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Heidi Diethelm Gerber of Switzerland poses with her bronze medal on the podium of the women's 25m Pistol competition of the Rio 2016 Olympic Games Shooting events at the Olympic Shooting Centre in Rio de Janeiro, Brazil, 09 August 2016.  EPA/ARMANDO BABANI

Pistolenschützin Heidi Diethelm Gerber mit der ersten Schweizer Medaille in Rio. Bild: EPA

Wieso das Bronze-Heidi die Schweiz so glücklich macht

Der Bann ist gebrochen, die erste Schweizer Medaille in Rio ist da. Die Schweiz freut sich mit Heidi Diethelm Gerber – einer Sportlerin, die nicht nur äusserst sympathisch wirkt, sondern uns auch als Vorbild dienen kann.



Schiessen ist eine der populärsten Schweizer Sportarten: Rund 175'000 Mitglieder stark ist der nationale Verband. Und doch fristet der Schiesssport ein Dasein als Mauerblümchen. Selbst bei den Randsportarten ist er irgendwo ganz aussen am Rand platziert.

Dabei zeigt uns gestern Abend die Pistolen-Entscheidung über 25 Meter, wie spannend Schiessen sein kann. Eine Nation schaut gebannt auf den Bildschirm: Leuchtet es nach Heidi Diethelm Gerbers Schuss grün auf, für einen Treffer? Oder rot, wenn die Schützin das kleine Ziel verfehlt hat?

Bobana Velickovic of Serbia pauses during the women's 25 meter pistol qualification precision competition at Olympic Shooting Center at the 2016 Summer Olympics in Rio de Janeiro, Brazil, Tuesday, Aug. 9, 2016. (AP Photo/Eugene Hoshiko)

Millimeter entscheiden über Triumph und Niederlage. Bild: Eugene Hoshiko/AP/KEYSTONE

Schützen-Serie geht weiter

Die Schweizer Olympia-Sportschützen halten eine Serie aufrecht, die seit 1968 anhält: Alle 16 Jahre bringen sie eine Medaille nach Hause.

1968 in Mexico City gewann Kurt Müller mit dem Freigewehr Bronze. 1984 in Los Angeles wurde Daniel Nipkov Zweiter im Kleinkaliber-Dreistellungsmatch. 2000 in Sydney gewann Michel Ansermet mit der Schnellfeuerpistole ebenfalls Silber. Und nach weiteren 16 Jahren war jetzt 2016 erstmals eine Frau an der Reihe: Heidi Diethelm Gerber. Die nächste «garantierte» Medaille wird mathematisch 2032 fällig. (fox/sda)

Negative Gedanken verscheucht

Heidi Diethelm Gerber, eine Athletin die kaum einer im Land gekannt hat, schiesst sich in den Halbfinal und verblüfft dort mit einer bärenstarken Leistung. Mit der linken Hand im Hosensack zielt sie mit der Pistole in ihrer rechten so genau, dass sie um Bronze kämpfen kann.

Und in diesem Duell gegen die Weltnummer 1 aus China beweist die 47-jährige Thurgauerin, wie nervenstark sie ist. «Warum muss es ausgerechnet die sein? Zhang hat in den letzten zwei Jahren alle Weltcups dominiert», geht es Diethelm Gerber vor der Entscheidung durch den Kopf. Aber sie verscheucht die Gedanken an die «Leder-Medaille» und ballert ihre Schüsse treffsicher ins Ziel.

«Bronze gewonnen, nicht Gold oder Silber verloren»

Nach dem grössten Erfolg der Karriere strahlt die Schweizerin und betont: «Ich habe Bronze gewonnen, nicht Gold oder Silber verloren!» Man nimmt es Heidi Diethelm Gerber sofort ab. Überaus sympathisch wirkt die 47-Jährige, welche die Mutter vieler anderer Schweizer Olympia-Teilnehmer sein könnte.

Und wer sich etwas ausgiebiger mit der Schützin beschäftigt, der erfasst, dass es sich sehr wohl um einen Hochleistungs-Sport handelt, den sie ausübt. Vielleicht überdeckt ihr massiger Körper diese Tatsache etwas. Aber Heidi Diethelm Gerber tritt schliesslich nicht im Beachvolleyball an und beim Darts beispielsweise scheint es auch kein Nachteil zu sein, über eine gewisse Standfestigkeit zu verfügen.

