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Switzerland's Dominique Aegerter steers his Kalex during the qualifying session for Sunday's Italy Moto 2 race, at the Mugello circuit, in Scarperia, Italy, Saturday, June 3, 2017. (AP Photo/Antonio Calanni)

Aegerter rollt in Mugello das Feld von hinten auf. Bild: Antonio Calanni/AP/KEYSTONE

Dominique Aegerters grosse Wende oder bloss ein Strohfeuer?

Er ist der «unbesungene Held» von Mugello: Dominique Aegerter. Der 26-Jährige riskierte in der Verzweiflung alles und gewann im besten Rennen seit zwei Jahren mit Platz 7 viel.

klaus zaugg, mugello



Das Wort «Krieg» hat eigentlich in der Sportberichterstattung nichts zu suchen. Dominique Aegerter braucht es, um die Extremsituation eines Moto2-Rennens zu charakterisieren: «Im Mittelfeld kannst du nicht richtig fahren, da herrscht Krieg».

Der «Rohrbach-Rossi» meint die heftigen Positionskämpfe hinter der Spitzengruppe, in der Regel zwischen den Plätze 5/6 und 15/16. Darin verwickelt werden jene Fahrer, die sich nicht für eine der vier ersten Startreihen qualifizieren können. So wie Dominique Aegerter in Mugello. Als 18. musste er gestern aus der 6. Reihe losfahren. «Bei dieser Ausgangslage ist das Rennen gelaufen. Die Zweikämpfe im Mittelfeld sind so heftig, dass es kein Durchkommen mehr gibt und der Anschluss an die Spitzengruppe fast unmöglich wird.»

Ein Verzweiflungsakt wird zum Befreiungsschlag

Den letzten Podestplatz (3.) hatte Aegerter vor zwei Jahren in Mugello herausgefahren. Seither ist keine Ruhe mehr eingekehrt. Querelen in seinem Umfeld (als Teamkollege von Tom Lüthi) störten den sensiblen Kämpfer empfindlich. Auf Lichtblicke folgten immer wieder Rückschläge und einigermassen Ruhe ist erst durch den Wechsel in ein neues Team im letzten Herbst eingekehrt. Aber die Rückkehr zur Bestform (Sieg 2014 auf dem Sachsenring) ist ein langer, mühseliger Weg.

Mugello beginnt mit einem Tiefpunkt und endet mit einem Lichtblick. Vielleicht ist es gar die Wende zum Guten. Das nur noch flackernde Flämmchen der Hoffnung wird im Warm-Up am Sonntagvormittag ausgelöscht. Platz 25. Nichts geht mehr. In dieser Situation riskierte Aegerter alles. «Wir hatten alles probiert und doch keine brauchbare Abstimmung gefunden. Deshalb haben wir die Maschine so eingestellt wie bei den Vorsaisontests in Jerez. Das hatte damals funktioniert.»

Im Normalfall können Einstellungen nicht von einer Strecke auf die andere übertragen werden. Es ist ein Verzweiflungsakt – und wird zum Befreiungsschlag. «Ich habe mich im Rennen sofort wohl gefühlt. Die Maschine funktionierte. Vorne war der Zug zwar abgefahren, aber ich konnte von hinten her Gegner um Gegner überholen. Es war nicht mehr ein Kampf gegen die Tücken der Maschine, es war endlich wieder ein Kampf gegen Gegner.»

Wäre gar das Podest dringelegen?

Von Position 20 aus kämpft sich Dominique Aegerter in seinem besten Rennen seit dem Podestplatz hier in Mugello vor zwei Jahren in heftigen Duellen bis auf den 7. Platz. Keiner hat in diesem Rennen mehr Fahrer überholt. Es gibt insgesamt nur vier Stürze und keinen von einem Piloten, der schneller ist als er. Erben ist nicht möglich. Am Ende fährt Dominique Aegerter die viertschnellste Runde – nur Tom Lüthi, Mattia Pasini und Alex Marquez, die drei vom Podest, sind noch schneller. Aber es sind Heldentaten, die unbemerkt bleiben. Beinahe in der Anonymität. Abseits der TV-Kameras, die vorne den Dreikampf zwischen Mattia Pasini, Tom Lüthi und Alex Marquez zeigen. Dominique Agerter ist der «unbesungene Held» von Mugello.

Von einem besseren Startplatz aus wäre er wahrscheinlich ums Podest und oft im Schwenkbereich der TV-Kameras gefahren. «Soweit möchte ich nicht gehen. Aber mit einem Startplatz in den ersten vier Reihen hätte ich wohl um Platz 5 kämpfen können.»

epa05976625 Swiss Moto2 rider Dominique Aegerter of Kiefer Racing during the qualifying session of the French motorcycling Grand Prix at Le Mans race track, Le Mans, France, 20 May 2017.  EPA/EDDY LEMAISTRE

Aegerter: «Leistungsdichte ist extrem.» Bild: EDDY LEMAISTRE/EPA/KEYSTONE

Ein Wandeln auf einem ganz, ganz schmalen Grat

Der sensible Rock’n’Roller ist nach seinem grandiosen Rennen ungewohnt ernsthaft, fast nachdenklich. Dabei müsste er doch überglücklich sein. Doch er hat in den letzten zwei Jahren zu viel erlebt. Er traut dem Frieden noch nicht. Er sagt: «Wir haben das Potenzial für Spitzenplätze und ich habe das Fahren nicht verlernt. Aber die Leistungsdichte ist extrem, sie wird von Aussenstehenden unterschätzt.» Es sei wie das Wandeln auf einem ganz, ganz schmalen Grat. «Es braucht so wenig und nichts geht mehr. Diesmal haben wir Glück gehabt und es hat funktioniert. Aber wird es auch in einer Woche in Barcelona so sein?»

Ist Mugello die Wende oder bloss ein Strohfeuer? So wie es für Tom Lüthi nun im «Überlebensmonat» mit vier Rennen in fünf Wochen um den WM-Titel geht, so steht Dominique Aegerter vor der entscheidenden Phase in seinem Kampf um die Rückkehr nach ganz oben. Im Gesamtklassement steht er auf Position 7. 2013 und 2014 war er WM-5. Dorthin will er nach den zwei schwierigsten Jahren seiner Karriere (WM-17. und WM-12.) nun mit seinem neuen Team zurück.

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