DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Swiss rowing athletes of the lightweigt four team, Simon Niepmann, Mario Gyr, Lucas Tramer and Simon Schuerch, from left, pose on Ipanema beach during a media conference of the Swiss Rowing Team prior to the Rio 2016 Olympic Summer Games at the TV-Studio in Ipanema in Rio de Janeiro, Brazil, pictured on Tuesday, August 2, 2016. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Die Jungs vom Leichtgewichts-Vierer spazieren am Strand von Rio entlang. Bild: KEYSTONE

Vom Land aufs Wasser – die eidgenössische Marine ist unsere grösste Olympia-Hoffnung

In keiner anderen Sportart hatten wir uns so viele Medaillen erhofft wie im Tennis. Nach den Absagen von Roger Federer, Stan Wawrinka und Belinda Bencic verlagern sich unsere Träume vom Land aufs Wasser.

klaus zaugg, Rio de Janeiro



Nun, da unser olympisches Landheer nach der Fahnenflucht der Millionäre Auflösungstendenzen zeigt, ruhen noch grössere Hoffnungen auf der selbstlosen eidgenössischen Marine. Nicht mehr die Tennis-Weltstars Roger Federer und Stan Wawrinka sind unsere grösste Goldhoffnung. Nun ist es der Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann. Und ohne Millionäre.

Die vier Studenten Simon Niepmann (31, Zug), Simon Schürch (25, Schenkon), Lucas Tramèr (26, Puplinge) und Mario Gyr (31, Luzern) rudern nicht für Geld. «Ein Bubentraum soll in Erfüllung gehen», sagt Simon Niepmann. Es sind vier Männer auf einer Mission. Echte olympische Helden, die nach goldenem Ruhm streben. Ganz im Sinne von Baron Pierre de Coubertin, dem Gründer der Spiele.

Hier wird gerudert:

Auf die Frage, ob er mit seinen Kollegen nun um eine Million rudere, beantwortet Simon Niepmann mit einem milden Lächeln. «Nein, um Geld geht es nicht. Wir hatten genug Einnahmen, um uns zwei Jahre lang als Profis auf diese Spiele vorzubereiten.» Holen die vier am nächsten Donnerstag, am 11. August, Start um um 11.00 Uhr Gold, dann dürfen sie eine Prämie von 60'000 Franken von Swiss Olympic unter sich aufteilen. Für so viel Geld würde Roger Federer auf Geheiss eines Sponsors nicht einmal ins Publikum winken.

Die Bedeutung unserer olympischen Marine zeigt sich am Medieninteresse. Vor vier Jahren in London, als die gleichen vier jungen Männer noch keine olympischen Helden waren (und dann auf den 5. Platz ruderten), kamen zum Mediengespräch vor dem Rennen gerade mal drei Chronisten. Jetzt eilten am Dienstag 27 Chronistinnen und Chronisten ins hölzerne Gebäude mit dem TV-Studio am Strand von Ipanema. Viele sogar mit Bildermaschinen bewaffnet.

Schwitzen fürs ideale Kampfgewicht

Die intelligenten, coolen Jungs lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie sind auf einer Mission. Aber das erste Rennen ist ja erst am Samstag, die Spannung hat sich noch nicht aufgebaut. Sie plaudern locker und da sie nicht durch PR-Profis verformt sind, sagen sie, was Hand und Fuss hat. Keine vorfabrizierten Sprüche.

Rudern ohne Steuermann bedeutet ja keineswegs, orientierungslos ins Rudern zu geraten. Vielmehr wird die geradlinige Fahrt zu Gold mit ähnlicher Akribie geplant wie einst der Flug zum Mond. Alleine das Einhalten des Wettkampfgewichtes ist ein faszinierendes Thema, zumal dieses Wettkampfgewicht bei allen geringer ist als das Normalgewicht während der wettkampflosen Zeit im Winter.

ALS VORSCHAU ZU DEN SCHWEIZER TEILNEHMERN IM RUDERN AN DEN OLYMPISCHEN SOMMERSPIELEN IN RIO VOM 5. BIS 21. AUGUST 2016, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - The men's lightweight coxless four (LM4-) Simon Niepmann, Mario Gyr, Simon Schuerch and Lucas Tramer, from left to right, pose for an image in Sarnen, Switzerland, on April 6, 2016. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Der Leichtgewichts-Vierer ohne (LM4-) Simon Niepmann, Mario Gyr, Simon Schuerch and Lucas Tramer, von links nach rechts, posieren fuer ein Bild am 6. April 2016 in Sarnern. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Zusammen dürfen die vier Ruderer höchstens 280 Kilo wiegen. Bild: KEYSTONE

Zwei Stunden vor dem Rennen werden die Helden gewogen. Sie dürfen zusammen nicht mehr als 280 Kilo wiegen. Aber sie setzten auch alles daran, dieses erlaubte Gesamtgewicht zu erreichen. Gemessen wird die Kraft der Ruderer auf dem Ergometer, einem Trockenrudergerät. «Ein Kilo weniger Gewicht bedeutet weniger Kraft», erklärt Simon Niepmann. Damit jeder sein ideales Gewicht erreiche, gebe es so etwas wie ein Ritual.

«Am Abend vor dem Wettkampf wiege ich zwei Kilo zuviel. Ein Kilo verliere ich während des Schlafes und am nächsten Tag noch einmal ein Kilo durch Schwitzen vor dem Wägen. Nach dem Wägen nehme ich wieder bis zu zwei Kilo zu – alleine durch die Einnahme von Flüssigkeit.» Dabei sei es wichtig, sofort nach dem Wägen zu trinken. Damit sich die Flüssigkeit vor dem Wettkampf noch gut im Körper verteilt.