Gold medalist Anna Korakaki, center, of Greece is flanked by silver medalist Monika Karsch, left, of Germany and bronze medalist Heidi Diethelm Gerber, right, of Switzerland during the award ceremony for the women's 25 meter pistol competition at Olympic Shooting Center at the 2016 Summer Olympics in Rio de Janeiro, Brazil, Tuesday, Aug. 9, 2016. (AP Photo/Eugene Hoshiko)

Das strahlende Siegertrio: Olympiasiegerin Korakaki aus Griechenland, flankiert von Diethelm Gerber und der Deutschen Karsch. Bild: Eugene Hoshiko/AP/KEYSTONE

Alles diesem einen, grossen Ziel untergeordnet

Erst mit 33 Jahren greift Diethelm Gerber erstmals zu einer Waffe. An einem Firmenanlass entdeckt sie den Sport und der Sport entdeckt sie. Ernst Gerber, damals noch Arbeitskollege, heute Ehemann und Trainer, erkennt ein Talent und ermutigt Heidi, es doch einmal im Verein zu versuchen. Heute sagt sie: «Die Faszination, einen Zehner zu schiessen, packt mich jeden Tag von Neuem.»

Nach einem ernüchternden Olympia-Debüt in London entscheidet sich das Ehepaar, für Rio alles auf eine Karte zu setzen: Die Buchhalterin wird Profi. Weil das mit tieferen Einkünften verbunden ist, ziehen Heidi und Ernst Diethelm Gerber zurück zu Heidis Mutter nach Märstetten. Sie tut alles für den grossen Traum einer Medaille in Brasilien. Trainiert bis zu 30 Stunden in der Woche. Schuss um Schuss um Schuss feuert Diethelm Gerber ab. Lässt sich von einem Mentaltrainer beraten. Und wird letztlich in Rio für ihre Beharrlichkeit belohnt – und zum gefeierten «Bronze-Heidi».

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Der grösste Erfolg vor Rio: Diethelm Gerber gewinnt an den Europaspielen 2015 Gold in Baku. YouTube/Baku 2015 European Games

Eine wie wir

Man kann den Schiesssport belächeln. Ihn generell als Sport in Frage stellen, wo man sich doch kaum bewegt. Und man kann natürlich auch als Pazifist aus grundsätzlichen Überlegungen gegen diese Sportart sein. 

Aber wer vom grossen Engagement weiss, welche auch eine Schützin auf sich nimmt, der sollte seine Meinung ändern. Denn Werte wie Fleiss, Beharrlichkeit, Bescheidenheit und Präzision bringen einen auch im Alltag voran. Wir Schweizer sind für solche Werte bekannt. Auch deshalb macht uns die bodenständige Heidi Diethelm Gerber glücklich: Sie ist eine wie wir.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Saul_Goodman 10.08.2016 19:12
    Highlight Highlight gratulation dieser dame zur medaille! das braucht sicher nerven.
    dass aber der schiesssport ein mauerblümchen dasein darstellt und man hoffentlich die nächsten 4 jahre nichts mehr davon hört kann ich nur begrüssen!
    waffennarren gibts leider schon genug auf dieser welt, die brauchen weder mehr aufmerksamkeit, noch brauchts mehr davon.
    es ist schon genug absurd dass diese platzverschwendung und das vergiften von schweizer boden nich vom steuerzahler gezahlt werden muss.


    8 25 Melden
  • maxi 10.08.2016 16:13
    Highlight Highlight Vorweg mal gratulation zur bronze medallie!

    Ich habe noch eine frage, kann mir die jemand beantworten?


    Ich habe mir eben erst den wettkampf angeschaut. Wieso wird die scheibe nicht gezeigt? Wieso muss man auf die lämpchen warten? Wardas live auch so?

