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Interview: «Nino Schurter ist der Roger Federer des Mountainbike-Sports»

Nino Schurter hat in dieser Saison alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.
Nino Schurter hat in dieser Saison alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.bild: twitter/uci
Interview

«Nino Schurter ist der Roger Federer des Mountainbike-Sports»

Dank Nino Schurter und Jolanda Neff gingen erstmals beide WM-Titel bei der Cross-Country-Elite an die Schweiz. Mit vier Gold- sowie je zwei Silber- und Bronzemedaillen realisierte die Schweiz im australischen Cairns ihr bestes WM-Ergebnis und zementierte ihren Status als führende Cross-Country-Nation.
10.09.2017, 14:3810.09.2017, 16:33

Es überrascht deshalb nicht, dass das Fazit des Schweizer Delegationsleiters Pascal Seydoux betreffend die Titelkämpfe fast durchwegs positiv ausfällt. «Ich bin überwältigt», sagt der 33-jährige ehemalige BMX- und Four-Cross-Spezialist. Bei Nino Schurter gerät er ins Schwärmen. Schlummerndes Potenzial ortet der Berner im Downhill.

Pascal Seydoux, sind Sie überrascht über das starke Abschneiden der Schweizer an der WM in Cairns?
Ich bin überwältigt. Ich wusste, dass viele Schweizer schnell sein können. Ein paar Medaillen und die goldene von Nino haben wir uns natürlich erhofft. Aber dass es gleich so gut lief, überrascht mich doch.

Was macht die Schweizer Mountainbiker so gut?
Es fängt im Nachwuchs an, bei der Förderung und der Verbandsarbeit. Weil wir so erfolgreich sind, erhalten wir grosse Unterstützung von Swiss Olympic. Das hilft natürlich.

Was ist Ihr persönliches Highlight von den ersten Titelkämpfen als Delegationsleiter?
Der schönste Titel ist für mich jener im Team-Wettkampf zum Auftakt der WM. Das Format hat einen speziellen Charakter, was auch die Fahrer so empfinden. Alles klappte perfekt bei uns.

Nino Schurter bricht in dieser Saison Rekorde. Der Bündner gilt schon jetzt, mit 31 Jahren, als bester Mountainbiker der Geschichte. Wie stufen Sie seine Leistungen ein?
In Insiderkreisen wird er als «Roger Federer des Bikesports» bezeichnet. Er ist ein absoluter Profi. Sein Auftreten ist sehr professionell. Und er weiss genau, was es braucht, um erfolgreich zu sein. Um für die WM perfekt vorbereitet zu sein, verzichtete er etwa auf die EM. Er funktioniert auch im Team sehr gut. Allzu nah war ich nicht an ihm dran, weil ich viel mit Organisieren beschäftigt war. Aber ja, er ist grossartig.

Die Highlights des WM-Rennens der Männer.

Was macht ihn so stark?
Er ist ein Riesentalent und in allen Bereichen sehr, sehr stark. Er ist technisch der Beste und verbraucht in den technischen Passagen und in den Abfahrten am wenigsten Energie. Was er im WM-Rennen abgeliefert hat, beeindruckte mich aufs Neue. Weil ich nicht aus dem Cross-Country komme und ich mein Amt erst seit Dezember ausübe, kann ich das aber eher schlecht beurteilen.

Sie verzichteten wegen der ausstehenden Downhill-Entscheidungen am Schlusstag auf die Feier mit den Athleten. Die Disziplin liegt Ihnen am Herzen, obwohl sie keine Kerndisziplin der Schweizer ist.
Für mich ist Downhill genauso wichtig, deshalb ging ich es am Samstag ruhig an. Ich wollte ausgeruht sein.

Exploits von Emilie Siegenthaler und Carina Cappellari blieben aus.
Was schade ist. Es wäre sehr viel möglich gewesen. Emilie stürzte zweimal, und auch Carina kam nicht unversehrt durch und wurde doch Zehnte. Carina sagte mir hinterher, sie hätte gewinnen können. Das zeigt, dass wir auch im Downhill allmählich über Potenzial verfügen. Ich hoffe, dass wir das im kommenden Jahr an der Heim-WM auf der Lenzerheide ausschöpfen können.

Apropos Heim-WM. Die aktuelle WM zu toppen, dürfte schwierig werden.
Das ist so. Es geht vor allem darum, an die Erfolge anzuknüpfen. Ich hoffe, es wird ähnlich viele Medaillen geben wie dieses Mal. (pre/sda)

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