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epaselect epa05745932 Roger Federer of Switzerland in action during his Men's Singles quarter-final match against Mischa Zverev of Germany at the Australian Open Grand Slam tennis tournament in Melbourne, Victoria, Australia, 24 January 2017.  EPA/DEAN LEWINS AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Roger Federer lässt Experten immer wieder staunen. Bild: EPA/AAP

«McEnroe und Wilander können das alles fast nicht glauben, was Federer zeigt»

Ein halbes Jahr hat Roger Federer kein Turnier gespielt, jetzt steht er bei seinem Comeback in Australien im Grand-Slam-Halbfinal. Wo endet das? Und warum ist eine gewisse Skepsis trotzdem angebracht? Tennis-Experte René Stauffer im Interview.



Roger Federer trifft im Halbfinal des Australian Open am Donnerstag (9.30 Uhr im Liveticker) auf Stan Wawrinka. Der Wandel des Baselbieters während dem Turnier ist erstaunlich. Wir haben mit dem Tennisexperten René Stauffer, der für den «Tages-Anzeiger» aus Australien berichtet, über das «Phänomen Federer» gesprochen.

René Stauffer, wie nehmen Sie Roger Federer in diesen Tagen wahr?
René Stauffer: 
Bei ihm und seinem Team hat sich zuletzt alles total verändert. Vor dem Turnier sah er sich als Aussenseiter und kam ohne grosse Erwartungen nach Melbourne. Niemand wusste genau, wo er steht. Es ist wohl ähnlich, wie wenn man sich sechs Monate auf eine Prüfung vorbereitet und dann kommt der grosse Tag.

epa05734189 Wife of Roger Federer, Mirka Federer, gestures after Roger Federer of Switzerland won his Men's Singles tird round match against Tomas Berdych of Czech Republic at the Australian Open tennis tournament, in Melbourne, Australia, 20 January 2017.  EPA/LUKAS COCH  AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Die Stimmung im Team Federer wurde in den letzten Tagen immer entspannter. Bild: EPA/AAP

Und jetzt?
Er hat seine Erwartungen klar übertoffen, was bei Federer selten der Fall ist. Die Stimmung im ganzen Team ist locker. Es wird gelacht, alle sind entspannt. Es ist auch für sie eine befreiende Situation. Nach den ersten beiden Partien musste man sich Sorgen machen um Federer. Aber dann kam die Partie gegen Berdych. Jetzt weiss er: Er ist für die Zukunft gerüstet.

Die unmittelbare Zukunft heisst Stan Wawrinka. Was ist da möglich?
Das ist die grosse Frage. Der wirkliche Test kommt erst jetzt. Experten wie Mats Wilander trauen der Sache noch immer nicht ganz. Entscheidend wird sein, ob Federer wirklich schon so sehr an sich glaubt, dass er diesen 18. Titel gewinnen kann. Und ob er den Elan in einen allfälligen Final mitnehmen kann.

Severin Lüthi sieht keinen Favoriten

Federer verlor auf Hartplätzen noch nie gegen Wawrinka. Dem misst er aber keine Bedeutung zu. «Wenn ich Stan sehe, denke ich nicht: 'Uff, ausser auf Sand habe ich noch nie gegen ihn verloren’. Ich denke daran, dass er mich oft eine Stunde lang oder mehr dominiert hat», betont der 35-jährige Basler.

Davis-Cup-Captain Severin Lüthi will und kann sich nicht auf einen Favoriten festlegen: «Der Stan im Halbfinal ist nicht der gleiche Stan wie in der 1. Runde.» Allerdings siegte Federre 2015 beim bisher einzigen Schweizer Halbfinal am US Open deutlich. Lüthi sagt: «Dieses Spiel ist eher ein Referenzmatch, aus dem Roger sehr viele Sachen übernehmen kann.» Was der Davis-Cup-Captain aber auch betont: «Eine kleine Sache, die anders ist, kann daraus ein ganz anderes Spiel machen.»

Sie sprechen Wilander an. Wie ist die Stimmung bei den Experten beim Thema Federer?
Federer lässt alle den Kopf schütteln. Ich habe nochmals mit John McEnroe und Wilander gesprochen. Sie können das alles fast nicht glauben, was Federer zeigt. Es ist eigentlich gar nicht möglich.

