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Details nicht verpassen: Zuschauer verfolgen die Zweikämpfe mit Feldstechern.

Den Sieger haben sie schon gesehen – aber sie kennen ihn noch nicht. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Das Ringen um den Thron – ein Kampf gegen die Geschichte und Dämonen

Ein «Trio Grande» hat den ersten Tag in Zug dominiert. Aber Christian Stucki (34) und Armon Orlik (24) haben die Geschichte gegen sich und Joel Wicki (22) muss mit den Dämonen der Nacht fertig werden. Eine Zwischenbilanz mit ein paar verbalen Fussstichen.



Samuel Giger (21) war der Favorit der Kenner. Der perfekte Schwinger und von den weiblichen Fans als «George Clooney des Sägemehls» verehrt. Schon beim letzten Eidgenössischen unbesiegt. Jetzt noch erfahrener, kräftiger, vielseitiger. Und dann ist nach dem ersten Gang schon alles vorbei: Sensationelle Niederlage gegen Nick Alpiger.

Nick Alpiger, links, jubelt neben Samuel Giger im 1. Gang am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) in Zug, am Samstag, 24. August 2019. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Alpiger legt Giger ins Sägemehl. Bild: KEYSTONE

Gigers Selbstvertrauen ist an den hohen Erwartungen zerbrochen wie ein billiges Plastik-Spielzeug. Wer mit Alpiger im ersten Gang nicht zügig fertig wird, kann nicht König werden. Der Aargauer ist für eine Hauptrolle beim Eidgenössischen noch eine Nummer zu klein. Und so finden wir Samuel Giger nach dem ersten Tag punktgleich mit Nick Alpiger auf dem 10. Rang. Statt dem Thron ist nun der Kranz das höchste Ziel.

Pirmin Reichmuth (23) ist vorerst auch an hohen Erwartungen gescheitert. Aber der Zuger ist nicht ganz aus dem Rennen. Nach einer Niederlage gegen Christian Stucki, einem Gestellten und zwei Siegen ist er im 9. Rang klassiert. Er braucht alle nur erdenkliche Hilfe des Einteilungs-Kampfgerichtes, der Platz-Kampfrichter und der Schwinger-Götter und des eidgenössischen Schicksals, um auch nur in die Nähe des Schlussganges zu kommen.

Die Handicaps des Trio Grande

Die Titanen des Tages heissen Christian Stucki, Joel Wicki und Armon Orlik. Kommt der König aus diesem Trio? Das ist noch offen. Denn alle drei haben ein Handicap.

Stucki: Zu alt?

Noch nie ist einer, der älter war als 31 Jahre König geworden. Christian Stucki ist 34 Jahre alt. Kann er den Fluch des Alters brechen? Der Sieg im ersten Gang gegen Reichmuth hat ihm den Schwung gebracht, den er brauchte, um den ersten Tag zu dominieren. Am Sonntag wird es heiss sein. Der Energie-Haushalt, von der Hitze stark beeinflusst, wird ein entscheidender Faktor sein.

Christian Stucki, Mitte, jubelt neben Pirmin Reichmuth im 1. Gang am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) in Zug, am Samstag, 24. August 2019. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Stucki schlägt gleich zum Auftakt Reichmuth. Bild: KEYSTONE

Orlik: Zu abergläubig?

Noch nie in der Neuzeit ist einer König geworden, der zuvor einen eidgenössischen Schlussgang verloren hat. Armon Orlik hat den letzten Kampf um den Thron 2016 gegen Matthias Glarner verloren. Kann er den Fluch des verlorenen Schlussganges brechen? Er ist dazu in der Lage. Dieser «Fluch des Schlussganges» plagt auch Stucki. Er hat 2013 den Schlussgang gegen Matthias Sempach verloren.

Armon Orlik, rechts, jubelt neben Stefan Arnold im 3. Gang am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) in Zug, am Samstag, 24. August 2019. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Orlik feiert gegen Stefan Arnold den dritten Sieg im dritten Gang. Bild: KEYSTONE

Wicki: Zu nervös?

