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Swiss tennis player Roger Federer appears with his U.S. Open trophy during a photo op on the observation deck of the Empire State Building, Tuesday, Sept. 9, 2008 in New York. Federer won his fifth U.S. Open title Monday by defeating Andy Murray of England putting him one Grand Slam win away from matching American Pete Sampras. (AP Photo/Edouard H.R. Gluck)

Unverheiratet, kinderlos, jungenhaft: Roger Federer 2008 nach seinem letzten US-Open-Sieg. Bild: FR 084488 AP

Ein Jahrzehnt als «Verlierer»: 10 Jahre hat Roger Federer das US-Open nicht mehr gewonnen

Bei keinem Grand-Slam-Turnier wartet Roger Federer (37) länger auf einen weiteren Sieg als bei den US Open. 2008 siegte Federer zuletzt an diesem Turnier. Wie sieht es dieses Jahr aus?

27.08.18, 07:14 27.08.18, 08:56

Simon Häring / Nordwestschweiz



Jüngst geschah Ausserordentliches, ja für viele gar Ungeheuerliches. Da sass mit Roger Federer (37) ein 20-facher Grand-Slam-Sieger, länger die Nummer 1 der Welt als jeder andere und vor allem: ein Mann mit dem Selbstverständnis eines Siegers. Doch was er zu sagen hatte, passte so gar nicht in dieses Bild.

Er reklamierte für sich, dass er keine Lust mehr darauf habe, als Favorit zu gelten: «Ich habe beschlossen, dass ich dieses Spiel nicht mehr mitspiele.» Es gebe andere, die bei den US Open diese Rolle einzunehmen hätten. Womit er nicht ganz unrecht hatte: Denn bei keinem Grand-Slam-Turnier wartet er länger auf einen Erfolg als dort.

Roger Federer, der Sieger, blickt in New York auf ein Jahrzehnt als Verlierer zurück. Doch Federer ist die Nummer 2 der Welt, hat die Australian Open gewonnen und bei den US Open von 2004 bis 2008 fünf Mal in Folge triumphiert. Allein das macht ihn zum ewigen Favoriten. Schlüpft er nach Jahren ohne Titel bei den US Open wieder in seine Paraderolle: In die des Siegers?

2009: Ein Moment für die Ewigkeit und eine Busse

Vielleicht werden sie im Sport allzu inflationär gebraucht, die Superlative. Doch was Federer im Halbfinal gegen Novak Djokovic kreiert, ist ein Moment für die Ewigkeit. Mit dem Rücken zum Netz stehend, spielt er den Ball zwischen den Beinen hindurch am Serben vorbei und sichert sich drei Matchbälle.

Roger Federer Tweener im US-Open-Final 2009 gegen Novak Djokovic

Video: YouTube/penabaza

«Der Schlag meines Lebens. Er hatte alles: Geschwindigkeit, Präzision, Kraft.» Das Turnier aber gewinnt er nicht. Im Final verspielt er eine 6:3, 5:3-Führung gegen den 20-jährigen Argentinier Juan Martin del Potro: 6:3, 6:7, 6:4, 6:7, 2:6. Wegen eines Disputs mit dem Schiedsrichter muss Federer danach 1500 Dollar Busse bezahlen.

2010: Die Mutter aller Niederlagen und heftige Kritik

Federer erleidet in den Halbfinals gegen Djokovic eine der bittersten Niederlagen seiner Karriere, als er bei Aufschlag des Serben zwei Matchbälle vergibt. Nach dem 7:5, 1:6, 7:5, 2:6, 5:7 sagt er: «Ich kann mir nicht viel vorwerfen. Wenigstens war es nicht der Final, so kann ich es schneller abhaken. Das ist aber auch das einzige Positive.»

Novak Djokovic, left, of Serbia, is congratulated by Roger Federer, of Switzerland, following a men's semifinal match at the U.S. Open tennis tournament in New York, Saturday, Sept. 11, 2010. Djokovic won the match in five sets. (AP Photo/Charles Krupa)

Roger Federer gratuliert Novak Djokovic zu seinem Sieg im US-Open-Halbfinal 2010. Bild: AP

Weil er danach die Reise zum Abstiegs-Playoff der Schweiz in Kasachstan absagt, sieht er sich beissender Kritik ausgesetzt. Die Schweiz steigt aus der Weltgruppe ab, der Verband fordert von Federer ein Bekenntnis zum Davis-Cup-Team.

