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Annemiek van Vleuten bemerkt in der Rechtskurve zu spät, dass sie diese falsch anfährt.
bild: srf

Van Vleutens Horrsturz war ein Fahrfehler – aber Kritik am Olympia-Kurs ist trotzdem angebracht

Er war der grosse Schocker beim Strassenrennen der Damen: Der fürchterliche Sturz der in Führung liegenden Annemiek van Vleuten. Niemand anders als die Holländerin war am Sturz schuld, doch auch die Veranstalter haben Fehler gemacht.



Der Walliser Didier Plaschy, Sieger zweier Weltcupslaloms, ging stets mit einer knallharten Strategie an den Start: «Sieg oder Sarg» lautete sein Motto. Alles oder nichts – das galt auch in den Olympischen Strassenrennen in Rio für die in Führung liegenden Athleten. Sowohl bei den Männern (Vincenzo Nibali und Sergio Henao) wie auch bei den Frauen (Annemiek van Vleuten) endeten Goldträume nach Stürzen in der letzten Abfahrt im Spital.

Besonders der Hochgeschwindigkeits-Sturz der Holländerin, live in die Welt übertragen, liess den Zuschauern vor den Fernsehern das Blut in den Adern gefrieren. «Ich dachte, sie sei tot», gestand die neue Olympiasiegerin, Landsfrau Anna van der Breggen, welche den Unfallort kurz darauf passiert hatte.

«Sieg oder Sarg.» Was makaber klingt und bloss der Übertreibung dient, wäre gestern in Rio de Janeiro beinahe tragische Realität geworden. Annemiek van Vleuten überstand den schweren Unfall mit drei Knochenabsplitterungen an der Lendenwirbelsäule und einer schweren Gehirnerschütterung. Auf Twitter meldete die 33-Jährige aus dem Spitalbett, dass sie vor allem «super enttäuscht» sei nach dem «besten Rennen» ihrer Karriere. Aussagen, die hoffen lassen, dass die Rennfahrerin ihren Fokus vielleicht schon bald wieder auf den Sport richten kann.

Kurve falsch angesteuert

Van Vleutens Sturz ist auf einen Fahrfehler zurückzuführen. Sie nimmt in der technisch schwierigen Abfahrt volles Risiko, distanziert ihre amerikanische Fluchtgefährtin Mara Abbott deutlich.

In einer tückischen Rechtskurve der fatale Fehler der Holländerin: Anstatt von aussen nach innen zu ziehen, fährt sie ganz rechts am Strassenrand. Die Fliehkräfte ziehen sie nach links. Van Vleuten versucht, zu korrigieren. Scharf zu bremsen und zu hoffen, ist im dichten Urwald ihre letzte Chance. Über eine Wiese ausweichen, wie es einst Lance Armstrong tat, geht nicht, weil überall Bäume sind. Beim Bremsmanöver knallt van Vleuten kopfüber auf den Asphalt. Regungslos bleibt sie liegen.

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Van Vleutens Sturz.
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Risiko, mehr Risiko, zu viel Risiko

Die Kritik, der Olympia-Parcours sei zu schwierig, ist indes verkehrt. An sämtlichen Rundfahrten gibt es solche heiklen Abfahrten. Es ist kein Zufall, dass vor allem diejenigen stürzten, die Gold vor Augen hatten. Sie riskierten schlicht mehr als diejenigen, für die es nicht mehr um die Medaillen ging – und zwar soviel mehr, dass es nicht bei allen gut ging.

Als zu schwierig kann der Kurs also nicht bezeichnet werden. Und trotzdem müssen sie die Organisatoren den Vorwurf gefallen lassen, dass er gefährlich war. Denn die kleine Mauer am Strassenrand, auf die Van Vleuten stürzte, hätte im Vorfeld als Gefahr erkannt werden müssen. Hätte man den Kurs deshalb ändern müssen? «Ich bin sehr verärgert über die Parcours-Designer», sagte der britische Bahn-Olympiasieger Chris Boardman. «Ich fuhr selber da hinunter, sah diese Mauern und wusste: Da steht niemand wieder auf, der hier stürzt.»

Annemiek van Vleuten bringen all die Diskussionen nichts mehr. Anstatt als Olympiasiegerin wird sie Rio ohne Medaille verlassen. Dafür ist sie noch einmal mit dem Leben davongekommen. Und das ist nach diesem fürchterlichen Sturz mehr Wert als jeder Titel.

epa05463286 Anna van der Breggen of the Netherlands celebrates as she crosses the finish line to win the gold medal in the women's cycling road race of the Rio 2016 Olympic Games at Fort Copacabana in Rio de Janeiro, Brazil, 07 August 2016.  EPA/LUKAS COCK AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Anna van der Breggen: Gold auch für die gestürzte Teamkollegin.
Bild: EPA/AAP

Update

Am Tag nach dem Unfall twittert van Vleuten erneut aus dem Spital. Sie müsse noch für weitere Untersuchungen da bleiben, hoffe aber, das Krankenhaus bald verlassen zu können. «Zu wissen, dass diese Chance nur einmal in vier Jahren kommt, macht es nicht leichter.»

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