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Switzerland's Roger Federer gestures with his glass of champagne at a press conference after defeating Croatia's Marin Cilic in the men's singles final at the Australian Open tennis championships in Melbourne, Australia, Monday, Jan. 29, 2018. (AP Photo/Vincent Thian)

Die Kritiker Lügen gestraft – da kann man sich auch mal einen Schluck genehmigen. Bild: AP/AP

Journalist bittet Federer in offenem Brief um Verzeihung, dass er ihn abgeschrieben hat



Viereinhalb Jahre musste Roger Federer auf seinen 18. Grand-Slam-Titel warten. 2017 beendete er in Australien diese lange Durststrecke und reihte Erfolg an Erfolg. Der «Maestro» triumphierte im letzten Sommer auch in Wimbledon und verteidigte nun auch seinen Australian-Open-Titel. 

Damit hat der mittlerweile 36-jährige Tennis-Künstler endgültig all seine Kritiker Lügen gestraft, die ihn während seiner vergeblichen Grand-Slam-Jagd bereits abgeschrieben hatten. Und das waren nicht wenige: Tennis-Legenden, Fans und Journalisten.

Zur letzten Garde gehört Charlie Eccleshare. Der Sportredaktor des englischen «Telegraph» schrieb Federer im Mai 2016 ab, als Federer geplagt von einer Knieverletzung gerade die Sandsaison abbrechen musste. In seinem Artikel «Why Roger Federer will never win another grand slam» führte der Journalist in sechs Punkten aus, warum Federer nie mehr ein Grand-Slam-Turnier gewinnen werde.

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bild: telegraph

Eccleshares Fazit: «Federers Alter, die vergebene Jagd nach dem 18. Major-Titel und die atemberaubenden Fortschritte von Novak Djokovic bedeuten, dass Federer seine Karriere höchstwahrscheinlich mit 17 Slams beenden wird.» Als 34-Jähriger sei für ihn die Anstrengung, gegen die physisch starken Modellathleten der ATP-Tour noch einmal 21 Sätze zu gewinnen, nahezu unmöglich.

Anders als viele Kollegen seiner Zunft schert sich Eccleshare aber keinen Deut um den sonst oft gerne bemühten Leitsatz «Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern». In einem offenen Brief hat sich der Tennis-Experte des «Telegraph» nun bei Federer für seine Fehleinschätzung entschuldigt.

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bild: telegraph

«Rog, es tut mir leid, dass ich dich so hoffnungslos unterschätzt habe», beginnt Eccleshare. «Damals sah die Welt noch etwas anders aus. Du warst verletzt und Andy Murray und Novak Djokovic schienen das Tennis für die nächsten Jahre zu dominieren. Und es gab noch keinen Brexit, der uns schmerzlich daran erinnert hat, dass alles möglich ist.»

«Seit ich mein Stück geschrieben habe, hast du mich nicht einmal, nicht zweimal, sondern bereits dreimal eines besseren belehrt. Jedes Mal, wenn du ein weiteres Grand-Slam-Turnier gewinnst, werde ich auf Social Media ins Lächerliche gezogen. Fair enough, ich verdiene es.»

«Geblendet von deiner vierjährigen Major-Dürre, habe ich ein paar Dinge nicht kommen sehen: Dass sich auch deine Rivalen verletzen können, dass du hart an deiner Rückhand arbeiten wirst und deinen unstillbaren Appetit auf Tennis.»

Switzerland's Roger Federer poses with his trophy after defeating Croatia's Marin Cilic in the men's singles final at the Australian Open tennis championships in Melbourne, Australia, Sunday, Jan. 28, 2018. (AP Photo/Dita Alangkara)

Hand aufs Herz: Wer hätte vor 13 Monaten gedacht, dass Federer nochmals so auftrumpfen wird? Bild: AP

«Ich hoffe, du kannst mir meine mangelnde Vorstellungskraft genauso vergeben, wie meine Unfähigkeit, zu realisieren, dass sogar der Zahn der Zeit ohne Satzverlust überwunden werden kann. Ich versichere dir, dass ich in Zukunft keine umfassenden Vorhersagen mehr machen werde.»

Wir glauben übrigens, dass Federer Mr. Eccleshare verzeihen wird. Denn Irren ist ja bekanntlich menschlich und Vergeben göttlich. (pre)

Tennisspieler mit mindestens zwei Grand-Slam-Titeln (seit 1968)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Pelegrino 31.01.2018 17:04
    Highlight Highlight Des Schweizers Schwäche, für ihn hat ein Sportler schon dann verloren, bevor der erste Satz überhaupt fertig gespielt wird.
  • Luca Brasi 31.01.2018 15:09
    Highlight Highlight Es könnten sich eigentlich so einige "Tennisexperten" mal entschuldigen wie etwa Wilander, Becker, etc. und alle anderen Profilierungssüchtigen.
    Aber ist ja nichts Neues. Wie oft werden Sportler über 30 gerne abgeschrieben. Pirlo genüge nicht mehr für Milan, Juve holt ihn und wird Meister. Die Beispiele sind unendlich.
    Ich weiss auch nicht, was für Probleme einige Leute haben.
  • DrLecter 31.01.2018 11:22
    Highlight Highlight Grossartig, dieser britische Journalist hat Stil und beweist Demut in der Sache. Da könnten sich manche Politiker hierzulande eine grosse Scheibe davon abschneiden!
  • luelle 31.01.2018 10:27
    Highlight Highlight Ich kann die Leute, egal ob Journis oder Leser, nicht verstehen. Seit Jahren läuft nach jedem GS und insbesondere nach jedem Titel von RF dieselbe Platte: Die selbsternannten Sport- und vor allem Tennisexperten kommen aus ihren Löchern und schmeissen mit irgendwelchen Prognosen um sich:

    "Üüh, der sollte besser aufhören..." oder "Ääh, der wird nächstes Jahr die Nummer 1..."

    Dieser Sport ist unberechenbar - begreift das doch endlich mal. Amen.
    • Jol Bear 31.01.2018 13:02
      Highlight Highlight Der Blick in die Zukunft, das stellen von Prognosen gehört nun mal zum daily-business der Journalisten und Sportfans. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Nachdem Djokovic das French Open gewonnen hatte und alle vier (!) GS-Titel besass, sagten die meisten, dass er alle Rekorde brechen würde und das Tennis über Jahre dominieren würde. Das war vor weniger als zwei Jahren. Die Unberechenbarkeit ist Teil des Sports, zusammen mit den Prognosen ist das das Salz in der Suppe der Diskussionen darüber.
    • Pelegrino 31.01.2018 18:40
      Highlight Highlight Heisst Amen etwa > Schluss: Besser ist mit >Anfang ohne Ende, für Federer!

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