länger, da noch ein Ausweis kontrolliert bzw. mit dem Ticket vergleicht werden muss.
    Es wäre aber sehr viel einfacher, Idioten draussen zu lassen; dazu kommt noch, dass man im Katastrophenfall genau weiss, wer im Stadio ist/war.

    Ansonsten scheint mir die Meldepflicht für Hooligans sinnvoll, das sollte man konsequent durchziehen. Die Typen dürfte man an diesen Tagen gerne auch für gemeinnützige Arbeiten einteilen, das könnte eine Win-Win-Situation geben.
  • Senpai 23.08.2019 08:11
    Highlight Highlight Vor jedem Spiel ne grosse Wiese mieten, ein kleines Sanizelt aufstellen und dann können beide Lager prügeln. Hooligan Royale
  • surfi 23.08.2019 06:52
    Highlight Highlight Es kann nicht sein, dass Hooligans mit dem Fanzug mitreisen, vor der Endstation ausgeladen werden, weil diese Station- und Rayonverbot haben und nach dem Match beim Fanzug die Notbremse gezogen wir, damit diese wieder einsteigen können.
    Solche "Fans" gehören während dem Match eingebuchtet.
  • jaähä 23.08.2019 02:44
    Highlight Highlight Man sollte zuerst mal klar unterscheiden zwischen leichten delikten (pyro schmuggeln oder zünden) und wirklichen Gewalttaten wie pyro werfen, böller in menschennähe, gewalt gegen andere menschen usw. Letztere sollte man konsequent verfolgen und Einzeltäter hart bestrafen. Kolleltivstrafen, kombiticket und härteren eingangskontrollen führen hingegen nur dazu, dass selbst gemässigte fans radikalisiert werden, da sie sich durch die Schikane provoziert fühlen.
    • Max Dick 23.08.2019 18:29
      Highlight Highlight @Dönergot: Lieber Leute einbuchten, die andere einbuchten wollen, nur weil sie gute Stimmung in die Stadien bringen. Punkt.
  • Illuminati 22.08.2019 23:07
    Highlight Highlight Ui nei der Mario Fehr bekam mal bisschen Bier ins Gesicht?!? Schlimm aber auch...
  • soulcrates 22.08.2019 22:12
    Highlight Highlight Brot und Spiel 2.0
  • Don Sinner 22.08.2019 22:05
    Highlight Highlight BR Karin Keller-Sutter heute in der NZZ: "(...) sind die Verbandelung und die Abhängigkeiten zwischen Klubs und Fans sehr gross." Volià. Was der aussen Stehende schon lange vermutet: Die Clubs - und die Verbände - kümmert's einen Sch***. Sie kassieren, wir bezahlen. - BR KKS weiter: "Um den Hooligans beizukommen, müsste man nur die Gesetze anwenden. Alles ist vorhanden: Strafrecht, Strafprozessrecht, Sprengstoffgesetz, Hooligan-Konkordat. Der ganze Werkzeugkasten liegt auf dem Tisch. Nun braucht es den Mut, diese Instrumente auch einzusetzen."
  • ybfreak 22.08.2019 21:38
    Highlight Highlight Die Uefa sollte gewalttätige Fans wie die Ultras von Belgrad sperren. Keine Auswärtsfans von Belgrad zulassen, Strafe gilt für 2-3 Jahre. Danach die Situation neu beurteilen.
    • Max Dick 22.08.2019 22:34
      Highlight Highlight Heul doch. Als ob wirklich schlimmeres vorgefallen wäre. Das an der Drogenanlaufstelle war übel, aber da ist ja ziemlich unklar, was genau vorgefallen ist. Und HÄTTE es nicht so viele wahnsinnig tolle YB-Saisonkarteninhaber gegeben, die um ein paar Fränkli zu verdienen ihre Zusatztickets im Internet verkauft, sondern stattdessen Freunde für dieses Spiel mobilisiert hätten, müsste jetzt auch keiner im Blick jammern, dass er eine Bierdusche bekommen hätte.
    • Trompete 23.08.2019 07:00
      Highlight Highlight Dass der Ruf nach Kollektivstrafen ausgerechnet von einem YB Fan kommt, überrascht mich kein bisschen.
