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Für die Schweizer Frauen-Hockeynati gab es am Mittwoch «Leder» statt Bronze.
Für die Schweizer Frauen-Hockeynati gab es am Mittwoch «Leder» statt Bronze.Bild: keystone

Der «Tag der Schweizer Enttäuschungen» – das lief am Mittwoch bei Olympia

Der 13. Tag der Winterspiele in Peking brachte den Schweizern Frust und Enttäuschung. Die elfte Medaille wurde mehrfach knapp verpasst – und das Eishockey-Team der Männer schied in den Viertelfinals aus.
16.02.2022, 18:0217.02.2022, 13:46
Dario Bulleri
Dario Bulleri
Dario Bulleri
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Frust gegen Finnland – Teil 1

Nach einer enttäuschenden Gruppenphase zeigte die Schweizer Männer-Hockeynati am Dienstag eine Reaktion – man schlug Tschechien überzeugend mit 4:2 und qualifizierte sich so für den Viertelfinal. In diesem konnte sich das Team von Patrick Fischer durchaus Hoffnungen machen. Denn Gegner Finnland hatte man beim letzten Aufeinandertreffen an der WM 2018 noch bezwingen können. In Peking blieben die Schweizer gegen die Skandinavier hingegen über weite Strecken chancenlos und verlor mit 1:5.

Dabei scheiterte man auch am eigenen Unvermögen: Dem 0:1 ging ein ärgerlicher Scheibenverlust von Gaetan Haas voraus, beim 0:2 lenkte Santeri Alatalo den Puck mit dem vierten Schweizer Eigentor des Turniers ins eigene Tor und vor dem 0:3 spielte Lukas Frick einen haarsträubenden Fehlpass, den die Finnen kaltblütig ausnutzten.

So müssen die ambitionierten Schweizer Männer erneut vor dem Medaillenspielen die Koffer packen. «Finnland war eine Stufe besser», musste Santeri Alatalo nach dem Spiel gegenüber SRF konsterniert feststellen. Und Trainer Patrick Fischer machte klar: «Die Ernüchterung ist riesig. Wir machen genau das, was wir gesagt haben, sollen wir nicht machen: Geschenke an die Finnen. Wir waren nicht schlau genug.»

Frust gegen Finnland – Teil 2

Nur kurze Zeit nach dem Out der Schweizer Männer stand auf dem Eis in Peking erneut das Duell Schweiz gegen Finnland auf dem Programm: Die Schweizer Frauen duellierten sich mit den Skandinavierinnen um Bronze. Eine grosse Chance für das Team von Colin Muller: In der Gruppenphase hatte man bereits gegen Finnland gespielt und dieses knapp mit 3:2 bezwungen.

Das Spiel um Platz drei verkam aber zu einer unerfreulich klaren Angelegenheit aus Sicht der Schweiz. Finnland war über weite Strecken das stärkere Team, ging in der 12. Minute mit 1:0 in Führung und drückte danach weiter. Dank der starken Torhüterin Andrea Brändli durfte die Schweiz dennoch lange hoffen, bis man in der 44. Minute nach einem groben Patzer im Powerplay das 0:2 hinnehmen musste. Die Vorentscheidung – am Ende setzte sich Finnland mit 4:0 durch.

«Ich kann es nicht in Worte fassen. Wir kamen nie ins Spiel», kommentierte Captain Lara Stalder nach dem Spiel die Niederlage gegenüber dem SRF. «Wir haben nicht unsere Leistung gebracht und das reicht einfach nicht. Es wäre so viel möglich gewesen, aber wir waren einfach nie gefährlich. Es tut mir mega Leid für alle, die zugeschaut haben.»

Meillard und Yule als Verlierer im Slalom-Krimi

Der sehr exklusive Zirkel der Schweizer Medaillengewinner in einem Olympia-Slalom der Männer wächst nicht. Loïc Meillard (5.) und Daniel Yule (6.) mussten in einem knappen Rennen Pech beklagen: Meillard fehlte beim Olympiasieg des Franzosen Clément Noël nur eine Zehntelsekunde auf einen Podestplatz, Yule nach einem starken zweiten Lauf 16 Hundertstel.

Vor allem für Loic Meillard war sein fünfter Platz ein äusserst bitterer. Für den Walliser war es nach den Rängen 4 und 5 in den WM-Riesenslaloms von Are und Cortina bereits das dritte Mal, dass er eine Medaille nur ganz knapp verpasste. Dennoch zeigte sich Meillard nach dem Rennen gegenüber dem SRF weiter kämpferisch: «Ich weiss, das Skifahren ist da, irgendwann wird es aufgehen.»

