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Switzerland's German coach Ottmar Hitzfeld arrives to give a press conference in Sao Paulo on July 2, 2014, the day after being defeated by Argentina during the 2014 FIFA World Cup round of 16 football match.  AFP PHOTO / NELSON ALMEIDA

Bild: AFP

Letzter Pressetermin in Brasilien

Viel Dank, viel Lob, grosse Zufriedenheit. Und was nun, Ottmar Hitzfeld?

Am Tag nach der monströsen Enttäuschung richtet sich Ottmar Hitzfeld an die Medien – begleitet von mehreren Weggefährten. Mit Leidenschaft lässt er die letzten Minuten des kapitalen Spiels nochmals Revue passieren. Und wagt den Blick in die Zukunft.



Der Delegierte der Nationalmannschaft, Peter Stadelmann, der Präsident des Fussballverbandes, Peter Gilliéron, Team-Kapitän Gökhan Inler und mittendrin: Ottmar Hitzfeld. Keine vierundzwanzig Stunden nach den so aufwühlenden Schlussminuten gegen Argentinien tritt dieses Quartett ein letztes Mal in Brasilien vor die Medien. 

Gefasst, dankbar, stolz: das sind sie alle. Aber Ottmar Hitzfeld strahlt besagte Attribute aus wie kein Zweiter. Die Worte von Verbandspräsident Gilliéron bestärken ihn. «Ottmar», sagt er, «wir danken dir für deine Arbeit für den Schweizer Fussball, deine Handschrift im Nationalteam war gut lesbar. Wir lassen dich ungern ziehen, das weisst du». 

Einen Händedruck gibt's obendrauf und die Gewissheit für Hitzfeld, in einer Atmosphäre von grosser Dankbarkeit und Freundschaft gehen zu dürfen. Was der Angesprochene sagt, was er empfindet als frischgebackener Pensionär und wie er mit einigen Stunden Abstand denkt über das an Bitterkeit kaum zu überbietende WM-Aus: 

Seine Gefühle in den Schlussminuten:

«In den letzten drei Minuten der Verlängerung habe ich nochmals alle Facetten des Profifussballs erlebt. Den Tiefschlag und Schock mit dem Gegentor zum Beispiel. Diego Benaglio schaute vor Dzemailis Pfostentreffer zu mir raus, fragend: Soll ich nach vorne oder soll ich bleiben? Und dann ist er nach vorne gestürmt, dieser verrückte Vogel! Da war alles drin, was Fussball ausmacht, unseren Sport, den wir so lieben, alle Emotionen.»

Seine Gefühle nach dem Schlusspfiff:

«Ich war mehr geschockt, als dass ich in ein Loch gefallen wäre. Diese Niedergeschlagenheit, die gehört zum Sport, genauso wie Glücksmomente und Euphorie. Viele Spieler haben geweint, waren fast nicht aufnahmefähig. Auch das gehört dazu.»

Positive Aspekte des Spiels:

«Den Spielern habe ich für ihre famose Leistung gedankt, zu ihrer Steigerung im Turnierverlauf gratuliert. Die Schweiz hat viele Sympathiepunkte gewonnen. Wir waren auf Augenhöhe mit einer der besten Mannschaften der Welt. Man wird noch lange über das Spiel sprechen. Die vornehmlich jungen Spieler haben Erfahrungen gesammelt, auf die sie irgendwann zurückgreifen können. Das gibt Kraft für die Zukunft.»

Glückwünsche zum Erreichten:

«Ich habe viele Glückwünsche erhalten, von Bekannten, Freunden, von vielen Sportgrössen, von Bundespräsident Didier Burkhalter auch. Die vielen Mitteilungen waren schön zu lesen. Aber: wenn man sie liest, kommen einem fast die Tränen. Ich will das mit Abstand geniessen, jetzt ist es noch zu emotional.»

Die Rufe nach dem Rücktritt in den vergangenen Jahren:

«Ich möchte in diesem Zusammenhang speziell dem Verband danken, weil man 2010 und 2012 hinter mir stand, als es nicht wunschgemäss lief und als Forderungen laut wurden, mich abzuschiessen. Man stand jederzeit kompromisslos hinter mir. Stattdessen gingen die sechs Jahre bei der Nationalmannschaft unglaublich schnell vorbei, wir hatten ein fantastisches Team mit fantastischen Spielern.»

Den Abschied:

«Ich bin sehr zufrieden, sehr glücklich mit diesem Abschied. Der Mannschaft danke ich, dass sie mir diesen Moment nochmals geschenkt hat.»

Liebste und grösste Gegner und andere Trainer:

«Da gibt es viele. Mit Alex Ferguson, der ja ein Freund von mir ist, habe ich immer heisse Duelle erlebt und nach dem Spiel haben wir jeweils ein Glas Wein getrunken. Dann kämen mir Lippi oder Ancelotti in den Sinn, aber auch viele mehr. Es war immer interessant zu sehen, auf wie viele Arten man erfolgreich sein kann.»

