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Roger Federer of Switzerland waves with the runner up trophy after losing his Men's Singles Final match against Novak Djokovic of Serbia at the Wimbledon Tennis Championships in London, July 12, 2015.                                                        REUTERS/Stefan Wermuth

Nicht zufrieden mit dem Silberteller: Aber wird Roger Federer je wieder eine Grand-Slam-Trophäe hochstemmen? Bild: STEFAN WERMUTH/REUTERS

Gewinnt Federer noch ein Grand-Slam-Turnier? 3 Gründe, die dafür und 3, die dagegen sprechen – und warum das eigentlich völlig egal ist

Er hatte den 18. Grand-Slam-Titel vor Augen, doch es sollte nicht sein. Novak Djokovic war im Wimbledon-Final einfach besser. Wir stellen die Frage, ob er nochmals einen Grand-Slam-Titel gewinnt und merken, dass das eigentlich gar keine Rolle spielt.



Sie waren gekommen, um ihn siegen zu sehen. Selten stand das Publikum bei einem Grand-Slam-Final so geschlossen hinter einem Spieler, wie gestern im ausverkauften Centre Court von Wimbledon hinter Roger Federer. Wie hätten sie ihm diesen achten Titel auf dem heiligen Rasen und den 18. Grand-Slam-Erfolg gegönnt!

Doch es sollte nicht sein. Novak Djokovic entpuppte sich als Spielverderber, als Partycrasher. Die serbische Weltnummer 1 stellte nach den ersten beiden hart umkämpften Sätzen auf Autopilot, zwang Federer immer mehr Risiko auf und zermürbte ihn schliesslich mit seinem fehlerlosen Spiel von der Grundlinie. 7:6, 6:7, 6:4, 6:3 lautete das Verdikt schliesslich aus seiner Sicht.

12.07.2015; Wimbledon; Tennis - Wimbledon 2015 - Final Maenner; Roger Federer (SUI) bei der Siegerehrung (Juergen Hasenkopf/freshfocus)

Leider wartet nicht der goldenen Siegerpokal, sondern nur der unerwünschte Silberteller auf Roger Federer. Bild: Juergen Hasenkopf/freshfocus

Federer konnte die Enttäuschung nach der Partie nicht ganz verbergen. Zwar gab sich der «Maestro» wie gewohnt als überaus fairer Verlierer, doch es war ihm anzusehen, wie sehr er sich diesen 18. Grand-Slam-Titel gewünscht hätte.

Verständlich: Viele Chancen, das Verpasste nachzuholen, werden sich Federer wohl nicht mehr bieten. Bis zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 will er mindestens noch spielen. Reicht das noch? Es gibt gute Gründe dafür und dagegen.

Noch immer hungrig
Die Kampfansage kam unmittelbar nach der Final-Pleite gegen Djokovic. «Ich bleibe weiter sehr hungrig und motiviert. Ich komme nächstes Jahr zurück und versuche, den achten Titel zu holen», versprach Federer seinen Fans im Platzinterview. 

Hat das Spiel dazu
Noch immer ist es eine Augenweide, Federer bei der Arbeit zuzusehen. Die Vorhand und der Aufschlag gehören zu den besten auf der Tour, das Netzspiel sowieso. Und sogar die einhändige Rückhand scheint wieder etwas stabiler geworden zu sein. Unter Coach Stefan Edberg spielt Federer ausserdem aggressiver als früher, was ihn unberechenbarer macht.

Kann noch immer alle schlagen
Was passiert, wenn der Federer-Motor auf Hochtouren läuft, musste Andy Murray im Halbfinal schmerzlich erfahren. Der Schotte, der vor dem Turnier als einer der heissesten Anwärter auf den Titel galt, wurde vom Schweizer teilweise vorgeführt. Nur Djokovic ist derzeit besser als Federer und auch den Serben hat er in den letzten fünf Duellen zweimal geschlagen. Läuft wieder einmal – vielleicht schon beim US Open – alles für ihn und die härtesten Konkurrenten scheitern etwas früher als gewohnt, Federer könnte doch noch die 18. Grand-Slam-Trophäe in den Händen halten.

Die Zeit rennt davon
Wir schreiben das Jahr 2015 und bis zu den Olympischen Spielen von Rio finden nur noch vier Grand-Slam-Turniere statt. Federer wird bald 34 Jahre alt. Nur Andres Gimeno konnte seit Beginn der Open-Ära 1972 beim French Open in noch höherem Alter einen Grand-Slam-Titel einfahren.

Angeknacktes Selbstvertrauen
Federer hat seit seinem Wimbledon-Sieg 2012 fast alle grossen Finals verloren – meist gegen Djokovic und meistens nur sehr knapp. Trotzdem: Das dürfte auch an Federer nicht spurlos vorbeigegangen sein. Der Glaube, den Serben das nächste Mal in die Schranken zu weisen, dürfte mit jeder weiteren Niederlage noch etwas kleiner werden. 

Viele können ihn schlagen
Auf Rasen hat ihn in dieser Saison nur einer geschlagen: Novak Djokovic. Doch auf Hartplatz und auf Sand ist die Konkurrenz deutlich näher an Federer dran als auf seiner Lieblingsunterlage. 2015 verlor Federer beispielsweise auch gegen Nick Kyrgios, Gaël Monfils, Andreas Seppi und Stan Wawrinka. Keine Frage, dass man gegen Spieler dieses Formats verlieren darf. Aber es zeigt auch auf, dass so mancher aus den Top 20 auf dem langen Weg zum 18. Grand-Slam-Titel für Federer zum Stolperstein werden kann.

Man könnte hier noch so manches Pro und Contra gegeneinander abwägen, am Ende gebührt Federer aber vor allem Respekt. Mit seiner Brillanz, seinen unglaublichen Schläge, seiner Leichtigkeit auf dem Platz und seiner Leidenschaft fürs Tennis versetzt er die Zuschauern auch nach über 17 Jahren im Profigeschäft noch immer ins Staunen. Federer bei der Arbeit zuzusehen, ist nach wie vor beste Unterhaltung – egal ob er gewinnt oder nicht.

Roger Federer of Switzerland hits a shot as coach Stefan Edberg watches during a practice session at the Wimbledon Tennis Championships in London, July 11, 2015.                                          REUTERS/Stefan Wermuth

Mit Coach Stefan Edberg will Roger Federer sich jeden Tag weiter verbessern. Bild: STEFAN WERMUTH/REUTERS

Doch das Publikum zu unterhalten, ist nicht primär Federers Ziel. Auch mit bald 34 Jahren arbeitet der Tennis-Oldie hartnäckig daran, der Beste zu sein, seine jüngeren Konkurrenten in die Schranken zu weisen. Und das obwohl er bereits mehr erreicht hat, als die meisten anderen je zu träumen wagen.

Diese Einstellung zum Sport ist schlicht bewundernswert. Deshalb sollten wir in erster Linie froh sein, dass wir Federer noch mindestens ein Jahr beim Tennisspielen zusehen dürfen – egal, ob er seinem Palmarès noch einen weiteren Grand-Slam-Titel hinzufügen wird oder nicht.

Wird Roger Federer noch einen weiteren Grand-Slam-Titel holen?

Tennisspieler mit mindestens zwei Grand-Slam-Titeln (seit 1968)

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