Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Switzerland's Lea Sprunger runs during the women's 400m hurdles final at the 2018 European Athletics Championships in the Olympiastadion stadium in Berlin, Germany, Friday, August 10, 2018. The 2018 European Athletics Championships will be held in Berlin from August 06 until 12, 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Lief am Freitagabend in Berlin allen davon: Lea Sprunger auf dem Weg zu Gold. Bild: KEYSTONE

Das Video mit Lea Sprungers triumphalem Lauf zu EM-Gold 

11.08.18, 07:16 11.08.18, 08:34


Lea Sprunger hielt über 400m Hürden dem Druck stand. Die 28-jährige Waadtländerin erfüllte sich den Gold-Traum. Sie ist die erste Schweizer Europameisterin.

Nach dem Zieleinlauf schrie Sprunger ihre Freude laut heraus, ehe sie sich in eine Schweizer Fahne gewickelt auf die Ehrenrunde machte. Nach EM-Bronze vor zwei Jahren in Amsterdam hatte die Romande vor 48'500 Zuschauern im Berliner Olympiastadion dem Druck als Favoritin auf beeindruckende Art und Weise standgehalten.

Sprunger bescherte Swiss Athletics die siebte Goldmedaille in einer Einzeldisziplin an Europameisterschaften und die achte insgesamt. In der deutschen Hauptstadt war es für die Schweiz der zweite Podestplatz nach dem 3. Rang von Alex Wilson über 200m am Donnerstagabend. Über 400m Hürden sicherte Sprunger ihrem Land bereits die fünfte EM-Medaille, die zweite goldene nach jener von Kariem Hussein 2014 in Zürich.

«Es ist unglaublich»

Mit 54.33 Sekunden, der zweitbesten Zeit ihrer Karriere, distanzierte Sprunger die zweitplatzierte Ukrainerin Anna Ryschikowa um 18 Hundertstel. Die eigene Saisonbestleistung verbesserte sie um 46 Hundertstel, was unterstreicht, dass sie auf den Punkt genau in Topform war. «Es ist das Resultat meiner ganzen interessanten Karriere mit schönen und schlechten Sachen», bilanzierte Sprunger. «Ich habe die ganze Saison sehr gut gearbeitet, es ist unglaublich.»

Switzerland's Lea Sprunger celebrates after win the gold medal in the women's 400m hurdles final at the 2018 European Athletics Championships in the Olympiastadion stadium in Berlin, Germany, Friday, August 10, 2018. The 2018 European Athletics Championships will be held in Berlin from August 06 until 12, 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Bild: KEYSTONE

Sprunger ging als Führende auf die Zielgeraden. Sie sei gut gestartet und habe sich auf ihren Lauf fokussiert, sagte sie. Die letzte Hürde sei sie allerdings etwas hektisch angegangen. Dennoch liess sie sich den Sieg nicht mehr nehmen. Bronze ging an die Britin Meghan Beesley (55.31).

Nun kann Sprunger unbeschwert ein nächstes Ziel in Angriff nehmen, nämlich den Schweizer Rekord von Anita Protti aus dem Jahr 1991 zu tilgen. Dieser steht bei 54.25 Sekunden, wobei Sprungers Bestzeit 54.29 beträgt. «Sie hat das Potenzial für eine Zeit von unter 54 Sekunden», ist Trainer Laurent Meuwly überzeugt.

Mut belohnt

Es braucht Mut, EM-Gold als klare Vorgabe herauszugeben, da man dann daran gemessen wird. Es zeugt jedoch vom neuen Selbstverständnis von Sprunger, die viel mit einer Mentaltrainerin gearbeitet hat. Nach den grossen Enttäuschungen an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (Out im Vorlauf) und den Hallen-Europameisterschaften in Belgrad (5. über 400 m), nach denen sie sich fragte, ob sie für diesen Sport gemacht sei, suchte sie per Hypnose im Unterbewusstsein nach Gründen für die Enttäuschungen. Das zeigte ihr, wo das Problem liegt.