2011: Das hässliche Déjà-vu beim Wiedersehen

Als wäre die Erfahrung aus dem Jahr zuvor nicht schon schlimm genug gewesen, wiederholt sich das Szenario – am gleichen Ort, gegen den gleichen Gegner, wieder im Halbfinal. Nur noch schlimmer: Dieses Mal verspielt Roger Federer eine 2:0-Satzführung, vergibt gegen Novak Djokovic bei 5:3 im fünften Satz erneut zwei Matchbälle – dieses Mal bei eigenem Aufschlag. Federer tut sich schwer, die Niederlage zu akzeptieren: «Ich hätte niemals verlieren dürfen. Es fühlt sich falsch an: Ich sollte jetzt den Sieg erklären und nicht die Niederlage.»

2012: Eine DVD des Grauens als Abschiedsgeschenk

Es ist ein unschönes Geschenk, aber es ist das, was jeder Spieler nach jeder Partie bekommt: eine DVD des Spiels. Es sind Bilder des Grauens, die Federer sich dort vom 6:7, 4:6, 6:3, 3:6 gegen Tomas Berdych in den Viertelfinals anschauen kann.

Roger Federer, of Switzerland, reacts during a quarterfinals match against Tomas Berdych, of Czech Republic, at the U.S. Open tennis tournament on Wednesday, Sept. 5, 2012, in New York. (AP Photo/Darron Cummings)

Roger Federer weiss im Spiel gegen Berdych nicht mehr wie weiter. Bild: AP

Er sieht: 40 Fehler, 24 mit der Vorhand, seinem Paradeschlag. TV-Experte Heinz Günthardt erklärt: «Es ist passiert, was bei Roger äuserst selten vorkommt: Er war gut in Form, hatte aber einen schlechten Tag. Er ist eben auch nur ein Mensch.» Federer scheitert erstmals seit 2003 vor den Halbfinals.

2013: Gedanken an Abbruch und eine Entlassung

Im Sommer war Federer in Wimbledon bereits in der zweiten Runde gescheitert. Er kämpft mit Rückenproblemen und experimentiert mit einem neuen Racket. Und doch ist das 6:7, 3:6, 4:6 in den US-Open-Achtelfinals gegen den Spanier Tommy Robredo, gegen den er zuvor eine 10:0-Bilanz vorweist, ein Tiefpunkt.

Roger Federer, of Switzerland, walks off the court after losing to Tommy Robredo, of Spain, during the fourth round of the 2013 U.S. Open tennis tournament, Monday, Sept. 2, 2013, in New York. (KEYSTONE/AP Photo/Darron Cummings)

Geschlagen verlässt Roger Federer den Platz. Bild: AP

«Zieht man die letzten Monate in Betracht, ist es nicht überraschend», sagt Federer danach. Er überlegt sich, die Saison vorzeitig zu beenden. «Keine Ahnung, was mich erwartet.» Er spielt weiter, trennt sich aber von Trainer Paul Annacone.

2014: «Ein Gefühl, als spielte ich im Gegenwind»

Als Federer zu seinem Halbfinal gegen den Kroaten Marin Cilic antritt, gilt er als sicherer Turnier-Sieger: Djokovic, Nadal, Murray und Wawrinka sind bereits ausgeschieden, im Final wartet der Japaner Kei Nishikori, der zwei Fünfsätzer in den Beinen hat. Doch es kommt anders: Cilic beherrscht die Partie, Federer verliert 3:6, 4:6, 4:6 und sagt: «Es war, als hätte er immer mit Rückenwind und ich immer mit Gegenwind gespielt. Er war zu gut.»

2015: Das perfekte Drehbuch, nur ohne ein Happy End

Federer hatte kurz zuvor seinen Halbvolley-Return, den «Sabr», erfunden, im Cincinnati-Final Novak Djokovic gedemütigt und sich in die Favoritenrolle gespielt. Boris Becker, damals Trainer des Serben, liess sich dazu verleiten, den Schlag als «Respektlosigkeit» zu bezeichnen.

Roger Federer stellt Novak Djokovic und Boris Becker seinen neuen Schlag «Sabr» vor.

Video: YouTube/tao dark

Federer entgegnete, wohl auch amüsiert: «Novak wird nie wissen, was ihn erwartet.» Der Schweizer erreicht ohne Satzverlust den Final. Doch Roger Federer kann gegen Djokovic nur 4 seiner 23 (!) Breakchancen nutzen und verliert 4:6, 7:5, 4:6, 4:6. Sein Fazit: «Das war ein Mist!»

