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FIFA's suspended president Sepp Blatter holds a news conference in Zurich, Switzerland, December 21, 2015. Blatter will appeal against his eight-year ban by the world soccer body's ethics committee imposed on Monday, he told reporters.

Sepp Blatter hat noch nicht genug, er will um seine verlorene Ehre kämpfen.
Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Sepp Blatter – der Richard Nixon des Fussballs: Wer sagt ihm, dass das Spiel aus ist?

Es tut weh zu sehen, wie einer der einst mächtigsten Schweizer Sportfunktionäre immer mehr zu einer tragischen Figur wird. Schlimmer noch: zu einer lächerlichen, traurigen Gestalt.



Ja, jetzt ist es definitiv eine griechische Tragödie. Eine griechische Tragödie geht ungefähr so: Der Hauptdarsteller gerät durch schicksalshafte Verstrickungen in eine Lage, die er mit allem, was er tut, nur noch verschlimmert. Die herannahende, sich immer deutlicher abzeichnende Katastrophe kann er nicht mehr abwenden.

So ist es bei Sepp Blatter. Der Sonnenkönig des Fussballs ist gestürzt worden. Acht Jahre Sperre. Es ist zwar nicht so, dass er kein Fussballstadion mehr betreten darf, wie da und dort behauptet wird. Aber es ist so, dass er nicht mehr in offizieller Mission in ein Fussballstadion gehen darf. Sepp Blatter müsste sich einfach eine Eintrittskarte kaufen und unters gewöhnliche Volk mischen. Undenkbar. Unvorstellbar.

Russia's President Vladimir Putin, left, FIFA President Sepp Blatter, center, and Germany's Chancellor Angela Merkel, right, watch the opening ceremony of the World Cup final soccer match between Germany and Argentina at Maracana Stadium in Rio de Janeiro, Brazil, Sunday, July 13, 2014. (AP Photo/Martin Meissner)

Sepp Blatter wird im Fussballstadion nie mehr neben den Mächtigen dieser Welt sitzen. Höchstens noch neben Hinz und Kunz.
Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE

Gestürzt worden ist er von einem FIFA-Gericht, das er einst selber installiert hat. Als er uneingeschränkter Herrscher war. Dass sich dieses Gremium gegen ihn wenden könnte: Unvorstellbar. Undenkbar. Und doch ist es so gekommen.

Der Sonnenkönig gestürzt. Durch die eigene Gerichtsbarkeit. Ein politisches, ein heuchlerisches Urteil. Spektakulärer liesse sich der Welt nicht vorgaukeln, dass nun bei der FIFA alles anders, besser wird. Und nichts ist lustvoller, als einen König stürzen zu sehen – und nachzutreten. Auch für das Verfahren gegen Sepp Blatter finden wir einen Begriff aus der griechischen Antike. Scherbengericht. Es war ein Verfahren, unliebsame oder zu mächtige Bürger aus dem politischen Leben der Stadt Athen zu entfernen. Die Verbannung betrug zehn Jahre.

Dabei zeigt gerade dieses Verfahren, dass Sepp Blatter eben nicht korrupt war. Er hat sich nicht bereichert. Es ging und geht ihm um etwas ganz Anderes: Um Macht und Ehre. Um seine Macht zu sicheren, hat er offensichtlich einem Kumpel (Michel Platini) eine siebenstellige Summe zukommen lassen (Stimmenkauf).

Sepp Blatter kann gegen diese Sperre kämpfen. Mit einem Rekurs, einem Gang vor das internationale Sportgericht oder ein staatliches Gericht. Diesen Kampf kann Sepp Blatter vielleicht juristisch gewinnen, obwohl die Chancen gering sind. Aber wir wissen nie, wie Gerichte entscheiden. Es gibt einen bitterbösen Spruch, der doch der Wahrheit nahekommt: Vor den Richtern sind wir wie auf hoher See – in Gottes Hand.

FIFA's suspended president Sepp Blatter holds a news conference in Zurich, Switzerland, December 21, 2015. Blatter will appeal against his eight-year ban by the world soccer body's ethics committee imposed on Monday, he told reporters.

Es wäre an der Zeit, den sinnlosen Kampf aufzugeben.
Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Aber den Ruf, die Ehre kann Sepp Blatter mit einem Gerichtsurteil, von welcher Instanz auch immer, nicht mehr retten – und die Macht bekommt er nie mehr zurück. Es ist ein aussichtsloser Kampf gegen die Windmühlen der öffentlichen und vor allem der veröffentlichten Meinung. Das Spiel ist aus.