Mittlerweile hat Sprunger nicht mehr wie früher Angst vor den Konkurrentinnen, sondern glaubt an die eigenen Stärken. Bereits vor einem Jahr an den Weltmeisterschaften in London überzeugte sie mit dem 5. Platz. Das half fürs Selbstvertrauen. Für Meuwly ist ein weiterer entscheidender Teil für den Erfolg, dass sie seit ein paar Jahren gesund sei. Dies führt er auf die richtige Balance zwischen hartem Training und physischer sowie mentaler Erholung zurück. «Sie ist eine erfahrene Athletin, weiss nun genau, was für sie gut ist», sagte Meuwly. Raum für Improvisationen gibt es kaum, es wird analysiert und optimiert.

Erst seit 3 Jahren in der Disziplin

Gab es im Training Anpassungen? «Wir versuchen immer, neue Reize zu setzen, aber der rote Faden und die Philosophie bleiben gleich», so Meuwly. Die Wettkampfplanung war zu Beginn der Saison aber anders wie in den letzten Jahren. Die ersten beiden Rennen über 400m Hürden absolvierte sie an den Diamond-League-Meetings in Rom (56.38) und Oslo (55.07). «Das war eine neue Konstellation für sie», erklärte Meuwly. Der Saisonbeginn sei nicht einfach für sie gewesen, habe aber geholfen.

Sprunger läuft erst seit 2015, mit Ausnahme eines Tests im Jahr 2010, über 400m Hürden, eine Disziplin, für die sie aufgrund ihrer langen Beine prädestiniert ist. Zu Beginn der Karriere war sie eine Mehrkämpferin. Von 2012 bis 2014 startete sie vorwiegend über 100 und 200m. Allerdings hatte Meuwly schon davor den Plan, aus ihr eine Langsprinterin zu machen – sie ist auch über 400m flach die Nummer 1 in Europa in diesem Jahr. Der clevere Aufbau hat sich also ausbezahlt. (sda)

Schweizer Medaillengewinner an den European Championships

Abonniere unseren Daily Newsletter

4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • "let's dance" 12.08.2018 12:47
    Highlight Super...eine Maschine.. sie ist nicht nur gut sondern auch noch hübsch.. würde gerne mal ein Cafe mit ihr trinken 😉 bravo bravo.. gut gemacht.
    1 0 Melden
  • liavivica 11.08.2018 16:06
    Highlight Wow, wie sie regelrecht dahingleitet! Einfach toll! 👌🏻
    11 0 Melden
  • danny34a 11.08.2018 11:43
    Highlight Bravo! Super gemacht! Das freut mich für sie.
    13 0 Melden
  • runner 11.08.2018 09:06
    Highlight Unglaublich schöner Lauf - die ganze Mühe hat sich für Lea Sprunger gelohnt und sie kann sehr stolz sein
    50 0 Melden

Beim Ironman auf Hawaii gilt: «Wer heute kriecht, der morgen siegt»

18. Oktober 1997: So einen dramatischen Zieleinlauf hat die Welt noch selten gesehen. Der Kampf um Platz 4 bei der Triathlon-WM auf Hawaii wird nicht laufend ausgetragen, sondern kriechend.

Unsere nördlichen Nachbarn sind 1997 bei den Männern das Mass aller Dinge beim Ironman auf Hawaii. Als erster deutscher Triathlet gewinnt Thomas Hellriegel und das gleich vor zwei Landsleuten, Jürgen Zäck und Lothar Leder stehen mit ihm auf dem Podest.

Für mindestens so viele Schlagzeilen sorgt das Frauenrennen – und das nicht wegen der Siegerin Heather Fuhr aus Kanada. Sondern weil das Wort «Zieleinlauf» den Kampf um Platz 4 nur halbwegs richtig erklärt. Denn Wendy Ingraham und Sian Welch …

Artikel lesen