Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Argentina's Lionel Messi, left, and Portugal's Cristiano Ronaldo, right, two of the nominees for the FIFA Ballon d'Or 2015 award, speak during a press conference prior to the FIFA Ballon d'Or awarding ceremony at the Kongresshaus in Zurich, Switzerland, Monday, January 11, 2016. (KEYSTONE/Valeriano Di Domenico)

Die Ballon-d'Or-Wahl ist längst zu einem Zweikampf verkommen.
Bild: KEYSTONE

Warum immer Messi oder Ronaldo gewinnen? Weil der Mut fehlt und der Fussball ein fatales Problem hat

Mal wieder Messi. Warum nicht Neuer, warum nicht Jérôme Boateng? Bei der Weltfussballer-Wahl haben Defensivspieler keine Chance. Weil der Mut fehlt – und der Fussball ein fatales Wahrnehmungsproblem hat.

Andreas Evelt / SPIEGEL



Ein Artikel von

Spiegel Online

Der Angriff gewinnt Spiele, die Abwehr aber gewinnt Meisterschaften: Jupp Heynckes hat diese kluge Weisheit aus dem US-Sport auf den Fussball übertragen. Und natürlich muss der Mann es wissen, er gewann als Trainer viele Meisterschaften, mit Real Madrid und dem FC Bayern sogar die Champions League. Der Heynckes-Spruch macht bewusst einen Bedeutungsunterschied zwischen Sturm und Verteidigung, er gewichtet letztere höher, weil er sagt: Wer wirklich Titel gewinnen will, braucht die da hinten.

Aber nicht, wenn es um den Titel des Weltfussballers geht.

Die Weltfussballerwahl braucht die da hinten nicht, sie hat sie noch nie gebraucht. Die wichtigste individuelle Auszeichnung für einen Fussballspieler ignoriert defensive Mannschaftsteile seit 1991, dem ersten Jahr der offiziellen Vergabe, nahezu komplett.

Auch 2015 waren auf den ersten drei Plätzen nur Angreifer zu finden, auf der 23-köpfigen Kandidatenliste standen mit Javier Mascherano (FC Barcelona) und Manuel Neuer vom FC Bayern nur zwei Fussballer, die in der Verteidigung oder im Tor spielen. Am Ende setzte sich Lionel Messi vor Cristiano Ronaldo durch. Neymar wurde wie erwartet Dritter. Alles wie immer.

Erst ein Verteidiger wurde in 25 Jahren überhaupt gewählt, Italiens WM-Captain Fabio Cannavaro im Jahr 2006.

Alle Gewinner des Ballon d'Or

Und unter die besten drei schafften es bisher nur drei Abwehrspieler und zwei Torhüter, Oliver Kahn 2002 und zuletzt Manuel Neuer 2014 (Platz drei). DFB-Keeper Neuer halfen weder sein grosser Beitrag zum WM-Titel noch Joachim Löws Lob, Neuer sei in Brasilien «der elfte Feldspieler» gewesen. Selbst als Feldspieler war er machtlos gegen Messi und Ronaldo.

Warum ist das so? Warum werden in unschöner Regelmässigkeit immer die Offensivstars gewählt? Warum kommt nie ein Abwehrspieler zum Zug?

Umfrage

Fehlt bei der Weltfussballer-Wahl der Mut?

  • Abstimmen

670

  • Nein, Messi und Ronaldo sind einfach die besten25%
  • Bisschen. Man kann die Spieler auf verschiedenen Positionen aber auch nicht vergleichen18%
  • Ja, «stille Arbeiter» werden benachteiligt22%
  • Die Wahl ist eh voll doof. In einem Teamsport einen einzelnen hervorheben. Unmöglich.34%

Lionel Messi und Cristiano Ronaldo tragen seit acht Jahren ein Privatduell um die Trophäe aus, die beiden teilen sich die Auszeichnung seitdem auf. Sie profitieren von einer Überhöhung, wie es sie in dieser Ausprägung vielleicht noch nie gegeben hat. Die Superstars von Barcelona und Real liefern auf dem Platz regelmässig Grosses ab, sind aber auch abseits zu absurd omnipräsenten Weltmarken geworden. Fussball? Zuerst sind das Messi und Ronaldo. Diese Reduktion geht zu Lasten aller anderen – es geht gar nicht mehr um die Frage, wer Weltfussballer wird, sondern nur noch, wer von beiden.