Die beiden weiteren Schweizer blieben derweil deutlich hinter den Medaillenrängen. Für den mit der Nummer 1 gestarteten Ramon Zenhäusern, der in Pyeongchang noch Silber geholt hatte, blieb mit 1,38 Sekunden Rückstand nur der 12. Rang. Luca Aerni, zur Halbzeit nach einer fehlerhaften Fahrt als 19. weit zurück, stiess im Finaldurchgang mit drittbester Zeit noch in den 14. Rang vor.

Ramon Zenhäusern konnte seinen Exploit von Pyeongchang nicht wiederholen.
Ramon Zenhäusern konnte seinen Exploit von Pyeongchang nicht wiederholen.Bild: keystone

Hinter Noël, der im Finaldurchgang mit Bestzeit vom 6. Platz noch an die Spitze vorpreschte, gewann Johannes Strolz mit 0,61 Sekunden Rückstand Silber. Bronze sicherte sich der norwegische Weltmeister Sebastian Foss-Solevaag.

Ragettlis Enttäuschung, Böschs Ärger

Für die Schweizer setzte es im Slopestyle-Final eine grosse Enttäuschung ab. Andri Ragettli ging nach seinem Sieg in der Qualifikation als Topfavorit ins Rennen, Fabian Bösch durfte sich ebenfalls Hoffnungen auf eine Medaille machen. Am Ende gingen allerdings beide leer aus: Ragettli sprang als Vierter denkbar knapp an den Medaillen vorbei, Bösch wurde Sechster.

So haderten am Ende beide Schweizer mit dem schwierigen Wettkampf. «Es ist ein 4. Platz, da bin ich bin natürlich enttäuscht», sagte Ragettli nach dem Final, auch wenn er nach seiner schweren Knieverletzung im März stolz auf seine Leistung war. Er versprach, 2026 in Cortina erneut anzugreifen: «Ich werde verdammt hart arbeiten, damit es in 4 Jahren Freudentränen sind», so der Bündner.

Bösch hingegen zeigte sich vor allem ob seiner Bewertung etwas verärgert. «Ich bin stolz, wie ich meinen Run heruntergebracht habe. Aber ich hätte mir mehr Punkte erhofft», sagte der 24-Jährige, «es ist nicht so durchsichtig, wir Fahrer verstehen es auch nicht wirklich, wie die Richter bewerten. Das macht es schwierig, sich einzustellen.» Schon in der Qualifikation im Slopestyle und im Big Air fühlte sich Bösch ungerecht beurteilt.

Immerhin indirekt holte die Schweiz im Slopestyle aber doch noch eine Medaille. Gold sicherte sich nämlich Alexander Hall. Der US-Amerikaner kam zwar in Alaska zur Welt, ist aber in der Schweiz aufgewachsen.

Alexander Hall: In der Schweiz aufgewachsen, aber für die USA Gold geholt.
Alexander Hall: In der Schweiz aufgewachsen, aber für die USA Gold geholt.Bild: keystone

Werners Super-Sprung im falschen Moment

Die Schweizer Skiakrobaten gingen auch im Aerials-Final leer aus. Pirmin Werner sprang als Vierter ebenso an den Medaillen vorbei wie Noé Roth, der Achter wurde. Viel fehlte nicht zur ersten Olympia-Medaille für das Schweizer Aerials-Team seit dem Olympiasieg von Evelyne Leu 2006 in Turin. Wenger lag dabei bis zum letzten Springer auf dem Bronze-Platz, wurde aber von Ilja Burow doch noch vom Podium verdrängt.

Der vierte Platz ist für Werner gleich mehrfach bitter. Der Schaffhauser holte nach Rang 4 in Mixed bereits zum zweiten Mal «Leder» in Peking. Zudem hatte er gezeigt, dass eine Medaille eigentlich realistisch gewesen wäre – in der ersten Final-Runde hatte er noch den zweiten Platz belegt. Mit seinen 126,24 Punkte hätte er im Superfinal Silber geholt.

Drama um Cadurisch

Die Schweizer Langlauf-Frauenstaffel muss den Wettkampf auf dem ersten Teilstück aufgeben. Lena Häcki wartete bei windigen Verhältnissen und eisiger Kälte vergebens auf ihren Einsatz. Ihre Team-Kollegin erschien nicht.

Eine Viertelstunde später war die Bündnerin Irene Cadurisch auf TV-Bildern auf einem Schlitten zu sehen. Sie wurde im Zielbereich medizinisch betreut, anschliessend begleitete sie der Teamarzt Patrick Noack auf die Medical Station und nach einer Stunde kam die Entwarnung. «Irene geht es wieder gut», so Noack gegenüber SRF, «es wurde ihr schwarz vor den Augen, ihr war übel und dann haben die Beine versagt.»

