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Ein sichtlich gealterter Blatter windet sich im SRF: «Ich bin ja nicht ein Funktionär der FIFA»

25.11.15, 22:03 26.11.15, 11:43


TV-Interviews hat Sepp Blatter ja schon einige gegeben, seit er vom FIFA-Thron gestossen wurde, doch nun hat der ungekrönte, in Ungnade gefallene König des Ballsports, das Staatsfernsehen als Bühne benutzt. In der Rundschau stellte er sich live den Fragen von Sandro Brotz: Würde der umstrittene Funktionär Fehler einräumen?

HANDOUT - Suspended FIFA-President Joseph

Blatter und Moderator Brotz im SRF-Studio..
Bild: SRF

Der Auftakt der Sendung lässt schon nichts Gutes hoffen. Blatter sei wieder fit, kämpfe «um seine Ehre» und ein Einspielfilm zeigt nochmals Blatters Walliser Wurzeln: Er «stammt aus einfachen Verhältnissen», heisst es – dazu Klaviermusik – und weiter: «Sogar das Schulhaus wurde nach ihm benannt».

Tschau Sepp – Blatters Karriere in Bildern

Moderator Brotz gibt sich dann jedoch redlich Mühe, Blatter etwas härter anzupacken, doch der windet sich wie ein Aal und entgleitet mit seinen Antworten jeder noch so harten Nachfrage.

«Wenn man während 40 Jahren bei der FIFA arbeitet, muss man auch Verantwortung für Schlechtes tragen», sagt er etwa mit Blick auf die Festnahme von FIFA-Funktionären im Mai in Zürich entwaffnend. Und dann über den Rauswurf durch die Ethikkommission der FIFA: «Es war eine Demütigung für den FIFA-Präsidenten. Und das schmerzt.» Und dann dreht er wieder eine Pirouette:

«Ich werde kämpfen für mich, ich werde kämpfen für die FIFA.»

Oder wenn der Moderator ihn nach der kolportierten Strafe fragt, einer lebenslangen Sperre. Erst kritisiert Blatter, dass Internes in den Medien verbreitet würde, dann nennt er das Ganze «eine Möglichkeit» – um schliesslich zu belehren: 

«Ich bin ja nicht ein Funktionär der FIFA. Ich bin ein gewählter Präsident des FIFA-Kongresses.»

Blatter gab sich kämpferisch, wirkte aber gesundheitlich angeschlagen.
screenshot: srf

Und nur der könne ihn absetzen – wie im Politikbetrieb auch ein Präsident nur vom Parlament abbestellt werden könne. «Das ist mein ernst, das ist in den Statuten drin», betont der deutlich gealterte Blatter, der gesundheitlich zwar wieder fit sei, aber dennoch teilweise tatterig wirkte.

Moderator Brotz' Fragen prallten an Blatter ab wie Regen auf einer Lotusblume: Die nach dem Geschäftsgebaren mit Michel Platini 1998 kontert Blatter mit so unterschiedlichen Sätzen wie «Verträge könne auch mündlich gemacht werden» über «Bin ich denn der Buchhalter der FIFA» bis hin zu «Es ist alles in den Büchern». Und als Brotz nachhakt, ob er Korruption nicht erst ermöglicht habe, spielt der Schweizer den Ball locker zurück: Die schwarzen Schafe seien ja «alle suspendiert».

Kurz darauf versteigt er sich noch zu der Behauptung, er habe jene korrupten Funktionäre wie Blazer oder Warner «als Erbschaft übernehmen müssen». Denn er sei eben vom Kongress gewählt, die anderen bestimmt worden. Eine Überprüfung der Seriösität der Funktionäre habe die UEFA verhindert. Sagt Sepp. Es hindert ihn übrigens nicht daran, Michel Platini später einen «ehrlichen Mann» zu nennen.

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Die Frage nach seinem Gehalt von angeblich 4 Millionen Franken? Wird so pariert:

«4 Kisten, 8 Kisten – das spielt doch keine Rolle. Ist das jetzt wichtig?»

Das bleibe natürlich intern. Und wo wir bei Geld sind – zu den Aussagen des deutschen Fussball-Funktionärs Niersbach, Millionen-Zahlungen seien mit ihm abgesprochen gewesen, sagt Sepp: «So einen Blödsinn habe ich schon lange nicht gehört». Dann der Satz: «Leider bin ich suspendiert.» Er darf nicht über den Fall reden. Und dann: «Der Weltcup ist nicht gekauft. Da geht es um politische Macht.»