NEW YORK, NY - SEPTEMBER 04: Mats Wilander of Sweden looks on during an exhibition doubles match against James Blake and John McEnroe of the United States on Day Eleven of the 2014 US Open at the USTA Billie Jean King National Tennis Center on September 3, 2014 in the Flushing neighborhood of the Queens borough of New York City.   Elsa/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==

Mats Wilander und seine Expertenkollegen schütteln ab Federer nur noch den Kopf. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Glauben die Experten an Federers Sieg in Melbourne?
Wie erwähnt, es wird zwar schnell mit Superlativen um sich geworfen und das Niveau ist schon sehr hoch. Aber die wirklichen Tests kommen jetzt.

«Im Ausland war die Angst riesig, dass er nicht mehr zurückkommt.»

Werden die Leistungen Federers in Melbourne überschätzt?
Die Euphorie der Fans übersteigert sich natürlich oft sehr schnell. Da ist meist auch der Wunsch Vater des Gedankens. Man wünscht ihm nach der langen Leidenszeit den Erfolg so sehr. Aber die Gegner werden auch besser. Niemand weiss, ob Federer bereit für die grossen Matches ist und sich selbst den Titel zutraut.

Wie beurteilen Sie das Niveau des Schweizers?
Sein Niveau ist sicher schon wieder sehr gut. Allerdings spielte er in Australien oft gut. Meine Vorbehalte waren auch schon grösser, aber die entscheidende Phase kommt jetzt.

Gefühlt drücken die Fans Federer mehr denn je die Daumen.
Ja, das ist so. Man schätzt viel mehr, dass er noch da ist. Im Ausland war die Angst riesig, dass er nicht mehr zurückkommt. Wir in der Schweiz hatten da mehr Informationen, darum war für uns ein Rücktritt eigentlich nie ein Thema.

Trainiert Federer in Melbourne, sind die Tribünen wie immer voll.

Die Trainingscourts sind jeweils rappelvoll, wenn Federer seine Übungseinheit absolviert. Ist dies in diesem Jahr noch einmal besonders?
Nein, das nehme ich nicht speziell wahr. Die Tribünen auf den Trainingscourts sind für Federer-Verhältnisse sowieso immer zu klein. Aber klar: Alle wollen ihn sehen. Und in Australien sagen sie schon länger, dass die Leute lieber Federer unterstützen als ihre Landsleute.

Wie gehen ausländische Journalisten damit um?
Sie kommen jeweils auch auf uns zu und schwärmen von Roger Federer. Diese Bewunderung für einen Sportler bei Journalisten zu spüren, ist schon speziell.

epa05740960 A fan of Switzerland's Roger Federer during the Men's Singles fourth round match between Roger Federer of Switzerland and Kei Nishikori of Japan at the Australian Open Grand Slam tennis tournament in Melbourne, Victoria, Australia, 22 January 2017.  EPA/DEAN LEWINS AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Roger Federer fasziniert Fans, Journalisten und Experten gleichermassen. Bild: EPA/AAP

Was macht Federer aus?
Das haben schon viele versucht zu beschreiben. Es ist das Gesamtpaket, seine Eleganz und dass er trotzdem total normal geblieben ist.

Als Rafael Nadal 2012 von seiner langen Verletzung zurückkehrte, stürmte er im Eilzugstempo zur Weltnummer 1 und fegte die Gegner serienweise weg. Ist bei Federer etwas Ähnliches möglich?
Das wäre sehr spekulativ. Es ist erst Januar. Federer hat einfach auch schon ein bestimmtes Alter, das kann er nicht ewig aufhalten. Ausserdem ist ihm die Position als Weltnummer 1 nicht mehr so wichtig. Mit einer guten Saisonplanung kann er aber noch viele Glanzlichter setzen.

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Wer wäre in einem allfälligen Final der angenehmste Gegner?
So weit sind wir noch lange nicht. Erst steht die Partie gegen Wawrinka an. Aber gegen Dimitrov sehe ich die besten Chancen für Federer. Nadal ist halt Nadal. Das Spiel des Spaniers behagt Federer nicht und er hat eine auch negativ geprägte Vergangenheit mit ihm. Raonic wäre mit seiner Power und seinem Spiel wohl der heikelste Gegner gewesen. 

Ganz allgemein: Wie hoch schätzen Sie die Chancen auf Federers 18. Grand-Slam-Titel ein?
Das ist offen. Er kann einen 18. Majortitel gewinnen. Ich war da auch schon skeptischer. Und wenn er den 18. gewinnt, läge auch sehr bald ein 19. drin. Aber eben: mal abwarten.

Die besten Bilder des Australian Open 2017

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