Joel Wicki brauchte für vier Siege rund 100 Sekunden. Der perfekte Tag. Er ist nun der grosse, der klare Favorit. Und doch gibt es ein Problem: Wie wird er die Nacht überstehen? Wird er ruhig schlafen? Wenn ja, kann er nach Harry Knüsel (1986) der zweite König der Innerschweizer werden. Oder suchen ihn die Dämonen der Schlaflosigkeit heim wie so manchen «König des Samstages»? Die Aussicht, am nächsten Tag ein König und ein berühmter Mann werden zu können, kann auch eine Belastung sein.

Joel Wicki im 4. Gang am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) in Zug, am Samstag, 24. August 2019. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Wird mit Wicki endlich wieder ein Innerschweizer König? Bild: KEYSTONE

Samstagshelden oder mehr?

Und da ist ein ganz gefährlicher Aussenseiter: Kilian Wenger (29). Er war 2010 schon einmal König und ist der einzige der verbliebenen Titanen, der weiss, wie man König wird. Nur ist ihm nach 2010 die königliche Zuversicht abhanden gekommen. Drei Siege und ein Gestellter müssten eigentlich genügen, um die Dämonen der Zweifel bei ihm zu vertreiben und im Rennen um den Schlussgang zu bleiben. Erwacht Wenger am Sonntag mit intaktem Selbstvertrauen, kann er ein zweites Mal König werden.

Und was ist mit Marcel Bieri (24)? Der Zuger ist neben dem «Trio Grande» (Stucki, Wicki, Orlik) der einzige mit vier Siegen auf dem Notenblatt. Vieles spricht dafür, dass ihm das Schicksal eines eidgenössischen Samstagshelden blüht. Wird er König, muss die Geschichte neu geschrieben werden.

Umfrage

Wer wird Schwingerkönig 2019?

  • Abstimmen

5,094

  • Armon Orlik23%
  • Joel Wicki25%
  • Christian Stucki36%
  • Marcel Bieri4%
  • Kilian Wenger8%
  • Ein anderer4%

Es gibt einen neuen König

Wo war eigentlich Remo Käser (22), der Sohn von Adrian Käser, dem König von 1989? Nun, einer der meist abgebildeten Helden des Sägemehls («Glanz & Gloria Remo») hat erfahren müssen, dass Medienpräsenz nicht das gleiche ist wie Präsenz im Sägemehlring. Zwei Niederlagen, ein Gestellter und Rang 13 – das ist, gemessen an seiner Postur und seinem Talent fast so schlimm wie die verpassten Playoffs der ZSC Lions.

So oder so wird ein neuer König gekrönt. Matthias Glarner ist mit zwei Niederlagen und einem Gestellten in den Ranglistenkeller auf den 14. Rang abgerutscht und von dort kommt er nicht mehr heraus. Der König von 2001 darf am Sonntag nicht mehr antreten. Arnold Forrer (41) ist mit einer Niederlage und drei Gestellten ausgeschieden. Ein König, nicht verletzt und nicht mehr gut genug, um den Wettkampf am Sonntag fortzusetzen: Das hat es so noch nicht gegeben.

Ein Wort noch zum Einteilungskampfgericht. Das Gremium hat exzellent gearbeitet. Präsident Samuel Feller hat den ersten Gang neutral und fachlich einwandfrei eingeteilt und das gesamte Gremium hat ab dem zweiten Gang so gut gearbeitet, dass es viel Boshaftigkeit braucht, um Grund zur Kritik oder gar zu einer Verschwörungstheorie zu finden.

Samuel Feller, Eidgenoessischer Technischer Leiter, Mitte, bespricht mit seinem Team die Einteilung der Gaenge am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) in Zug, am Samstag, 24. August 2019. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Das Einteilungsgericht hat seinen Anteil an einem bislang attraktiven Fest. Bild: KEYSTONE

Das ESAF 2019 in Zug in Bildern

Lebendpreis Greth büxt am Eidgenössischen Schwingfest aus

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33
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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Capy aka PHI (formerly known as Pat the Rat) 25.08.2019 17:11
    Highlight Highlight ❤️ S T U U U U C K I I I I I ! ! ! ! ! ❤️
  • Dan Rifter 25.08.2019 02:35
    Highlight Highlight Ist Zaugg wirklich euer bestes ESAF-Pferd im Stall? Schade.
  • mad_aleister 25.08.2019 02:06
    Highlight Highlight Von den dreien an der Spitze tippe ich auf Wicki oder Stucki. Der Wicki hat das Talent, der Stucki den Biss. Orlik war zu zaghaft am Samstag.

