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epa07544639 Swiss Moto2 rider Dominique Aegerter of MV Augusta Idealavoro Foward in action during the free practice session of the Motorcycling Grand Prix of Spain 2019 at the Jerez racetrack in Jerez de la Frontera, southern Spain, 03 May 2019. The Motorcycling Grand Prix of Spain will take place on 05 May 2019.  EPA/ROMAN RIOS

Aegerter im Training in Jerez. Bild: EPA/EFE

Dominique Aegerter und die Kunst, eine lahme Töff-Ente zu reiten

Dominique Aegerter ist der zweite Glücksfall für MV Agusta nach Giacomo Agostini. Nur eine robuste Frohnatur wie der Oberaargauer fährt die langsamste aller Moto2-Höllenmaschinen ohne zu klagen und zu polemisieren.

Klaus Zaugg, Jerez



Wenn Dominique Aegerter offizielle Medientermine hat, dann mahnt er an einen Buben, der hinter dem Schulhaus vom Lehrer beim Kiffen erwischt worden ist. So sorgsam darauf bedacht, brav zu sein.

Seine energische Teamchefin Milena Körner ist immer dabei und passt auf, dass er nur sagt, was gern gehört wird. Manchmal ergänzt sie die Aussagen. Damit alles ja perfekt rüberkommt.

Aegerter und das Team um Körner bei der Daten-Analyse.

So ist es auch an diesem Wochenende in Jerez de la Frontera. Im Training ist es wieder nicht so gut gelaufen. Aegerter beginnt das Rennen nach Rang 23 im Qualifying in der 8. Startreihe. Da gibt es Erklärungsbedarf. Sonst kommt womöglich noch Polemik auf.

Hauptproblem: Aerodynamik

Teamchefin Körner stellt klar, wie schwierig es eben sei, ein neues Projekt zu entwickeln. Man habe seit Saisonbeginn verschiedene Fahrwerkvarianten durchgetestet. Und nun werde man eine neue Verschalung entwickeln. Die Aerodynamik sei im Hochgeschwindigkeitsbereich ungenügend. Einmal pro Saison darf die Verschalung gewechselt und neu homologiert werden. «Für den Heim-GP in Mugello werden wir bereit sein.»

Die Aerodynamik, also der Luftwiderstand, ist tatsächlich das Hauptproblem. Alle haben ja die exakt genau gleichen Motoren. Verschieden sind nur Fahrwerk und Verschalung (Verkleidung). Also muss hier die Lösung gesucht werden.

Dominique Aegerter reitet die mit Abstand lahmste Ente der ganzen Moto2-WM. Bei den Topspeed-Messungen hatte er in Jerez im Abschlusstraining zum zweiten Mal hintereinander die miserabelsten Werte. Er war mit 239,40 km/ bis zu 10 km/h langsamer als die Konkurrenz. Und Jerez ist keine Hochgeschwindigkeitsstrecke wie Mugello oder Barcelona. Beim letzten GP in Texas keuchte seine Maschine gar bis 16 km/h langsamer über die Piste. Die Schwierigkeiten mit der Verschalung führen auch zu Problemen mit der Motorenkühlung. Wird das Triebwerk zu heiss, lässt die Leistung nach.

Moto2 rider Dominique Aegerter (77), of Switzerland, steers through a turn during a practice session at the Circuit Of The Americas, Friday, April 12, 2019, in Austin, Texas. (AP Photo/Eric Gay)

In Austin fuhr Aegerter in die WM-Punkte. Bild: AP

Die MV Agusta ist also eine lahme Ente. Aber es gibt mildernde Umstände. MV Agusta ist neu. Das Projekt hat diese Saison begonnen. Die Konkurrenz, schon Jahre dabei, hat viel mehr Erfahrung und kann sich darauf konzentrieren, auf dem Rennplatz zu justieren. Bei MV Agusta muss man hingegen weiterhin studieren, probieren und experimentieren. Was an die Piloten extreme Anforderungen stellt.

