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Ambri's player Christian Stucki, down, and Biel's player Gianni Ehrensperger, up, during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship 2014/15 between HC Ambri-Piotta and the EHC Biel-Bienne, at the ice stadium Valascia, in Ambri, Switzerland, Friday, November 14, 2014.  (KEYSTONE/Ti-Press/Carlo Reguzzi)

Ambrìs Christian Stucki und Biels Gianni Ehrensperger liegen flach. Bild: KEYSTONE

Auf dem Eis statt auf der Strafbank

Ambrì fordert Spielwiederholung: Der komplizierteste Rechtsfall seit Einführung der Playoffs

Ambrì beschert der Liga mit dem Spielfeldprotest gegen die Wertung der 3:4-Niederlage gegen Biel eine steinharte regeltechnisch-juristische Knacknuss. Fehler der Schiedsrichter oder Chaos bei der Strafbankaufsicht?

Ambrì verliert die Partie gegen Biel nach Penaltyschiessen 3:4. Die Schlüsselszene, die jetzt Einzelrichter Reto Steinmann in erster Instanz beschäftigt: Nach 19 Minuten und 32 Sekunden werden Biels Philippe Wetzel und Simon Rytz sowie Daniel Steiner mit einer Zweiminutenstrafe belegt. Da bereits Biels Gianni Ehrensperger nach 18 Minuten und 27 Sekunden nach Partiebeginn auf der Strafbank sitzt, kann Ambrì mit fünf gegen drei Feldspieler spielen. 

Das Problem: Ambrì beendet dieses erste Drittel tatsächlich mit fünf gegen drei Feldspieler. Aber Wetzel sass nicht draussen auf der Strafbank, um auf das Anlaufen seiner aufgeschobenen Strafzeit zu warten. Er spielte die letzten 28 Sekunden Boxplay.

Ambri's Head Coach Serge Pelletier watches the game during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship 2014/15 between HC Ambri-Piotta and HC Fribourg-Gotteron, at the Valascia ice stadium, in Ambri, Switzerland, Saturday, November 01, 2014. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Ambrì-Trainer Serge Pelletier hat während dem Spiel noch gut lachen. Bild: TI-PRESS

Wetzel hat also seine Wartezeit sozusagen auf dem Eis statt auf der Strafbank verbracht. Ambrì und Biel legen in der Pause Spielfeldprotest ein. Biel bestätigt den Protest als Sieger der Partie hinterher nicht. Ambrì hat den Protest am Samstagvormittag bestätigt. Beim Beginn des zweiten Drittels hat dann alles wieder seine Ordnung. Philippe Wetzel hat auf der Strafbank Platz genommen. 

Die Frage ist nun: regeltechnischer Fehler oder Chaos auf der Strafbankaufsicht? Ein regeltechnischer Fehler liegt dann vor und macht eine Spielwiederholung zwingend notwendig, wenn die Schiedsrichter eine Regel falsch auslegen. Ein Beispiel: Wenn eine Mannschaft in der letzten Minute den Torhüter mit einem sechsten Feldspieler ersetzt und ein Foul begeht, entscheiden sich die Schiedsrichter für zwei Minuten statt für ein technisches Tor. Dann muss der Spielfeldprotest auf dem Eis beim Schiedsrichter deponiert werden, bevor das Spiel wieder beginnt. Damit er die Möglichkeit hat, seinen Irrtum zu korrigieren. Besteht er dann immer noch auf seiner Entscheidung, dann hat er einen regeltechnischen Fehler begangen und die Partie wird wiederholt.



Zwei Unklarheiten

So eindeutig ist der Fall Ambrì allerdings nicht. Erstens: Der Spielfeldprotest hätte theoretisch bereits beim Spielunterbruch, als Philippe Wetzel auf dem Eis stand, deponiert werden müssen. Damit die Schiedsrichter die Möglichkeit gehabt hätten, zu sagen: «Okay, ja, der muss auf die Strafbank.» Der Spielfeldprotest kam aber erst nach Wetzels Einsatz in der Pause.