Der Arzt geht davon aus, es handle sich um ein Kreislaufproblem, das der Nervosität geschuldet war. «Durch das Schiessen, das ihr nicht ganz so gut gelungen ist, ist sie wohl etwas in Panik geraten. In der Staffel will man es immer besonders gut machen», so der Arzt.

Irene Cadurisch hatte am Schiessstand mit den Nerven zu kämpfen.
Irene Cadurisch hatte am Schiessstand mit den Nerven zu kämpfen.Bild: keystone

Bei den Spielen in China mussten schon andere Athletinnen dem Mix aus Kälte, Wind, Höhenlage und einer sehr schweren Strecke Tribut zollen. So musste zuletzt auch die norwegische Biathletin Ingrid Landmark Tandrevold völlig entkräftet im Ziel behandelt werden, nachdem sie auf den letzten Metern eingebrochen war und eine fast schon sicher geglaubte Medaille verpasst hatte.

Van der Graaffs Ratlosigkeit zum Karriereende

Laurien van der Graaff und Nadine Fähndrich, die WM-Zweiten im Team-Sprint, verpassten in Peking einen weiteren Coup klar. Zu einem Podestplatz fehlten rund 50 Sekunden. Insbesondere Laurien van der Graaff hatte zu kämpfen. Auf jeder ihrer drei Teilstrecken wurde der Rückstand auf die Spitze grösser, nachdem ihre Kollegin das Loch jeweils zugelaufen hatte.

Laurien van der Graaff kam im Team-Sprint nicht an ihre besten Leistungen heran.
Laurien van der Graaff kam im Team-Sprint nicht an ihre besten Leistungen heran.Bild: keystone

Beim letzten Einsatz brach die Davoserin ein und schickte Fähndrich mit einem Handicap von 48 Sekunden an Position 8 ins Rennen. Der Team-Sprint wurde diesmal in der klassischen Technik gelaufen, was den Schweizer Frauen nicht sonderlich behagt.

Die 34-jährige Van der Graaff wusste nach dem Rennen genau, dass die Wiederholung des Medaillen-Coups an ihr gescheitert war. «Ich habe schon im Halbfinal gelitten», gab die Davoserin, die Ende Saison ihre Karriere beendet, zu. «Ich habe um jeden Meter gekämpft, aber heute ist nichts gegangen», stellte sie enttäuscht, aber gefasst fest. «Ich war völlig leer. Warum, weiss ich auch nicht. In der Staffel habe ich mich auch klassisch wohl gefühlt.» Dennoch stimmte die Form nach einer sehr durchzogenen Saison wohl zu wenig.

Die Zuverlässigen sind draussen

Die Schweizer Curling-Männer wurden vor dem olympischen Turnier als eine der ganz grossen Medaillenhoffnungen gehandelt. Schliesslich hatte das Team um Skip Peter de Cruz zuletzt immer wieder gezeigt, dass man an Grossanlässen zur Hochform auflaufen kann. Bei neun der letzten elf WM- oder Olympia-Turnieren reisten die Schweizer mit einer Medaille ab, auch 2018 in Pyeongchang, als man Bronze holte.

In Peking ist aber bereits jetzt klar, dass es für das Team de Cruz keine Medaille geben wird. Gegen China kassierten die Genfer ihre vierte Niederlage in Serie und damit die fünfte in acht Spielen. Damit ist vor dem abschliessenden Gruppenspiel klar, dass die Schweiz den Halbfinal nicht erreichen kann.

Die Schweiz muss Gastgeber China zum Sieg gratulieren und scheidet aus.
Die Schweiz muss Gastgeber China zum Sieg gratulieren und scheidet aus.Bild: keystone

Team Tirinzoni als Lichtblick

Für ein vereinzeltes Schweizer Highlight am Mittwoch konnte das Curling-Team der Frauen sorgen. Die Schweizerinnen um Skip Silvana Tirinzoni, die bereits als Halbfinalistinnen feststehen, mussten gegen ein starkes Südkorea deutlich mehr kämpfen, als es der Schlussstand von 8:4 erahnen liess.

Die Schweizerinnen bleiben damit das Team der Stunde im Frauen-Wettbewerb. Der Sieg gegen Südkorea war der siebte im achten Spiel, womit man die Tabelle weiterhin anführt. Im abschliessenden Gruppenspiel trifft das Team Tirinzoni am Donnerstag um 7 Uhr Schweizer Zeit auf Japan, das gleichzeitig der mögliche Gegner im Halbfinal ist. Ebenfalls möglich ist ein Duell mit Kanada, Grossbritannien oder erneut Südkorea.

Der Medaillenspiegel

Nach 86 von 109 Entscheidungen:

So geht's morgen weiter

Mit Material der Keystone-SDA

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