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epa07625303 Roger Federer of Switzerland plays Stan Wawrinka of Switzerland during their men’s quarter final match during the French Open tennis tournament at Roland Garros in Paris, France, 04 June 2019.  EPA/JULIEN DE ROSA

Gegen Nadal muss Federer wohl ein Wunder schaffen, wenn er ihn in Paris besiegen will. Bild: EPA

Interview

Federer-Coach Lüthi: «Nadal in Paris ist für Roger die ultimative Herausforderung»

Zum 39. Mal duellieren sich heute die Tennis-Giganten Roger Federer und Rafael Nadal. Im Halbfinal «seiner» French Open (ab 12.50 Uhr im watson-Liveticker) ist der Spanier der Favorit. Aber Federers Trainer Severin Lüthi weiss, dass sein Schützling alles für eine Überraschung mitbringt.

simon häring, paris / CH Media



Roger Federer wirkt vor dem Halbfinal gegen Nadal extrem entspannt, teilen Sie diesen Eindruck?
Severin Lüthi:
Ja, diese Lockerheit ist eine der grossen Stärken von Roger. Ich sage nicht, dass er das auf Knopfdruck kann, aber er schafft es sehr gut, sich wieder auf die Sache zu konzentrieren. Vielleicht ist er noch etwas lockerer, weil er nun schon ein gutes Turnier gespielt hat und in den Halbfinals steht, das ist klar. Bei Roger besteht auch nicht die Gefahr, dass er sich damit nun zufriedengibt und sagt, der Halbfinal sei schon super. Er will natürlich mehr.

Aber er hat in diesem Jahr hier weniger zu verlieren als Nadal, oder?
Das glaube ich auch. Roger kann befreit aufspielen. Vor dem Turnier war das schon anders. Die Erwartungen waren gross. Man merkte: Alle sind glücklich, dass er wieder hier spielt. Da willst du natürlich nicht gleich in der ersten Runde ausscheiden. Jetzt, da er schon im Halbfinal steht, kann Roger es auch etwas geniessen und runterfahren.

Severin Luethi, team captain of the Swiss Davis Cup team poses at the Swiss Open tennis tournament in Gstaad, Switzerland, Monday, July 23, 2018. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Kennt Federer wie kaum ein anderer: Sein langjähriger Coach Severin Lüthi. Bild: KEYSTONE

Federer sagte, er sei auch deshalb auf Sand zurückgekehrt, um noch einmal in Paris gegen Nadal zu spielen. Dieser sagte, das glaube er nicht. Was ist die Wahrheit?
Das müssen Sie Roger fragen. Ich weiss nicht, wie er das genau gemeint hat, aber wenn er gegen Nadal spielt, ist das sicher ein gutes Zeichen, weil sie beide weit vorne gesetzt sind. Es ist schon so: Nadal in Paris auf Sand – das ist für ihn die ultimative Herausforderung.

Welche Rolle spielt es, dass er hier fünf Mal gegen ihn verloren hat?
Roger ist nicht mehr der gleiche Spieler wie 2011, Rafa auch nicht. Was wir uns anschauen, sind Sandmatches bei den gleichen Bedingungen. Aber nicht nur, weil er da oft verloren hat. Es kann auch sein, dass wir uns anschauen, wie er beim Sieg in Hamburg gespielt hat (2007, Anm. d. Red). Klar, es war zwar auf Hartplatz, aber Roger hat die letzten fünf Mal gewonnen. Wir versuchen, auf die positiven Dinge zu schauen.

Was ist für Sie denn der Schlüssel, um Nadal auf Sand zu schlagen?
Ich rede nicht so gerne über Taktik. Ich las schon viele Interviews von Coaches, in denen sie sehr offen sprachen. Das überraschte mich. Natürlich sind viele Dinge klar. Aber ein Gegner muss nicht wissen, worauf wir besonders achten. Ich äussere mich da nicht gerne. Die Taktik greift nur, wenn man eingreifen kann. Wenn einer unglaublich serviert, muss man zuerst einmal schauen, dass man den Service zurückbringt. Es gibt viele Dinge, die wir anschauen. Es geht nicht nur um Nadals Vorhand auf Rogers Rückhand. Wir reden darüber, von wo er retournieren soll. Wie oft geht er ans Netz? Wann geht er ans Netz? Es gibt viel zu diskutieren. Aber nicht mit Journalisten (lacht).

