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FILE - This April 26, 2018, file photo, shows a general overall view of AT&T Stadium as Georgia's Roquan Smith is selected by the Chicago Bears during the first round of the NFL football draft, in Arlington, Texas. The NFL draft has become an industry unto itself and the league’s third-most popular annual event behind the Super Bowl and opening weekend. (AP Photo/David J. Phillip, File)

Der NFL-Draft zieht die Fans in seinen Bann – auch weil die eigentliche Saison so kurz ist. Bild: AP

Die «Obsession der Nation» – warum der NFL-Draft die Football-Fans so fasziniert

Der heute beginnende Draft der National Football League (NFL) hat sich vom Nischenprodukt zum mehrtägigen Medienspektakel gewandelt – und soll die Parität der Liga gewährleisten.

nicola berger / ch media



Die Philadephia Eagles hatten im Jahr 1935 das Verlieren satt – und eine Idee: Das schlechteste Team der NFL sollte die Möglichkeit haben, als erstes über die besten Talente zu verfügen. Zuvor hatten die Jünglinge ihre Arbeitgeber frei wählen können, was für Disparität sorgte, weil die Starken immer stärker wurden und die Schwachen schwächer. Der Einfall war brillant, das Draftsystem ist längst zum Segen für den US-Profisport geworden, es garantiert eine gewisse Ausgeglichenheit.

Die Eagles hielten die Talentschau 1936 gleich selber ab, im Hotel Ritz­-Carlton in Philadelphia – und verbrannten sich die Finger. Mit der Nummer­1-Selektion wählten sie Jay Berwanger aus, doch inmitten der Grossen Depression fand der Running Back die Option Profisport zu unsicher: Er lehnte die Vertragsofferte ab und wurde Arbeiter in einer Kunststofffabrik.

Bild

So ging es beim NFL-Draft 1936 zu und her. bild: twitter

Heute wäre das undenkbar, in der NFL winken Ruhm und Millionenverdienste – aber mit den Ad­hoc­-Entscheidungen von einst hat der Draft heute ohnehin nichts mehr zu tun. Riesige Scouting-Abteilungen beschäftigen sich 365 Tage im Jahr damit, welches Talent zu welcher Organisation passt, sie sezieren dafür in Endlosschlaufe Videomaterial – und stellen manchmal seltsame Fragen: Es kam vor, dass Talente in Interviews auf die Frage antworten mussten, «was ihre bevorzugte Mordwaffe wäre.»

Gratistickets für 300 Dollar

Auch die Fans beschäftigen sich ausgiebig mit den Zukunftshoffnungen – und wenn ihnen die Wahl ihres Teams nicht genehm ist, buhen sie am Draft auch schon mal ausgiebig. Der Sportsender ESPN nennt den Draft «die Obsession der Nation», die Veranstaltung ist zu einem dreitägigen Spektakel ausgewachsen. In Nashville werden mehr als hunderttausend Besucher erwartet. Im Vorjahr im texanischen Arlington war der Andrang so gross, dass eigentliche Gratistickets auf dem Schwarzmarkt für 300 Dollar gehandelt wurden.

A worker cleans seating on the NFL stage ahead of the first-round NFL Draft, Wednesday, April 24, 2019, in Nashville, Tenn. The draft is scheduled to run Thursday through Saturday. (AP Photo/Steve Helber)

In Nashville wird noch alles auf Hochglanz poliert. Bild: AP/AP

Vor allem ist der Draft aber ein Medienspektakel, mehrere TV-Stationen übertragen live (unter anderem auch ProSieben Maxx, Freitag, 1.45 Uhr); 2018 schalteten insgesamt 45 Millionen Menschen ein, der Marktanteil war grösser als bei den Übertragungen des Stanley­-Cup-­Finals in der NHL. Es ist eine verblüffende Entwicklung, denn die Liga selbst glaubte einst nicht an ein Vermarktungspotenzial der Veranstaltung. Als ESPN 1979 erstmals anfragte, ob eine Übertragung möglich sei, reagierte der damalige Liga-­Kommissionär. Pete Rozelle soll in einer ersten Reaktion gesagt haben: «Es ist, wie wenn jemand Namen aus einem Telefonbuch vorliest. Wer will sich so etwas ansehen?»

