Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05345343 Swiss Moto2 rider Dominique Aegerter of the Carxpert Interwetten team takes a bend during the last free training session of the Motorcycling Grand Prix of Catalunya at Catalunya circuit in Montmelo, near Barcelona, northeastern Spain, 04 June 2016. The Motorcycling Grand Prix of Catalunya will take place on 05 June 2016.  EPA/Alejandro Garcia

Trotz dem privaten Schicksal zeigt Dominique Aegerter gute Leistungen. Bild: EPA/EFE

«Vollgas!» – ein Wort vom Vater aus dem Spitalbett beflügelt Dominique Aegerter

Zum ersten Mal stehen zwei Schweizer in der ersten Startreihe eines Töff-GP. Die beste Ausgangslage aller Zeiten. Gelingt Tom Lüthi nach einer aufwühlenden Woche in Assen die Soloflucht zum Sieg oder fährt Dominique Aegerter für seinen Vater im Spital einen Erfolg ein?

Klaus Zaugg, Assen



Auf den ersten Blick ist nichts mehr so, wie es einmal war. «Blochen in Assen» – das ist der Titel der berühmten Reportage von Niklaus Meienberg (1940 bis 1993) über Assen. Exakt 40 Jahre sind seither ins Land gezogen. Das, was einst ein faszinierender Kosmos zwischen lustigem Zigeunerleben und Todesgefahr war, ist heute ein durchorganisierter Sport geworden. Und die Piloten haben im Wesen und Wirken kaum noch etwas Abenteuerliches: Es sind hochprofessionelle Athleten. Politisch korrekt präsent in allen sozialen Netzwerken und abgeschirmt von PR-Profis.

Aber nun erleben wir beim Schweizer Rennteam mit Dominique Aegerter (25) und Tom Lüthi (29) wie sehr die Piloten nach wie vor von «weichen Faktoren», von Gefühlen, Emotionen abhängig sind. Dass Tom Lüthi (1.) und Dominique Aegerter (3.) aus der ersten Reihe starten (Sonntag, 12.15 Uhr, SRF 2) hat wenig mit Motoren, Fahrwerken und Reifen zu tun. Aber viel mit Emotionen. Schnelligkeit kann auch Kopfsache sein.

Motegi, 11.10.2015 - Motorrad Grand Prix von Japan 2015, Moto2, Tom Luethi (SUI) - Foto: Marco Guidetti/IPP (EQ Images) SWITZERLAND ONLY

Tom Lüthi träumt von der «Königsklasse».
Bild: Italy Photo Press

Lüthi und die Höllenmaschine

Tom Lüthi hat in Assen noch nie die Pole herausgefahren. Er hat hier auch noch nie gewonnen, aber renntechnisch eine Woche wie noch nie hinter sich. Am letzten Dienstag und Mittwoch durfte er in Mugello (It) erstmals das MotoGP-Bike von KTM testen – und dabei hat er alle bisher von den Testpiloten mit dieser Maschine erreichten Rundenzeiten pulverisiert.

Zum ersten Mal in seinem Leben konnte er ausgiebig jenes technische Wunderwerk testen, das auf der höchsten Stufe in der Benzinverbrennungs-Nahrungskette steht, gut 100 PS mehr leiste als eine Moto2-Maschine – und überzeugte, ja alle begeisterte.

«Wow», sagt er mehrmals und spricht auch mit den Händen über dieses Abenteuer. Er sei fast über die Zielgerade geflogen. Er schwärmt mit leuchtenden Augen wie ein junger Mann nach dem ersten Kuss. Aber für 2017 sind die zwei KTM-Maschinen schon an Bradley Smith (GB) und Pol Espargaro (SP) vergeben. Doch wer weiss, vielleicht reicht es ja für 2018 doch noch für den MotoGP-Aufstieg.

Die Euphorie hat Tom Lüthi Flügel verliehen. Trainingsbestzeit. Die Taktik fürs Rennen ist klar: «Weil der Windschatten weniger eine Rolle spielt als auf anderen Pisten ist bei trockenem Wetter hier eine Soloflucht möglich. Das werde ich versuchen.»