Nominees for the 2015 FIFA World Player of the Year FC Barcelona's Lionel Messi of Argentina and Real Madrid's Cristiano Ronaldo of Portugal (R) attend a news conference prior to the Ballon d'Or 2015 awards ceremony in Zurich, Switzerland, January 11, 2016     REUTERS/Arnd Wiegmann TPX IMAGES OF THE DAY

Fussball? Da geht es zuerst einmal um Lionel Messi und Cristiano Ronaldo.
Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Sich für einen anderen zu entscheiden als Messi oder Ronaldo (die ihre Wahl natürlich auch verdient haben) erfordert viel Mut. Und den haben die Stimmberechtigten – die Kapitäne und Trainer der Nationalmannschaften sowie ein ausgewählter Medienvertreter pro Nation – offenbar einfach nicht.

So haben die Entscheidungsträger abgestimmt

Den Weltfussballer wählen die Nationalmannschafts-Captain, -Trainer und je ein Medienvertreter der FIFA-Mitgliedsländer. Diese verteilen drei Spielern der Shortlist jeweils fünf, drei und einen Punkt. Hier gibt es die Details der Wahl. 
Für die Schweiz waren dies Gökhan Inler (Ronaldo, Messi, Neymar), Vladimir Petkovic (Messi, Ronaldo, Müller) und Christophe Cerf (Messi, Ronaldo, Lewandowski).

Messi, Ronaldo oder auch Neymar hilft aber auch ihre Position auf dem Spielfeld: Wer viele Tore schiesst, steht im Mittelpunkt. Und das können sie ausgesprochen gut. Verteidigen ist verglichen damit einfach unspektakulär. Hier kommt ein fatales Wahrnehmungsproblem ins Spiel. Über Abwehrspieler und Torhüter wird vor allem geredet, wenn sie Fehler machen. Bei den Offensivstars ist es andersrum: Ein Tor kann jeden individuellen Fehler überlagern. Das führt dazu, dass selbst ein Torhüter-Revolutionär wie Neuer chancenlos ist und Jérôme Boateng als modernster Innenverteidiger der Welt es wohl bleiben wird.

Die Wahl zum Weltfussballer wird auch in naher Zukunft langweilig und berechenbar sein. Aus Messi wird Neymar, aus Ronaldo vielleicht Douglas Costa. Die Verteidiger müssen sich dann weiter mit den Titeln begnügen, die wirklich wichtig sind.

Die 20 meistüberschätzten Fussballer aller Zeiten

Das könnte dich auch interessieren:

Geld allein macht nicht glücklich – aber was dann, Herr Glücksforscher?

Link zum Artikel

Love-Scamming: Wie ich einer Russin (fast) auf den Leim gegangen bin

Link zum Artikel

Die Geschichte dieses Bildes steht exemplarisch für den momentanen Gender-Knorz

Link zum Artikel

Bond fährt E-Auto? (00)7 Vorschläge, wie er sich noch besser an die Generation Y anpasst

Link zum Artikel

Vegane Influencerin bekommt ihre Periode nicht mehr – jetzt zieht sie Konsequenzen

Link zum Artikel

Warum ich bete

Link zum Artikel

Die Influencer der Zukunft sind nicht menschlich – und sind jetzt schon Millionen wert

Link zum Artikel

Roger Federer ein Spielball der Strömung – das könnte zum Problem werden

Link zum Artikel

Kassieren SVP und SP eine Schlappe? 7 wichtige Punkte zu den Zürcher Wahlen

Link zum Artikel

Im 30'000-Franken-Outfit – so rückt Leroy Sané in die DFB-Elf ein

Link zum Artikel

Bye-bye Beno: Wie der ehemalige Gassen-Mönch in die völkische Szene abrutschte

Link zum Artikel

Das sind die 3 typischen Phasen eines Pyro-Vorfalls

Link zum Artikel

Wie Trump im Fall Manafort schachmatt gesetzt wurde

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

18
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • asdf asdf 12.01.2016 16:10
    Highlight Highlight Gutes Interview mit Christoph Metzelder über das Seelenleben eines Verteidigers.
    http://www.zeit.de/2013/47/christoph-metzelder-interview

