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Kamila Valieva im Einsatz beim Teamwettkampf in Peking.
Kamila Valieva im Einsatz beim Teamwettkampf in Peking.Bild: keystone

«Skandal» und «Sieg der Gerechtigkeit» – die Reaktionen auf das umstrittene Valieva-Urteil

14.02.2022, 12:2614.02.2022, 13:25

Die Eiskunstlauf-Wettbewerbe in Peking stehen derzeit ganz im Zeichen einer jungen Frau – Kamila Valieva. Nachdem das 15-jährige Wunderkind mit dem russischen Team Olympiagold gewonnen hatte, wurde bekannt, dass sie schon vor ihrer Reise nach Peking positiv auf Herzmittel Trimetazidin getestet worden war.

Valieva wurde daraufhin von der russischen Anti-Doping-Agentur (Rusada) gesperrt – diese Sperre wurde aber nur einen Tag später wieder aufgehoben. Der Fall wurde daraufhin vom Internationalen Olympischen Komitee, der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und dem Eislauf-Weltverband vor Gericht gezogen. Der Internationale Sportgerichtshof entschied aber, dass Valieva trotz des positiven Tests bei Olympia teilnehmen dürfe.

Trotz ihrem positiven Test darf Kamila Valieva weiterhin bei Olympia teilnehmen.
Trotz ihrem positiven Test darf Kamila Valieva weiterhin bei Olympia teilnehmen.Bild: keystone

Als einen der Gründe für den Entscheid nannte das CAS das Alter der 15-Jährigen, die als Minderjährige eine «geschützte Person» unter dem Code der WADA sei. Zudem wäre es angesichts der unklaren Beweislage und der Verzögerungen bei der Auswertung des Dopingtests unfair, der Russin eine Teilnahme am Einzel zu verwehren.

Dieser Entscheid löste in der Eiskunstlauf-Szene eine hitzige Debatte aus. Gleich mehrere (Ex-)Athleten und Verbände äusserten sich zum Fall Valieva. Dabei war der Grundtenor klar: Der Entscheid sorgte bei fast allen ausserhalb Russlands für Kopfschütteln.

Alexia Paganini, Schweizer Eiskunstläuferin

«Es ist schon ein grosser Skandal, aber ich versuche mich abzuschirmen und nicht darüber nachzudenken.»

Sarah Hirshland, Geschäftsführerin des Olympischen Komitees der USA

«Wir sind enttäuscht über die Botschaft, welche dieser Entscheid in sich trägt. Wir fordern alle in der olympischen Gemeinschaft auf, den Kampf für sauberen Sport im Sinne der Athleten in aller Welt fortzusetzen. Die Athleten haben das Recht zu wissen, dass sie unter fairen Bedingungen antreten. Leider ist dieses Recht heute versagt geblieben. Dies scheint ein weiteres Kapitel von Russlands systematischer und allgegenwärtiger Missachtung sauberen Sports zu sein.»
Sarah Hirshland findet klare Worte zum Fall Valieva.
Sarah Hirshland findet klare Worte zum Fall Valieva.Bild: keystone

Tricia Smith, Präsidentin des Kanadischen Olympischen Komitees

«Diese Situation ist extrem unglücklich und traurig für die Athletinnen. Wir engagieren uns voll für einen sauberen Sport und finden, dass niemand, der in Doping-Geschichten involviert ist, einen Platz bei Olympia haben sollte. Wir vertrauen darauf, dass die Entscheidung des CAS ein korrekter Prozess war, sind aber extrem enttäuscht vom Resultat.»

Johnny Weir, US-amerikanischer Eiskunstläufer

«Ich kann dieses Urteil nicht akzeptieren. Es gab einen positiven Doping-Test, folglich wurde die Athletin positiv getestet. Egal, ob es ihre Schuld war oder nicht, egal, wie alt sie ist oder von wann der positive Test ist. Es sollte nicht erlaubt sein, dass sie gegen saubere Athletinnen antreten darf.»
Johnny Weir ist mit dem Urteil ebenfalls nicht einverstanden.
Johnny Weir ist mit dem Urteil ebenfalls nicht einverstanden.Bild: IMAGO / AFLOSPORT

Welt-Anti-Doping-Agentur WADA

«Die WADA ist enttäuscht von der heutigen Entscheidung des CAS. Es scheint so, als habe sich das zuständige Panel nicht an den Antidoping-Code gehalten, der keine besonderen Ausnahmen in Bezug auf provisorische Suspendierung für geschützte Personen wie Minderjährige vorsieht.»

Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds

«Eine Einzelfallbetrachtung jeder Sportart wäre möglicherweise angemessener im Sinne eines konsequenten Anti-Doping-Kampfes. Zum anderen stellt sich die grundsätzliche Frage, welchen Leistungssport wir eigentlich haben wollen. Der aktuelle Fall bestärkt uns in der Auffassung, dass jungen Athleten Zeit gegeben werden muss – ein humaner Leistungssport darf nicht zu früh viel verlangen.»

Alexander Gorschkow, Präsident des russischen Eiskunstlauf-Verbands

«Ich bin sehr froh für Valieva und glücklich, dass der gesunde Menschenverstand und die Gerechtigkeit gesiegt haben.»
Alexander Gorschkow stellt sich hinter seine Athletin.
Alexander Gorschkow stellt sich hinter seine Athletin.Bild: IMAGO / SNA

Russisches Olympisches Komitee

«Wir wissen nicht, wie viele Tränen und wie viel Kraft diese verrückte Situation Kamila gekostet hat. Jeden Tag zu trainieren, während über dich entschieden wird, ohne zu wissen, was morgen passiert. Sich zu zwingen, in der Öffentlichkeit ruhig zu wirken und nur dann Emotionen zu zeigen, wenn niemand schaut. Was wir aber wissen, ist, dass wir sie mit all unserer Energie anfeuern werden.»

(dab)

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Die besten Bilder der Olympischen Spiele 2022 in Peking
quelle: keystone / wu hong
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65 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hakuna!Matata
14.02.2022 12:42registriert Juni 2019
Was für ein Konstrukt.

Russland darf nicht an olympischen Spielen teilnehmen wegen Vergehen der russischen Anti-Doping Agentur.

Die russischen Athleten dürfen aber unter "neutraler" Flagge teilnehmen. Über ihre Doping-Vergehen entscheidet aber...DIE RUSSISCHE ANTI-DOPING AGENTUR.

Lächerlich.
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tea time in keith
14.02.2022 13:02registriert März 2014
„Als einen der Gründe für den Entscheid nannte das CAS das Alter der 15-Jährigen, die als Minderjährige eine «geschützte Person»“
ernsthaft? hat das cas grade gesagt das unter 16jährige gedopt werden dürfen? 😳
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manuel0263
14.02.2022 12:41registriert Februar 2017
Wie nicht anders zu erwarten ist Herr Gorschkow der Einzige, der hinter dieser Entscheidung steht. Und er erwähnt das Wort Doping natürlich nicht, sondern spricht stattdessen von gesundem Menschenverstand und von Gerechtigkeit.
Das ist ein Witz...leider ein sehr schlechter.
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