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Das San Siro in Mailand, eines der grossartigsten Fussballstadien der Welt, ist die Heimat von Milan und Inter.
Bild: Albo/Shutterstock.com
Aus dem Geschichtsbuch

Milan ohne Ausländer? Berlusconis Träume sind eine Rückkehr zur Wurzel – Schweizer spalteten sich einst ab und gründeten Inter

Milan-Boss Silvio Berlusconi wünscht sich «eine Mannschaft nur aus jungen Italienern». Das Gedankenspiel gab es schon vor über hundert Jahren – mit dem Ergebnis, dass sich verärgerte Mitglieder abspalteten und den Stadtrivalen Inter gründeten. Massgeblich beteiligt waren Schweizer Fussballer.
06.11.2014, 15:1706.11.2014, 15:21

1899 ist die Welt in Mailand noch in Ordnung. Britische Auswanderer gründen den Milan Cricket and Football Club, aus dem später die ruhmreiche AC Milan wird. Auch zahlreiche Schweizer gehören damals im südlichen Nachbarland zu den Entwicklungshelfern in Sachen Fussball, denn die Schweiz war noch vor Italien vom Spiel mit dem Lederball infiziert worden.

Nachdem die Italiener selber gelernt hatten, wie es geht, wollten sie sich von den Ausländern abnabeln. Eine solch internationale Mannschaft wie es Milans Meisterteam 1907 war, sollte es nicht mehr geben, fanden viele gegnerische Teams. Auch im CFC Milan sind die Schweizer – obwohl erfolgreich und Teamstützen – nicht mehr länger erwünscht. Lieber sollen nur noch Italiener für die Rossoneri spielen.

«C'è solo l'Inter», die offizielle Hymne des Vereins: «Es gibt nur Inter».
Video: Youtube/fabio montanari

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Ein Bierdeckel stand dem Logo Pate

Doch nicht alle Vereinsmitglieder stehen hinter dem Meinungsumschwung. Am 9. März 1908 treffen sie sich und gründen einen internationalen Klub, den F.C. Internazionale Milano. Passend zu den vielen Schweizern, die für die Abspaltung mitverantwortlich waren, findet die Gründungsversammlung im Ristorante Orologio statt, im «Restaurant Uhrmacher».

Während der Versammlung habe sich Karikaturist Giorgio Muggiani einen Bierdeckel geschnappt und das Logo entworfen, ist in einem Artikel des Fussballmagazins «Zwölf» nachzulesen. Wohl wegen des Bierdeckels sei das Inter-Logo das erste kreisrunde in ganz Italien gewesen.

Der Schweizer Hernst Marktl, erster Kapitän von Inter Mailand.
Der Schweizer Hernst Marktl, erster Kapitän von Inter Mailand.

Miteinander ans erste Derby

Im Herbst des gleichen Jahres, am 18. Oktober 1908, kommt es zum ersten Mailänder Derby zwischen Milan und Inter – und zwar auf Schweizer Boden. Die beiden Teams treffen an der «Coppa Chiasso» aufeinander.

Vom erbitterten Hass, den Fans der beiden Teams heute gegenüber dem Gegner haben, ist noch nichts zu spüren. Inter und Milan fahren gemeinsam mit dem Zug nach Chiasso, spielen unterwegs Karten und teilen sich Brot, Salami und Wein. 2000 Zuschauer sehen Inter mit sechs Schweizer Spielern 1:2 verlieren.

Ernst Peterli schoss 1909/10 in 16 Spielen 25 Tore für Inter und wurde damit Torschützenkönig.
Ernst Peterli schoss 1909/10 in 16 Spielen 25 Tore für Inter und wurde damit Torschützenkönig.
Bild: WilNet

Die Gründer, Vonlanthen und Sforza

Insgesamt 20 Schweizer haben sich seit der Gründung das meistens blau-schwarze Trikot von Inter übergezogen. Die allermeisten von ihnen spielten im ersten Jahrzehnt des Vereinsbestehen in Mailand, so wie der erste Torschützenkönig, den der Klub stellte: Ernst Peterli. Der Ostschweizer ging später zurück in die Heimat und schoss 1914/15 Brühl St.Gallen zu dessen einzigen Meistertitel.

Echte «Legionäre» bei Inter waren bloss zwei Schweizer: Roger Vonlanthen, der spätere Nationaltrainer, von 1955 und 1957, sowie Ciriaco Sforza. Der Regisseur absolvierte in der Saison 1996/97 insgesamt 40 Partien für die Nerazzurri, bevor er zurück in die Bundesliga wechselte und Aufsteiger Kaiserslautern zum Meistertitel führte.

Ciriaco Sforza beim Heimspiel gegen Parma im Oktober 1996.
Ciriaco Sforza beim Heimspiel gegen Parma im Oktober 1996.
Bild: AP
Unvergessen
Dieser Artikel erschien erstmals am 9. März in unserer Rubrik «Unvergessen». Darin blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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