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2016 Rio Olympics - Opening ceremony - Maracana - Rio de Janeiro, Brazil - 05/08/2016. Flagbearer Choe Jon Wi (PRK) of North Korea leads his contingent during the opening ceremony.  REUTERS/Stoyan Nenov FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS.

Lächeln nur im Ausnahmefall. Die nordkoreanische Delegation bei der Eröffnungsfeier. Der nette Herr ganz links guckt schon fast bisschen zu fröhlich. Bild: STOYAN NENOV/REUTERS

Für Nordkorea ist nur Gold gut genug. So bleibt das hohe Ziel von Diktator Kim wohl unerreicht

Die Athleten des Diktaturstaats stehen in Rio de Janeiro unter ungeheurem Erfolgsdruck. Der grosse Führer Kim Jong Un setzt die Messlatte ganz oben an.

marcel kuchta, rio de janeiro / aargauer zeitung



Da die Athleten der 31-köpfigen nordkoreanischen Delegation in Rio ihre Kommunikation aufs Nötigste minimieren (müssen), sind es die Bilder, die mehr erzählen als tausend Worte: Da ist zum Beispiel der Gewichtheber Om Yun Chol, der – mit seiner Silbermedaille um den Hals – gequält lächelnd vom Siegerpodest winkt. Oder der Turner Ri Se-Gwang, der nach dem Gewinn der Goldmedaille im Sprung kaum Emotionen zeigt.

2016 Rio Olympics - Weightlifting - Final - Men's 56kg - Riocentro - Pavilion 2 - Rio de Janeiro, Brazil - 07/08/2016. Om Yun Chol (PRK) of North Korea poses with his medal. REUTERS/Stoyan Nenov FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS.

Silber für Gewichtheber Om Yun Chol. Da kommen nicht mal die Offiziellen zur Siegerehrung. Denn gefordert war Gold. Bild: STOYAN NENOV/REUTERS

Die Bilder der erfolgreichen, nordkoreanischen Sportler gleichen sich: versteinerte Mienen, keine grossen Gefühlsregungen, höchstens der Anflug eines Lächelns. Als Beobachter spürt man förmlich, dass diese Athleten unter einem enormen Druck stehen und standen. Die Aussage des Turners Se-Gwang an der Siegerpressekonferenz lässt erahnen, woher der Wind weht: «Ich bin voller Freude, weil ich unserem Führer ein Gefühl des Sieges vermitteln konnte.» Der Führer – das ist Diktator Kim Jong Un, der sein Land und sein Volk total von der Aussenwelt abschottet.

So schön strahlen die Medaillengewinner aus Nordkorea

Sport als Propaganda-Vehikel

Un schickte die nordkoreanische Delegation nach Rio mit der Aufgabe, fünf Goldmedaillen mit nach Hause zu bringen – eine mehr als vor vier Jahren in London. Die Messlatte der Sportler aus einem Land, welches in vollkommener Isolation existiert, wurde vom «Führer» also noch mal nach oben gesetzt. Der Druck noch mal verstärkt. Denn die Olympioniken sind vor allem ein Vehikel dafür, dem unterdrückten Volk die Kraft und Herrlichkeit des eigenen Landes vorzugaukeln.

North Korean leader Kim Jong Un visits the newly-built combined fishing-tackle factory under the Korean People's Army  (KPA), in this undated photo released by North Korea's Korean Central News Agency (KCNA) in Pyongyang, July 30, 2016.   KCNA/ via REUTERS      ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. NO THIRD PARTY SALES. NOT FOR USE BY REUTERS THIRD PARTY DISTRIBUTORS. SOUTH KOREA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN SOUTH KOREA. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS.

Kim Jong Un. Er will keine rote und weisse Pokémon-Bälle-Imitate, sondern goldene Medaillen. Bild: KCNA/REUTERS

Auch deshalb ist es wenig erstaunlich, dass der Gewichtheber Chol, der seinen Titel von London nicht verteidigen konnte, untröstlich war nach seiner «Niederlage» und sich entschuldigte für sein Versagen. «Ich bin kein Held in unserem Land, weil ich nicht die Goldmedaille gewonnen habe», sagte er an der Pressekonferenz. Das Gefühl, sein Land und vor allem Kim Jong Un enttäuscht zu haben, überschattete alles. Es passte, dass selbst die nordkoreanischen Offiziellen verzichteten, der Siegerehrung beizuwohnen.