Nun kann man sagen: Zu spät! Spielfeldprotest abgelehnt. Oder aber: Es war ja nicht eher möglich, einen Spielfeldprotest einzulegen. Die Tatsache, dass Philippe Wetzel illegal spielte, wurde ja erst dadurch geschaffen, dass das Spiel wieder begann. Also ist der nächste Termin für einen Spielfeldprotest der nächste Spielunterbruch, der mit dem Ende des ersten Drittels identisch ist. Also kann man sagen: Spielfeldprotest korrekt.

Biel's and Ambri's players birch during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship 2014/15 between HC Ambri-Piotta and the EHC Biel-Bienne, at the ice stadium Valascia, in Ambri, Switzerland, Friday, November 14, 2014.  (KEYSTONE/Ti-Press/Carlo Reguzzi)

Das hartumkämpfte Spiel wird am grünen Tisch nochmals entschieden. Bild: KEYSTONE

Zweitens: Die Schiedsrichter haben keine Regel falsch und zum Nachteil Ambrìs ausgelegt. Ambrì konnte mit fünf gegen drei Feldspieler spielen. Die Schiedsrichter haben bloss nicht bemerkt, dass da einer mitspielte, der nicht sollte. Eindeutig wäre der Fall nur, wenn Biel mit vier statt mit drei Feldspielern gespielt hätte.

Wer ist nun schuld, wenn einer spielt, der auf die Strafbank gehört? Da liegt die Verantwortung auch bei der Strafbankaufsicht. Diese obliegt den Funktionären des Heimklubs. Wir können also sagen: Kein regeltechnischer Fehler, sondern Chaos bei der Strafbankaufsicht.

In dubio pro reo

Der Fall ist so komplex, dass so oder so entschieden werden kann. Ja, es ist der komplizierteste Protestrechtsfall seit Einführung der Playoffs (1986). Meine Erfahrung sagt, dass dieser Spielfeldprotest von Ambrì wahrscheinlich in erster Instanz abgewiesen wird. Es gibt zu viele Möglichkeiten, eine Abweisung gut zu begründen.

Der Zuger Rechtsanwalt und Notar Reto Steinmann, aufgenommen am Montag, 1. Dezember 2003, in seinem Buero in Zug. Steinmann wurde am Samstag, 29. November 2003 an der DV der Schweizer Eishockey Nationalliga in Zug zum Einzelrichter gewaehlt. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Wie wird Einzelrichter Reto Steinmann entscheiden? Bild: KEYSTONE

Einzelrichter Reto Steinmann wird als ehemaliger Berufsrichter kaum eine Spielwiederholung anordnen, wenn die Rechtslage nicht hundertprozentig eindeutig ist. Nach dem Grundsatz, der für alle Richter dieser Welt gilt: Im Zweifel für den Angeklagten.

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • filmorakel 17.11.2014 09:50
    Highlight Highlight ...und am Ende geht es doch nur um die Frage, ob Ambri ein guter, oder eben ein schlechter Verlierer ist...
    0 0 Melden
  • Senftube 16.11.2014 09:52
    Highlight Highlight Der Captain oder der Assistant-Captain von Ambrì, hätte vor dem Bully bei den Refs protestieren müssen und Gelegenheit dazu gehabt, da Wetzel für alle sichtbar auf dem Eis geblieben ist. Da Ambri nicht protestiert hat, wurde dies akzeptiert. Das Regelbuch ist deutlich: Spielfeldprotest – Reglement Rechtspflege Art. 54 - 59: "Der Captain oder Assistant-Captain der protestierenden Mannschaft hat den
    Spielfeldprotest unmittelbar nach dem Vorfall (bzw. bei laufendem Spiel beim nächsten Spielunterbruch) mit Angabe des Protestgrundes beim Schiedsrichter anzumelden." In der Pause war es zu spät!
    3 1 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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