In den Klauen seiner Berater und Anwälte

Wer sagt es ihm, dass das Spiel aus ist? Seine Anwälte und Berater sicher nicht. Zu lukrativ sind diese Mandate – und erst noch mit dem Aphrodisiakum der Medienpräsenz. Es tut weh, zusehen zu müssen, wie sich einer der verdienstvollsten, einst mächtigsten Schweizer Sportfunktionäre zum Tanzbären seiner Anwälte und Berater macht und immer mehr zu einer tragischen Figur wird. Schlimmer noch: zu einer lächerlichen, traurigen Gestalt. Sein Kampf um die Wiederherstellung seiner fussballerischen Ehre ist eines der tragischsten Schauspiele, das uns der internationale Sport je zugemutet hat.

Warum tut sich Sepp Blatter das an? Warum nicht in einem letzten, gut inszenierten Auftritt vor den Weltmedien den Rückzug verkünden? Sich dem FIFA-Urteil unterziehen, auf seine grandiose Karriere, sein reiches Fussballleben verweisen und erklären: Ich habe alles geschaut, alles genossen – nun ist die Zeit des Kämpfens vorbei. Ich setze mich zur Ruhe, schreibe meine Memoiren (oder lasse sie schreiben) – und wer weiss, vielleicht ist dann dem Gescheiterten gar ein Comeback als Buchautor und «Elder Statesman» vergönnt.

FILE - In this March 15, 1973, file photo President Nixon tells a White House news conference that he will not allow his legal counsel, John Dean, to testify on Capitol Hill in the Watergate investigation and challenged the Senate to test him in the Supreme Court. A feisty Nixon defended his shredded legacy and Watergate-era actions in grand jury testimony that he thought would never come out. On Thursday, Nov. 10, 2011, it did. (AP Photo/Charles Tasnadi, File)

Das Streben nach Macht wurde auch Richard Nixon zum Verhängnis.
Bild: AP

Wie einst Richard Nixon. Sepp Blatter, so etwas wie der Richard Nixon des internationalen Sports? Ein verwegener, aber faszinierender und irgendwie doch treffender Vergleich. Auch der ehmalige US-Präsident scheiterte, wie Sepp Blatter, nicht wegen persönlicher Bereicherung. Sondern wegen unredlicher Methoden beim Bestreben, an der Macht zu bleiben.

Mit einem ganz grossen Unterschied: Richard Nixon, der einzige US-Präsident, der von seinem Amt zurücktreten musste (um der Amtsenthebung zuvorzukommen), ist auch als Schurke bezeichnet worden.

Ein Schurke ist Sepp Blatter, der einzige FIFA-Präsident, der seines Amtes enthoben worden ist, ganz sicher nicht.

Tschau Sepp – Blatters Karriere in Bildern

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • 123und456 24.12.2015 14:43
    Highlight Highlight Teil 2:

    Vieles hat er unter dem Deckmantel "für die Kleinen im Fussball" eingefädelt. Dass dabei primär er selbst und eine handvoll korrupter Funktionäre profitierten wird von Weltwoche und Co ignoriert.

    Sicherlich ist Blatter nicht Alleinverantwortlicher für die ganze Korruption. Aber er hat sicherlich auch seinen Profit daraus gezogen und davon gewusst.

    Dass er sich jetzt standhaft weigert seine Schuld zuzugeben und sich verzweifelt mit dem kleinen Finger am Strohhalm der Macht festhält, ist erbärmlich.
    0 0 Melden
  • 123und456 24.12.2015 14:36
    Highlight Highlight Lieber Herr Zaugg

    Sind Sie inzwischen derart tief gesunken, dass sie allen Ernstes behaupten Blatter sei nicht korrupt? Zudem glorifizieren sie den guten Mann, mahnt an die Weltwoche.

    Das arme,alte Blatterli. Umgeben von zähnefletschenden Anwälten und Beratern, in den Fängen des Bösen. Ein wackerer Kämpe immer im Dienste der Sache. Und halt noch ein bitzeli machtgeil. Aber im Grunde ein SCHWEIZER Held.

    Der gute Mann ist ein machtgeiler Funktionär, der sich den grössten Teil seiner Macht durch dubiose bis korrupte Machenschaften "erarbeitet" und erhalten hat.
    0 0 Melden
  • Almos Talented 22.12.2015 12:35
    Highlight Highlight Mitleid? Ich geniesse es, wenn machtsüchtige Menschen auf dem normalen Boden der Realität landen. (Und soo schlimm ist dieser Boden von hier unten ja auch nicht) 😉

    Gerade bei ihm ist es es lustig, weil er nach der WM hätte aufhören können ohne, dass sich jemand für sein Mitwissen an korrupten Geschäften interessiert hätte.