Tampa liess einen Papagei sprechen

Die Befürchtungen waren unbegründet, der Hunger des Publikums ist gross – auch, weil die NFL-Saison nur wenige Monate dauert und jeweils Anfang Februar mit dem Superbowl endet. Die NFL und ihre 32 Teams unternehmen zudem viel dafür, dass der Entertainment-Faktor stimmt. Die Tampa Bay Buccaneers (Seeräuber) liessen ihre Selektionen von einem Papagei vortragen, die San Francisco 49ers bedienten sich zuletzt bei Charakteren aus dem Universum von «Star Wars».

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So kündeten die Buccaneers beim letzten Draft die Wahl von Jordan Whitehead an. Video: streamable

Auch in Nashville wird es an Unterhaltung nicht fehlen, die Gazetten sind seit Monaten voll mit Draft­-Berichterstattung; die Schlagzeilen gehören bisher vor allem Kyler Murray, der möglichen Nummer­-1-Selektion. Der 21-Jährige wurde 2018 bereits einmal in der ersten Runde gedraftet: Vom Baseballteam Oakland Athletics. Doch nachdem er bereits einen Vertrag unterschrieben hatte, entschied sich Murray doch für den American Football – es winkt dort mehr beziehungsweise schnelleres Geld.

Ja, die Zeiten haben sich verändert, seit Jay Berwanger eine NFL-Karriere als finanziell zu wenig interessant befand. Doch Berwanger kann darüber nicht mehr staunen: Er verstarb im Jahr 2002.

NFL-Draft 2019 – das sind die Topspieler

Die Auswahl an hochtalentierten jungen Leuten ist diesmal besonders gross und breit gefächert, eine genaue Prognose ist deshalb schwierig. So könnte es in etwas herauskommen:

1. Pick (Arizona Cardinals): Kyler Murray, Quarterback, Oklahoma.
2. Pick (San Francisco 49ers): Nick Bosa, Defensive End, Ohio State.
3. Pick (New York Jets): Quinnen Williams, Defensive Tackle, Alabama.
4. Pick (Oakland Raiders): Ed Oliver, Defensive Tackle, Houston.
5. Pick (Tampa Bay Buccaneers): Josh Allen, Linebacker, Kentucky.

«Player to watch»: D.K. Metcalf, Wide Receiver, Ole Miss.

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    Alle Leser-Kommentare
  • R10 25.04.2019 22:23
    Highlight Highlight Alles andere als Quinnen Williams mit dem Nr 1-Pick zu wählen, wäre nahezu dumm von dem Cardinals. Wenn man so viele Löcher im Roster hat, muss man den best Player available picken und Williams ist der beste Spieler der ganzen Draft-Class.
    Zumal die QB-Position eine der wenigen Positionen ist, auf der Arizona doch eigentlich gut besetzt ist...
    • SJ_California 25.04.2019 22:37
      Highlight Highlight Gut besetzt ja, aber eben dennoch nicht zufrieden mit Rosen. 49ers werden möglicherweise Soloman Thomas wegtraden und sich dann Quinnen Williams schnappen - hoffe ich zumindest. Lieber Williams als Bosa!
    • R10 25.04.2019 22:51
      Highlight Highlight Gut, was würde gegen Williams und Thomas zusammen in SF sprechen? Eine DLine aus Ford, Buckner, Williams und Thomas hätte schon ihren Reiz...
      Aber ich bin deiner Meinung, Williams würde ich Bosa in jedem Fall vorziehen. Evtl würde ich sogar Allen noch vor Bosa wählen.

