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Warum Fussballer so oft spucken

Der Einwechselspieler ist kaum auf dem Feld, da spuckt er schon auf den Rasen. Das Ritual gehört zum Fussballspielen wie das Jubeln nach einem Tor. Muss das sein?

irene berres



Ein Artikel von

Spiegel Online

Spucke zählt wie alle Körperflüssigkeiten zu den Dingen, die man am besten für sich behält oder unauffällig entsorgt. Mit Schwung und möglichst unbemerkt ins Waschbecken oder in die Hecke neben der Strasse damit, so will es die Gesellschaft. Sonst droht den Mitmenschen Ekel, dieses Übelkeit erregende Gefühl des Widerwillens, wenn sich zwischen den Lippen des Gesprächspartners immer wieder feine Speichelfäden spannen.

Es gibt gute Gründe für die Abscheu gegen fremden Speichel. Grippeviren, Erkältungsviren, Noroviren – sie alle können in der Spucke überleben. Trotzdem widersetzen sich Fussballer Woche für Woche den gesellschaftlichen Konventionen. Spucken gehört zum Fussballspielen wie das Jubeln nach dem Tor. Woher kommt das?

Ein Top-Thema in Sachen Fussball und Spucke ist in Deutschland bis heute der Aufreger um Rudi Völler. Bei einem WM-Spiel spuckte ihm der Niederländer Frank Rijkaard 1990 in die lockige Vokuhila. Gleich zweimal. Ein Skandal, der die Spuckliebe der Fußballer aber kaum erklären kann, genauso wenig wie andere Anekdoten.

Keine Pipipause, wenig Speichel

Besser ist es, sich dem Thema medizinisch zu nähern. Studien zu spuckenden Fussballern existieren keine, doch dem Phänomen lässt sich laut Thomas Deitmer, Chefarzt der HNO Klinik Dortmund, mit einem Gedankenmodell auf den Grund gehen.

Die Spuck-Compilation der Fussballstars

Hetzen die Fussballer übers Spielfeld, stellt sich ihr Nervensystem von Entspannung auf Angriff oder Flucht um. Ihr Körper mobilisiert alle Energiereserven, der Blutdruck steigt, die Verdauung stockt. Pipipause? Später!

16.04.2016; Madrid; Fussball La Liga - Getafe CF - Real Madrid; Cristiano Ronaldo (Real) spuckt aus (Gregorio Lopez/Expa/freshfocus)

Nimmt den Mund ganz schön voll: Christiano Ronaldo.
Bild: Gregorio Lopez/freshfocus

Als der Mensch noch jagte und vor Säbelzahntigern flüchtete, ermöglichte das kurzzeitige Mobilisieren aller Kräfte das Überleben. Heute fordert der Durchschnittsdeutsche den Angriff-oder-Flucht-Teil des Nervensystems, den Sympathikus, meist bei aufregenden Prüfungssituationen, an einem stressigen Tag zwischen Kindern und Arbeit oder eben beim Sport. Dabei verändert sich auch die Speichelproduktion.

«Wenn sich viel Adrenalin im Blut befindet und man leistungsbereit ist, wird die Speichelproduktion gehemmt», sagt Deitmer. «Das ist auch der Hintergrund des Spruchs ‹Da bleibt einem die Spucke weg›.» 

Schleimige Masse statt geschmeidigem Speichel

Was den Fussballer betrifft, liefert der fehlende Speichel allein noch keine Erklärung für das ständige Spucken – im Gegenteil. Wäre da nicht ein weiterer Faktor, der sich auf die Konsistenz der Spucke auswirkt. «Wenn die Fußballer über das Feld stratzen, kommen sie mit der Nasenatmung nicht mehr hin», sagt Deitmer. «Dann müssen sie auf Mundatmung umschalten.»

FC Thuns Guillaume Faivre spuckt nach dem Tor des FC St. Gallens, im Achtelfinal des Schweizer Fussball Cups, zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Thun, am Mittwoch, 29. Oktober 2014, in der AFG Arena in St. Gallen. (KEYSTONE/Anthony Anex)

FC Thuns Guillaume Faivre spuckt aus, nachdem er sich im Pokal-Achtelfinal 2014 gegen den FC St.Gallen ein Tor gefangen hat.
Bild: KEYSTONE

Die Luft fängt an, durch den Mund zu zirkulieren; auf ihrem Weg trocknet sie die Schleimhäute zusätzlich aus. Als Folge beginnt der restliche Speichel im Mund, sich zu Schleim zu transformieren. «Der Speichel wird visköser, trockener, er klebt eher an Zunge und Gaumen», sagt Deitmer. «Wenn sich das in Mengen in Mund und Rachen ansammelt, ist es verständlich, dass man es loswerden will.»

20.09.2015; Southampton; Fussball Premier League - Southampton - Manchester United; Marcos Rojo (Manchester) spuckt Wasser aus (Catherine Ivill/AMA/freshfocus)

Lass es raus: Marcos Rojo von Manchester United.
Bild: Catherine Ivill/freshfocus

Damit haben die Sportler zumindest ein medizinisches Argument, mit dem sie ihr Spucken verteidigen können. Warum aber befeuchten Einwechselspieler oft schon den Rasen, bevor sie den Ball zum ersten Mal berührt haben? Und warum spucken die Frauen so viel seltener? Diese Fragen lassen sich nur mithilfe der Psychologie beantworten.

Revier markieren und negative Gedanken stoppen

«Auch wenn sie sich dessen wahrscheinlich nicht immer bewusst sind, die Fussballer spucken nicht einfach nur so», sagt der Sportpsychologe Jürgen Walter. «Zum einen hilft es den Spielern dabei, ein bisschen ihr Revier zu markieren – ähnlich wie es auch Tiere tun.»

Zum anderen diene das Befeuchten des Platzes ein Stück weit dem Frustabbau. «Wer das Spucken beobachtet, merkt schnell, dass die Fussballer nicht aus Freude spucken, sondern eher, wenn ihnen etwas misslungen ist», sagt Walter. «Alles, was hilft, negative Gedanken zu stoppen, ist gut.»

Fazit: Eine medizinische Ausrede haben die Fussballer – rennen sie übers Feld, transformiert sich ihr Speichel zu unangenehmen Schleim. Das viele Spucken lässt sich aber eher als Form der Frustbewältigung erklären. Wer's mag!

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    Alle Leser-Kommentare
  • amade.ch 17.06.2016 14:56
    Highlight Highlight Würde wetten, dass Faivre in der rechten Hand eine Trinkflasche hält. Das Wasser, dass man da sieht, kommt zwar aus seinem Mund, ist aber Frischwasser zur Befeuchtung und wird von vielen Spielern direkt wieder ausgespuckt.

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