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epa05465115 Timea Bacsinszky (L) and Martina Hingis of Switzerland celebrate after winning the women's second round doubles match against Bethanie Mattek-Sands and Coco Vandeweghe of USA of the Rio 2016 Olympic Games Tennis events at the Olympic Tennis Centre in the Olympic Park in Rio de Janeiro, Brazil, 08 August 2016.  EPA/PETER KLAUNZER

Timea Bacsinszky und Martina Hingis haben sich als Tennis-Doppel gesteigert. Bild: EPA/KEYSTONE

Eine olympische Tennismedaille nicht mehr trotz, sondern dank Timea Bacsinszky?

Der Medaillen-Silberstreifen am Horizont bekommt eine goldene Einfärbung. Martina Hingis und Timea Bacsinszky stehen nach einer erstaunlichen Leistung im Viertelfinale.

klaus zaugg, rio de janeiro



Der Dichterfürst Mark Twain hat nichts von Tennis verstanden. Aber eine seiner Weisheiten bringt das Erfolgsrezept unseres Tennis-Doppels auf den Punkt gebracht. «Alles, was es braucht, ist Ignoranz und Selbstvertrauen.»

epa05465110 Timea Bacsinszky (back) and Martina Hingis of Switzerland celebrate after winning the women's second round doubles match against Bethanie Mattek-Sands and Coco Vandeweghe of USA of the Rio 2016 Olympic Games Tennis events at the Olympic Tennis Centre in the Olympic Park in Rio de Janeiro, Brazil, 08 August 2016.  EPA/PETER KLAUNZER

Erleichterung pur nach dem Sieg im Achtelfinal. Bild: EPA/KEYSTONE

Der Triumph im Achtelfinale gegen das amerikanische Doppel Bethanie Mattek- Sands/Coco Vandeweghe (6:4, 6:4) ist ein Sieg des Selbstvertrauens – und der Ignoranz. An die eigenen Möglichkeiten glauben und ignorieren, dass man ja vor Rio noch gar nie zusammen ein Doppel gespielt hat. Ignorieren, dass dies alles kein von langer Hand geplanter Medaillen-Feldzug ist. Sondern eine Feuerwehrübung. Scheitern wäre logisch und entschuldbar.

Gute Entwicklung in 39 Stunden

Die Steigerung gegenüber der ersten Partie ist verblüffend. Den Sieg in der ersten Runde hatte Martina Hingis magistral orchestriert. Es war ihr Erfolg. Sie gewann, um es boshaft zu formulieren, die erste olympische Doppel-Partie nicht mit sondern trotz Timea Bacsinszky.

Nun haben die beiden Schweizerinnen knapp 39 Stunden später beinahe auf Augenhöhe gespielt. Noch immer ist Martina Hingis die wichtigere der beiden Spielerinnen und sie wir es bleiben. Taktisch schlauer, charismatischer, flinker, explosiver, eleganter.

epa05460638 Martina Hingis returns a ball against Daria Gavrilova and Samantha Stosur from Australia after the women's first round doubles match of the Rio 2016 Olympic Games Tennis events at the Olympic Tennis Centre in the Olympic Park in Rio de Janeiro, Brazil, 06 August 2016.  EPA/LAURENT GILLIERON

In der ersten Partie holte Martina Hingis die Kohle aus dem Feuer. Bild: EPA/KEYSTONE

Aber ihre Partnerin aus dem Welschland ist aufgeblüht. Ja sie ist über Nacht beinahe eine neue Spielerin geworden. Ihre Verunsicherung nach dem Ausscheiden im Einzel hat sich aufgelöst wie Nebel in der Morgensonne. Ihr Selbstvertrauen ist zurück. Sie wirkt auf dem Platz nicht mehr nervös, verzagt und ängstlich. Wir haben am Geburtstag von Roger Federer eine «neue» Timea Bacsinszky und damit ein «neues» Doppel gesehen.

Das Spiel wirkt nicht mehr improvisiert. Sondern durchdacht. Nicht mehr hektisch, sondern ruhig und präzis. Nun ergänzen sich die beiden Spielerinnen. Es war nicht mehr Martina Hingis, die ständig die taktischen und spielerischen Notfälle auf dem Platz bereinigen musste. Timea Bacsinszky hat eine defensivere Rolle übernommen und Martina Hingis kann ihr enormes Talent besser umsetzen.