      Sollte sich herausstellen, dass die "netten Typen" am Bahnhof Spiez zum YB Fanlager gehören: Befürwortest du dann auch, wenn ihr schweizweit 2-3 Jahre gesperrt werdet?
    • ybfreak 23.08.2019 09:13
      Highlight Highlight @Max Dick
      Ich heule nicht im Geringsten, aber frag mal alle Polizisten, welche die Scheisse immer wieder ausbaden dürfen. Ich persönlich habe eine Saisonkarte und würde nie im Leben ein Ticket verkaufen, um Geld zu verdienen.
      @Trompete
      Belgrad fällt dauerhaft mit rechtsextremen, gewaltbereiten Ultras auf. Ich rede von den Hooligans, welche mehrheitlich im Gästeblock zu finden waren. Ich würde diese Massnahme auch bei den Hooligans von YB begrüssen und rede ausschliesslich von der Schliessung des Gästeblocks. Belgrad kann mit Bern jedoch nicht 1:1 verglichen werden.
  • Füürtüfäli 22.08.2019 21:25
    Highlight Highlight 《Frauen sollen Pyros sogar in der Scheide ins Stadion schmuggeln》 Kann mir vorstellen, das so eine Pyro-Fackel im Po nicht sooo prickelnd ist.
  • Füürtüfäli 22.08.2019 21:15
    Highlight Highlight Diese, ich nenn sie trotzdem mal Leute, sind alles andere aber sicher keine Fans.
  • The fine Laird 22.08.2019 21:04
    Highlight Highlight Meldepflicht gibt es schon lange..🙄
  • O.Brady 22.08.2019 21:01
    Highlight Highlight Für hooligans: Am Tag des Spiels Tea im Altersheim servieren. Für die Agressivität am nächsten Marathon teilnehmen müssen
    • MaskedGaijin 23.08.2019 04:13
      Highlight Highlight Und wer sind diese hooligans?
  • Töfflifahrer 22.08.2019 20:57
    Highlight Highlight Wendet endlich einfach mal die bestehenden Gesetze an!
  • Faceoff 22.08.2019 20:34
    Highlight Highlight Überwachungsmassnahmen sollten immer dazu dienen, Täter zu fassen, nicht einfach alle unter Generalverdacht zu stellen. Kombitickets und dergleichen sind reine Schikane und eine Kapitulation. Man gibt zu, dass man die Täter nicht findet und bestraft halt alle.

    Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass es mit heutigen technischen Mitteln so unfassbar schwer sein kann, die richtigen Leute aus dem Verkehr zu ziehen und die anderen in Ruhe zu lassen. Macht endlich euren Job!
  • circumspectat animo 22.08.2019 20:27
    Highlight Highlight Also sollen sich jetzt die Belgrader Fans vor jedem Spiel in Bern melden oder was ?
  • Max Dick 22.08.2019 20:23
    Highlight Highlight Eine Standortbestimmung zum Konkordat ist eine gute Idee. Allerdings sollte es dann nicht darum gehen, ob es zu wenig griffig sei, sondern darum, ob man den Müll nicht einfach ersatzlos beerdigt. Unzählige Fans werden mit diesen "Präventivmassnahmen" kriminalisiert, schikaniert, etc. Und kosten tut's auch eine Menge.
    • Gretzky 22.08.2019 21:12
      Highlight Highlight Was du nicht sagst. Wie genau werden normale Fans den durch das Konkordat schikaniert?
      Und das Konkordat kostet grundsätzlich mal gar nichts, sondern die Sicherheitskosten der Klubs und die Einsätze der Polizei. Die gäbe es ohne Konkordat aber genauso.
    • Nonkonformist 23.08.2019 01:36
      Highlight Highlight Richtig Gretzky! Ich fühle mich durch das sehr sinnvolle Konkordat nicht im Geringsten schikaniert. Ich kann weiterhin das Spiel sehen, mein Bier trinken, meine Wurst essen, mit anderen Matchbesuchern diskutieren, mich freuen, mich ärgern, und dann wieder nach Hause gehen. Meldepflicht für Unverbesserliche? Aber sicher. Kombitickets? Gute Idee. Wieso sollte das alles mich als normalen Matchbesucher und Fan irgendwie beeinträchtigen? Benehmt euch endlich mal, dann werdet ihr auch nicht "schikaniert"!
    • Gretzky 23.08.2019 16:09
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