Bild

Sieht vier Tage vor Schluss nicht gut aus für Nordkorea: Fünf Goldmedaillen waren eigentlich gefordert.

Ein Selfie sorgt für Schlagzeilen

Einen schon fast unglaublichen Kontrastpunkt setzte die Kunstturnerin Hong Un Jong, die mit ihrem spontanen Selfie mit ihrer südkoreanischen Konkurrentin Lee Eun-ju weltweit für Schlagzeilen sorgte. Zwei Athleten aus zwei sich auf politischem Parkett spinnefeind gesinnten Nationen auf demselben Bild – unglaublich!

REFILE - CORRECTING ID OF SOUTH KOREAN ATHLETE    2016 Rio Olympics - Gymnastics training - Rio Olympic Arena - Rio de Janeiro, Brazil - 04/08/2016. Lee Eun-Ju (KOR) of South Korea (R) takes a selfie picture with Hong Un Jong (PRK) of North Korea.   REUTERS/Dylan Martinez TPX IMAGES OF THE DAY. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS.

Das geht eigentlich nicht: Die Nordkoreanerin Hong Un Jong (l.) lächelt für ein Selfie mit der Südkoreanerin Lee Eun-ju. Bild: DYLAN MARTINEZ/REUTERS

Das Handy zücken musste allerdings die 17-jährige Südkoreanerin. Denn die Smartphones, die der Olympia-Hauptsponsor an alle teilnehmenden Sportler verteilte, mussten die Mitglieder der nordkoreanischen Delegation sofort wieder abgeben. Auch hier gilt die Maxime: so wenig Kontakt wie nötig zur Aussenwelt. Gespräche mit anderen Sportlern sind verboten, Ausflüge nach Rio sowieso. Nicht, dass plötzlich noch einer auf die Idee kommt, das Kim Jong Un doch nicht so herrlich ist.

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    Alle Leser-Kommentare
  • JoJodeli 19.08.2016 06:35
    Highlight Highlight Anmerkung zum Tital: "Diktator Un": Kim wäre der Nachname, Jong-Un der Vorname. In Korea wird der Nachname dann der Vorname ausgesprochen, wie bei unseren Schwingern ;) *Klugscheissmodus off
    • Laurent 19.08.2016 07:56
      Highlight Highlight @JoJodeli: merci, ist angepasst.
    • Luca Brasi 19.08.2016 08:57
      Highlight Highlight Wenn es nur der Titel wäre...
      Der Autor schreibt konsequent alle Namen im Artikel falsch, ausser wenn er sie ausschreibt. Dabei hat er doch die Liste der nordkoreanischen Medaillengewinner. Der Name in Großbuchstaben ist der Familienname.
  • Fanta20 18.08.2016 21:11
    Highlight Highlight Mit nur 31 Startern ist die Ausbeute mit 7 Medaillen ja eigentlich mehr als ordentlich, erst recht für ein ärmliches Land irgenwo im Mittelalter. Die gespielt betonte "Enttäuschung" des Silbermedaillengewinners ist aber eine Respektlosigkeit sondergleichen; vor allem gegenüber dem Sieger. Der hat ja offenbar auch etwas drauf; echte Sportsmänner und -frauen würden das anerkennen.
  • Allblacks 18.08.2016 16:49
    Highlight Highlight Es ist für mich immer noch unfassbar, dass man ein Volk ( in der heutigen Zeit) dermassen indoktrinieren kann, kann und will es nicht verstehen
  • TanookiStormtrooper 18.08.2016 16:36
    Highlight Highlight Ich will jetzt Nordkorea nicht schönreden, aber das ist schon ein Bericht der klar macht, dass Marcel Kuchta Sportjournalist ist.
    Ein Smartphone vom "Erzfeind" wird natürlich entzogen, wer wird denn so naiv sein und glauben, dieses hübsche Gerät hätte in der "Nordkorea Edition" nicht noch etwas Spionagesoftware drauf. Wer glaubt, das sich die Amis und ihre südkoreanischen Freunde so eine Gelegenheit entgehen lassen würden, ist wirklich sehr leichtgläubig.