«Wir verstehen das Spiel und können es gut lesen.»

Timea Bacsinszky

Um es an einem Beispiel aus einer anderen Sportart zu erklären: Es ist so, wie wenn Roman Josi nun nicht mehr mit Robin Grossmann sondern mit Timo Helbling an der blauen Linie verteidigt und es wagen darf, sich mehr um die Offensive zu kümmern.

Timea Bacsinszky, of Switzerland, reaches for a return to Zhang Shuai, of China, during the 2016 Summer Olympics in Rio de Janeiro, Brazil, Saturday, Aug. 6, 2016. (AP Photo/Charles Krupa)

Timea Bacsinszky scheint den Tritt immer besser zu finden. Bild: Charles Krupa/AP/KEYSTONE

Martina Hingis lobt Timea Bacsinszky ausgiebig. Sie sei stolz auf die Leistung ihrer Partnerin, die mutig «wie ein Soldat» am Netz gestanden sei. Die Chemie stimme. Timea Bacsinszky sagt, sie und Martina Hingis seien taktische Spielerinnen. «Wir verstehen das Spiel und können es gut lesen.» Das erkläre die schnellen Fortschritte. Und ganz offensichtlich hatte Timea Bacsinszky in dieser zweiten Partie viel mehr Energie.

Timea Bacsinszky, back, and Martina Hingis of Switzerland in action during the women’s second round doubles match against Bethanie Mattek-Sands and Coco Vandeweghe of USA at the Olympic Tennis Center in Rio de Janeiro, Brazil, at the Rio 2016 Olympic Summer Games, pictured on Monday, August 08, 2016. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der Energietank bei Bacsinszky war im Achtelfinal wieder voll. Bild: KEYSTONE

Das erste Doppel hatte sie am Samstag etwas mehr als drei Stunden nach der verlorenen Einzelpartie bestritten. Sie sagt, es sei nicht möglich gewesen, sich dazwischen richtig zu verpflegen. Während des Doppels sei ihr dann «das Benzin» ausgegangen und gegen Schluss habe sie deswegen Muskelkrämpfe bekommen. Nun waren die Energietanks wieder gefüllt.

Platzwechsel mit Wirkung

Vielleicht war ja auch noch ein bisschen Voodoo dabei. Delegationsleiter Severin Lüthi, unser Tennis-General, von dessen olympischer Tennis-Armee nach der Fahnenflucht der Männer (Roger Federer, Stan Wawrinka) nur noch der «Frauenhilfsdienst» übrig geblieben ist, setzt sich zusammen mit zwei Begleitern keck auf die Fotografenplätze neben dem Court.

«Wir waren auf das Spiel konzentriert und haben ihn gar nicht wahrgenommen.»

Martina Hingis

Die Partie beginnt nicht gut, bald liegen Martina Hingis und Timea Bacsinszky im ersten Satz nach drei Games 1:2 zurück. Da steigt unverhofft der Schiedsrichter von seinem Stuhl herunter und komplimentiert den Schweizer Delegationschef samt Entourage hinaus.

Die Tennisspielerin Timea Bacsinszky, rechts, und Tenniscoach Severin Luethi, links, beim Fotoshooting fuer die Olympischen Spiele in Rio am Dienstag, 19. Juli 2016 in Luterbach. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Severin Lüthi mit Timea Bacsinszky beim Fotoshooting. Bild: KEYSTONE

Hatte er sich ungebührlich benommen? Unerlaubterweise taktische Anweisungen erteilt? «Nein» sagt Martina Hingis. «Wir waren auf das Spiel konzentriert und haben ihn gar nicht wahrgenommen.» Aber eine Wirkung hatte die Episode doch. Sobald Severin Lüthi auf der Zuschauertribüne Platz genommen hatte und nicht mehr am Platzrand sass, begann das Spiel unseres Doppels zu laufen und der Sieg stand nie mehr in Frage. «Also damit hat Severin Lüthi nichts zu tun» relativiert Martina Hingis. Vielleicht hat es doch ein wenig geholfen. «Stets liegt, wo das Banner des Sieges wallt, der Aberglaube im Hinterhalt» sagte einst der Dichter Graf August von Platen.

Wie weit geht die Reise?

