Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Manuel Akanji der Schweizer Fussballnationalmannschaft spricht zu den Medien im Letzigrund in Zuerich,am Montag, 8. Oktober 2018.  (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Dank starkem Saisonstart mit Dortmund im Fokus: Verteidiger Akanji. Bild: KEYSTONE

Nati-Star Manuel Akanji: «Rassismus verschwindet nicht einfach so»

Manuel Akanji ist der grosse Aufsteiger des letzten Jahres im Schweizer Fussball. Der 23-jährige Winterthurer erkämpfte sich sowohl bei Borussia Dortmund als auch in der Schweizer Nationalmannschaft einen Stammplatz.

Christian Finkbeiner/keystone-sda



Manuel Akanji, in der Champions League hat Borussia Dortmund beide Spiele gewonnen, in der Bundesliga liegt der BVB nach den spektakulären Siegen in Leverkusen und gegen Augsburg an der Tabellenspitze. Es scheint ziemlich was los zu sein in Dortmund.
Manuel Akanji:
Dass man viele Spiele hat, ist normal. Wie diese gelaufen sind, ist sicherlich nicht ganz normal. Es wäre gut, wenn wir die Spiele bereits etwas früher entscheiden könnten als zuletzt in der Bundesliga. Aber die Siege machen natürlich Freude.​

Was ist der Anteil von Trainer Lucien Favre am Erfolg?
Sein Anteil ist sehr gross. Wir haben uns in der Defensive und in der Offensive gegenüber der Rückrunde noch verbessert. Wir haben viele Spieler, jeder will zeigen, was er kann, auch diejenigen, die von der Bank kommen und vielleicht zuerst jeweils enttäuscht sind. Der Zusammenhalt ist sehr gut.

Am Wochenende schlug Akanjis Dortmund in einem spektakulären Schlagabtausch Augsburg 4:3.

Wie würden Sie den Fussball unter Favre beschreiben?
Während es in der letzten Saison mehr über den Kampf ging, spielen wir nun wieder vermehrt gepflegten Fussball mit viel Ballbesitz. Wir versuchen das Spiel von hinten heraus aufzubauen und vorne immer den noch besser positionierten Mitspieler zu finden. Manchmal ein- bis zweimal zu oft vielleicht, weil wir die Vorgaben des Trainers möglichst gut umsetzen wollen. Aber das sind normale Prozesse.

Was hat sich für Sie als Innenverteidiger verändert?
Ich spüre, dass ich auch ein wichtiger Teil des Offensivspiels bin. Der Trainer schenkt mir das Vertrauen und gibt mir Freiheiten, das Spiel von hinten zu eröffnen. In der Defensive muss ich mehr Verantwortung übernehmen, weil ich im Gegensatz zur letzten Saison meistens der ältere der beiden Innenverteidiger bin. Das gefällt mir. Letztlich muss ich aber wie zuvor vor allem meine Leistung bringen.

Bei vielen Spielern gab es unter Favre ein Aha-Erlebnis. Gab es ein solches bei Ihnen auch?
Es sind mehr kleine Details. Am Anfang hat er mich nach dem Training manchmal auf die Seite genommen und mit mir Dropkick-Übungen gemacht oder jongliert. Es gibt ein paar einfache technische Dinge, auf die er sehr viel Wert legt und die man im Spiel oft braucht, die einem aber nicht so bewusst sind.

Vor gut einem Jahr gaben Sie das Debüt in der Nationalmannschaft, im Winter kam der Wechsel nach Dortmund, dann die WM, wo sie Stammspieler waren. Ihr Aufstieg verlief sehr schnell.
Das habe ich schon oft gehört – als ich zum FC Basel wechselte oder als ich mein Debüt in der Nationalmannschaft gab.

Einrücken zur Nati: Bislang bestritt Akanji 12 A-Länderspiele.

Überrascht über den rasanten Aufstieg sind Sie nicht?
Nein, denn ich weiss, was ich kann. Und ich setze jeden Tag alles daran, noch besser zu werden – im Klub und in der Nationalmannschaft. Ich traue mir zu, dass es in diesem Tempo weitergeht. Ich habe einen Traum, an dem will ich weiter arbeiten.

Wie sieht dieser Traum aus?
Ich will immer höher hinaus, soweit es eben geht. Aber die Zukunft zu planen ist schwierig. Man weiss nie, was passiert. Das Wichtigste ist, gesund zu bleiben. Das kurzfristige Ziel im Verein heisst, in der Champions League zu überwintern und in der Meisterschaft weiterhin so gut zu spielen wie bisher und diese so gut wie möglich abzuschliessen.