Umfrage

Wer schafft es in den Final der French Open 2019?

2,624

  • Roger Federer57%
  • Rafael Nadal43%

Kann es sein, dass Federer die Taktik total umstellt, wenn er merkt, dass etwas nicht funktioniert?
Klar. Wir reden über alles, über die Defensive, die Offensive, über den Return, die Volleys, und so weiter. Wir wollen Roger Grundlagen geben, damit er die besten Entscheidungen treffen kann. Wir berücksichtigen auch das Wetter, denn er muss anders spielen, wenn es geregnet hat und schwere Verhältnisse herrschen, als wenn es trocken ist. Und wenn das Unvorhergesehene kommt, musst du reagieren können. Wenn du in Schockstarre gerätst, wenn etwas Überraschendes passiert, bist du aufgeschmissen. Roger geht nie ohne einen Plan auf den Platz. Aber er ist einer, der sehr intuitiv spielt. Am Ende muss er die Entscheidungen treffen.

Hier spielte er beim Return oft Stoppbälle. Wer kam auf diese Idee?
Als ich mit Roger begann, fand er den Stoppball nicht so cool. José Higueras riet ihm dann, mehr davon zu spielen. Auf Sand macht es am meisten Sinn. Aber die Idee kam uns nicht erst jetzt in den Sinn. Der Stoppball war ja ein Mosaiksteinchen bei seinem Sieg 2009. Er trug noch etwas Zusätzliches bei zu seinem Spiel. Aber ja, wir haben im Training vermehrt daran gearbeitet.

Federer ist erstmals ohne Familie bei einem Grand-Slam-Turnier, was ändert das für Sie als Trainer?
Es sind genügend Leute da, glauben Sie mir (lacht). Ivan, Dani, seine Eltern reisten gestern heim, kommen aber wieder. Es hat genug Leute! Also langweilig wird es Roger nicht. Sonst meldet er sich schon (lacht). Wenn die Kinder dabei sind, schläft er vielleicht einmal eine Stunde weniger, aber diese Ablenkung ist dann auch positiv – Roger hatte schon immer ein gutes Leben und eine gute Balance. Manchmal macht man eben Kompromisse.

Die muss er nun nicht machen …
Ja, dafür vermisst er vielleicht seine Kinder. Ich sage nicht, dass es ein Vorteil ist, dass die Kinder nicht da sind. Es ist einfach anders, und da müssen wir uns alle anpassen – Roger ist ja Spezialist darin. Wenn er seit zehn Jahren ohne Kinder herumreisen müsste, würde er schon lange nicht mehr spielen.

Man hat den Eindruck, der Rummel um Federer ist hier noch grösser.
Die Begeisterung ist überall gross, wo er hinkommt. Man merkt aber, dass die Leute denken, dass er vielleicht zum letzten Mal in Paris spielt. Das macht es natürlich schon speziell.

Wie erleben Sie Federer dabei?
Bei anderen Spielern finde ich es zum Teil lächerlich, wenn sie sich zieren, ein Autogramm zu geben oder ein Foto zu machen. Dabei müssen sie das vielleicht zweimal die Woche! Wenn ich dann seit Jahren sehe, wie es um Roger läuft … Mich würde das nerven. Wenn du am Essen bist, und Leute einfach unanständig und unfreundlich sind, weil sie nur noch ihn sehen. Roger ist stets geduldig – ich würde längst sagen: «Geht's noch?» Für mich ist es unglaublich, was Roger für eine Geduld hat.

Fällt Ihnen das weniger leicht?
Vor ein paar Jahren ist es hier einmal passiert, dass mir ein Fahrer den Kofferraum auf den Kopf geschlagen hat. Der war dermassen hin und weg, dass er Roger im Auto hatte! Roger ging weg, ich holte noch Taschen raus, da haut der Fahrer einfach den Deckel zu. Roger fand das noch lustig – ich sagte: «Sorry, das find ich jetzt gar nicht lustig, der soll besser schauen, was er macht.» Die Leute spüren sich zum Teil nicht mehr, da wäre ich sicher weniger tolerant. Aber zum Glück ist Roger so.

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14
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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 07.06.2019 11:48
    Highlight Highlight RF, der souverän gelassene Gentlemen mit Willen und Biss.
  • No-no 07.06.2019 11:09
    Highlight Highlight Go Roger!