Im Viertelfinal wartet nun das an Nummer 3 gesetzte Geschwisterpaar Hao-Ching Chang/Yung-Jan Chan aus Taiwan.

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437 Votes zu: Was traust du dem Tennis-Doppel Hingis/Bacsinszky an den olympischen Spielen noch zu?

  • 6%Im Viertelfinal ist Endstation – es gibt keine Tennismedaille für die Schweiz.
  • 6%Sie schaffen es bis in den Halbfinal. Im Spiel um Bronze bleibt dann aber nur der 4. Platz.
  • 17%Sie gewinnen das Spiel um Bronze und holen die Medaille.
  • 18%Die Reise geht bis ins Final – es reicht für Silber!
  • 53%Das Tennis-Doppel Hingis/Bacsinszky holt die olympische Goldmedaille.

Der Silberstreifen am Horizont bekommt eine goldene Einfärbung. Einerseits weil eine weitere Steigerung unseres Doppels zu erwarten ist und andererseits, weil die Favoritinnen Venus und Serena Williams ebenso überraschend bereits ausgeschieden sind wie die als Nummer 2 gesetzten Französinnen Caroline Garcia/Kristina Mladenovic.

epa05465139 Timea Bacsinszky (L) and Martina Hingis of Switzerland celebrate after winning the women’s second round doubles match against Bethanie Mattek-Sands and Coco Vandeweghe of USA of the Rio 2016 Olympic Games Tennis events at the Olympic Tennis Centre in the Olympic Park in Rio de Janeiro, Brazil, 08 August 2016.  EPA/PETER KLAUNZER

Holt das Frauen-Doppel eine olympische Tennismedaille? Bild: EPA/KEYSTONE

Martina Hingis kann eine Medaille gewinnen. Nicht mehr trotz, sondern mit und vielleicht am Ende gar dank Timea Bacsinszky.

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    Alle Leser-Kommentare
  • c_meier 10.08.2016 13:20
    Highlight Highlight ich warte noch auf den Satzbaustein "... ist über Nacht einige Zentimeter grösser und kräftiger geworden...", "Lotterspielerin"... oder im Zusammenhang mit Bronze-Heidi der Vergleich mit Goalie Tinu Gerber, der über Signaus 2. Liga... Sie wissen schon :) Das obligate "General" sind ja schon verwendet worden.
    PS an die Watson-Redaktion: 2-3 Tage vor den Spielen hiess es vom IOC man habe etliche Athleten von Olympia 2008 und 2012 bei Nachtests mit Doping erwischt, darunter auch Medaillen-Gewinner... sind da mal Namen veröffentlicht worden?
  • Luca Brasi 10.08.2016 09:16
    Highlight Highlight Respekt vor den kommenden Gegnerinnen scheint der Eismeister ja nicht zu haben. Zwar schreibt er, dass es sich um ein Geschwisterpaar handelt, den Familiennamen Chan schreibt er trotzdem wie es ihm grad passt.
    • tösstaler 10.08.2016 11:36
      Highlight Highlight hochinteressante Bemerkung ... hierzulande, so mal am Rande ;-)
  • fabianhutter 10.08.2016 09:09
    Highlight Highlight Ich finde die Artikel vom Eismeister herrlich zu lesen.

    Witzig und mit der richtigen Portien Ironie...
  • ManuL 10.08.2016 08:38
    Highlight Highlight Ich kann mich immer noch nicht entscheiden was mich mehr schockiert, dass Russland an der Olympia dabei ist, oder der Eismeister.
    • ManuL 10.08.2016 16:30
      Highlight Highlight Als Anregung, Hakan, als Anregung. Doch nicht als Kritik. Ging mir mehr um den Eismeister als um die Russen. ;-)
  • Howard271 10.08.2016 07:39
    Highlight Highlight Lieber Herr Zaugg. Bleiben Sie doch beim Eishockey - Tennis zählt wirklich nicht zu Ihren grossen Stärken.

    "...ist über Nacht beinahe eine neue Spielerin geworden." Naja, sie hat sich wohl eher erholt und die beiden konnten mehr und besser trainieren. Und dann den Sieg mehrheitlich dem Sitzplatz des Delegationsleiters statt der Leistung der Spielerinnen zuzuschreiben ist... naja... eben ;-)

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