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Switzerland's Belinda Bencic celebrates after defeating Czech Republic's Petra Kvitova during their final match of the Dubai Duty Free Tennis Championship in Dubai, United Arab Emirates, Saturday, Feb. 23, 2019. (AP Photo/Kamran Jebreili)

Belinda Bencic beim Turniersieg in Dubai im Februar. Bild: AP/AP

Millionen-Kind Bencic über ihre schwierigen Zeiten: «Ich dachte, das Universum hasst mich»

Verletzungen, sportlicher Absturz, Abnabelung– nach drei turbulenten Jahren erlebt Belinda Bencic wieder Höhepunkte in ihrem Tennisleben.

simon häring / ch media



Belinda Bencic war einmal die Zukunft des Frauentennis. Mit 16 ist sie die beste Juniorin der Welt, gewinnt die French Open und in Wimbledon. Mit 17 steht sie bei den US Open in den Viertelfinals. Mit 18 ist sie die Nummer 7 der Welt. Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis sie ihr erstes Grand-Slam-Turnier gewinnen würde. «Alles ging sehr schnell in meiner Karriere und die Leute haben erwartet, dass es immer so weitergeht. Auch ich habe das gedacht», sagt Bencic.

ARCHIVBILD ZUM GESUNDHEITLICHEN AUSFALL VON BELINDA BENCIC, AM MITTWOCH, 3. MAI 2017 - Belinda Bencic of Switzerland throws her racket during her first round match against Carina Witthoeft of Germany, at the WTA Ladies Open tennis tournament in Biel, Switzerland, Tuesday, April 11, 2017. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Die ratlose Belinda Bencic im April 2017. Bild: KEYSTONE

Doch es kam anders. Hinter der nun 22-Jährigen liegen turbulente Jahre, in denen ihre Karriere an einem seidenen Faden hing. Ihr Körper rebellierte immer heftiger gegen die Belastungen: Einmal stoppte sie das Steissbein, dann das Handgelenk, schliesslich der Fuss. «Ich geriet in einen Teufelskreis. War eine Verletzung ausgeheilt, kam die nächste. Es war ein Albtraum. Ich dachte, das Universum hasst mich», sagte sie zur «Schweiz am Wochenende». Nach einer Operation fiel sie 2017 für fünf Monate aus und in der Weltrangliste bis auf Position 318 zurück. Ihr Stern, so schien es, war schon am Verglühen.

Das Millionen-Kind

Belinda Bencic hatte nie eine Wahl, ihr Weg war vorgezeichnet. Zwar wehrt sich Vater Ivan Bencic gegen die Version, er habe Belindas Karriere als Tennisspielerin schon vor ihrer Geburt geplant. Doch er überliess auch nichts dem Zufall. Als ihm Martina Hingis’ Mutter Melanie Molitor beschieden hatte, die Tochter sei für ihr Alter schon sehr weit, wurde Bencic zum Projekt. Am 10. Mai 2004, als sie sieben Jahre alt war, gründete Marcel Niederer, einst ein Freund von Vater Ivan aus gemeinsamen Zeiten als Eishockey-Spieler, die Kollektivgesellschaft Bencic & Partner.

Paris, 28.05.2015 - Tennis, Roland Garros French Open 2015, Marcel Niederer, Manager von Belinda Bencic (SUI) (Manuel Winterberger/EQ Images)

Marcel Niederer investierte viel Geld in die Karriere von Belinda Bencic. Bild: Manuel Winterberger

Rund eine Million Franken dürfte er in die Karriere investiert haben. Im Gegenzug amtete Niederer als Manager und liess sich eine Partizipation am allfälligen finanziellen Erfolg zusichern. Er ermöglichte Ivan Bencic, seine Arbeit aufzugeben. Er reiste mit der Tochter um die Welt. Sie hausten in billigen Hotels, schliefen im gleichen Zimmer, um das Budget zu schonen, und assen notfalls bei McDonald’s, «weil du dort wenigstens weisst, was drin ist und nichts befürchten musst.»

Portrait of Belinda Bencic, second from the left, Swiss tennis player, with mother Dana, brother Brian and father Ivan, from left to right, pictured on July 17, 2009 in Wollerau, Canton of Schwyz, Switzerland. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Portrait von Belinda Bencic, 2.v.l., Schweizer Tennisspielerin, mit Mutter Dana, Bruder Brian und Vater Ivan, von links, aufgenommen am 17. Juli 2009 in Wollerau, Schweiz. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die damals 12-jährige Belinda Bencic 2009 mit Mutter Dana, Bruder Brian und Vater Ivan. Bild: KEYSTONE

«Es wäre nichts für mich, eine Lehre zu machen und ein normales Leben zu führen.»