    Aber wie aus einem Märli: Aus lauter Gier bekommt er den Mund nicht voll und erstickt daran.
    18 0 Melden
  • Bruno Wüthrich 22.12.2015 12:11
    Highlight Highlight Man kann sagen, die zwei Millionen an Platini lägen im Promillebereich des Umsatzes, den die FIFA macht, und die fehlende Buchung sei deshalb vernachlässigbar. Man kann auch sagen, dass alle Zahlungen der FIFA und derer mächtigen Funktionäre, die mit Korruption zu tun haben, im kleinen Prozentbereich zum Umsatz liegen. Wenn man so denkt, dann kann man Blatters Nachlässigkeiten und Verfehlungen tatsächlich verniedlichen. Doch es handelt sich immerhin um zwei Millionen. Es dürften nicht die einzigen Millionen sein, die zu seiner Machterhaltung geflossen sind. Deshalb sehe ich die Sache anders.
    14 0 Melden
  • Asmodeus 22.12.2015 11:24
    Highlight Highlight Wie kann man allen ernstes im selben Abschnitt schreiben er wäre nicht korrupt aber hätte sich stimmen gekauft?

    Ich zitiere:

    "Dabei zeigt gerade dieses Verfahren, dass Sepp Blatter eben nicht korrupt war. ... Um seine Macht zu sicheren, hat er offensichtlich einem Kumpel (Michel Platini) eine siebenstellige Summe zukommen lassen (Stimmenkauf)."

    Genau das definiert Korruption. Und genau das sind die Machenschaften weswegen dieser Kerl nicht gefeiert sondern in den Knast gehört.

    Zusammen mit all den anderen Spezis die den Fussball seit Jahren wegen Geld und Macht zerstören.
    25 0 Melden
  • icarius 22.12.2015 10:34
    Highlight Highlight Wieso wird Blatter immer als Opfer dargestellt in CH Medien? Für mich ist das plumper nationalismus. Der Mann war 20 Jahre lang die mächtigste Person im weltfussball. Da kann man sich nicht einfach aus der Verantwortung stehlen. Wär Blatter Nigerianer und nicht Oberwalliser würden ihm die Medien hier doch niemals diese opferrolle abkaufen.
    34 0 Melden
  • icarius 22.12.2015 10:29
    Highlight Highlight Der autor versteht wohl korruption nicht richtig. Blatter muss sich nicht persönlich bereichern um korrupt zu sein. Wenn er platinis Einfluss gekauft hat wie im Text steht dann ist das korrupt. Und dann wär das FIFA Urteil sicher nicht 'heuchlerisch'.
    27 0 Melden
    • Ernesto_Mueller 22.12.2015 16:34
      Highlight Highlight Ist in diesem Fall derjenige Korrupt, welcher die Millionen bezahlt oder jener, welcher die Millionen erhält? Oder beide?
      :-D

      Denn eigentlich nutzt in diesem Fall Sepp ja nur die Korruptheit von Herrn Platini aus...

      Finde ich gerade spannend.
      0 1 Melden
    • icarius 22.12.2015 22:13
      Highlight Highlight @Ernesto_Mueller

      Rechtlich gesehen umfasst die Korruption sowohl den Korrumpierenden (Blatter) als auch den Korrumpierten (Platini). Es macht also keinen Unterschied. Aus einer rein sprachlichen Perspektive kann man natürlich schon argumentieren, nur Platini sei korrupt, also gekauft, denn es ist ein passives Adjektiv. Aber hier gehts ja nicht um eine etymologische Analyse des Korruptionsbegriffs sondern um eine rechtliche :)
      6 1 Melden

Lieber Arno, ich glaube leider, es ist wirklich an der Zeit zu gehen

Auch nach der Nationalmannschaftspause scheint der HC Davos immer noch tief in einer Krise zu stecken. Es ist Zeit für einen drastischen Schritt.

Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Satz mal so schreibe. Aber es scheint tatsächlich, als wäre es an der Zeit, dass du, Arno Del Curto, den HCD verlassen musst.

Seit 1996, seit 23 Jahren, stehst du in Davos oben an der Bande. Du hast viele Erfolge gefeiert, gewannst sechs Mal die Meisterschaft und fünf Mal den Spengler Cup. Du hast auch einige schwierige Momente, gar Krisen durchlebt. Doch so ratlos wie in diesen Tagen haben du und dein ganzes Umfeld noch nie gewirkt.

Selbst als …

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