Und langfristig?
Viele wissen, dass Manchester United seit der Kindheit mein Lieblingsverein ist. Es wäre sicherlich schön, einmal dort zu spielen. Aber das ist momentan kein Thema. Ich bin sehr zufrieden in Dortmund, will mit dem BVB Titel gewinnen und mit der Schweizer Nationalmannschaft noch viele weitere grosse Turniere bestreiten.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

♥️ #summerholidays #2k18

Ein Beitrag geteilt von Melanie Windler (@melaniewindler) am

Freundin Melanie wird bald Gattin: Das Paar hat sich unlängst verlobt.

Sie werden derzeit von allen Seiten gelobt. Wie gehen Sie damit um?
Es wird auch wieder Rückschläge geben. Im Leben geht es nicht nur immer aufwärts, sondern zwischendurch auch abwärts, nicht bloss im Fussball. Ich versuche, auf und neben dem Platz ein guter Mensch zu sein.

Durch Ihre Eltern und Ihre Schwestern scheinen Sie die Sensibilität für gesellschaftliche Fragen früh mitbekommen zu haben. Beschäftigten Sie auch deswegen die Diskussionen im Nachgang zur WM mehr als andere?
Klar interessierten mich diese. Ich habe eine andere Hautfarbe als die meisten Menschen in der Schweiz, bin aber hier aufgewachsen. Ich hatte deswegen nie ein Problem und kam damit klar. Wenn andere Probleme damit haben, wenn jemand Doppelbürger ist, dann stört mich das, weil ich, meine Familie und viele andere davon betroffen sind.

Wurde dieses Thema in Ihrer Kindheit in der Familie oft diskutiert?
Natürlich wurden wir damit konfrontiert. Uns hat das aber nie gestört. Wir sind alle stolz, so zu sein, wie wir sind, und fragten uns nie, warum das so ist. Rassismus ist heute in der ganzen Welt noch immer ein Thema. Das verschwindet nicht einfach so.

Akanji mit Vater und Schwestern zuhause in Winterthur.

Zurück zur Nationalmannschaft. Wie sehen Sie da Ihre Rolle?
Ich versuche, auf meine Spielminuten zu kommen, und, wie in Dortmund, Verantwortung zu übernehmen. Mit meinen bisherigen Länderspielen bin ich ziemlich zufrieden. Ich spüre das Vertrauen der Mitspieler und des Trainers und versuche dieses zurückzuzahlen.

Zuletzt hat die Schweiz gegen England mit einer Dreier- anstatt einer Viererkette gespielt. In welchem System fühlen Sie sich wohler?
Schwierig zu sagen. Ich bin mir beides gewohnt, da ich in Basel oft in einer Dreierkette gespielt habe. Es ändern sich für die Verteidiger ein paar taktische Sachen. In einer Dreierkette muss ich mehr rennen, spiele nicht mehr so zentral, habe aber mehr Einfluss auf den Spielaufbau, weil ich bei einem Vorstoss besser abgesichert werde.

Spüren Sie, dass derzeit ein Umbruch im Team stattfindet?
Es findet ein gewisser Umbruch statt, ja, aber das ist im Fussball oft so. Es ist ein fortlaufender Prozess. Wenn einer fehlt oder nicht mehr dabei ist, können andere Verantwortung übernehmen, sogar für einen Mehrwert sorgen. Das Ziel ist immer, dass jeder so arbeitet, dass die Mannschaft noch besser wird.

Heisst die Innenverteidigung der Nati bald Akanji/Elvedi?

Fussballer, die immer was zu essen oder trinken haben

So haben deine Kollegen endlich eine Chance gegen dich

abspielen

Video: watson/nico franzoni, sandro zapella, Jodok Meier

Die Nati der Vergessenen – 11 Schweizer, deren Karriere ganz anders verlief als erhofft

Link zum Artikel

29.02.2012: Ausgerechnet gegen die Schweiz erzielt Lionel Messi seinen ersten Nati-Hattrick

Link zum Artikel

25.03.1998: Bei seinem Debüt führt Gilbert Gress die Nati gegen England fast zum Sieg – dann patzt sein Lieblingsgoalie

Link zum Artikel

13.11.1991: Weil die Schweizer Nati in der «Hölle von Bukarest» auf 0:0 spielt, vergeigt sie die EM-Qualifikation im letzten Moment doch noch

Link zum Artikel

10.09.2008: Luxemburgerli vernaschen? Denkste! – Die Schweizer Nati kassiert die bitterste Niederlage ihrer Geschichte

Link zum Artikel

24.04.1996: Das Ende der kurzen Ära von Nati-Trainer Artur Jorge beginnt ausgerechnet mit einem Sieg

Link zum Artikel

27 zeitlose Klassiker: Die  schönsten Tore der Schweizer Nati

Link zum Artikel

07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link zum Artikel

Wie die Schweiz sich für die Fussball-WM 1998 bewarb – und total blamierte

Link zum Artikel

11.07.1966: Die «Nacht von Sheffield», der grösste Skandal der Schweizer Fussballgeschichte

