DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild: David Vincent/KEYSTONE
Gulbis hat keine Angst vor Federer

«Die meisten haben gegen Roger schon verloren, bevor sie auf den Platz gehen. Das wird mir nicht passieren!»

Roger Federer trifft in Paris im Achtelfinal auf Ernests Gulbis. Der 25-jährige Lette ist ein «enfant terrible», das in der Vergangenheit kaum ein Fettnäpfchen ausliess, aber wegen seines Humors auf der Tennistour viele Freunde hat.
31.05.2014, 23:4001.06.2014, 00:40

Die Worte Roger Federers klingen wie ein Plädoyer für Ernests Gulbis. «Ich habe es immer lustig gefunden, wenn Spieler wie McEnroe oder Ivanisevic ihre Schläger geworfen haben», erzählt der 17-fache Grand-Slam-Champion. «Ich bin der Meinung, man sollte die Spieler ihre Emotionen ausleben lassen und fand es lässig, wenn auch mal einer mit dem Schiedsrichter diskutiert hat.»

Federer gesteht, dass er auch deshalb gegen die Einführung von Hawkeye gewesen sei. «So sind die Charaktere stärker zum Vorschein gekommen.» Gulbis sei sicher ein solcher, auch wenn er früher viel extremer gewesen sei. «Es ist unglaublich, wie gut sich die Spieler heute beherrschen, das ist ein wenig schade.»

Gelassen: Roger Federer kann über die Provokationen von Gulbis gut lachen.
Gelassen: Roger Federer kann über die Provokationen von Gulbis gut lachen.
Bild: Erika Tanaka/freshfocus
Head-to-Head: 2:1 für Federer
2010 in Doha: Federer – Gulbis 6:2, 4:6, 6:4 
2010 in Rom: Gulbis – Federer 2:6, 6:1, 7:5
2010 in Madrid: Federer – Gulbis 3:6, 6:1, 6:4

Nicht nur auf dem Platz hat Gulbis schon verschiedentlich für Schlagzeilen gesorgt. In Stockholm wurde er 2009 von der Polizei verhaftet, weil er angeblich Prostituierte angesprochen hatte. Das «Missverständnis» wurde mit einer Busse aus der Welt geschafft. Auch sonst eckt er verschiedentlich mit seinen Äusserungen an.

Am Freitag sagte er zum Beispiel, er hoffe sehr, dass seine jüngeren Schwestern nicht Tennisprofis würden. «Eine Frau muss das Leben etwas mehr geniessen. Sie muss über Familie und Kinder nachdenken. Wie willst du das machen, wenn du bis 27 Tennis spielst?» Nicht immer ist klar, wie ernst er solche Aussagen meint. Maria Schaparowa lachte jedenfalls nur und versicherte: «Er ist eben ein Witzbold, der gerne Spässe macht.»

Sehr charakteristisch: Die Ausholbewegung des Letten auf der Vorhand-Seite.
Sehr charakteristisch: Die Ausholbewegung des Letten auf der Vorhand-Seite.
Bild: KEYSTONE

Unbestritten ist aber, dass Gulbis einer der talentiertesten Spieler seiner Generation ist. Dass er seit dem French Open 2008 bis jetzt nie mehr die zweite Runde eines Grand-Slam-Turniers überstanden hatte, zeigt, wie wenig er bisher aus seinen Möglichkeiten gemacht hat. «Jetzt habe ich aber quasi im letzten Moment, mit 25 Jahren, noch die Kurve gekriegt», glaubt der Lette.

Gulbis nimmt seinen Job jetzt ernst

Lange hatte er das Training nicht ernst genommen. «Wie hätte ich mich auch aufraffen können, wenn es doch so viele Ablenkungen gibt», fragt er. «Playstation oder Fernsehen, beispielsweise.» Missen will er diese Zeit nicht. «Als Mensch bin ich heute besser dran als viele andere, denn ich habe auch die Schattenseiten des Verlierens kennengelernt.»

Dabei kann er sich glücklich schätzen. Der Sohn eines millionenschweren Investmentunternehmers und einer Theater-Schauspielerin ist in eine der reichsten Familien Lettlands hineingeboren und wurde nach Schriftsteller Ernest Hemingway benannt.

In Topform: Unmittelbar vor dem French Open hat Gulbis in Nizza seinen sechsten Turniersieg feiern können.
In Topform: Unmittelbar vor dem French Open hat Gulbis in Nizza seinen sechsten Turniersieg feiern können.

Seit er mit dem ehemaligen Becker-Coach Günther Bresnik zusammenarbeitet, geht es auch sportlich wieder aufwärts. In diesem Jahr hat Gulbis in Marseille und vor einer Woche in Nizza bereits zwei ATP-Turniere gewonnen und ist als Nummer 17 der Welt so gut klassiert wie nie zuvor. Ausserdem hat er keinerlei Angst vor Roger Federer.

«Er ist sicher der Favorit», hält der Lette fest. «Aber ich habe keine Angst. Die meisten haben gegen ihn schon verloren, bevor sie auf den Platz gehen. Das wird mir nicht passieren!» Er wisse, wie er gegen Federer spielen müsse, wolle dies aber noch nicht verraten, sagte er am Freitag. Alle drei bisherigen Begegnungen gingen über die volle Distanz von drei Sätzen, zwei zu Gunsten des Schweizers, einmal gewann Gulbis (2010 in Rom).

Kein falsche Bescheidenheit: Federer muss sich vor Gulbis nicht verstecken.
Kein falsche Bescheidenheit: Federer muss sich vor Gulbis nicht verstecken.
Bild: Reuters

Federer: «Das wird eine ganz enge Sache»

Federer ist sich vor seinem zwölften Achtelfinal in Roland Garros (eine neue Rekordmarke) der Schwierigkeit seiner Aufgabe bewusst. «Er schlägt enorm gut auf. Das wird eine ganz enge Sache.» Der grösste Vorteil für den 32-jährigen Basler könnte Gulbis' Schwäche in langen Matches sein. Der Osteuropäer hat vier seiner letzten fünf Fünfsätzer verloren. Oder dass ihn doch wieder einmal sein Temperament ein Streich spielt. (pre/si)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

«Who is the beeest? Better than the reeest?» – Federer rockt beim Davis Cup das Festzelt

20. September 2009: Roger Federer sichert der Schweiz im Davis Cup gegen Italiens Potito Starace den Liga-Erhalt und feiert danach ausgelassen im Festzelt. Dabei tritt Erstaunliches zu Tage: Der Tennis-Maestro kann singen – und zwar ganz gut.

Das Schweizer Davis-Cup-Team trifft am Wochenende vom 18. bis 20. September in Genua auf Italien. Gegen die Südeuropäer geht es für die Schweizer im Abstiegs-Playoff mal wieder um den Verbleib in der Weltgruppe.

Die ersten beiden Einzelpartien können Stan Wawrinka und Roger Federer locker in drei Sätzen für sich entscheiden. Im Doppel vom Samstag wird das Duo Marco Chiudinelli/Wawrinka von Simone Bolelli und Potito Starace jedoch regelrecht vom Platz gefegt.

Die Entscheidung muss also am Sonntag …

Artikel lesen
Link zum Artikel