    Bieri und Wenger stehen bereit. Würde es beiden gönnen.

    Und watson, schreibt mal was über den jungen Kramer. Der schwingt was das Zeug hält...!!!!
  • BaDWolF 25.08.2019 00:07
    Highlight Highlight "Das Ringen um den Thron.... " Schwingen, das heisst S C H W I N G E N 🤭
  • feuseltier 24.08.2019 23:41
    Highlight Highlight Und wer ist die Rolex unter all denen? ?
  • Mova 24.08.2019 23:36
    Highlight Highlight Super Sache. Gehe morgen hin. Schweizer Kampfsport nach alter Tradition.
  • Coffeetime 24.08.2019 23:19
    Highlight Highlight War heute ein paar Stunden auf dem Festgelände... Mega Stimmung, einfach nur cool... auch für eine Westschweizerin! 😀
    • weachauimmo 25.08.2019 00:39
      Highlight Highlight @Camille Kündig, bist Du es?
    • Coffeetime 25.08.2019 09:53
      Highlight Highlight Nee... gibt noch viele andere Romandes 😊
  • Satan Claws 24.08.2019 22:20
    Highlight Highlight Danke für diese dauernden Berichte. Es ist toll, wie ihr diesen Sport so richtig fördert.
  • BeatBox 24.08.2019 21:16
    Highlight Highlight Ich sähe gerne Stucki als König, aber Wicki ist wohl zu stark.

    Orlik hat eigentlich gegen Gnägi verloren, das überschattet für mich ein wenig den Samstag...
  • PlayaGua 24.08.2019 21:15
    Highlight Highlight Remo Käser war angeschlagen und musste verletzt aufgeben. Also kein Grund, seine Leistung schlecht zu reden, Herr Zaugg.
  • Capy aka PHI (formerly known as Pat the Rat) 24.08.2019 20:14
    Highlight Highlight Wenn 1a gegen 1b, wieso nicht 1c gegen 2 sondern gegen 4a???

    Oder falls 1c und 2 aus dem selben Verband sind, wieso nicht 1a gegen 1c und 1b gegen 2???
    • Ich hol jetzt das Schwein 24.08.2019 21:03
      Highlight Highlight Weil die Vergangenheit am Fest auch ne Rolle spielt.
    • Capy aka PHI (formerly known as Pat the Rat) 24.08.2019 21:46
      Highlight Highlight Urteilt nicht über meine Schwingfest-Einteilungs-Kenntnisse!

      Mein erster Besuch eines Schwingfestes ist zwischen 44 und 41 Jahre her (war damals noch seeeehr Jung, deshalb weiss ich nicht wie Alt ich war).
      Und zwei der besten Freunde meines Vaters nannten sich Hunsperger Rudolf und Uhlmann Fritz...

      Ich frage mich nur, wieso Einer von den drei Erstklassierten auf die Nummer 4 treffen soll, statt auf die 2!
    • magnet1c 25.08.2019 09:02
      Highlight Highlight Rein vom Prestige und für das Schwingfest war diese Paarung durchaus sinnvoll. Bezüglich Rangliste darf man dies in Frage stellen, denn für den 4 ist das im Fall einer Niederlage ziemlich einschneidend.
    Weitere Antworten anzeigen
  • mukeleven 24.08.2019 19:43
    Highlight Highlight bring‘en hei stucki! 💪
    • mukeleven 25.08.2019 17:07
      Highlight Highlight jaaaaaaaa, stuckiiiiii!
      chönig! 💪🍾💪
  • Der müde Joe 24.08.2019 18:15
    Highlight Highlight Würde es Stucki von Herzen gönnen!😊
    • Yabba Dabba Doo 24.08.2019 18:47
      Highlight Highlight Ich auch!
      Aber als Innerschweizer 🤔!?!?
    • redeye70 24.08.2019 19:59
      Highlight Highlight Er ist auch für mich der König der Herzen. Aber als Zuger möchte ich endlich wieder einen König aus der Innerschweiz 😉
    • Capy aka PHI (formerly known as Pat the Rat) 24.08.2019 20:34
      Highlight Highlight @ Yabba etc. & redeye :

      Ich verstehe Euch beide sehr gut, gespaltene Sympathien und so...

