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Artists perform during the opening ceremony of the XXII Winter Olympics 2014 Sochi at the Fisht Olympic Stadium in Sochi, Russia, on Friday, February 7, 2014. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

 Show der superlative

In den Tiefen der russischen Seele

Wir haben bei dieser wunderbaren Eröffnungsfeier Russland, seine Kultur und seine Geschichte kennengelernt. Vor allem aber haben wir tief in die russische Seele blicken dürfen.



Die grosse, manchmal gar bombastische Show zwischen martialischem Marschschritt und Spitzentanz, Romantik und kalter Technologie, Schwermut und Grössenwahn, Licht und Dunkelheit. Mit der dazu passenden Musik, den Gesängen, hat dieses Schauspiel Hühnerhaut ausgelöst und die Klänge waren manchmal nicht nur zu hören. Sie waren auch körperlich spürbar. Und natürlich hat Peter Tschaikowskys Schwanensee auch nicht gefehlt. 

The Russian Interior Ministry choir performs at the Fisht Olympic Stadium prior to the opening ceremony of the 2014 Winter Olympics in Sochi, Russia, Friday, Feb. 7, 2014. (AP Photo/Charlie Riedel)

Der russische Minister-Chor singt inbrünstig Heimatlieder. Bild: AP

Oder sollten wir nun eine politische Botschaft aus dieser grossen Show destillieren? Sie sozusagen als bombastische Krönungsfeier für Zar Wladimir Putin verhöhnen? Nein. Nein. Nein. Das wäre billig, unfair und unsinnig.

Mehr als sein Präsident

Das grosse, geheimnisvolle Russland, das wir mit dem Verstand sowieso nie richtig erfassen können und das so unendlich viel mehr ist als Putin und seine Entourage, hat ganz einfach seine Chance genutzt, sich einem Milliarden-Publikum zu präsentieren. 

Die Russen konnten sich dabei nicht verleugnen und ihren leidenschaftlichen Patriotismus haben wir auch gespürt. Ja, noch keine Eröffnungsfeier der Winterspiele war so authentisch, kam so tief aus der Seele des Gastlandes. 

Russische Geschichte

Die drei grossen Epochen aus Russlands moderner Geschichte sind auf wunderbare, manchmal geradezu unheimliche Art und Weise vor unseren Augen vorübergezogen. Der Zarenhof zu St. Petersburg, die Massenaufmärsche der Kommunisten und die neue Hoffnung: Modernisierung und Öffnung nach Westen – ja, das haben wir in diesem Schauspiel gesehen. 

An artist performs during the opening ceremony of the 2014 Winter Olympics in Sochi, Russia, Friday, Feb. 7, 2014. (AP Photo/Matt Dunham)

Die Organisatoren haben keine Kosten gescheut. Bild: AP

Wir freuten uns an der tänzerischen Hommage an den Dichterfürsten Lew Nikolajewitsch Tolstoi («Krieg und Frieden», «Anna Karenina», «Der Teufel»). Wir haben schaudernd das blutige Rot der Revolution von 1917 gesehen. Schaurig und unheimlich. Aber in Russland ist die Revolution bis heute eben nicht nur der Beginn einer furchtbaren Terrorherrschaft der Kommunisten. Sondern auch ein Symbol für die Modernisierung und Erneuerung. 

Das grosse Finale

Wir hörten das Glockengeläut als Tribut an die orthodoxe Kirche Russlands. Und natürlich gab es auch noch ein bisschen Raumfahrt. Sie hat schliesslich in keinem anderen Land historisch eine so grosse Bedeutung: Sputnik (der erste Satellit) und Juri Gagarin (der erste Mensch im Weltraum) waren einst Symbole der Weltmacht UdSSR, die für eine kurze Zeit im Wahn lebte, mächtiger zu sein als Amerika. 

Russian Ice Hockey legend Vladislav Tretiak carries the Olympic Flame during the opening ceremony of the XXII Winter Olympics 2014 Sochi at the Fisht Olympic Stadium in Sochi, Russia, on Friday, February 7, 2014. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Eishockey-Legende Tretjak mit der Fackel. Bild: KEYSTONE

Und dann der Höhepunkt: Wer entzündet das Olympische Feuer? Noch einmal ein Blick in Russlands Seele. Eiskunstlauf-Legende Irina Rodnina und Eishockey-Goalie Wladislaw Tretjak tun es. Wieder dieser Gegensatz, der so typisch ist für Russland: Einerseits die Eleganz und Romantik des Eiskunstlaufens und andererseits die Wucht und die Kraft, ja Gewalt des Eishockeys. Es war die eindrücklichste Eröffnungsfeier, die es je bei Olympischen Winterspielen gegeben hat.

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