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Martin Fuchs auf Leone Jei beim CSIO in St.Gallen.
Martin Fuchs auf Leone Jei beim CSIO in St.Gallen.
Bild: keystone

«Ich reite immer auf null» – Schweizer Favoriten über den neuen Modus im Springreiten

Der Olympia-Modus stösst nicht bei allen Reitern auf Gegenliebe. Den Zuschauern hingegen bietet er etwas: Denn er begünstigt Dramen und Überraschungen.
03.08.2021, 04:57

Im Springreiten ist an Olympischen Spielen vieles anders als an Weltmeisterschaften, Weltcup-Finals oder Europameisterschaften. In Tokio beginnt jeder Tag bei null. Während an den traditionellen Championaten fünf Durchgänge in die Wertung kommen – Jagdspringen, zwei Umgänge Team, zwei Umgänge Einzel – und so die Spreu vom Weizen getrennt wird, ist in Japan ein Lucky Punch möglich, zumal im Team-Event noch das Streichresultat entfällt.

Nach der Qualifikation im Einzel (heute Dienstag ab 12 Uhr Schweizer Zeit) starten die Top 30 am morgen Mittwoch ohne Strafpunkte. Und auch die zehn Nationen im Team-Final vom Samstag nehmen keinen Vorsprung oder kein Handicap aus der Qualifikation vom Vortag mit.

Holt er erneut eine Medaille? Steve Guerdat, der Olympiasieger von London, auf Venard de Cerisy.
Holt er erneut eine Medaille? Steve Guerdat, der Olympiasieger von London, auf Venard de Cerisy.
Bild: keystone

Zwei Schweizer bei den Topfavoriten

«Meine Meinung ist bekannt. Aber es ist jetzt hier in Tokio nicht der Zeitpunkt, dies zu diskutieren», sagt Steve Guerdat. «Egal, welches Format, du musst immer ohne Fehler reiten», beendet der Olympiasieger von London 2012 die Diskussion zu diesem Thema.

Martin Fuchs schlägt ähnliche Töne an: «Auf meine Taktik hat das Format keinen Einfluss. Ich reite immer auf null.» Der Europameister will nichts wissen von einem Sicherheitsritt in der Qualifikation. «Wenn du einen Abwurf in Kauf nimmst, hast du rasch auch deren zwei.»

Am bislang letzten globalen Freiluft-Championat, den Weltmeisterschaften 2018 in Tryon in den USA, haben Fuchs und Guerdat Silber und Bronze gewonnen. Und auch in der Weltrangliste belegen sie in dieser Reihenfolge die Plätze 2 und 3 hinter dem Deutschen Daniel Deusser. Ihre Chancen wären in einem fünfteiligen Event wohl noch grösser gewesen. Die zwei weiteren Schweizer Reiter in Tokio sind Beat Mändli und Bryan Balsiger. Routinier Mändli ist dritter Schweizer im Einzel, Senkrechtstarter Balsiger darf mit Fuchs und Guerdat im Team-Bewerb ran.

Kein Streichresultat mehr im Team

Letztlich wurde nie ganz klar, wer federführend den neuen Modus durchdrückte. Aber das IOC, der Weltverband der Reiter und die TV-Anstalten sind mehr Dramen und Überraschungen nicht abgeneigt. Jetzt entschiedet die Tagesform. Am Mittwoch muss theoretisch ein Aussenseiter nur einen Umgang ohne Fehler reiten und gewinnt Gold, sofern alle anderen scheitern.

In der Team-Wertung fällt das Streichresultat weg, alle drei Paare werden gewertet. Dies öffnet Dramen Tür und Tor. Sofern ein Pferd einer Top-Nation verweigert, reisst es die ganze Equipe in den Abgrund.

Die Reduktion auf drei Paare ohne Streichresultate hat der Weltverband FEI lanciert. Er will mit diesem Schritt die Anzahl der Flaggen im Reitstadion erhöhen. Die FEI ermöglicht Nationen die Teilnahme an Olympischen Spielen, die bislang nur davon geträumt haben. Die Diskussion pro und contra Streichresultat läuft allerdings schon seit längerer Zeit. Sie flammt immer dann wieder auf, wenn ein Reiter den Parcours nicht beendet und dann trotzdem eine Medaille erhält, weil die Team-Kollegen die Scharte ausgewetzt haben. (ram/sda)

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Die besten Bilder der Olympischen Spiele 2020 in Tokio

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