Unbeschwertheit als Vorteil

Der 29-jährige Aegerter ist einer der wenigen, der inzwischen eine solche Herausforderung meistern kann. Technische Entwicklungsarbeit ist sowieso nicht seine Stärke. Er fährt einfach, was man ihm hinstellt, klagt wenig und behält seine gute Laune. Tom Lüthi würde in der gleichen Situation die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und die Flucht ergreifen.

Diese Unbeschwertheit ist jetzt Dominique Aegerters Vorteil. Was kümmern ihn die Experimente, ob diese oder jene Schwinge, dieser oder jener Umlenkkopf oder dieses oder jenes Teil eingebaut worden ist, ob die Maschine die langsamste im ganzen Feld ist – er ist froh, dass er fahren kann, sagt den Technikern einfach wie es war und lässt sich nicht mehr beirren. Da er nicht italienisch spricht, ist auch keine Polemik in italienischen Fachmedien zu befürchten.

Schneller, als die Polizei erlaubt? ;-)

Ein mental robuster, talentierter, gutgelaunter, pflegeleichter Schweizer mit viel Erfahrung im Renngeschäft, der keine Ausreden sucht, einfach Gas gibt – das ist der perfekte Fahrer für das Entwicklungsprojekt MV Agusta. Der zweite Glückfall seit Giacomo Agostini.

Platz im GP-Zirkus bezahlt

Zu Aegerters Beruhigung dürfte auch beitragen, dass die in mehreren Raten zu bezahlenden sechsstellige Summe mit der er sich ins Team einkaufen musste, bereits überwiesen worden ist. Peter Hirschi, ein erfolgreicher Unternehmer aus dem gleichen Dorf und Aegerters treuester Sponsor bestätigte kürzlich: «Wir haben das erledigt.»

Die Saison 2019 ist also gesichert. Und Dominique Aegerter ist inzwischen auf gutem Wege, auch nächste Saison für die Italiener fahren zu können. Teamkollege Stefano Manzi ist zwar hin und wieder auf eine Runde schneller (im Jerez-Training als 19. vor Aegerter). Aber er kippt öfter um und produziert mehr Sturzteile und Reparaturkosten. Er hat diese Saison erst einmal das Ziel gesehen und auf den letzten GP in Texas musste er verzichten.

Aegerter (rechts) und Teamkollege Manzi mit Teamchefin Körner.

Womöglich muss Aegerter (bzw. seine Sponsoren) nächste Saison sogar etwas weniger bezahlen. Das Feld der Piloten ist in bezahlte und bezahlende Fahrer aufgeteilt. Nur die Besten wie Tom Lüthi werden von den Teams bezahlt. Die übrigen – und dazu gehört seit 2018 Dominique Aegerter – müssen die Teams bezahlen, damit sie einen Platz in der Moto2-WM haben.

MV Agusta war bis Anfang der 1970er Jahre eine die der ruhmreichste Töffmarken. Obwohl die Motorrad-Produktion nur ein Nebenzweig des italienischen Helikopter-Fabrikanten war. Giacomo Agostini ist auf MV Agusta der erfolgreiche Fahrer der Geschichte geworden – nach wie vor statistisch besser als Valentino Rossi. 1976 feierte er den letzten Sieg (und die letzten WM-Punkte) für MV Agusta. Nun ist die Marke wiederbelebt worden. In der Moto2-WM. Die Maschinen werden im italienischen Forward-Team eingesetzt. Dominique Aegerter hat in Texas soeben mit Rang 14 die ersten WM-Punkte für MV Agusta seit 43 Jahren geholt. WM-Punkte mit der MV Agusta – oder die Kunst, eine lahme Ente zu reiten.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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Peter Müller: «Für die anderen Schweizer waren meine Siege fast wie die Todesstrafe»

Er wurde Weltmeister im eigenen Land und gewann 19 Weltcup-Abfahrten – mehr als jeder andere Schweizer. Dennoch war Peter Müller immer ein Aussenseiter. Im «Tages-Anzeiger» spricht der frühere Skirennfahrer, der zum Unternehmer und Multimillionär wurde, frei von der Leber weg.

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