Simon Niepmann erzählt, mit Kraft alleine lasse sich kaum mehr eine Differenz machen. Entscheidend sei die Ausdauer und die Technik. Er bringe auf dem Ergometer am wenigsten Energie. Aber er gleiche den Nachteil durch Technik wieder aus. Für die zwei Kilometer eines Rennens sind in der Regel 200 Schläge notwendig. Die höchste Kunst wäre es, wenn die vier Männer 200 perfekte Schläge hinkriegen. Doch das sei unmöglich, ja, nicht einmal zehn perfekte Schläge seien machbar. Sieger wird, wer am nächsten an diese Perfektion kommt.

Wie ein Fehler in der Verlängerung des siebten Finalspiels

Der Weg zum Gold geht im besten Fall über drei Rennen von knapp sechs Minuten. Das olympische Abenteuer ist in knapp 18 Minuten vorbei. Wenn es in diesen 18 Minuten nicht funktioniert, ist die Arbeit der letzten vier Jahre dahin.

Mario Gyr, ein Fan des EV Zug, hat dazu einen treffenden Vergleich: «Die Belastung im Final ist ähnlich, wie wenn der EV Zug im siebten Finalspiel in der Verlängerung steht. Ein Fehler und alles ist vorbei.» Wobei es anzumerken gilt: Die Zuger haben jedes Jahr die Chance, den Final zu erreichen. Die olympischen Ruderer nur alle vier Jahre.

Die Spieler des EV Zug vor dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EV Zug und den ZSC Lions am Samstag, 3. Oktober 2015, in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Der EV Zug Schweizer Meister? Eine olympische Ruder-Goldmedaille ist wahrscheinlicher.
Bild: KEYSTONE

Nun, die Chancen, dass Mario Gyr bald mit einer Goldmedaille heimkehrt, dass unsere eidgenössische Marine in Rio nicht baden geht, sind schon ein bisschen grösser als ein EVZ-Sieg und Meistertitel in der Verlängerung des 7. Finalspiels.

Die Schweizer Fahnenträger bei Olympia

1 / 29
Die Schweizer Fahnenträger bei Olympia
quelle: keystone / alexandra wey
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Unvergessene Olympia-Momente: Sommerspiele

08.05.1984: Die Sowjets boykottieren Olympia. Eine Retourkutsche, die ihre Wirkung komplett verfehlt

Link zum Artikel

06.08.1984: Carl Lewis holt sich zum ersten Mal Olympia-Gold in seiner Lieblingsdisziplin

Link zum Artikel

Das beste Team, das jemals Basketball gespielt hat, verzaubert die ganze Welt

Link zum Artikel

Wyndham Halswelle wird Olympiasieger – weil er im Final der einzige Läufer ist

Link zum Artikel

26.08.1900: Ein Siebenjähriger wird zum jüngsten Olympiasieger aller Zeiten, aber bis heute kennt niemand seinen Namen

Link zum Artikel

28.8.1972: Mark Spitz holt sich die ersten zwei von sieben Goldmedaillen und schwimmt in jedem Rennen Weltrekord

Link zum Artikel

17.09.1988: Zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Seoul gibt es geröstete Tauben

Link zum Artikel

17.08.2008: Amor trifft besser als der Sportschütze, der nur deshalb berühmt wurde, weil er auf die falsche Scheibe zielte

Link zum Artikel

28.07.1984: Gaby Andersen-Schiess torkelt in der Hitze von LA völlig dehydriert über die Zielgerade des Olympia-Marathons

Link zum Artikel

06.08.2012: Felix Sanchez schmuggelt Foto von totem Grosi unter die Startnummer und schafft das grösste Comeback der Leichtathletik

Link zum Artikel

19.09.2000: Eric «The Eel» Moussambani säuft über 100 m Freistil fast ab und wird trotzdem zum grossen Star

Link zum Artikel

Die Geschichte eines Bauernsohns, der im vorletzten Jahrhundert zum Olympiahelden wurde

Link zum Artikel

18.10.1968: Bob Beamon springt so weit, dass nicht einmal das Massband reicht

Link zum Artikel

09.06.1924: Die Schweiz verpasst den Olympiasieg – aber wird Europameister!

Link zum Artikel

16.10.1968: Tommie Smith und John Carlos sorgen für die berühmteste Siegerehrung bei Olympia

Link zum Artikel

01.10.2000: Der Abschluss der Spiele von Sydney ist der Beginn der grossen Liebe zwischen Roger und Mirka

Link zum Artikel

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

Link zum Artikel

04.08.2012: Das knappste Finale in der Olympia-Geschichte im Triathlon gewinnt Nicola Spirig dank einer unglaublichen Willensleistung

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Bronze-Heldin Diethelm Gerber: «Diese Medaille ist das Mass aller Dinge in meiner Karriere»

Heidi Diethelm Gerber beschert der Schweiz am vierten Wettkampftag die erste Medaille an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Die Thurgauer Schützin gewinnt im Wettkampf mit der Sportpistole über 25 m Bronze.

Die erste Medaille für die Schweiz bei den Olympischen Spielen von Rio ist Tatsache: Heidi Diethelm Gerber gewinnt im Wettkampf mit der Sportpistole über 25 m Bronze.

Im Duell um Platz 3 setzte sich Diethelm Gerber in der an Spannung kaum zu überbietenden Entscheidung dank ungemeiner Nervenstärke gegen die Chinesin Zhang Jingjing, die Nummer 1 der Welt, durch. Die Qualifikation hatte sie auf Platz 7 abgeschlossen.

«Ich kann diese Medaille noch nicht richtig einordnen. Doch eines weiss ich: Sie …

Artikel lesen
Link zum Artikel