    Es fühlt sich an wie eine darts wm ohne kamera auf das dartsboard, ein elfmeterschiessen wo das tor nicht gefilmt wird usw.
    16 1 Melden
    • EnteEnteEnte 10.08.2016 19:50
      Highlight Highlight Vielleicht weil sowiso immer in die 10 geschossen wird. Zu sehen wie sie immer die 10 treffen mit leichter Varianz nach links oder rechts innerhalb des Kreises ist nicht sehr spannend.z
      2 2 Melden
    • maxi 11.08.2016 05:50
      Highlight Highlight Wenn eh immer eine 10 getroffen wird, wieso dann so viele rote lämpchen🙄
      0 0 Melden
    • EnteEnteEnte 11.08.2016 06:56
      Highlight Highlight Hast wohl dem Kommentator nicht zugehört ;) .
      Es muss innerhalb der 10 der innere Kreis getroffen werden, welcher 8cm gross ist. Wird dieser getroffen, so ist das Lämpli grün. Alles ausserhalb rot. Also so wie ich es verstanden habe, trefen si so ziemlich immer die 10, aber nicht immer den inneren Kreis. Aber hey, bin kein Experte.
      1 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ratchet 10.08.2016 13:58
    Highlight Highlight Knabenschiessen, jährliches obligatorisches Schiessen, Schützenvereine in jedem Kaff und Waffen in fast jedem Haushalt
    Eigentlich könnte man durchaus mehr Schweizer Medaillen im Schiessport erwarten.
    10 21 Melden
    • suchwow 10.08.2016 17:07
      Highlight Highlight Es kann 100-Mal klappen, und dann eben einmal "nicht" - so what? Bronze ist gar nicht mal so schlecht. Aber freue mich an den nächsten olympischen Spielen von AERON - SUI zu lesen, der ein Gold nach dem anderen nach Hause bringt 😉
      3 2 Melden
    • Ratchet 10.08.2016 17:29
      Highlight Highlight Nicht persönlich nehmen, war überhaupt nicht böse, abschätzig oder als Kritik gegen Heidis-Bronze gemeint, sondern mehr als offene Frage?
      Schiesssport wird in der Schweiz immer wieder als Tradition angesehen und gefördert. Ich frage mich deshalb, warum diese Sportart in der Schweiz aber kaum auf international wettkampffähigen Niveau praktiziert wird.
      8 1 Melden
    • vl0w 10.08.2016 18:04
      Highlight Highlight Naja, das Schiessen, dass Herr oder Frau Schweizer aus dem Knabenschiessen, dem Obligatorischen oder allgemein aus dem Militär kennen, hat nur bedingt mit dem olympischen Sportschiessen zu tun.
      Ich bin selber Sportschütze und kann mit dem "Geballere" mit dem Sturmgewehr selber nicht sehr viel anfangen.
      4 0 Melden
  • EvilBetty 10.08.2016 13:49
    Highlight Highlight Ich seh beim Bild auf der Front immer Mickey Mouse 😂
    10 17 Melden
  • Slypher 10.08.2016 13:45
    Highlight Highlight Gratulation zur Medaille! Mag es ihr von Herzen gönnen, sie wirkt sehr sympathisch!
    24 0 Melden
  • chrisdea 10.08.2016 12:56
    Highlight Highlight Wie ging das damals, 1912, nochmal?

    Der Kaiser auf Besuch in der Schweiz:

    «Wie viele Soldaten hat denn Ihre Armee?», soll er einen Schweizer Soldaten gefragt haben, der im Schützengraben an seinem Karabiner hantierte.
    «200'000 sind es.»
    «Was tun Sie denn, wenn ich mit 400'000 komme?»
    «Dann schiessen wir halt zwei Mal.»

    True story (vielleicht).
    30 4 Melden
  • hansdieter 10.08.2016 11:30
    Highlight Highlight Ihre Nervenstärke und Konzentration sind bewundernswert. Sie beweist, dass man auch mit massivem Übergewicht und ohne physische Anstrengung "Sport" betreiben kann. Ist das jedoch wirklich ein Vorbild?
    8 94 Melden
    • suchwow 10.08.2016 11:50
      Highlight Highlight Die Olympischen Spiele haben durchaus eine wichtige Vorbildfunktion. Es zeigt sich jeweils, dass bei einem Medaillensieg (Gold natürlich vor Siber oder Broze), die Jugend einer Nation vermehrt den selben Sportweg einschlägt, wie der Medaillengewinner der selben Nation. Im Fall von Kosovo: es wird nun mit Sicherheit zu einige Neuanmeldungen in Karate- (oder war es Judo?) Studios kommen.