    Meiner Meinung nach gäbe es einen ganz einfachen Weg wie man den Verteidigern mehr Aufmerksamkeit und Einfluss zukommen lassen könnte. Degradiert uns nicht zu Slalomstangen!
    Lasst den Verteidigern mehr Spielraum. So wie früher! Das erste herzhafte Foul wird nicht gleich mit Gelb geahndet. Mal schauen wie sich dann die hochgelobten Stürmer machen, wenn sie mit der "Angst" leben müssen, gleich kommt wieder der Verteidiger und haut mich ungestraft weg...
  • Fabian_84 12.01.2016 14:42
    Highlight Highlight Schon in der Schule wars so, im FC wurd's weitergeführt: Die schlechtesten Fussballer ins Tor, die besten in die Zentrale oder den Angriff. Das System wird auch im Profifussball weiterbetrieben und selbstverständlich sind Messi, Ronaldo, Neymar bessere Fussballer als Boateng/Neuer/Buffon/Mascherano etc. Aber da der Autor nur die zwei Deutschen als potenzielle Kandidaten nennt, hat er sich ohnehin als Fachmann disqualifiziert. Also was solls. Zeitverschwendung gewesen der Artikel.
    • 8004 Zürich 12.01.2016 14:57
      Highlight Highlight Ja, in der Schule war das so. Aber als ehem. Juniorentrainer sehe ich die Sache in den Vereinen anders: Bei den Jüngsten werden die schlechten Einsteiger (also bevor sie für eine Position gesehen darauf ausgebildet werden) dort eingesetzt, wo sie am wenigsten Schaden anrichten können - und das ist nun mal im Sturm. Kann mir nicht vorstellen, dass das flächendeckend "falsch" gemacht wird.
      Ausserdem sind Deine Vergleiche grotesk. Es kommt auf die Toolbox eines Spielers an. Ich bezweifle, dass Neymar ein guter IV wäre. Fussball ist nicht nur Schiessen, Dribblings und Passen.
  • greeZH 12.01.2016 13:48
    Highlight Highlight Verstehe die Beschwerde im 2013 als Bayern die CL und 2014 Deutschland die WM gewann. Aber dieses Jahr ist Messi ein klarer Fall. Ronaldo hat aber eigentlich nichts in der Top 3 verloren.
  • Ratchet 12.01.2016 11:43
    Highlight Highlight Als ich den Titel war ich eigentlich ganz eurer Meinung, aber bereits mit dem 2ten Satz habt ihr mir verloren. "Warum nicht Neuer?"
    Und was danach folgte, war auch nicht besser. Dieser Artikel, der eigentlich die Leistung der Defensivspieler hervorheben wollte, endet am Schluss eher als schlechter Verlierer Beschwerde eines Bayernfans.
    Ronaldo und Messi zeigen beide seit Jahren unglaubliches Fussball. Wer da mithalten will, muss ein bisschen mehr als sein, als der beste Verteidiger/Goalie der Bundesliga.
    • maxi 12.01.2016 12:16
      Highlight Highlight naja bei boateng oder alaba verstehe ichs noch ehre... aber neuer wäre ein skandal... er ist nicht auf einem niveau von casillas, buffon, kahn, er profitiert von der hervoragend agierenden verteidugung der bayern, und dem ballbesitz fussball im mittelfed...
    • greeZH 12.01.2016 13:45
      Highlight Highlight Casillas, Buffon und Kahn sind "oldschool" Torhüter. Buffon vielleicht noch der kompletteste davon. Aber Kahn und besonders Casillas können keinen geraden Pass spielen. Neuers Ballkontrolle, Antizipation, Reaktion usw. sind einmalig.
    • maxi 12.01.2016 14:53
      Highlight Highlight für einen torwart mag seine ballbehandlung gut sein...aber dies reicht halt nicht zum weltfussballer... nur weil er morden ist heisst dies noch lange nicht das er sich mit den grössten messen kann.
  • zhgr1989 12.01.2016 11:22
    Highlight Highlight Ich denke nicht, dass es an Mut fehlt! Messi zu wählen ist einfach die einzig richtige Entscheidung. Er spielt mit einer solchen Leichtigkeit und Intelligenz, dass es einfach keinen hat, der an das herankommt. Es wäre nicht mutig, Neuer oder Boateng zu wählen, sondern einfach dumm und voreingenommen. Nicht, das die beiden nicht zur absoluten Spitze gehören! Aber Spiegel eben...
  • maxi 12.01.2016 11:05
    Highlight Highlight herr evelt diaqualifiziert sich schon im Titel, mit der frage, wieso nicht Neuer.

