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Tennis player Duckhee Lee, of South Korea, poses following his match, Monday, Aug. 19, 2019, at the Winston-Salem Open in Winston-Salem, N.C. Lee became the first deaf professional to play in an ATP-level tennis tournament. (AP Photo/Joedy McCreary)
Duckhee Lee

Lee Duck-hee ist der erste gehörlose Spieler, der ein Spiel auf der ATP-Tour gewonnen hat. Bild: AP

Laaksonen verliert in Winston-Salem – und sein gehörloser Gegner schreibt Geschichte



Der Schweizer Henri Laaksonen scheitert in der 1. Runde des ATP-250-Turniers in Winston-Salem, North Carolina. Normalerweise ist das nur eine (enttäuschende) Randnotiz. Doch dieses Mal ist etwas anders.

Laaksonen hat gegen einen besonderen Gegner gespielt: den Südkoreaner Lee Duck-hee. Der 21-Jährige ist seit Geburt gehörlos, dennoch wurde er im Alter von 15 Jahren Tennisprofi. Nun hat er Historisches geschafft. Er ist der erste gehörlose Spieler, der in einem ATP-Hauptfeld ein Spiel gewonnen hat. «Die Leute haben sich wegen meiner Behinderung über mich lustig gemacht. Sie haben mir gesagt, ich sollte nicht spielen», sagte Lee nach dem Sieg. Aber Familie und Freunde hätten ihn den Rücken gestärkt. Und er habe es allen beweisen wollen.

«Ich hätte nie gedacht, dass ich in diesem Spiel gegen Laaksonen durchkomme», erzählte er der Koreaner nach seinem 7:6, 6:1-Sieg. «Ich wollte einfach mein Bestes geben und fokussiert bleiben, jetzt bin ich der Sieger.»

Das Leben als gehörloser Tennisprofi bringt einige Tücken mit sich. In einem Beitrag der ATP aus dem Jahr 2017 erzählt Lees Coach, dass sein Schützling immer genau beobachten muss, wie der Gegner den Ball schlägt. Denn normalerweise wäre der Klang des Schlags ein wichtiges Indiz dafür, wie schnell und mit welchem Spin der Ball geflogen kommt – übrigens ist das auch der Grund, warum es in Tennisstadien während des Ballwechsels ruhig sein soll. Doch beim Koreaner fällt das weg.

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Ein Porträt der ATP über Duckhee Lee aus dem Jahr 2017. Video: YouTube/ATP Tour

Auch die Kommunikation während des Spiels sei schwierig. «Ich habe Mühe damit, mich mit den Schiedsrichtern zu verständigen», erzählt Lee. Zwar beherrscht der 21-Jährige das Lippenlesen auf Koreanisch perfekt und kann selbst normal sprechen, doch auf der Tour ist Englisch die dominierende Sprache.

Da er die Ankündigungen des Scores nicht hört, muss er insbesondere bei kleineren Turnieren ohne Anzeigetafeln am Spielfeldrand Punkte und Games im Kopf behalten. Gegen Laaksonen wollte er einmal nochmals aufschlagen, obwohl er das Game schon für sich entschieden hatte. «Ich glaube, der Schiedsrichter hat vergessen, das Signal zu geben», so Lee, der schon dreimal an einem Challenger-Turnier im Final gestanden hat.

Trotz dieser Hürden hat die aktuelle Weltnummer 212 nie aufgegeben – und sich klare Ziele gesteckt. «Duck-hee ist ein extrem smarter Spieler. Seine grösste Stärke ist seine Mentalität», erzählt Trainer Kyu-Tae Im.

Lee habe eine extrem entschlossene Persönlichkeit, erzählt sein Cousin. Es sei ihm egal, dass er gehörlos sei. Und der Spieler ergänzt: «Das Tennis gibt mir die Möglichkeit, in der normalen Gesellschaft zu überleben. Ich will nicht anders behandelt werden. Ich habe grosse Ziele, will der beste Spieler der Welt werden.»

Den nächsten Schritt dazu kann Duckhee Lee heute Abend machen. Dann trifft er in der 2. Runde von Winston-Salem auf den an dritter Stelle gesetzten Polen Robert Hurkacz. «Ich werde das Match mit der gleichen Einstellung wie gegen Laaksonen angehen», kündigte der Koreaner an. (abu/sda)

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • JonathanFrakes 20.08.2019 12:04
    Highlight Highlight Unfassbare Leistung von Lee! Gehörlos zu sein auf dem Tennisplatz ist ein riesiger Nachteil. Um so höher ist dieser Erfolg einzustufen.
    • El Vals del Obrero 20.08.2019 20:21
      Highlight Highlight Verglichen mit Mannschafts-Feldsportarten dürfte Tennis zumindest den kleinen Vorteil haben, dass man den Gegner immer im Blickfeld haben kann und sich nicht (akustisch) nach allen Seiten orientieren muss (sofern man nicht Goalie ist).

      (Das soll seine Leistung überhaupt nicht schmälern, da er ja denoch eindeutig im Nachteil ist.)
  • Janis11 20.08.2019 11:28
    Highlight Highlight Soviel zu: Es muss zwingend leise im Stadion sein, dass sich die Spieler den Schlag oder den Aufprall des Balles besser hören können.
    • Lukakus 20.08.2019 11:51
      Highlight Highlight Frag mal Rafa. Der dreht schon durch, wenn das Dach geschlossen wird, weil dann alles anders klingt. Dann hört er seinen eigenen Treffpunkt nicht mehr richtig, was anscheinend sehr wichtig für ihn ist.
    • DonChaote 20.08.2019 23:39
      Highlight Highlight @lukakus
      Aber rafa dreht auch nur schon durch, wenn seine beiden getränkeflaschen nicht exakt ausgerichtet sind und er sich nur zweimal pro satz die unterhose aus der poritze ziehen kann. Er ist da also nicht wirklich die ultimative referenz ;)

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