    Chum bring en hei! Ich glaube es wäre sein grösster Sieg. Ich würde es ihm so gönnen.
  • Musiciano 07.06.2019 10:56
    Highlight Highlight So unbefreit in der Aussenseiterrolle konnte RF wohl schon lange nicht mehr antreten. Genau dies könnte seine Chance im heutigen Match sein! Natürlich müssen alle Mosaiksteinchen zusammenpassen. Aber wenn Service, die Rückhand (so wie im Australian Open Final 2017) und die weiteren Teilchen zusammenpassen ist die Sensation möglich.

    GO ROGER! :-)
  • Hockeyaddict 07.06.2019 09:57
    Highlight Highlight The King of Clay wird sich durchsetzen, alles andere wäre eine absolute Sensation... Nun Djokovic wird sich auf jeden Fall die Hände reiben... Aber nichts desto trotz hat Federer einmal mehr gezeigt, dass auch dieses Jahr mit ihm zu rechnen ist! Goooo Roger!
    • Ryponagar 07.06.2019 12:28
      Highlight Highlight So viele Blitze für einen realistischen Kommentar. Drücke Roger die Daumen, aber denke er wird max. einen Satz holen. Rafa auf Sand ist einfach eine andere Liga.
  • earegger 07.06.2019 08:43
    Highlight Highlight Wer musste bei der Kofferraumdeckel-Geschichte auch laut rauslachen?
  • wasps 07.06.2019 08:30
    Highlight Highlight Niemand erwartet einen Sieg von Fedi. Wahrscheinlich nicht einmal Nadal. Das könnte seine Chance sein.
  • Peter R. 07.06.2019 08:23
    Highlight Highlight Ob er gewinnt oder nicht - er hat gezeigt, dass sein comeback auf Sand ein Riesenerfolg war. Jahrelang nicht auf Sand spielen und dann eine solche Leistung zeigen - chapeau.
  • PeterPunch 07.06.2019 07:56
    Highlight Highlight Ich hoffe das wird DAS Spiel!! Hoffe natürlich Fedi gewinnt🤘🏻. Wenn die Rückhand funktioniert wie am AO 2017 wird es für Rafa sicher nicht leicht.
    • atorator 07.06.2019 08:16
      Highlight Highlight Schon mal die Statistik auf Sand gesehen zwischen den Beiden?
    • Bacchus75 07.06.2019 08:53
      Highlight Highlight @ Atorator, klar ist die Bilanz negativ auf Sand. Aber nichts desto trotz hat Federer die letzten 5 Duelle gewonnen. Dreimal davon ohne Satzverlust und zwei Spiele mit einem, beziehungsweise zwei Satzgewinnen für Nadal.

      Das Spiel beider Spieler hat sich seit der letzten Federer-Niederlage (2014) stark verändert. Es wird also spannend werden, auch wenn Nadal der Favorit ist.
    • Bluesofa 07.06.2019 08:54
      Highlight Highlight Wenn er nur auf Statistiken schauen würde, hätte er nie etwas erreicht! Das Besondere an Federer ist, dass er allen Widrigkeiten zum Trotz gewinnen kann!
    Weitere Antworten anzeigen
  • eliakeller 07.06.2019 07:53
    Highlight Highlight Wenn Federer heute gegen Nadal gewinnen sollte, wäre es wohl der grösste Sieg seiner Karriere. Ich drücke ihm jedenfalls beide Daumen. Come on Roger!

Danke für dieses Geschenk! Federer will auch 2020 noch spielen

Diese Nachricht hören Schweizer Sportfans natürlich extrem gerne: Roger Federer plant, auch 2020 noch Turniere zu bestreiten. Das sagte er nach seinem 100. Turniersieg heute in Dubai.

Vor Roger Federer gewann erst ein Tennisspieler 100 oder mehr Turniere. Der Amerikaner Jimmy Connors sammelte von 1972 bis 1989 109 Turniersiege. Seinen letzten Titel holte Connors in Tel Aviv als 37-Jähriger, Federers aktuellem Alter. Sein letztes Profiturnier bestritt Connors mit 43. Auch Federer macht weiter: In Dubai gab er offiziell bekannt, dass er auch im nächsten Jahr wieder antreten wird – und sicher nicht nur in Dubai.

Dabei ist eins sicher: Federer liebt seine Heimturniere. Den 99. …

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