      Zu Rosen; der Junge hatte ja gar keine richtige Chance, um sich zu beweisen. Ich hoffe für ihn, dass er sicher nochmals ein Jahr von den Cardinals erhält.
    • Lagovai 25.04.2019 23:40
      Highlight Highlight Buckner und Thomas spielen in einer 4-3 eher DT als DE. Da macht es keinen Sinn noch einen Interior zu holen, ausser man tradet wirklich, glaub ich aber nicht. SF wird, sollten sie nicht down traden, entweder Bosa oder Allen picken. Alles andere wäre aus meiner Sicht extrem überraschend.
  • Oban 25.04.2019 19:41
    Highlight Highlight Ich bin mir unsicher ob Kyler Murray wirklich als #1 zu den Cardinals geht, mit Rosen haben sie letztes Jahr schon ein QB in Round 1 gedrafted. Nach einem Jahr, das zwar schlecht war, einfach einen neuen QB hilft nicht weiter wenn der Rest des Personals schlecht ist. Denke eher das sie Bosa an erster Stelle picken.
    • Tenno 25.04.2019 19:55
      Highlight Highlight Wenn sie Bosa picken haben die ausser dem Pick alles falsch gemacht. Das Tuch mit Rosen ist zerschnitten und wenn sie nicht Murray wollen, hätten die das besser öffentlich gemacht damit der Pick getradet werden kann um die Löcher zu stopfen mit den zusätzlichen Picks.
      Ist gang und gäbe zu sagen, dass man seinen Franchise QB bereits hat. Dann wissen alle, dass sie bieten können.
      Murrays Besuch bei den Cards war inklusive Agent. Weil es schlichtweg die einzige Franchise ist, welche bereits über den Vertrag sprechen kann.
    • Rock'n'Rohrbi 25.04.2019 19:58
      Highlight Highlight Wie läuft das dort ab? Werden ausschliesslich College Spieler und aus den Staaten gedraftet oder kommen auch aus anderen Ländern Footballer zum Zug? Sprich jeder der ins Profi Football Geschäft will muss auch früh in eine Schülermannschaft?
    • Tenno 25.04.2019 21:10
      Highlight Highlight Grundsätzlich könnten sie dich draften.
      Es gibt seit ein paar Jahren vor dem Draft einen "International Day" dort werden Spieler aus dem Ausland ohne College Erfahrung eingeladen. Einige von diesen erhalten dann einen Vertrag (normalerweise Practice Squad).
      Mit Moritz Blhringer wurde aver auch ein solcher Spieler mal gedraftet (Vikings PR Gag), hat es aber noch zu keinem Reg. Season Game gebracht und mittlerweile bei den Bengals aber auch hier wohl nur ein Camp Body.
  • Bananciaga 25.04.2019 19:40
    Highlight Highlight Die Draft Pick Announcers sind ebenfalls sehr erwähnenswert 😀

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    • GoonerCB 25.04.2019 20:02
      Highlight Highlight Hatte wohl noch eine Vorgeschichte... :D
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    • Score 26.04.2019 15:53
      Highlight Highlight Das geilste war ja, dass die Eagles auch noch einen Spieler namens "Dallas" wählten :-D

Bei diesen Teams wäre es als NHL-Spieler am geilsten (und am schlimmsten)

Stell dir vor, du bist ein so guter Eishockeyspieler, dass du dir dein NHL-Team frei aussuchen könntest. Bei welcher Mannschaft würdest du landen? Für mich sind die Top 5 und die Flop 5 relativ klar. Ein Gedankenexperiment.

Neulich in der watson-Redaktion. Ich erzählte, dass Sergei Bobrowski für sieben Jahre bei den Florida Panthers unterschrieben habe. Die Reaktion meiner Kollegen: «Bei Florida? Die haben ja gar keine Fans und gewinnen nie etwas. Warum geht man freiwillig dort hin?».

Und schon hiess es:

Gesagt, getan. Ich startete folgendes Gedankenexperiment: Wenn ich Eishockeyprofi wäre (gut genug für die NHL) und frei auswählen könnte, bei wem ich unterschreiben darf, wo würde ich landen?

Wir besprachen kurz, …

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