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Offen gesagt

«Lieber Herr Hüppi, das geht unter Prädikat: ‹Unbezahlbar› ...»

Der moderne Fussball hat bei allem Auf und Ab eine grosse Konstante: Die Vorhersehbarkeit der zu dreschenden Phrasen. Wie FCSG-Sportchef Alain Sutter die Entlassung seines Trainers begründet hat, war eine erfrischende Abwechslung. 



Lieber Herr Hüppi 

Ich habe einen für Geburtsbasler untypischen Fussball-Verdruss. Ich finde die immer gleichen Phrasen vor und nach jeder Saison, vor und nach jedem Spiel und vor und nach jedem Trainerwechsel todlangweilig.

Ich habe aber natürlich aufgehorcht, als ich gehört habe, dass Sie und Herr Sutter die Führung des Millenium-Meisters FC St.Gallen übernehmen. Zwei Unterhaltungsprofis ohne nennenswerte Führungserfahrung übernehmen einen Betrieb mit einem 26-Millionen-Budget?

Es hat mich ein wenig an Donald Trump erinnert. Der weiss auch nicht, was er tut, aber dank ihm kommen Leute mit weltpolitischen Zusammenhängen in Kontakt, die sich zuvor um Politik überhaupt nicht scherten. 

Das Gleiche habe ich mir insgeheim ein bisschen von Ihnen und Herrn Sutter bezüglich meines Fussball-Verdrusses erhofft. Und Sie haben mich nicht enttäuscht. Wie Sie die Entlassung Ihres Cheftrainers Contini kommuniziert haben, das war so lustig, dass ich laut rauslachen musste. 

Halten wir fest: Sie selbst werden seit Amtsantritt nicht müde, öffentlich zu verkünden, wie sehr Sie Herrn Contini und sein Wirken schätzen. Derweil vertreibt Ihr Sportchef Herr Sutter dem Herrn Contini den Nachwuchs-Chef, den Konditionstrainer, den Talent-Scout, den Chef-Physiotherapeuten und damit seine wichtigsten Staff-Mitglieder. Als das den offenkundig ziemlich mobbing-resistenten Contini noch immer nicht dazu bringt, eine Entlassung rechtfertigende Resultate abzuliefern, setzt Herr Sutter denjenigen Mann als Chef-Physiotherapeut ein, den Herr Contini ein halbes Jahr zuvor aus ebendiesem Amt entfernt hatte. 

Und dann sagt Herr Sutter an der Medienkonferenz zur Entlassung mit aufrichtig gespieltem Schmerz: «Ich hatte je länger je mehr das Gefühl, dass Giorgio Contini nicht richtig Freude daran hat, mit mir zusammen zu arbeiten.» 

Das ist die originellste gesichtswahrend-vernebelnde Entlassungs-Kommunikation, die ich in meinem ganzen Leben gehört habe! Bei watson machen wir jeweils Titel, die auf «Priceless» oder «Unbezahlbar» enden und die kündigen immer grossen Unterhaltungswert der Geschichte an.

Der Titel in Ihrem Fall würde lauten: «Trainer erfolglos mobben? Geschenkt. Trainer vorzeitig entlassen? Ein paar Monatslöhne. Sportchef an Pressekonferenz über mangelndes Vertrauen des Trainers jammern lassen: Unbezahlbar.»

In diesem Sinne: Vielen Dank für die erfrischende Show und machen Sie weiter so! 

 Mit freundlichen Grüssen 

Maurice Thiriet 

PS: Vielleicht wollen Sie Contini im Wikipedia-Eintrag des FCSG als Cheftrainer noch austragen? Nicht, dass es sich Herr Sutter auch noch mit Nachfolger Kuzmanovic verscherzt. 

«Hört auf, den St.Galler Dialekt zu hassen!»

Video: watson

Die turbulente Zeit des FCSG seit dem Meistertitel 2000

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36 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Zanzibar
25.04.2018 17:15registriert December 2015
Genau so erfrischend wie Continis entlassung ist dieser Bericht. Danke für den Aufsteller. Mit viel Humor geschrieben, im Kern aber die Wahrheit.
32949
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TanookiStormtrooper
25.04.2018 17:06registriert August 2015
Herr Thiriet, als Journalist hätte ich ihnen doch etwas mehr Recherche zugetraut... Die besagten Leute, die von der neuen Vereinsleitung gespickt wurden haben einen unglaublichen Filz gebildet in dem unter anderem Junioren einen besseren Vertrag erhalten haben, weil sie eben "Sohn von..." sind. Jetzt werden diese Seilschaften, von denen sich Hüppis Vorgänger noch einseifen liessen, konsequent gekappt. Den Physio, der gute Arbeit leistete und der von diesem Filz ersetzt wurde, hat man übrigens zurückgeholt. Es findet also nur eine grosse "Reinigung" statt. Man will beim FCSG wohl keinen Vogel.
19932
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michel.
25.04.2018 17:22registriert June 2014
Herr Sutter hat aber auch gesagt, dass er die volle Verantwortung für die Entlassung seines Trainers übernimmt. Er gibt also zu, dass es seine Entscheidung war und er nicht mit ihm klar kommt.
Ich finde, das sollte man eher loben als kritisieren. Du kritisierst, dass man seit Jahren im Fussball immer die gleichen Phrasen hört. Jetzt war endlich mal einer ehrlich und das ist auch nicht recht?
20049
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