Switzerland's head coach Ottmar Hitzfeld, left, and Goekhan Inler during a press conference in Sao Paulo, Brazil, Wednesday, July 2, 2014. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der Patron mit seinem Kapitän: Ottmar Hitzfeld und Gökhan Inler bei der Pressekonferenz. Bild: KEYSTONE

Die Zukunft der Nationalelf:

«Optimismus, das empfinde ich, wenn ich an die Zukunft dieses Teams denke. Vor allem wünsche ich Vladimir Petkovic viel Glück und auch, dass er mit der Mannschaft seine ersten Spiele gewinnen kann. Das gäbe Schwung für die anstehende Qualifikation. Ich werde ihre Zukunft mit dem Herzen verfolgen. Es wäre natürlich schön gewesen, mit der Mannschaft auf die Deutschen zu treffen und sie rauszuwerfen.»

Seine eigene Zukunft:

«Ich freue mich in erster Linie darauf, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Meine Frau hat auf extrem viel verzichtet in den letzten Jahren. Langweilig wird es mir bestimmt nicht: Ich bin noch Experte beim TV-Sender Sky und halte Vorträge.»

Allfällige Reue über den Rücktritt:

«Darüber, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, bin ich sehr glücklich. Ich überlege mir Entscheidungen immer gut, und ja, es war die richtige Entscheidung zurückzutreten.»

«Deutschland wird Weltmeister. Dann kann ich doch noch jubeln.»

Ottmar Hitzfeld

Den Weltmeister:

«Wer es wird? Als Deutscher sage ich Deutschland. Dann kann ich doch noch jubeln.»

Natürlich hing die versammelte Journaille vornehmlich an Hitzfelds Lippen. Doch auch seine Mitstreiter hatten einiges zu sagen. Eine Auflistung ihrer besten Aussagen.

Peter Gillieron, president of the Swiss football association, speaks to journalists during a media conference of the Swiss national soccer team in Porto Seguro, Brazil, Friday, June 27, 2014. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Peter Gilliéron. Bild: KEYSTONE

Peter Gilliéron: 

«Rund um die Nationalelf ist in den vergangenen Stunden weltweit ein Hype entstanden, der so nach einer Niederlage fast nicht vorstellbar war. Das wäre anders gewesen, wenn wir 3:0 unter die Räder gekommen wären. Wir haben sehr, sehr viele Sympathien gewonnen.»

President of the Swiss Football League (SFL) Peter Stadelmann gives a press conference in Sao Paulo on July 2, 2014, the day after Switzerland's was defeated by Argentina during the 2014 FIFA World Cup round of 16 football match.  AFP PHOTO / NELSON ALMEIDA

Peter Stadelmann. Bild: AFP

Peter Stadelmann:

«Wir hatten den Achtelfinal erreicht, natürlich wollten wir dann mehr. Den Herausforderungen waren wir gewachsen, und zwar in jeder Hinsicht, weshalb wir auch eine durchaus positive WM-Bilanz ziehen. Das Team hat taktisch und organisatorisch klare Fortschritte gemacht gegenüber 2010. Nicht nur, dass wir uns im Turnierverlauf merklich gesteigert haben. Wir haben auch herbe Rückschläge weggesteckt, etwa die schweren Verletzungen von Mario Gavranovic und Steve von Bergen.»

«Das Team hat es geschafft, das leichte Dasein der Jugend zu verbinden mit der harten Realität des Profisports. Man hat viel mehr gelacht als auch schon und das war leistungsfördernd, wie wir gesehen haben. Ottmar Hitzfeld hat in seiner Amtszeit nochmals eine grosse Portion an Professionalität in den Verband gebracht. Jetzt nehmen wir das neue Projekt ‹Frankreich 2016› in Angriff.»

Switzerland's midfielder Gokhan Inler gives a press conference in Sao Paulo on July 2, 2014, the day after being defeated by Argentina during the 2014 FIFA World Cup round of 16 football match.  AFP PHOTO / NELSON ALMEIDA

Gökhan Inler. Bild: AFP

Gökhan Inler:

«Es war für uns alle ein sehr spezielles Spiel. Die brasilianischen Fans im Stadion wollten unbedingt einen Sieg von uns bejubeln. Das Spiel war sehr intensiv, geprägt von harten Zweikämpfen. Das Maximum dessen, was ich mit der Schweizer Nati erlebt habe. Wir waren natürlich traurig nach dem Spiel. Aber wir wissen jetzt auch: Wir sind nicht mehr die kleine Schweiz, wir haben uns Respekt erschaffen, wir müssen vor niemandem mehr Angst haben.»

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