«Wenn sie mir alle Orden, Doktorate und Titel wegnehmen würden, könnte ich auch leben. Aber sie tun es nicht.»

Blatter spielt das Spiel geschickt wie immer. Er kokettiert am Ende mit der Aussage: «Ich bin kein schlechter Mensch!» Die Bühne im TV hat er leidlich ausgenutzt («Mein Spokesman bin ich selber») und vorgegeben, reuig zu sein: «Vielleicht hätte ich vorsichtiger sein müssen.»

Ob Blatter, der windige Aal, der FIFA wohl noch ins Netz geht. Petri heil, liebe Ethikkommission. Ihr werdet jedes Glück brauchen. 

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ignorans 26.11.2015 13:44
    Highlight Lasst den Mann doch in Ruhe auf den Tod warten. Keiner hat in den letzten 30 Jahren soviel für den Fussball getan wie er. Alle anderen (ebenfalls korrupten) Sportverbände sollten neidisch auf ihn sein.
    3 2 Melden
  • JZ4EVER 26.11.2015 09:31
    Highlight Ich habe weiss Gott kein Mitleid mit Blatter aber das ganze Theater und Bashing geht meiner Meinung nach langsam zu weit. Glaubt den irgendjemand ernsthaft, dass nur eine WM oder Olympiade ohne Mauscheleien vergeben wurde in den letzten 50 Jahren? Glaubt jemand, dass der nächste FIFA Präsident besser ist als der alte? Was Deutschland betrifft, kann ich nur sagen, dass dies eine der besten WM aller Zeiten war. Der Rest interessiert mich als Fussball Fan eigentlich nicht. Wo soviel Geld im Spiel ist, gibt es immer Korruption und Absprachen. Blatter war übrigens gegen die Vergabe der WM an Qatar
    16 8 Melden
    • Fly Baby 26.11.2015 11:08
      Highlight Genau darum, weil Sie als Fussballfans der Rest nicht interessiert, wird es immer so weitergehen.
      4 1 Melden
    • Crecas 26.11.2015 12:20
      Highlight Ich denke schon lange, dass die FIFA die WM wohin auch immer verkaufen darf, wenn sie das will. Sie soll einfach dazu stehen, alles andere ist unglaubwürdig, störend und führte zum aktuellen Fiasko.
      4 1 Melden
  • Triesen 26.11.2015 08:32
    Highlight Selten hat jemand soviel Energie eingesetzt, um sein eigenes Denkmal systematisch selber öffentlich zu demontieren...
    12 2 Melden
  • Oly 26.11.2015 07:52
    Highlight Der Herr Präsident lebt in seiner eigenen Fantasie-Welt wo er gottesgleich und engelhaft der Menschheit den Fussball geschenkt hat. Alles andere wird ausgeblendet. Der Blatter-Directors-Cut der Geschichte. Narzissmus bis zum Umfallen.
    41 5 Melden
  • Palatino 26.11.2015 00:15
    Highlight Was dem Beckenbauer sein "Schorsch Aigner" ist Sepp Blatter sein Oberwalliser Freund und Double Philemon Zurbriggen, von Insidern liebevoll PhilZ genannt. Leider hält sich PhilZ nicht immer an die von Blatter und Stöhlker gemachten Vorgaben, so dass Sepps Hauptaufgabe in den letzten Jahren die Richtigstellung PhilZscher Fehlleistungen ist, wie eben auch im aktuellen Interview mit der Rundschau.
    2 3 Melden
  • dracului 25.11.2015 23:43
    Highlight Kein Funktionär der Fifa? Der Duden sieht das völlig anders. U.a. Wikipedia auch:
    Ein Funktionär („Beauftragter“, ehrenamtlicher oder hauptberuflicher Amts- oder Mandatsträger; von lat. fungi, „verrichten“, „besorgen“, „(ein Amt) verwalten“) ist eine Person, die innerhalb einer Organisation eine Führungsposition innehat.
    37 2 Melden
    • Datsyuk * 26.11.2015 06:26
      Highlight Das habe ich mir auch gedacht. Blatter erzählt einfach Mist.
      14 1 Melden
    • manhunt 26.11.2015 09:01
      Highlight der sepp plappert einfach nach, was sich der stöhlker für ihn ausgedacht. und das der pr-man der nation nicht immer sattelfest agiert, ist hinreichend bekannt.
      7 3 Melden

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