      Also ja: Frau Gerber hat eine Vorbildsfunktion inne, und als OP-Teilehmende zwar eine sehr bedeutende. Gratulation an dieser Stelle von mir 👌😉
      44 1 Melden
    • MacB 10.08.2016 12:13
      Highlight Highlight @hansdieter: Bis zum äussersten durchtrainierte und vielfach gedopte Sportler sind jedenfalls kein Vorbild!
      56 2 Melden
    • suchwow 10.08.2016 13:05
      Highlight Highlight @MacB: Doping umfasst nicht nur anabole Steroide, sondern diverse weitere Modulatoren/Nootropika/genere. Perf. Enh.
      Sprich: auch im Tischtennis lässt es sich gut betrügen.

      Haben optisch "gut gebaute" Menschen kein Anrecht darauf, eine Vorbildfunktion darzustellen? Weshalb ist ein Powerlifter oder ein Sprinter "weniger" Wert, als ein Schütze? Oder ein Schwimmer, der mit seinem breiten Kreuz nahezu jeden in den Schatten stellt?
      Wenn jemand auf AAS ist, wird er nicht mal eben zu Gott und halbiert die Rundenzeit 😉 Dieser muss trotzdem hart trainieren. Etwas, das viele offenbar ausblenden.
      6 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Hans der Dampfer 10.08.2016 10:15
    Highlight Highlight So etwas ähnliches ging mir auch durch den Kopf 😂
    Credit Bild: @somekindasport
    User Image
    35 13 Melden
  • Scaros_2 10.08.2016 10:05
    Highlight Highlight Eindrücklich das der Plan aufgegangen ist und sich das Risiko gelohnt hat. Aber gleichzeitig zeigt das Beispiel wieder wie schlecht es um die Förderung in der Schweiz steht. Die Möglichkeit einen Gewinn einer Medalie an den Spielen hatte die Voraussetzung das viel geopfert wird. Während in Länder wie USA die Förderung der "Profis" an der Tagesordnung liegt und auch andere Länder viel Geld investieren muss ein Schweizer/in viel Opfern bis die Möglichkeit dazu gegeben ist.

    Glückwunsch das alles aufgegangen ist!
    50 13 Melden
  • Bruno Wüthrich 10.08.2016 10:02
    Highlight Highlight Ich hatte es nicht so mit dem Schiessen. Eigentlich. Hätte es nicht geheissen, dass eine Schweizerin um eine Medaillie schiesst, oder hätte die Schweiz bereits eine gehabt, ich hätte wohl umgeschaltet.

    Doch ich revidiere meine Meinung. Richtig inszeniert und präsentiert, ist Schiessen auch für Zuschauer ein grossartiger Sport. Ich bin wahrlich kein Experte. Aber um in einer derartigen Sportart Weltspitze zu sein, eine ruhige Hand zu haben, braucht es viel mehr, als sich die Meisten vorstellen können.

    Und dann eben Bronze-Heidi. Unser Schiess-Mami der Nation. Einfach toll! Einfach grossartig!
    120 2 Melden
  • BeatBox 10.08.2016 10:00
    Highlight Highlight Danke für den super Bericht! Genau auf den Punkt, mitten ins Schwarze getroffen :-)
    60 0 Melden
  • StealthPanda 10.08.2016 09:57
    Highlight Highlight Der Satz des Tages den sich jeder zu herzen nehmen sollte:

    "Werte wie Fleiss, Beharrlichkeit, Bescheidenheit und Präzision bringen einen auch im Alltag voran. Wir Schweizer sind für solche Werte bekannt."

    Gratulation Heidi Diethelm wir sind stolz auf dich!
    84 2 Melden
  • Vortex86 10.08.2016 09:56
    Highlight Highlight Starkes votum für eine coole Heidi!! Super artikel! I Like!
    58 1 Melden
  • Raembe 10.08.2016 09:53
    Highlight Highlight Go Heidi, weiter so!
    43 1 Melden
  • Sagitarius 10.08.2016 09:48
    Highlight Highlight Gratulation an Heidi! Eindrückliche Leistung und Nerven wie Drahtseile! Danke Watson für den Bericht!
    72 0 Melden

Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

Als sich Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien dazu entschied, seine Hände zum Doppeladler zu formen, da wurde er innert Sekunden vom Helden zum Deppen. 

Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

Zum Glück, so muss man fast sagen, haben Shaqiri und Xhaka mit dem Doppeladler für einen kleinen Skandal gesorgt. Sonst, man stelle sich vor, hätten …

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