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Irene Cadurisch holt sich mit der höchsten Nummer ein olympisches Diplom.
Irene Cadurisch holt sich mit der höchsten Nummer ein olympisches Diplom.Bild: KEYSTONE

«Habe es zunächst nicht geglaubt»: Wie diese Schweizer Biathletin einen Coup landete

10.02.2018, 15:5010.02.2018, 16:36

Die schwierigen Windverhältnisse beim Sprint im Biathlon der Frauen brachten haufenweise Überraschungen. Auch eine Schweizerin nutzte beim Sieg von Laura Dahlmeier ihre Chance. Irene Cadurisch holte als Achte völlig unerwartet ein olympisches Diplom.

Mit der Nummer 87 ging als letzte Athletin überhaupt Irene Cadurisch an den Start. Die 26-jährige Grenzwächterin aus Maloja schaffte einen Coup, den sie sich selber wohl nicht erträumt hatte. Im Weltcup ist die Bündnerin in diesem Winter noch nie in den Punkterängen der Top 40 aufgetaucht und nun sicherte sie sich mit sieben Zehnteln Vorsprung auf Daria Domratschewa, die Olympia-Dominatorin von Sotschi, mit dem 8. Rang noch als Letzte ein olympisches Diplom. Die Zutaten: Die beste Zeit aller Athletinnen für die zwei Schiesseinlagen – 31 Sekunden schneller als Dahlmeier –, eine Strafrunde, eine für ihre Möglichkeiten starke Laufleistung (31. mit 1:12 Minuten Rückstand auf die Schnellste) und Windbedingungen, die arrivierte Biathletinnen massenhaft scheitern liessen.

Cadurisch vermochte ihr Olympia-Diplom zunächst gar nicht richtig einzuordnen. «Ich habe eigentlich mit gar nichts gerechnet. Ich wusste bloss, dass ich schnell schiessen kann und gut trainiert habe», sagte sie. Zunächst deutete nicht viel auf die Überraschung hin. Cadurisch verfehlte im Liegend-Anschlag die letzte Scheibe deutlich und musste in der Strafrunde zusätzliche 150 m drehen.

«Als mir der erste Trainer meinen Zwischenrang sagte, habe ich es zunächst nicht geglaubt. Erst beim zweiten.»

Stehend räumte sie dann in Western-Manier alle Scheiben ab und machte sich mit der fünftbesten Zwischenzeit auf den Weg zum Ziel. «Als mir der erste Trainer meinen Zwischenrang sagte, habe ich es zunächst nicht geglaubt. Erst beim zweiten», schilderte sie die dramatische Schlussphase.

Bilder von Irene Cadurisch waren bereits in den vergangenen Tagen zu sehen. Sie öffnete im Rahmen einer Besichtigung des olympischen Dorfes für ein paar Journalisten die Türe zu ihrem Zimmer, das sie mit Lena Häcki teilt. Nun steht sie erstmals dank ihrer sportlichen Leistung im Fokus.

Dass sie ihren Coup in Pyeongchang überhaupt landen konnte, ist nicht selbstverständlich. Die Bündnerin erfüllte die Selektionskriterien von Swiss Olympic nur zur Hälfte – und dies erst noch im zweitklassigen IBU-Cup. Deshalb kam sie bloss als Staffelläuferin ins Aufgebot. Gleiches gilt für Aita Gasparin. Damit die beiden nicht ohne Renneinsatz zum Teamwettkampf antreten, gewährte ihnen Swiss Olympic je einen Start als Solistin. Cadurisch wurde für den Sprint gesetzt, Aita Gasparin für das Einzel.

Nun revanchierte sich Cadurisch bei ihren Kolleginnen, die ihr die Reise nach Südkorea ermöglicht hatten. Sie holte für eine bereits geschlagene Schweizer Equipe die Kohlen aus dem Feuer. Die Medaillenträume von Selina Gasparin (41.) platzten bereits nach den ersten beiden Fehlversuchen im Liegend-Anschlag. Letztlich musste sie «trotz relativ guten Windbedingungen» insgesamt vier Strafrunden absolvieren, womit nicht nur eine Top-Platzierung im Sprint ausser Reichweite geriet, sondern auch eine in der Verfolgung über 10 km vom Montag.

Selina Gasparins jüngere Schwester Elisa klassierte sich mit zwei Fehlschüssen im Stehend-Anschlag im 31. Rang. Vor vier Jahren in Sotschi hatte die 26-Jährige im Sprint als Achte überraschend ein Olympia-Diplom gewonnen. Zweitbeste Swiss-Ski-Athletin nach Cadurisch wurde die Engelbergerin Lena Häcki mit Platz 26 (drei Strafrunden).

Gold-Laura wird ihrem Ruf gerecht

Laura Dahlmeier setzte ihre Erfolgsserie bei Grossanlässen fort. Nach fünf Goldmedaillen vor einem Jahr an den Weltmeisterschaften in Hochfilzen eröffnete die Deutsche ihre Olympischen Spiele mit einem Triumph im Sprint. Auf diesen Sieg darf sich die Dahlmeier etwas einbilden. Die 24-Jährige zeigte ein taktisches Meisterstück. Sie schaffte es, im Schiessen zu verzögern, wenn die roten Windfähnchen zu wild tanzten. Oder nach einem Treffer justierte sie erneut ihr Visier, weil sie die Veränderung der Windverhältnisse wahrnahm.

Laura Dahlmeier: Die 24-jährige Deutsche holt sich die Goldmedaille.
Laura Dahlmeier: Die 24-jährige Deutsche holt sich die Goldmedaille.Bild: EPA/EPA

Bei der Flower Ceremony sprang Dahlmeier euphorisch auf das Podest und schrie immer wieder ihre pure Freude heraus. Die Norwegerin Marte Olsbu (1 Fehler/24.2 Sekunden Rückstand) und Veronika Vitkova aus Tschechien (1/25.8) standen als Zweit- und Drittklassierte daneben. (cma/sda)

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