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Olten-Trainer Fredrik Söderström wird seit Monaten von einer Stalkerin verfolgt.

Sie lauert ihm auf und sieht ihn als Lebenspartner – Olten-Trainer seit Monaten gestalkt

Fredrik Söderström setzt eine junge Frau aus Norwegen, mit der er nicht in Kontakt sein möchte, mental zu. Die Polizei ist eingeschaltet.

silvan hartmann / ch media



Es ist kurz vor Sonntagmitternacht, als sich EHCO-Trainer Fredrik Söderström dazu entschliesst, das Thema nicht mehr länger für sich zu behalten und in einem emotionalen Facebook-Beitrag jene persönliche Geschichte ausführlich zu erzählen, die ihn seit Monaten beschäftigt: Fredrik Söderström, 43, wird seit fast einem Jahr von einer jungen Norwegerin, Mitte 20, angeschrieben, telefonisch terrorisiert, ja gestalkt, persönlich aufgelauert. Weil die Stalkerin unlängst auch Söderströms Familie sowie sein näheres Umfeld kontaktiert und belästigt, hofft er mit dem Post in den sozialen Medien, dass die ungebetene Geschichte endlich ein Ende hat. Für ihn. Für seine Familie. Für seine Freunde.

«Ich habe lange damit gezögert, über dieses Thema zu schreiben, in der Hoffnung, dass ich es irgendwie sonst unter Kontrolle bekomme. Aber das ist nicht der Fall und deshalb habe ich mich entschieden, euch hiermit zu sagen, dass mich und mein Umfeld ein unangenehmer Mensch beeinflusst», beginnt Söderström seinen Beitrag.

«Bist du Single?» – Im Schneesturm aufgelauert

Die einseitige Liaison beginnt im vergangenen Dezember nach einem Spiel von Storhamar, bei dem Söderström als Headcoach amtete: Eine Norwegerin gratuliert ihm via Social Media zu einem Sieg. Söderström, so offenherzig und freundlich, wie er auch gegenüber Fans ist, antwortet schlicht «Dankeschön». Daraufhin will sie wissen: «Bist du Single?» Söderström antwortet zurückhaltend und will auf die Frage des anonym gestalteten Accounts wissen: «Wer bist du?» Er erhält darauf nie eine Antwort, glaubt vielmehr an einen blöden Streich.

Doch das ist es nicht. Stattdessen entsteht eine einseitige Konversation, die Söderström vorerst ignoriert. Als es aber so weit geht, dass die Frau in Söderström ihren Lebenspartner sieht, ihn als Partner mit Kosenamen anschreibt, gemeinsame Ferien plant und ihm sogar Namen ihrer imaginären «gemeinsamen Kinder» vorschlägt, wird es so richtig unangenehm für den Schweden.

«Ich will nichts mit dir zu tun haben, nicht in irgendeiner Weise.»

Die Grenze überschreitet die Frau endgültig, indem sie Söderström auflauert. Nach einem Playoff-Heimspiel von Storhamar im März, das erst kurz vor Mitternacht zu Ende geht, schreibt sie ihm, dass sie bei seinem Auto auf ihn warten würde. Tatsächlich: Sogar ein grosser Schneesturm hindert sie nicht daran, Söderström auf dem Parkplatz in Hamar aufzulauern. Er dreht ab, geht zurück ins Büro, worauf er von seinem Assistenztrainer nach Hause chauffiert wird.

Anrufe auch auf Schweizer Handynummer

Er erzählt einem vertrauensvollen Freund davon, der ihm dazu rät, zur Polizei zu gehen. Weil die Frau einen Fehler begeht, womit sie ihre Identität verrät, hat die Polizei leichtes Spiel. Doch auch ihr sind die Hände gebunden. Die Frau entschuldigt sich bei Söderström, worauf das Thema vom Tisch schien. Doch nach einigen Wochen kontaktiert sie ihn wieder, ruft Dutzende Male an, schreibt, terrorisiert, belästigt. Söderström blockiert die Frau mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Er beschliesst zudem, ihr eine deutliche Nachricht zu schreiben. Seine Hauptaussage lässt keine zwei Meinungen zu: «Ich will nichts mit dir zu tun haben, nicht in irgendeiner Weise. Respektiere es, oder ich werde andere Massnahmen ergreifen.»

«Es ist unangenehm und nicht einfach für mich.»

Weil er nach den Playoffs das Kapitel Storhamar abschliesst, zurück nach Schweden geht und die Zukunft beim EHC Olten sieht, hofft er, dass sich das Problem von alleine regelt. Er schliesst deshalb auch ein strafrechtliches Vorgehen gegen die Person aus. Doch nun hat Söderström die Geschichte, die sich bislang nur in Norwegen abgespielt hatte, in der Schweiz eingeholt. Am vergangenen Wochenende erhält er Nachrichten und Anrufe einer norwegischen Nummer, die nur einer Person zugeschrieben werden können. Nach dem Spiel gegen Langenthal stellt er fest, dass sein Handy während der Partie über zehn Anrufe in Abwesenheit registriert hatte. Wie die Frau nun auch noch an Söderströms Schweizer Handynummer gelangte, kann er nur vermuten.

Fredrik Söderström am Montagmorgen nach dem offiziellen Olten-Training auf seinen emotionalen Beitrag angesprochen, sagt, dass er sich mit seinem öffentlichen Post ein Ende erhofft – und die Person nicht nur ihn, sondern auch sein Umfeld ab sofort in Ruhe leben lässt. «Es ist unangenehm und nicht einfach für mich.» Und Söderström ist vor allem eines besonders wichtig: «Ich möchte festhalten, dass mich diese Angelegenheit privat beschäftigt, aber meinen Job beim EHC Olten überhaupt nicht beeinflusst.»

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