Belinda Bencic

Der Plan der beiden Männer ging lange auf, doch die Unabwägbarkeiten eines Lebens lassen sich nicht in einem Businessplan abbilden. Vor zwei Jahren beschloss Bencic, sich vom Elternhaus abnabeln zu wollen. Sie reiste alleine zu den Turnieren, genoss das privilegierte Leben. Vielleicht liess sie sich eine Weile lang blenden von der verheissungsvoll glitzernden Fassade des Tennis-Eldorados, hinter der sich zermürbende Routine verbirgt: dieselben Flughäfen, dieselben Hotels, dieselben Termine mit Sponsoren und Medien, dazwischen Massagen und Physiotherapie. Es ist ein Leben voller Entbehrungen und Kompromisse. Eines, das jede Woche nur einen Sieger kennt – und viele namenlose Verlierer.

Eine Verletzung als Glücksfall

Die lange Pause nach der Operation gab Bencic die Möglichkeit, ihr Leben neu zu ordnen. Zum ersten Mal hatte sie eine echte Wahl. Und sie entschied sich zum ersten Mal bewusst für das Tennis. «Es wäre nichts für mich, eine Lehre zu machen und ein normales Leben zu führen.» Doch als sie zurückkehrte, wirkte sie oft verloren, wechselte mehrfach den Trainer. Halt fand sie erst im Schoss der Familie: Ende 2018, als ihr Vater Ivan als Trainer zurückkehrte. Ihre Beziehung sei immer gut gewesen», sagte er jüngst zur «SonntagsZeitung». Sie hätten sich beide weiterentwickelt, bestätigt Belinda.

Switzerland's Belinda Bencic, right, and her father and coach Ivan Bencic, left, in action during a training session prior to the Fed Cup, World Group, 1st Round, in the Swiss Tennis Arena in Biel, Switzerland, Wednesday, February 6, 2019. Switzerland will be face Italy in the tennis Fed Cup. (KEYSTONE/Adrien Perritaz)

Ivan Bencic mit Tochter Belinda. Bild: KEYSTONE

«Belinda gehört nicht in die Region um Position 50, das weiss sie selber auch.»

Roger Federer

Bencics Erfolge sind auch der Tatsache geschuldet, dass sie körperlich in Bestform ist. Seit Sommer 2018 gehört Ex-Fussballer Martin Hromkovic, 36, zu ihrer Entourage. Der Slowake ist inzwischen auch ihr Freund. Bencic mag ihre Unbekümmertheit verloren haben, dafür hat sie an Reife gewonnen. Die Perspektiven hätten sich verändert. «Ich war jung, unbeschwert, natürlich. Seither habe ich viel gelernt.» Heute sei es so: «Gewinnt man, ist es unglaublich; wenn nicht, ist es normal. Und irgendwann misst man sich nur noch an den guten Momenten.»

Belinda Bencic of Switzerland and her fitness coach Martin Hromkovic during a training session at the All England Lawn Tennis Championships in Wimbledon, London, Wednesday, June 27, 2018. The Wimbledon Tennis Championships 2018 will be held in London from 2 July to 15 July. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bencic beim Training mit Fitness-Trainer und Freund Martin Hromkovic. Bild: KEYSTONE

Nach Monaten am Abgrund steht sie wieder auf der Sonnenseite des Lebens. «Belinda gehört nicht in die Region um Position 50, das weiss sie selber auch», sagte Roger Federer in Australien. Wichtig sei nun ein stabiles Umfeld und dass sie ohne Verletzungen bleibe. Bencic ist immer noch erst 22 Jahre alt. Doch sie ist nicht mehr die Zukunft des Frauentennis. Sie ist die Gegenwart.

Der erste Turniersieg von Belinda Bencic in Eastbourne 2015

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    Alle Leser-Kommentare
  • djohhny 24.03.2019 18:24
    Highlight Highlight Mc Donalds und wissen was drin ist - der war gut
    • Raembe 24.03.2019 18:47
      Highlight Highlight In der Schweiz würd ich seiner Aussage zustimmen, im Ausland weniger.
    • decibel 24.03.2019 19:10
      Highlight Highlight Ja das weiss man. Und dann kann man sich entscheiden, ob man es essen will.
      Ein Salat aus dem McDonalds ist nicht ungesünder als der aus dem Restaurant. Und das Risiko sich eine Lebensmittelvergiftung zu holen sicher tiefer als beim Kebapstand um die Ecke. Nichts gegen Kebap, war nur ein Beispiel:)
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  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 24.03.2019 17:54
    Highlight Highlight Belindaaa 🤗

«Ein Sprung ins Ungewisse»: Das sagt Roger Federer zu seiner Paris-Rückkehr

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