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Dass Roger Federer und Stan Wawrinka – nicht wie hier 2008 in Peking – bei den Olympischen Sommerspielen in Rio nicht dabei sind, hat für die hiesigen Journalisten auch Vorteile.
Dass Roger Federer und Stan Wawrinka – nicht wie hier 2008 in Peking – bei den Olympischen Sommerspielen in Rio nicht dabei sind, hat für die hiesigen Journalisten auch Vorteile.Bild: KEYSTONE

Dank Federers und Wawrinkas Absagen treffen sich Schweizer Reporter entspannt am Strand

So wie es in Rio läuft, haben Roger Federer und Stan Wawrinka auf mehrere Medaillen verzichtet. Aber die olympische Absenz der helvetischen Tennis-Helden hat auch erfreuliche Seiten.
10.08.2016, 19:19
klaus zaugg, rio de janeiro

Eigentlich wollte ich wegen der olympischen Absage von Stan Wawrinka noch ein wenig polemisieren. Weil ich das Gefühl einfach nicht los werde, dass er nicht wegen einer Blessur verzichtet hat. Sondern keine Lust hat, nach Rio zu kommen. Nicht für die sportliche Ehre des Vaterlandes einzustehen wie es für einen Eidgenossen Pflicht ist, kommt gefühlt einer Wehrdienstverweigerung nahe. Ich hatte auch keine Lust auf den Militärdienst und wurde doch, wenn auch mürrisch, ein Soldat.

Ist Stan Wawrinka vielleicht nicht in Rio, weil er dort nicht oben ohne spielen kann?

Aber inzwischen ist mein Unmut längst verflogen und ich entschuldige mich für solch ketzerische Gedanken. Es wäre sowieso eine Respektlosigkeit sondergleichen, gegen einen mehrfachen Grand-Slam-Sieger, Davis-Cup-Titanen und verdienten Helden des helvetischen Sportes zu polemisieren.

Seine Absage für Rio ist, wie sich jetzt zeigt, gar nicht so schlimm. Um die entgangenen Medaillen ist es zwar schade. Aber der «Homo Sportivus Olympicus» lebt nicht von olympischem Edelmetall alleine.

Inzwischen ich bin sogar ein wenig froh, dass Roger Federer und Stan Wawrinka nicht hier sind und einigen meinen Kollegen geht es offenbar ähnlich. Die wagen es bloss nicht, es zuzugeben.

Die Präsenz von Roger Federer und Stan Wawrinka würde nämlich in erster Linie zu einer noch höheren olympischen Arbeitsbelastung führen. Weil Storys über diese Lichtgestalten unseres Sportes jeden Tag gefragt wären und rund um die Uhr geliefert werden müssten. Der Geburtstag von Roger Federer hätte hier zu einer weiteren Sonderschicht geführt. Was macht Roger Federer am Geburtstag? Feiert er? Wer feiert mit ihm? Wo feiert er? Wer schenkt ihm etwas zum Geburtstag? Welche Geburtstagsgeschenke hat er bekommen? Was macht er mit diesen Geschenken? Ach, wie viele Stunden hätten wir da im medialen olympischen Hamsterrad leiden müssen.

Nun geht es beim Tennis-Turnier beschaulich zu und her. Bei den ersten beiden Auftritten von Martina Hingis und Timea Bacsinszky auf den Nebenplätzen wähnte ich mich bei einer Interclub-Partie in Nova Friburgo.

Interclub-Feeling beim Zweitrundenspiel von Timea Bacsinszky und Martina Hingis.
Interclub-Feeling beim Zweitrundenspiel von Timea Bacsinszky und Martina Hingis.Bild: KEYSTONE

Meinem Kollegen R. B. von einer grossen Agentur ist die Absenz von Roger Federer und Stan Wawrinka auch ganz recht. Er hat so bei seiner akribischen Berichterstattung über das Tennisturnier viel weniger Arbeit. Und die TV-Kommentatoren Stefan Bürer und Heinz Günthardt habe ich kürzlich in kurzen Hosen am Strand von Ipanema ganz entspannt und vergnügt angetroffen. Die beiden hätten sicherlich keine Zeit für einen Strandbummel, wenn Roger Federer und Stan Wawrinka hier wären.

Das Tennis-Kommentatoren-Traumduo: Stefan Bürer (l.) und Heinz Günthardt.
Das Tennis-Kommentatoren-Traumduo: Stefan Bürer (l.) und Heinz Günthardt.bild: srf

Es ist sowieso viel entspannter, ein wenig über Timea Bacinszky und Martin Hingis zu fabulieren. Die Gefahr in ein publizistisches Minenfeld zu geraten, ist viel geringer. Und den Platz und die Sendezeit, die Roger Federer und Stan Wawrinka beansprucht hätten, ist frei geworden für die wahren olympischen Helden, die nur alle vier Jahre ihren Auftritt haben.

Also, eigentlich hätte ich halt Roger Federer und Stan Wawrinka schon gern spielen sehen. Habe ich mich mit all den Argumenten, warum es gut ist, dass die beiden nicht hier sind, am Ende selbst betrogen? Wahrscheinlich schon. Macht nichts. Die Fähigkeit zum Selbstbetrug soll zu jenen Eigenschaften zählen, die den Menschen vom Tier unterscheiden.

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quelle: keystone / laurent gillieron
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