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Graham Crouch dort, wo er sich am wohlsten fühlt: Im Leichtathletikstadion. bild: martin Kürzi

Die Sommerspiele haben sich seit 1972 stark verändert: Ein ehemaliger Olympionike erzählt

Zuerst als Olympionike, später als Zuschauer im Stadion: Der Australier Graham Crouch hat während fast 50 Jahren alle Veränderungen der Olympischen Spiele hautnah miterlebt.

martin kürzi, rio de janeiro



Heute Nacht findet im «Estádio Olímpico» in Rio de Janeiro der Männer-Final über 1500 Meter statt. Mit dabei ist Ryan Gregson, erster australischer Finalteilnehmer über die Distanz seit 40 Jahren. Damals in Montreal lief ein gewisser Graham Crouch auf den 8. Platz. Bereits vier Jahre zuvor war er als Athlet an den Olympischen Spielen in München, danach nahm er als Zuschauer an fast allen weiteren Spielen teil. Heute erzählt er, wie sich Olympia aus seiner Sicht verändert hat.

Morhad Amdouni from France, left, wins the men's 1500m before Ryan Gregson from Australia at the Diamond League Memorial Van Damme athletics event, at Brussels' King Baudouin stadium, on Friday, Sept. 11, 2015. (AP Photo/Francois Walschaerts)

Ryan Gregson (r.) wird heute über 1500 Meter antreten. Bild: Francois Walschaerts/AP/KEYSTONE

Das Athleten-Leben

«Die grösste Veränderung ist das persönliche Leben der Athleten. Ich absolvierte damals früh morgens meine erste Trainingslektion. Tagsüber arbeitete ich als Buchhalter. Nach Feierabend folgte eine zweite Einheit. Am Wochenende hatte ich zum Glück mehr Zeit zum Trainieren. So kam ich trotz meines Vollzeitjobs auf 25 bis 30 Trainingsstunden pro Woche. Um von meinem Sport finanziell profitieren zu können, war meine Karriere 30 Jahre zu früh. In der heutigen Zeit wäre ich mit meinen Leistungen ein wohlhabender Mann.»

Bis in die 1970er-Jahre waren nur Athleten an den Olympischen Spielen zugelassen, die mit der Ausübung ihres Sports kein Geld verdienten. Die Idee war schon damals umstritten. Sie bevorzugte wohlhabende Sportler, die privilegiert genug waren, sich ohne Broterwerb vollzeitig dem Sport zu widmen. Vollends ausgehöhlt wurde die Regelung von kommunistischen Staaten, die mit «Amateuren» antraten, welche als Staatsangestellte faktisch Vollzeit-Sportler waren. Als Reaktion schaffte das IOC den Amateurstatus schrittweise ab.

Der 1500-Meter-Lauf

«1976 in Montreal wurde ich mit einer Zeit von 3:37.97 in meinem Vorlauf Dritter. Diese Zeit war schneller als alle Vorläufe 2016 in Rio. Man könnte jetzt annehmen die Läufer seien langsamer geworden, aber das stimmt natürlich nicht. Die Rennen bei den Olympischen Spielen sind nur viel taktischer als früher. Es geht nicht darum, wer am schnellsten rennen kann, sondern wer das Rennen gewinnen kann. Ich mag das.»

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Das Cover der «London News» von 1976. Im Vordergrund John Walker, der Olympiasieger aus diesem Jahr, dahinter Graham Crouch. bild: zVg

Die Anzahl Sportarten

«Heutzutage gibt es viel mehr Sportarten als zu meiner Zeit. Vor allem durch die zusätzlichen Teamwettkämpfe nehmen viel mehr Athleten teil. Durch die vielen Wettbewerbe sind die Spiele heute zu aufgebläht.»

Graham Crouch ist ein Leichtathletik-Purist, für den die Spiele erst mit den Leichtathletik-Wettkämpfen starten. Auch in Rio reiste er entsprechend erst in der zweiten Wettkampfwoche an. Nach seinem Olympia-Debüt dauerte es 40 Jahre, bis sich Graham Crouch in London 2012 erstmals eine Disziplin ausserhalb des Leichtathletikstadions ansah. Trotzdem sind seine Bedenken nicht unbegründet: In Rio de Janeiro nehmen 11'458 Athleten in 306 Wettbewerben teil. Dem gegenüber standen 1976 in Montreal bloss 6048 Athleten, die sich in 198 Wettbewerben massen.

Jamaica's Usain Bolt, right, competes in the men's 4x100-meter relay final during the athletics competitions of the 2016 Summer Olympics at the Olympic stadium in Rio de Janeiro, Brazil, Friday, Aug. 19, 2016. (AP Photo/Jae C. Hong)

Für die Leichtathletik mit Sprintstar Usain Bolt lebt Graham Crouch. Bild: Jae C. Hong/AP/KEYSTONE

Die Sicherheit

«Bei meinen ersten Olympischen Spiele 1972 in München gingen wir im Olympischen Dorf problemlos ein und aus. Die Sicherheitskontrollen waren lasch. Der Tag, der alles für immer veränderte, war die Geiselnahme durch die Terrororganisation «Schwarzer September». Behelfsmässig wurde danach in München versucht, die Sicherheit für den Rest der Spiele zu erhöhen. Montreal war vier Jahre später schon besser gerüstet. Es gab Barrieren und Eintrittskontrollen, die vergleichbar mit heute sind. Später folgten doppelte Sicherheitsschleusen und Metalldetektoren. Alle vier Jahre nehmen die Sicherheitsvorkehrungen ein wenig zu.»

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Sci-Fi? Der Sicherheitscheck vor dem Olympischen Dorf. bild: martin kürzi

In Rio de Janeiro sind rund 85'000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Das sind doppelt so viele wie in London 2012. Um die Sicherheitskosten decken zu können, musste die Stadt Rio de Janeiro kurz vor Beginn der Spiele noch einmal einen Kredit über knapp 900 Millionen Dollar vom gleichnamigen Bundesstaat aufnehmen.

Das Sponsoring

«Sponsoren gab es auch damals in München. Das ist völlig in Ordnung. Was sich geändert hat, ist die Exklusivität rund um die Sportstätten. Wenn ich Lust auf McDonalds habe, esse ich ohnehin dort, aber ich mag den Zwang nicht. Da früher nicht alles exklusiv war, mussten die Sponsoren kreativer sein, um die Aufmerksamkeit der Leute zu erhalten.»

Bei den Olympischen Spielen in Montreal beliefen sich die Sponsoring-Einnahmen des IOC auf sieben Millionen Dollar. In Rio de Janeiro sind es zwei Milliarden Dollar. 285 Mal so viel wie vor 40 Jahren.

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Crouch im Gespräch mit einem Fan. bild: martin kürzi

Was bleibt?

Allen Veränderungen zum Trotz, gewisse Dinge blieben bestehen. Graham Crouch schwärmt vom Olympischen Dorf, wo seit jeher alle Weltklasseathleten vereint seien. Von den unzähligen sportlichen Höchstleistungen in kürzester Zeit. Von Menschen aus allen Ecken der Welt, die sich für zwei Wochen friedlich treffen. Zweifelsohne, Graham Crouch ist ein Olympia-Enthusiast. Aber egal wie man zu den Spielen steht, in einem Punkt kann man ihm schwer widersprechen: 

«The Olympic Games are still the greatest show on earth.»

Graham Crouch

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