      Aber trotzdem finde ich, dass es Stucki Christian nach den bisherigen Einteilungen (besonders im Ausblick auf den 5. Gang (Skandal!!!)) von den drei Führenden am meisten verdient hätte.

      Aber Er muss es selbst "nach Hause" schwingen.
  • DER Baron 24.08.2019 18:13
    Highlight Highlight Die grosse Ablösung der Berner durch die Innerschweizer wars bisher nicht.
    Bleib dabei wie nach Gang 2, Stucki oder Wicki.
    Stucki sehe ich leicht im Vorteil. Wicki schwingt zwar 100x attraktiver aber ich frage mich immer ob so nicht auch dumme Fehler passieren können.
    Zumindest meine Erfahrung vom Boxen her.
    • redeye70 24.08.2019 20:11
      Highlight Highlight Ich sehe einen leichten Vorteil bei Wicki. Seine Kämpfe waren alle ultrakurz, er hat nur wenig Energie verbraucht. Stucki ist ja nicht so der Kondichamp und der zweite Tag war schon immer seine grosse Schwäche. Aber der Mann hat viel gemacht und sogar seine Ernährung umgestellt. Der ist wirklich heiss auf den Titel! Es wird spannend sein.
    • Ich hol jetzt das Schwein 24.08.2019 21:11
      Highlight Highlight Wicki schwingt ("(100)mal,") "attraktivier" Echt jetzt? 4 x Kurz. Extrem attraktiver...
    • DER Baron 24.08.2019 21:21
      Highlight Highlight Ja mir gefällt dieser Stil.

      @redeye70
      Stimmt schon. Für Stucki spricht wiederum die Erfahrung.
      Morgen Vormittag wissen wir mehr wenn der Fünfte durch ist😁
  • hoi123 24.08.2019 18:04
    Highlight Highlight Nun muss es Stucki vs Orlik geben.
    • ändu aus B (weder Bärn noch Basel) 24.08.2019 20:19
      Highlight Highlight Das wird der Schlussgang der beiden Verlierer der vorigen Schlussgänge.
  • TWilli 24.08.2019 17:58
    Highlight Highlight Wicki und Stucki haben ev. noch den Vorteil das ein zweiter Schwinger ihres Verbandes jeweils weit vorne ist. Diese könnten den Konkurrenten wichtige Punkte abnehmen.
  • rundumeli 24.08.2019 17:56
    Highlight Highlight viel schatten ... und ein bisschen licht
    • MDK 24.08.2019 20:18
      Highlight Highlight Troll offline !
    • Sk8/Di3 25.08.2019 01:03
      Highlight Highlight Klar hat es viel Schatten...
      Wenn dir einer der Jungs vor der Sonne steht wirds dunkel :)

Verrückt, aber wahr – Stuckis Sieg, der keiner war

Christian Stucki (34) ist König. Eine der schönsten Geschichten der Schwinger-Historie. Sie hat nur einen kleinen Makel: Sein Schlussgang-Gegner Joel Wicki lag gar nicht regulär auf dem Rücken.

Christian Stucki schmettert im Schlussgang Joel Wicki mit einem gewaltigen Wurf nach 41 Sekunden auf den Rücken. Die drei Kampfrichter – einer im Sägemehlring, zwei am Tisch, geben das Resultat. Christian Stucki ist König. Welch wunderbarer Abschluss eines Festes, das alle Dimensionen gesprengt hat!

Aber es gibt einen kleinen Schönheitsfehler. Joel Wicki war nach den Buchstaben des Gesetzes nicht auf dem Rücken. Nicht besiegt. Der Gang hätte weitergehen müssen. Der König verdankt seine …

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