    ich denke aber auch man könnte mal andere namen bringen, zB. Aubameyang top scorer der BuLi im jahr 2015.
    • Ratchet 12.01.2016 11:53
      Highlight Highlight Aubameyang? Zuerst mal soll er in der CL spielen oder überhaupt einen Titel gewinnen. Von der Bundesliga kommen momentan allgemein nur Bayernspieler in Frage, der Rest hat international noch nichts gezeigt.
    • maxi 12.01.2016 12:20
      Highlight Highlight lol was für ein dummer kommentar. er wird nextes jahr cl spielen. und diese bayern spieler die in frage kommen haben ja weniger scorerpunkte? ich dachte es geht um leistung und mut zu etwas neuem? das er überragen ist kannst du nicht abstreiten!
    • Merengue 12.01.2016 19:28
      Highlight Highlight Aubameyang auf einer Wellenlänge mit Messi, Cristiano, Neymar (und allen anderen aus der Top XI) ...?? Könnte man natürlich versuchen. Danach müsste man diese Auszeichnung aber abschaffen ... Was ich nicht mal schlecht fände. Gibt immer Diskussionen. Dabei geht fast vergessen dass Fussball ein Mannschaftssport ist.
  • icarius 12.01.2016 11:02
    Highlight Highlight Der Spiegel findet also Neuer und Boateng hätten's mehr verdient. L'equipe findet wahrscheinlich Pogba hätt's mehr verdient und in Brasilien finden sie sowieso, Neymar hätt's verdient etc.

    Aber wenn man die ganze Welt zusammen fragt, ist es eben Messi und Ronaldo. Vielleicht ist die Welt einfach etwas neutraler ist als die nationalen Medien :)
  • Bruno Wüthrich 12.01.2016 10:20
    Highlight Highlight Fussball ist Mannschaftssport. Eine Mannschaft gewinnt, weil sie besser war als die andere, oder weil sie mehr Glück hatte. In der Schlagzeile heisst es dann: «Sieg dank XXXX!.» Und die andern? Hatte der Torhüter nichts zu halten? Z.B. bei Real stehen 10 andere Weltstars auf dem Platz, die ihr Spiel auf Ronaldo ausrichten. Ronaldo schiesst auch jeden Penalty, obwohl es mindestens vier weitere Klassespieler im Team hätte, die ebenfalls traumhaft sicher verwandeln würden. Oder hat Barca ohne Messi nicht auch gewonnen? Es hat! Messi und Ronaldo sind aber ohne jeden Zweifel begnadete Fussballer.
  • Florian Troxler (1) 12.01.2016 10:03
    Highlight Highlight Der Bericht erinnert mich gerade daran, wie Messi Boateng im CL- Halbfinale gelegt hat.
    • greeZH 12.01.2016 13:46
      Highlight Highlight Als Boateng im Rückwärtslaufen Messi im 1 gegen 1 hätte verteidigen sollen? Wie genau hätte das funktionieren sollen?
  • Tarek 12.01.2016 09:58
    Highlight Highlight Über diese Debatte können wir Ewigkeiten diskutieren. Jedoch ist klar, dass die beiden zur Zeit einfach allen anderen ein Stück voraus sind. Boateng, Neuer, Ramos, Iniesta, Neymar und wie sie alle heissen kommen nicht an die beiden heran. Egal ob Torhüter, Verteidiger, Mittelfeldspieler oder auch Stürmer.

Die herzzerreissende Geschichte von Granit Xhaka und dem kleinen Julian

Nati-Star Granit Xhaka sorgt derzeit mit einem herzerweichenden Wiedersehen in London für ordentlich Wirbel auf Social Media. Er hat Julian, seinen grössten Fan, zu sich eingeladen. Der Achtjährige wurde mit Downsyndrom geboren und lief mit Xhaka ein, als er erstmals Captain war von Borussia Gladbach.

Was war das für ein Tag, dieser 23. September 2015. Das erste Spiel von Borussia Mönchengladbach nach der Ära von Lucien Favre, des damals 23-jährigen Granit Xhaka als Captain der Fohlen. Ein Tor hat er geschossen, bei diesem 4:2 gegen Augsburg, dem ersten Sieg in dieser Saison damals, nach fünf Pleiten in Serie.

An diesem grossen Tag hatte Xhaka einen kleinen Begleiter. Auf seinem Arm trug er Julian, der im September 2010 mit Downsyndrom auf die Welt kam. «Als ich zum ersten Mal als Captain von …

Artikel lesen
Link zum Artikel