2016: Das Jahr der Leere und das Ende einer Serie

Erst zum zweiten Mal seit 1999 fehlt Roger Federer bei einem Grand-Slam-Turnier und erstmals bei den US Open. Er hatte seine Saison wegen Verletzungen im Sommer beendet. Mit Stan Wawrinka gewinnt gleichwohl ein Schweizer.

2017: Wenn das Ausscheiden auch eine Erlösung ist

«Aus dem Nichts drei Grand-Slam-Turniere zu gewinnen, wäre fast schon ein Witz», sagt Roger Federer vor dem Turnier. Er gilt lange als Favorit. Doch in Montreal verletzt er sich am Rücken, bis zuletzt ist offen, ob er antreten kann.

Roger Federer verliert gegen Juan Martin del Potro – die wichtigsten Momente des Spiels

Video: YouTube/Tennis Time

Schon in den ersten beiden Runden muss er über fünf Sätze. Er quält sich bis in die Viertelfinals, wo er Juan Martin del Potro mit 5:7, 6:3, 6:7, 4:6 unterliegt. Es ist eine Erlösung. Federer sagt: «Als ich vom Platz lief, ist mir durch den Kopf gegangen: Endlich kann ich mich ausruhen. Ich bin müde.» (aargauerzeitung.ch)

Roger Federer lädt sich die watson-App herunter

Video: watson

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Der müde Joe 27.08.2018 09:30
    Highlight Genau mit dieser Einstellung muss RF ans US-Open!👍🏼 Er muss niemanden etwas beweisen, nicht mal sich selbst.

    Ich würde ihm sagen:
    „Hey Roger geniesse jedes Match, ich tu es auch wenn ich dir zuschaue.😊 ob du am Ende als Gewinner oder Verlierer vom Platz gehst ist völlig wurscht, jeder Sieg ist nur noch Zugabe.“
    17 4 Melden
  • Wasmeinschdenndu? 27.08.2018 09:29
    Highlight Auch wenn es sehr schwer werden wird, hoffe ich natürlich sehr, dass es dieses Jahr wieder einmal klappt! Der Sommer war etwas durchzogen, Nadal und Djokovic beide ganz stark in Form aber vielleicht ist das ja gerade das was Federer will, nicht mehr der Topfavourit zu sein...
    8 4 Melden
  • DerSimu 27.08.2018 08:12
    Highlight "Ein Jahrzehnt als Verlierer"

    Clickbait ist schon eine tolle sache, aber übertreibt es nicht. Den Tag, an dem ein anderer Tennisspieler so erfolgreich sein wird, wie Federer erleben wir alle nicht mehr, also zeigt ein wenig Respekt.
    63 8 Melden
    • Adrian Buergler 27.08.2018 08:16
      Highlight @DerSimu: Wir verstehen natürlich deinen Punkt und wir haben grössten Respekt vor Federer. Aber die letzten zehn Jahre war Federer am Ende des US Open immer einer der Verlierer. Das gehört halt auch zur Eigenart des Tennis – es gibt am Ende eines Turniers immer nur einen Sieger oder eine Siegerin.
      16 34 Melden
    • who cares? 27.08.2018 08:33
      Highlight @Simu stimme ich dir absolut zu, obwohl ich nicht Federer's grösster Fan bin.

      @Adrian, wann hast du dein letztes US Open gewonnen?
      24 8 Melden

Lieber Roger Federer – Was wir dir zum 37. Geburtstag wünschen

Zahlreiche unvergessene Augenblicke hat Roger Federer uns beschert. Heute feiert er Geburtstag. Zeit, den Spiess umzudrehen und den Baselbieter mit Wünschen zu überhäufen.

Als Teenager hattest du ein Bäuchlein, «weil ich zu viel Schokolade ass», wie du mal erzählt hast. Wir finden: sympathisch. Den Genuss hast du dir verdient.

Der «Basler Zeitung» hast du mal verraten, dass du noch nie im Rhein schwimmen warst. Das solltest du nachholen: Kauf dir einen Wickelfisch und lass dich einfach mal treiben.

Nach Siegen, nach Niederlagen, aber einmal auch im Musical «Finding Neverland», das du mit deinen Kids besucht hast: Für deine Emotionen hast du dich nie geschämt. …

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