    Herr Kuchta soll doch in Zukunft beim sportlichen bleiben und die Politik den dafür zuständigen Journalisten überlassen.
    • Warumdennnicht? 18.08.2016 19:10
      Highlight Highlight Ich liebe Verschwlrungstheorien, die sich nach unsinn anhören.
      "ironie off"
    • exeswiss 18.08.2016 19:30
      Highlight Highlight irgendwie versteh ich dein kommentar nicht so ganz... :S
  • Jol Bear 18.08.2016 15:47
    Highlight Highlight Die Instrumentalisierung des Sports durch die Politik ist eines der grössten Probleme. Gleich wie bei der Fankultur, die zu Hooliganismus ausarten kann ist die nationalistische und politische Vereinnahmung ein Übel, das mit der olympischen Idee rein gar nichts zu tun hat. Man kann über "primitive Fans" herziehen, das ist o.k., die Ausübung von Druck auf den Sport durch die Politik ist aber dieselbe Kategorie.
  • JJ17 18.08.2016 15:36
    Highlight Highlight Ich freue mich jetzt schon auf meine Reise nach Nordkorea. Verstehen viele Personen nicht, aber die typischen Touristenattraktionen wie es sie nur die Meisten in ihrem Leben sehen, sind nicht wirklich etwas für mich...
    • Tschaesu 18.08.2016 18:00
      Highlight Highlight Schreibst du bitte einen Reisebericht?
    • Pisti 18.08.2016 18:09
      Highlight Highlight In Nordkorea wirst du aber nur die typischen Touristenattraktionen sehen und sonst gar nichts. Jeglicher Kontakt zur "normalen" Bevölkerung ist verboten.
    • zettie94 18.08.2016 20:03
      Highlight Highlight Auch Nordkorea hat gemerkt, dass sich mit Touristen viel Geld verdienen lässt und öffnet sich ganz langsam etwas mehr. Vor zwei(?) Jahren war das erste Mal überhaupt eine Delegation an einer ausländischen Ferienmesse (in Bern).
      Wenn man zudem die Reiseberichte im Internet etwas verfolgt, sieht man auch, dass heute viel mehr möglich ist als früher. So habe ich vor kurzem einen Bericht gesehen, wo fast das gesamte U-Bahn-Netz von Pjöngjang unbegleitet abgefahren wurde - früher war das jeweils nur mit "Reiseleitern" zwischen zwei bestimmten Stationen möglich.
  • Luca Brasi 18.08.2016 14:25
    Highlight Highlight Dass Nordkorea seinen Sportlern verbietet Smartphones des südkoreanischen Herstellers Samsung entgegenzunehmen, dürfte eigentlich klar sein, denn offiziell befindet man sich noch immer im Kriegszustand. Der Druck ist gross, aber das ist er auch in anderen Diktaturen, aber die ziehen wohl nicht so um Clickbaiting zu betreiben. Zudem gehören wahrscheinlich viele dieser Athleten zu den priviligierten Bürgern Nordkoreas. Ich mache mir um den Rest weitaus mehr Sorgen. Einige Athleten lächeln sogar.
    PS: Der Autor hat keine Ahnung von asiatischen Namen. Sämtliche Vornamen mit Nachnamen vertauscht.
    • SilWayne 19.08.2016 00:39
      Highlight Highlight Ich glaube es dauert nicht mehr lange, bis Brasi definitv als Watson-Asienkorrespondent angestellt wird.
    • Luca Brasi 19.08.2016 08:48
      Highlight Highlight Naja, aber dass Koreaner mit Nachnamen meist Kim, Park oder Lee heissen, wussten wir schon beim Panini-Sticker-Tauschen auf dem Pausenhof. ;P

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Es gibt schöne Tore und es gibt sogenannte Kacktore. Oft widmen wir uns nur den schönen Toren, was schade ist um all die vernachlässigten hässlichen Treffer, die Jahr für Jahr erzielt werden. 40 der kuriosesten und unästhetischsten Treffer gibt es im Video oben. Hier unsere 5 Favoriten.

Eigentor gegen Montpellier.

Für Venados gegen CF Monterrey.

Für Slavia Prag gegen den FC Sevilla.

Für England gegen Mexiko.

Eigentor gegen Sassuolo.

(zap)

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