Link zum Artikel

18.06.1994: Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

12.10.2012: Ottmar Hitzfeld zeigt dem Schiedsrichter den Stinkefinger und macht sich danach mit faulen Ausflüchten lächerlich

Link zum Artikel

28.03.2001: Alex Frei macht Kubilay Türkyilmaz vergessen und sorgt dafür, dass Andy Egli einfach mal die Klappe halten muss

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Nach Maurers Englisch-Desaster: Jetzt nimmt ihn Martullo in die Mangel (You Dreamer!😂)

Link zum Artikel

13 Cartoons, die unsere Gesellschaft auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

Super-GAU für Huawei? Das müssen Handy- und PC-User jetzt wissen

Link zum Artikel

Perlen aus dem Archiv: So (bizarr) wurde 1991 über den Frauenstreik berichtet

Link zum Artikel

Strache-Rücktritt: Europas Nationalisten haben einen wichtigen General verloren

Link zum Artikel

Steakhouse serviert versehentlich 6000-Franken-Wein – die Reaktionen sind köstlich

Link zum Artikel

Das Huber-Quiz: Dani ist zurück aus den Ferien. Ist er? IST ER?

Link zum Artikel

Instagram vs. Realität – 14 Vorher-nachher-Bilder mit lächerlich grossem Unterschied

Link zum Artikel

8 Gerichte, die durch die Beigabe von Speck unwiderlegbar verbessert werden

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Devante 11.10.2018 10:28
    Highlight Highlight Sympathischer Typ. Dass er "nie" probleme mit Rassismus hatte glaube ich nicht, er hat sie einfach anders wahrgenommen und besser weggesteckt als andere. Liegt wohl zudem auch daran, dass er in Winthertur und nicht irgendwo in einer SVP Hochburg aufgewachsen ist.

    Sympathischer, bodenständiger Typ, da können sich die Xhakas und Shaqiris eine Scheibe davon abschneiden.

    Freue mich auf das IV Duo Elvedi/Akanji in Zukunft. Wäre wohl das beste IV Duo seit einer gefühlten Ewigkeit
    • Fändlimaa 11.10.2018 12:15
      Highlight Highlight Der gute Mann ist in Wiesendangen aufgewachsen. Bei den letsten NR Wahlen kam die SVP immerhin auf 41% Wähleranteil in dieser Gemeinde.
  • zellweger_fussballgott 11.10.2018 10:10
    Highlight Highlight Akanji ist nicht nur ein guter Fussballer mit riesigem Potenzial, sondern ist sich als einer der wenigen seiner Wichtigkeit als "Doppelbürger" bewusst, dass er von allen gemocht wird. Er versteht es einen guten Zwischenweg zu gehen ohne dabei eine seiner beiden Wurzeln zu bevorzugen. Ich halte in für einen der bescheidesten und bodenständigsten Spieler, den wir haben und trotzdem ein Führungsspieler sein wird/kann.
  • Zaungast 11.10.2018 09:16
    Highlight Highlight Ihm traue ich in Zukunft einen noch "grösseren" Verein als Manchester United zu. Ein absolut kompletter Innenverteidiger, hat kaum Schwächen und kommt mir als demütiger und fleissiger Typ rein. Weiter so, Manuel.
  • die 200 11.10.2018 09:12
    Highlight Highlight Es tut mir immer wieder weh zu lesen, wie die ganze Doppelbürger-Geschichte Akanji belastet. Sein Verhalten ist und war immer derart vorbildlich und sympathisch, dass bei den ganzen Diskussionen vergessen wird, dass auch er sich davon betroffen fühlt.
    Wäre definitiv sinnvoller die Diskussion über das fehlverhalten Einzelner zu führen als sich generell auf Doppelbürger als Problem einzuschiessen.
    Auch ich hatte diesen Sommer so meine Probleme mit unserer Nati, aber sicher nicht mit Akanji!!!!!

Kahn knabbert an Herrlich und fliegt in Kung-Fu-Manier auf Chapuisat zu

3. April 1999: Bayern München kann bei Borussia Dortmund den entscheidenden Schritt zum Titel machen. Als die Bayern aber bereits nach 32 Minuten 0:2 im Rückstand liegen, brennen bei Torwart-Titan Oliver Kahn die Sicherungen durch.

Wenn Borussia Dortmund auf Bayern München trifft, ist das immer ein brisantes Spiel – der deutsche «Clásico» sozusagen. Im April 1999 kommen die Bayern als souveräner Leader ins Westfalenstadion, 14 Punkte beträgt der Vorsprung auf den ersten Verfolger Kaiserslautern. Mit einem Sieg ist der Titel so gut wie in der Tasche. Dortmund hingegen kämpft als Vierter um einen Champions-League-Platz.

Die Atmosphäre ist schon vor dem Anpfiff aufgeheizt. Als sich Bayern-Keeper Oliver Kahn auf den Weg in …

Artikel lesen
Link zum Artikel