Die Fähigkeit des Verdrängens

Die Umstände sind bei Dominique Aegerter anders und weit dramatischer. Am vergangenen Montag hat sein Vater Ferdinand «Fere» eine Gehirnblutung erlitten. Dominique hatte ihn in die Notaufnahme des Spitals gebracht. «Ich wusste am Mittwoch noch nicht, ob ich nach Assen fliegen würde. Ich habe den Flug erst einmal vom Mittwoch auf Donnerstag verschoben und dann am Donnerstag erst entschieden, in Assen doch zu fahren.» «Fere» liegt nach wie vor auf der Intensivstation des Berner Inselspitals. Es gibt Hoffnung, dass es vielleicht doch gut kommt.

epa05272153 Swiss Moto2 rider Dominique Aegerter of the CarXpert Interwetten team in action during the first practice session of the Spanish Motorcycling Grand Prix at the circuit of Jerez, southern Spain, 22 April 2016. The Motorcycling Grand Prix of Spain will take place in Jerez on 24 April 2016.  EPA/JOSE MANUEL VIDAL

Aegerter ist in Assen mehr als sonst gefordert. Bild: EPA/EFE

Wenn die Gladiatoren der Rennpiste den Helm aufsetzen, dann müssen sie alles verdrängen können, was sie beschäftigt. Diese Fähigkeit ist überlebenswichtig in einem Sport, in dem jeder Fehler tödlich sein kann. 

«Ich fahre für meinen Papa»

Die Sorgen um seinen Vater zu verdrängen, ist gerade für Dominique Aegerter besonders schwer. Es gibt nicht viele Fahrer, die ein so enges Verhältnis zu ihrem Vater haben. Der bedingungslose Rückhalt der Familie ist der Schlüssel zum Selbstvertrauen, zum coolen Wesen des Rohrbachers. Er weiss: «Was immer passiert, ich habe meine Familie.» Vor jedem Training und jedem Rennen bespricht er sich kurz mit seinem Vater – am Telefon, wenn er nicht vor Ort ist.

Noch am Vormittag war Dominique Aegerter schweigsam, bedrückt, traurig. In tiefer Sorge um seinen Vater. Und dann, kurz vor dem Abschlusstraining, darf er erstmals mit ihm Telefonieren. «Vollgas!», kann sein Vater sagen.

«Das war für mich eine riesige Erleichterung. Jetzt will ich im Rennen so schnell wie möglich ins Ziel kommen – um so schnell wie möglich nach Hause zu kommen und bei meinem Vater zu sein.» Zwei Schweizer auf dem Podest – das ist in Assen möglich!

Die Schweizer Moto2-Piloten 2016

Das könnte dich auch interessieren:

5 Antworten zu den geheimen Tapes zu Salvinis Parteispenden-Deal mit dem Kreml

Link zum Artikel

Warum wir aufhören müssen, uns selbst auszubeuten

Link zum Artikel

Wenn Kantonswappen ehrlich wären – die komplette Edition

Link zum Artikel

5 Dinge, die verzweifelte Singles tun – und unbedingt lassen sollten

Link zum Artikel

Hast du in Zürich einen Verrückten ins Wasser springen sehen? Wir wissen nun, wer es war

Link zum Artikel

9 absolut clevere Wege, wie Rechtsradikalen und Neonazis schon die Stirn geboten wurde

Link zum Artikel

Dieser Fotograf zeigt Hochzeiten – so wie sie wirklich sind

Link zum Artikel

Trump, Clinton, der Sex-Milliardär – und die Verschwörungstheoretiker

Link zum Artikel

Warum dieser NZZ-Artikel für einen Shitstorm sorgte – und er von Maassen retweetet wurde

Link zum Artikel

BBC-Moderator berichtet über Patrouille-Suisse-Fail – und lacht sich schlapp 😂

Link zum Artikel

Stell dir vor, die App einer Sportliga fordert per Push plötzlich 6000 Dollar von dir ...

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Das erste Elektro-Töff-Rennen – aber es ist Rennsport ohne Seele

Ein Moment für die Töff-Geschichtsbücher. Auf dem Sachsenring ist das erste E-Bike-Rennen (MotoE) ausgefahren worden. Ein Schweizer hat den Sieg verschenkt. Von der Popularität der Formel E im Autorennsport ist MotoE so weit entfernt wie eine 1.-August-Rakete vom Mond.

Offiziell sind alle restlos begeistert. Rennen mit Elektro-Töffs sind in Zeiten des Klimawandels eine tolle Sache. Da redet nun wirklich keiner dagegen.

Die Notwendigkeit, sich mit der Technologie von Elektrobikes auseinanderzusetzen, ist unbestritten und notwendig. Die Suche nach Investoren und Werbegeldern – der Rennsport leidet unter chronischem Geldmangel – ist mit dieser Technologie auch einfacher.

Weil die von einer italienischen Firma gebauten Bikes bei Tests in Jerez im Frühjahr alle …

Artikel lesen
Link zum Artikel